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Archiv der Kategorie Sabine Schabulsky

Manfreds Sturz 2

„Lully mit seinen Gemälden erpressen? Nein. Aber sind die Bilder nicht ziemlich wertvoll? Für Spezialsammler meine ich. Akte, Erotika, Liebeskunst und so weiter. Dafür gibt es doch Liebhaber, Sammler und Auktionen! Und dann noch gemalt von einem katholischen Geistlichen. Das müsste doch auch den Vatikan interessieren… Das ist doch….“

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„AAAaaaaaahhhhh Hiiilifeeeee!“

Manfred war auf der glatten Zwiebelschale ausgerutscht und hingefallen. Sabse wusste nicht, was sie tun sollte und war völlig ratlos.

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„Sabse! Halt mich fest! Ich stürze ab! Gib mir Deine Hand!“

Aber Sabse tat nichts. Sie war wie eingefroren und erstarrt. Sie sagte nicht einmal etwas. Manfred rutschte in die Tiefe.

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Sie starrte in den Abgrund und sah Manfred unten liegen. Jetzt öffnete sie langsam den Mund „Manfred?!“ rief sie leise.

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Und so schnell sie konnte, rannte sie hinunter zu ihm.

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„Ogott! Hoffentlich ist er nicht tot,“ dachte sie und rief „Manfred! Manfred! Was ist mit Dir!? Lebst Du?“

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Sie sah wie er langsam eine Hand bewegte, also lebte er – gottseidank – noch.

Sie nahm all ihre Kraft zusammen und drehte ihn auf den Rücken. Er war ganz steif. Leise hörte sie ihn stöhnen.

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„Manfred, halt durch, ich hole Hilfe!“ Manfred konnte nicht sprechen. Er atmete nur flach.

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“Ich hole Hilfe, Manfred. Halt durch, bitte! Bin gleich wieder da. Hole einen Arzt. Ogott! Wo gibt es denn hier einen Arzt? Wo ist denn hier ein Telefon in dieser Gegend?“

Und sie hastete in die Richtung, aus der sie gekommen war. Da gab es eine Bushaltestelle am Waldrand, da war sie ausgestiegen, also musste es dort auch Menschen und Telefone geben.

Manfred, der einzige, der immer noch zu ihr gehalten hatte, den durfte sie jetzt auf keinen Fall verlieren. Er war der letzt auf der Welt, dem sie noch vertrauen konnte…

Sabse Schabulsky hatte etws Angst.

Manfreds Sturz 1

Manfred und Sabse hatten sich wieder mal verabredet.

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Es ging um nichts besonderes, Manfred wollte einfach den Kontakt nicht verlieren. Und er hatte das Gefühl, Sabse wollte das auch nicht.

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Und gerade jetzt, da Sabses Gatte als „Das Orakel“ identifiziert war und als mutmaßlicher Mörder von Edith Hübsch in Untersuchungshaft saß, wollte er sie einfach nicht so alleine lassen.

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„Warum hast Du mich denn ausgerechnet hierher bestellt, an so einen verlassenen Ort?“ begrüßte sie ihn gewohnt unfreundlich.

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„Ich dachte, wir machen einen kleinen Spaziergang, da oben rauf, genießen die Aussicht und die Natur und reden ein bisschen miteinander…?“

„Na dann los! Worauf warten wir? Gibt’s da oben ein Cafè oder so etwas? Ich hätte Lust auf Kuchen!“

„Nein, das glaube ich nicht, zumindest habe ich noch nichts davon gehört.“ Manfred ärgerte sich schon.

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Sabse war schnell oben angekommen.

„Na los, sag schon: Was hast Du auf dem Herzen? Umsonst verschwendest Du doch keine Zeit mit mir! Was willst Du? Hast Du nicht auch gegen mich intrigiert, zusammen mit den anderen? Oder hast Du noch immer die „alten Zeiten“ im Kopf? Dann sag ich Dir gleich: Vergiss es!“

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Manfred hatte den steileren Weg gewählt und schnaufte. Er versuchte ruhig zu bleiben und sich nicht aufzuregen.

„Nein, was mich interessiert ist: Die Bilder von Lully. Davon muss es doch eine ganze Menge geben, oder?“

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„Du warst doch damals dabei, Sabse. Weißt Du, was er damit gemacht hat? Hat er sie verkauft? Verschenkt? Oder stehen die noch irgendwo herum?“

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„Die Bilder! Ach Gott! Keine Ahnung! Ich denke, die hat er alle noch in seiner Pfarramtswohnung, irgendwo auf dem Speicher versteckt, wo sie keiner seiner Brüder im Glauben entdecken kann, nehme ich an. Warum? Willst Du ihn jetzt damit auch erpressen?“

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(Fortsetzung folgt.)

Frank Doll - Die Verhöre 1

Der erste, mit dem Doll über Ediths Ermordung sprach, war Cable Joe.

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Joe war zwar sehr auskunftsfreudig und kooperativ, konnte aber nichts zum Tathergang beitragen.

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Er gab an, an dieser Stelle sowieso noch nie gewesen und nur zum Wegtransport von Ediths Leiche zum Tatort gerufen worden zu sein.

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Inspektor Doll glaubte ihm. Auch die Tatsache, dass Joe Frau Hübsch offensichtlich nicht gekannt hatte, sprach zu seinen Gunsten.

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Ganz anders sah es mit Frau Schabulsky aus. “Was soll ich denn Frau Hübsch, also der Edith, getan haben? Ich bin doch wohl nicht verdächtig!?” empörte sie sich auf die ersten Fragen von Inspektor Doll.

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“Verdächtigt wird bei mir zunächst mal jeder, damit müssen Sie leben!” konterte der ziemlich kühl. “Wissen Sie Dinge über die Tote, die Sie besser nicht wissen sollten?”

“Ich weiß nicht, was Sie meinen, Herr Inspektor”, versuchte Edith, sich herauszureden. “Aber fragen Sie doch mal die brave Frau Tybbke, die hat doch in letzter Zeit mit ihr unter einer Decke gesteckt!”

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“Jetzt mal konkret gefragt: Haben Sie für andere Personen hier im Ort sagen wir mal “erotische Freizeitvergnügen” organisiert? Und gab es dazu nicht auch einen heftigen Streit in den letzten Wochen zwischen Ihnen und Frau Hübsch?”

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“Jetzt ist aber Schluss! Was soll denn das heißen? Wessen werde ich denn hier plötzlich beschuldigt? Habe ich irgend jemand umgebracht? Warum soll ich denn das getan haben? Das ist ja ungeheuert, was man mir hier vorwirft! Ich bin eine unschuldige Frau mit gutem polizeilichen Führungszeugnis, das können Sie gerne nachprüfen, Herr Inspektor.”

Und sie fing wieder das Jammern an: “Ich versuche, ein anständiges Leben zu führen, aber offensichtlich finden die Verleumder und Unruhestifter hier mehr Gehör als unbescholtene Leute wie wir!”

Sabse rauschte empört von der Stelle. Marco Grolle und Frank Doll blieben konsterniert und sprachlos zurück.

(Fortsetzung folgt bald.)

Gehscha 21 / Schluss des Dramas 2

Sie hatten sich alle zusammengefunden, um die falschen Geschichten endlich aus der Welt zu schaffen.

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Gehscha und Lully waren offensichtlich wieder ein Herz und eine Seele.

“Liebe Freunde”, begann Gehscha ihre Rede. Und dann erzählte sie alles, was sie von Lully erfahren hatte: Von seiner Leidenschaft, der Malerei, seiner “Suche nach wahrer Schönheit”, seinem Talent, im Stil alter Meister zu malen, seiner Vorliebe für Frauen mittleren Alters und molliger Fülle, die er so graziös darstellen konnte wie kaum ein anderer.

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Sie hatte sich alles zeigen lassen, was von den Kunstwerken Lullys noch da war. Vieles hatte er verkauft oder verschenkt und den Erlös, wenn es denn einen gab, in die Kirchenrenovierung gesteckt. Gehscha hatte die Leinwände gesehen, die Farbtöpfe, die halbfertigen Akte, die Zeichnungen und die Sammlung wertvoller Pinsel, die Lully schön säuberlich im Keller versteckt hatte. Sie war in Tränen ausgebrochen über so viel Anmut seiner Figuren und gleichzeitig soviel Niedertracht der Menschen, die nicht das Gute sehen wollten.

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Und gerade, als sie anfangen wollte, Sabse und die anderen Gerüchteverbreiter zu beschimpfen, stapfte Sabse Schabulsky auf die Szene.

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“Lully, wir sind geschiedene Leute! So kannst Du mit mir nicht umgehen. Das lasse ich mir nicht gefallen!”

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“Ich weiß ganz genau, was gelaufen ist. Die Story mit Deinen Gemälden kannst Du gottweißwem erzählen, aber doch mir nicht! Ich war doch dabei!”

“Sabse…!” wollte Lully sie bremsen und unterbrechen, doch er hatte keine Chance. Sabse war völlig wahnsinnig und in Rage.

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Keiner konnte sie jetzt aufhalten. “Ich wünsche Euch einen schönen Tag miteinander. Ich ziehe mich aus Eurer Gesellschaft zurück, will nichts mehr mit Euch zu tun haben. Ihr wollt die Wahrheit ja einfach nicht wahrhaben, scheint mir. Ich sage nur: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es kommt alles an den Tag. Irgendwann einmal, da könnt Ihr Gift darauf nehmen. Nicht wahr, Frau Hübsch?”

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Und damit rauschte sie hinweg und ließ eine Gruppe ratloser Menschen zurück. Soviel undurchsichtige Andeutungen und Drohungen hatten sie noch nicht auf einem Haufen gesehen. Sie waren fassungslos.

Aber erstmal waren sie alle froh, dass bei Lully und Gehscha wieder häuslicher Friede eingekehrt war. Und dass sich alle Verdächtigungen in Luft aufgelöst hatten.

Obwohl Edith und Adelheit die Geschichte vom Malen ziemlich unspannend und unbefriedigend fanden - sie mussten sich bald mal die “Nacktbilder” (Akte!) aus Lullys Pinsel und Feder zeigen lassen.

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Sie schauten Sabse lange nach und dachten: Was für ein Mensch! Wie kann man so boshaft sein?

Und was war das schon wieder mit dem Hinweis auf Frau Hübsch? Nur eine weitere Verläumdung?

Manfred 3 / Alte Bekannte Sabse

Manfred hatte Sabse alarmiert. Er musste sich unbedingt und schnellstmöglich mit ihr treffen. Wie er aus zuverlässigen Quellen gehört hatte (Hans), würde es brenzlig werden.

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Sie hatten sich in der Leder-Stahlrohr-Sitzecke verabredet. Manfred war als erster da. Er musste sie warnen. Es war kurz davor, dass man ihr auf die Schliche kam.

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„So, Manfred, worum geht’s denn so dringend“ rief sie spöttisch, als sie ihn so ängstlich da stehen sah.

„Sabse, du musst aufpassen, Deine Machenschaften fliegen demnächst auf.“

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„Was meinst Du denn mit „Machenschaften“?“ tat sie unschuldig.
„Sabse, es gibt jetzt Leute, die wissen offensichtlich genau, was damals war, weswegen Du die Flucht ergriffen hast.“ „Ich? Flucht? Keinesfalls! Ich habe woanders einen besseren Job bekommen, das war alles.“ „Egal Sabse, es muss jetzt Schluss sein. Ich weiß, dass du von Lully bezahlt wirst, damit du Deinen Mund hältst und nichts ausplauderst. Du erpresst ihn, damit nicht rauskommt, was da die letzte 10 Jahre oder so mit Unterbrechung gelaufen ist.

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„Ja, aber jetzt mach mal bitte langsam. Erstens ist das schon so lange her, und Lully hat sich das zweitens alles alleine zuzuschreiben. Edith und die anderen Mädels, die er liebte und benutzte, von denen er abhängig war… Es waren ja nicht die Ladies, die unbedingt zu ihm wollten. Er war ja süchtig geradezu, machte sie mit Messwein betrunken, versprach ihnen den Erlass von Fegefeuer und Vorhölle usw. und ich war nur die Verwalterin, die das alles koordinieren musste, damit er seinen normalen Job nebenher weitermachen konnte und keine etwas von den anderen erfuhr. Lass mich nur damit zufrieden…. Das war jede Menge Stress! Wenn er jetzt was von mir will, soll er es mir sagen.“ Und damit drehte sie ihm den Rücken zu und stapfte davon.

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„Halt halt, Sabse!” rief er ihr nach. “So einfach ist das nicht mehr. Es gibt jetzt Menschen, die davon wissen und es gibt Undine Gehscha.“

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„Ja, das schöne Mädchen Gehscha. Die hat die längste Zeit ihr Glück genossen. Sie wird bald wieder ganz brav nach Hause fahren. Darauf kannst du Gift nehmen. Entweder sie oder ich. Was weißt du denn eigentlich genau? Was für eine Verschwörung ist denn da im Gange gegen mich? Und warum ausgerechnet jetzt“

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„Was ich weiß, ist, dass sie sich gegen Dich zusammentun. Und das wollte ich Dir sagen. Rechtzeitig, der alten Zeiten wegen.“

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„Alte Zeiten? Wie süß! Was war denn da? Hatten wir auch mal was miteinander? War da was in Deinen Augen? Kannst Du Dich überhaupt noch daran erinnern? Hast Du da womöglich etwas erwartet? Das war doch nur ein Spaß, nur ein Zeitvertreib. Das kannst Du doch nicht ernst gemeint haben!“

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„Ach so, so war das also“, resignierte Manfred, „nur Spaß?“ „Ja, ein Spaß!“ „Na gut: Dann lassen wir das lieber. Reden wir nicht mehr davon. Ich habe Dir gesagt, was ich Dir sagen wollte. Edith Hübsch und Adelheit haben Dich demnächst in der Mangel. Alles weitere ist jetzt Deine Sache. Machs gut.“

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„Meine und Lullys Sache, denke ich“, rief ihm Sabse nach. Sie wusste schon lange, wie niederträchtig die ganze ehrenwerte Gesellschaft um Frau Hübsch und Frau Tybbke war. So aufrecht und sauber, die beiden. Unschuldig und naiv. Ihre Männer hielten sie im Gesangverein und unter der Küchenarmatur. Nett und freundlich unter einander, gegen andere aber, die nicht so waren wie sie, intrigant und bösartig. Solche Leute hatte sie satt.

Manfred ließ sie stehen. Er fluchte innerlich. „Dieses Stück!“ Wie konnte er mal so verschossen in sie gewesen sein? Unglaublich! Sollte sie sich doch jetzt das Hirn einrennen! Er konnte sie nicht mehr aufhalten. Er hatte sein Möglichstes getan. Ihr Mann war ja auch verschollen.

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Er war stinksauer.

Edith / Madeira

Seit Herr Schabulsky nicht mehr aufgetaucht war, lief Sabine, seine Frau, genannt die Sabse, nur noch grantelig durch die Gegend. Ihr gefiel gar nichts mehr. Nichts konnte sie erheitern oder gutfinden. Früher war es ihr Mann gewesen, dem sie alles erzählen konnte, der ihr immer zuhörte, wenn ihr etwas auf den Wecker ging. Jetzt brauchte sie immer jemand anderen, und sie nahm, wer ihr gerade über den Weg lief.

Heute traf sie zufällig Edith Hübsch, die ihren freien Tag hatte. „Na, haben Sie sich von dem Patronenüberfall wieder erholt?“ erkundigte sie sich schon gleich etwas schnippisch. „Ja sicher“, antwortete Frau Hübsch vorsichtig. „Das war ja weniger ein Überfall als einfach Vandalismus und weniger Stress als die Zeitungen berichtet haben. Sie wissen ja, da wird eine kleine Geschichte oft ganz groß aufgebläht.“

„Trotz allem, das müssen Sie doch zugeben: Jetzt sind Sie eine Berühmtheit. Da hat man doch sicherlich auch was davon, wenn man berühmt ist, oder nicht?“ Das war es also: Sabse war neidisch und eifersüchtig.

„Naja, es ist schon merkwürdig. -“ Edith gab es ganz offen zu - „Man hat mir diese Ladung Weitrauben zukommen lassen, als Anerkennung meiner Leistungen sozusagen. Was ich damit anfangen soll, hat mir allerdings niemand gesagt. Ich bin einigermaßen ratlos.“

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„Ah ja, von der Weinkellerei Pahlhuber und Söhne, die kennt man ja aus dem Loriot Vertreter-Sketch….“ „Ja? Ich nicht, aber egal…“ Edith war verwundert, dass Frau Schabulsky in kulturellen Dingen so bewandert war. „Brauchen sie nicht ein paar Kilo Trauben? Die sollen wirklich gut sein!“

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„Nein danke, da müssen Sie schon alleine damit zurecht kommen. Wo ist eigentlich Ihr Fahrer hin verschwunden?“

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„Der hat mir das hier als Tipp gegeben. Ich soll die Ladung zu Madeira Wein verarbeiten lassen, da würde ich noch am meisten dafür bekommen, bevor das ganze Zeug verdirbt. Die Trauben von Pahlhuber seien dafür der beste Rohstoff. Und jetzt sucht er gerade einen Kellermeister, bei dem wir die Ladung abladen können.“

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„Blödsinn, so was habe ich ja noch nie gehört. Das ist doch Quatsch!“ ereiferte sich Sabse und wusste es natürlich besser: „Da haben Sie sich schwer veräppeln lassen. Das stimmt so nicht. Madeira Wein braucht Trauben aus Madeira, nicht von Pahlhuber. Sowas Blödes! Da kommen sie nicht weiter.“

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„Naja, wie dem auch sei: Ich habe ja noch ein paar Tage Zeit, wenn das hier nicht klappt“, wimmelte Edith einen weiteren Meinungsaustausch ab. „Irgendetwas wird mir schon einfallen. Zur Not esse ich sie alle selber!“ „Machen Sie das, aber ich kann Sie nur warnen: Manche Mägen reagieren ziemlich sauer auf zuviel von dem Zeug. Aber jetzt muss ich los. Bis bald mal wieder. Und viel Glück noch!“ verabschiedete sich Sabse und zog triumphierend von dannen.

„Was eine seltsame Person“, dachte sich Frau Hübsch und wartete weiter auf ihren Fahrer und einen intelligenten rettenden Einfall.

PROSIT NEUJAHR !

Lully hat Ärger

Das sechzehnte Türchen.

Sabse fühlte sich total im Recht. Es war völlig richtig gewesen, dass sie nach so langer Zeit wieder zurückgekommen war. “Man musste sich einfach immer um die Leute kümmern”, dachte sie. “Sonst verlottert alles.”

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Aber dass sich Lully die kleine Japanerin aus dem Nachbarhaus angelacht hatte, das war ja schon ein starkes Stück. Was hatte die denn bloß? Nach allem, was Lully hinter sich hatte, war das ja ein ziemlicher Schritt zurück, dachte sie.

„Sag mal, mein Pope“, stichelte sie von der Seite. „Seit wann geht das denn so mit der? Wie ist sie denn so? Hmmm? Macht sie alles richtig im Haushalt und sonst so?“

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Lully hätte sich jetzt wehren sollen, das wusste er. Stattdessen wäre er aber noch lieber im Erdboden versunken. Beides konnte er nicht richtig gut. „Hör mal, Sabse. Das von damals, das tut mir leid. Das weißt du. Dafür habe ich auch schon genug gebüßt. Aber Undine…“ „Wer?“

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„Frau Gehscha!“ „Ach so!“ kreischte Sabse etwas zu laut. „Undine! Das ist ja neckisch!“ „Ja. Also Undine hat damit nichts zu tun, hörst Du? Gar nichts. Sie weiß auch von nichts. Von Dir nicht, von Edith nicht, von den andern auch nicht. Und ich will, dass das so bleibt.“

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Sabse tat entrüstet:„Na das ist mir ja mal eine prima Geschichte. Der Herr Pastor führt das tollste Leben, bandelt mit einer Frau nach der anderen an und denkt, das merkt ja keiner, das geht immer so weiter. Was? Wieviele Mahnschreiben von Deinem Bischoff hast Du denn schon bekommen?“
“Keines. Nein. Natürlich geht das nicht so weiter,“ ergab sich Lully Sabines Vorwürfen. „Nicht? Na das ist ja genau was ich meine. Das muss doch mal an die Öffentlichkeit!“ Sabse drehte die Schraube etwas enger.

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„Nein, bitte nicht!“ flehte Lully: „Ich will ja nur, dass Du mich das machen lässt. Undine soll es von mir erfahren. Nicht von einem oder einer Dritten. Verstehst Du das?“

„Naja, ich bin  ja nicht doof! Aber die Frage stellt sich schon: Was habe denn ich davon, wenn ich den Mund halte?“

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Lully zuckte zusammen. In genau diese Situation wollte er nie kommen. Jetzt saß er in der Tinte. Ganz tief. Er war erpressbar. Sein Leben war endgültig ein Chaos.

Gehscha 15 / Spannungen

Das vierzehnte Tor.

„Meine Nachbarin ist eine ganz ekelhafte Tussi“, beklagte sich Gehscha bei Lully.

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Penetrant, großspurig rücksichtslos, unverschämt,…“ „Na na, jetzt hör doch mal auf, das kann doch gar nicht so schlimm sein“, beschwichtigte Lully.

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„Doch! Wenn ich es Dir sage! Sie macht alles kaputt und mischt sich überall ein. Sie tratscht in der ganzen Nachbarschaft und erzählt Sachen, die einfach bloß gelogen sind. Was habe ich ihr denn getan? Der guten Frau Schabulsky oder wie sie heißt?“

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Lully war bei den letzten Worten innerlich zusammengezuckt. „Was war das für ein Name? Wie heißt Deine Nachbarin?“ „Schabulsky, Sabine. Alle nennen sie nur „die Sabse“. Widerlich.“

Und als hätte sie es gehört, tauchte die Sabse plötzlich auf. Wie aus dem Nichts. „Lully, mein alter Hausmann, mein Priesterchen. Du hier? Hast wohl wieder nichts zu tun und kein Zuhause, was?“

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„Und schau da hin, die Frau Gehscha ist auch da. Haben Sie ihre Schrauben inzwischen beseitigt? Ja?“

Gehscha war außer sich und holte Luft, um Frau Schabulsky jetzt mal gehörig ihre Meinung zu sagen. „Also liebe Frau Schabulsky, wenn Sie…“ weiter kam sie leider nicht, denn Sabine bügelte sie einfach lautstark nieder.

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“Wissen Sie was, Frau Gehscha, stören sie einfach mit Ihren seltsamen Bräuchen unsere harmonische Nachbarschaft nicht weiter. Lassen sie uns in Frieden leben und vor allem: Lassen Sie meinen alten Hausmann Lully in Ruhe, der hat schon genug Probleme mit sich selbst. Auf Wiedersehen. Ich hoffe, ich habe mich diesmal klar ausgedrückt!“ Sprach’s, drehte sich um und zog davon.

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„Lully!“ Gehscha war fassungslos. „Was hast Du mit dieser Person zu schaffen?“ Lully hatte ein leichtes Zittern in der Stimme: „Nichts. Ehrlich. Sie… sie war mal meine Haushälterin. Vor vielen Jahren. Sonst nichts“. „Sonst nichts?“ Gehscha wollte rot anlaufen vor Wut, das ging aber nicht.

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„Was eine Haushälterin bei katholischen Priestern zu tun hat, das hat sich doch mittlerweile herumgesprochen, denke ich. Das ist ja kein Geheimnis.“

„Es war nicht so, wie Du denkst. Ich habe sie doch nehmen müssen Ich habe sie mir nicht ausgesucht. Sie gehörte quasi zur Stelle dazu. Und sie wurde auch bezahlt…“

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„Bezahlt? Das wird ja immer schöner! Sie hat sich für ihre „Dienste“ also bezahlen lassen!“

„Nicht, wie Du denkst, Gehscha. Herrgott, bitte hör mir zu. Sei vernünftig, ich bitte Dich. Lass uns in Ruhe darüber reden!“

„Vernünftig? Ich? Bin ich etwa unvernünftig? Wer fängt denn hier das Fluchen an? Ich? Tue ich etwas Falsches? Das denke ich nicht! Ich denke eher, ich sollte mal richtig ausrasten. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Ich war immer zu vorsichtig und zu leichtgläubig, das wird es gewesen sein! Ich halte das jetzt hier nicht mehr aus. Ich muss jetzt gehen. Lass mich. Ich möchte alleine sein und nachdenken.“

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Lully war fertig mit den Nerven. Das brauchte er gerade noch. Die Sabse! Er hätte schwören können, dass sie damals für immer das Weite gesucht hatte. Aber dass sie hier noch einmal auftauchen würde, das hätte er nicht für möglich gehalten. Hoffentlich würde er Gehscha wieder zur Vernunft bringen können. Und die alten Geschichten? Würden die jetzt alle wieder aufgetaut werden? Er hatte so gehofft, dass das alles vorbei wäre…

Gehscha 14 / Schrauben

Das sechste Türchen.

Gehscha war ganz stolz.

Sie hatte vor einigen Wochen die Schraubensetzlinge in die Erde gedrückt und sorgsam angehäufelt (der kleine Garten hinter ihrem Haus hatte fruchtbaren, saftigen Sand-Humusboden). Und jetzt waren sie alle geschlüpft. Alle zusammen. Ein Schräubchen schöner als das andere.

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Gehscha war entzückt. Nach ihrer langen Krankheit endlich wieder mal ein Lichtblick. Das hier war ihr richtig gut gelungen. Wie akkurat sie alle geworden waren. Eines hübscher als das andere. Und die Gewinde so scharf und gleichmäßig geschnitten!

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„Ach, gut, dass ich Dich gerade sehe, Undine,“ rief ihre Nachbarin, Sabine Schabulsky, genannt „die Sabse“, und kam in schnellem Galopp herübergepoltert. „Pass auf“ wollte Undine gerade noch rufen, doch da hatte „die Sabse“ bereits alle Schräubchen durcheinander gekegelt.

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„Was hast du denn da wieder Ekelhaftes zusammengezüchtet! Dass die aber ja nicht in meinen Garten rüberkommen, da muss ich dich warnen, Undine. Da mache ich kurzen Prozess, verstehst du?“

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Sprach’s, kickte herrisch und erbarmungslos ein paar von den jungen Schräubchen aus dem Weg und rauschte von dannen. „Ach so, was ich eigentlich sagen wollte,“ rief sie im Weglaufen: „Das Fahrrad im Treppenhaus können wir nicht dulden. Das muss da weg. Schnellstmöglich. Wenn das jeder machen würde!“

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Undine starrte „der Sabse“ völlig entgeistert nach. Was erlaubte diese Person sich eigentlich? Wie konnte man nur so gefühls- und rücksichtslos sein? Was hatte sie denn and den netten kleinen Schräubchen auszusetzen? Die taten doch niemandem etwas. Und wieso betrat sie eigentlich einfach so ihren, Gehschas, Garten? Und was bitte war das mit dem Fahrrad? Undine Gehscha hatte gar keines! Sie konnte gar nicht Rad fahren mit ihren japanischen Schuhen. Und wieso war “Sabse” eigentlich mit ihr per „Du“? Für sie war das doch immer sehr distanziert Frau Schabulsky gewesen… Und wer waren bitteschön „wir“, die das Rad im Treppenhaus nicht dulden wollten?

Undine war völlig verwirrt, verärgert, ja außer ich wegen dieser Frechheiten und versorgte erstmal ihre kleinen, völlig verschreckten Schützlinge. und hegte Rachegedanken.

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