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Archiv der Kategorie Prof. Bongartz
Steinfest - Tortengräber
23.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das dreiundzwanzigste Türchen.
Heißa, bald ist Weihnachtstag!
Es geht um dieses sehr zu empfehlende Buch: Heinrich Steinfest, „Tortengräber. Ein rabenschwarzer Roman“, München (Piper), 2007. 284 Seiten, TB € 7,95.
Frau Lilli Steinbeck taucht hier zum ersten mal auf, die dann später in „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ groß rauskommen wird. Es ist ein „früher Steinfest“, aus dem Jahr 2000, also noch nicht ganz so voll der Spitzfindigkeiten der späteren Bücher.
Aber schon mit den schönen Beobachtungen: S. 134: „Sie legte ihre Hand auf seine Schulter als drehe sie ein Bügeleisen auf Null.“

Steinfest wettert auch hier schon ganz gerne, wenn es um die grassierende Verlogenheit und das Böse im Gewöhnlichen und im Alltäglichen geht. Das ist sehr amüsant.
Man hat beim Lesen auch den Eindruck, die Lösung des Falles und der zahlreichen Morde, die hier begangen werden, sei ihm gar nicht so wichtig, als eher das Ausspinnen von absurden Situationen und das Herumfabulieren, um die Geschichte in immer anderen Varianten darzustellen. Es ist ihm manchmal so scheint’s nicht ganz ernst mit seiner Story, Hauptsache, ihr Ablauf wird überraschend und gut.

Sehr toll ist die Konstruktion, in der er aus unterschiedlichen Blickwinkeln und durch unterschiedliche Berichte die prekären Vorgänge beschreiben lässt, wo sich Personen und Orte zeitlich überschneiden, sich aber nicht berühren. Man sieht quasi aus verschiedenen Richtungen denselben Vorgang und weiß immer schon ein bisschen mehr als die handelnden Personen in der Geschichte.
Dann gibt es eine sehr abseits dastehende, dazwischen geschobene Erzählung von Frau Resele, einer sehr sympathischen und anhänglichen Porschefahrerin, eine in die Krimigeschichte hinein geplumpste Patientin des ermordeten Psychoanalytikers.

Und durch die radikale Wendung auf S. 237 wird das allgemeine Verhängnis ein für allemal beendet bzw. in eine neue Richtung gestoßen. Steinfest hat einfach Spaß daran, völlig unwahrscheinliche Situationen herzustellen und Ereignisse auf sehr drastische Art zu kombinieren, die irgendwie dann doch zwangsläufig so sein müssen.

Ein Zitat über Österreich muss ich jetzt doch noch bringen:
S. 230: „…aber in einem Land, dessen Bürokratie trotz mahnender Worte der Experten sich internationalen Standards versperrte, also in der Hauptsache weder von Computern gesteuert noch von Interessengruppen dominiert, sondern schlichtweg von den göttlichen Größen Zufall und Irrtum bestimmt wurde, waren auch die Mächtigen und Einflussreichen nicht davor gefeit, ein Opfer des Rechtsstaates zu werden. Was sie in Verkennung der Tatsachen dann als Verschwörung begriffen. In einem solchen Land also war es angeraten, sich weniger auf die allgemeine Schlamperei zu verlassen. Als sie zu fürchten.“
Das Buch ist gut. Bitte lesen.
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Frau W. und Herr B. / Abschied 2
20.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das zwanzigste Türchen.
Jetzt waren sie ganz allein. Alle hatten ihren Abschiedsgruß hinterlassen und waren wieder gegangen.

Also gingen sie auch. Sie waren völlig entspannt.

Das Tor öffnete sich mit einem heftigen Knarren, beide Glaswände klappten langsam auf und ließen sie durch.

Dann hörten sie plötzlich leise Musik. Es hörte sich nach einem Chor an, der in der Ferne ein „trauriges“ Lied sang. (Es sollte eine Überraschng für sie sein: Es waren die Marquardts.)

Aber was er sang, das konnten sie nicht verstehen. Vielleicht waren es die Seemänner auf ihren Posten, die zur Abfahrt des Schiffes ein Abschiedslied vortrugen? Lag ja eigentlich nahe. Und dann hörten sie die Schiffshupe. Laut und dröhnend. Es war keine Zeit mehr zu verlieren.

Sie kletterten über die Rampe und waren kurz danach im Rumpf des Ozeandampfers verschwunden. Sie wollten auch eigentlich nicht mehr winken. Beide hatten jetzt genug vom Abschied.
Es war Zeit für etwas Neues.
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Frau W. und Herr B. / Abschied 1
18.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das achtzehnte Törchen.
Der große Tag war gekommen. Das Schiff sollte in wenigen Stunden auslaufen. Die letzten Vorbereitungen waren getroffen worden. Alle Gläser, Klamotten und Möbel waren verpackt und der Spedition übergeben worden. Frau Weichbrodt hatte noch mal lange über den Orakelspruch nachgedacht und immer noch keinerlei negative Warnzeichen darin entdecken können. Sie war vollkommen entspannt. Eigentlich sehr ungewöhnlich.

Undine Gehscha war die erste, die vorbei kam und tschüss sagte. Sie waren sich durch Lully oft begegnet und Gehscha war eine richtige Freundin von Frau Weichbrodt geworden. Von Herrn Bongartz allerdings gar nicht. Der war ihr einfach Wurst.

Lully und Hans kamen natürlich auch zur Verabschiedung und wünschten alles Gute. Frau Weichbrodt war etwas den Tränen nahe, als Lully und die alten Freunde von früher erzählten „Weißt du noch…?“ und ihr den Abschied schwer machten. Aber sie wollte nach vorne gucken.

Manfred hatte ihr ein texanisch-deutsches Wörterbuch mitgebracht, mit genauen Angaben, wie welche Worte in Texas auszusprechen seien und welche Satzmelodie man dafür einsetzen müsste (damit sie ganz schnell von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert werden würde).

Und schließlich fand sich Mähchen ein, die in der Zwischenzeit auf die Universität ging und Ökotrophologie studierte.

Joe war da natürlich nicht weit. Er hatte den Abschiedstag von Prof. Bongartz und Frau Weichbrodt genutzt, um Mähchen einmal wiederzusehen. Sie hatten anschließend noch etwas vor. Aber natürlich galt seine ganze Aufmerksamkeit Frau Weichbrodt und ihrem geliebten Professor Bongartz, der ja jetzt sein Schwager werden sollte.

Es war ihm schon seltsam zumute, vor gar nicht langer Zeit in Sesimi Weichbrodt seine unbekannte, verschollene Schwester gefunden zu haben und sie jetzt auf diese Art an diesen Menschen wieder zu verlieren.
(Der Schluss folgt in 2 Tagen.)
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Chappaz - C.
15.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das fünfzehnte Türchen.
Man muss das nicht lesen, ich habe es eigentlich auch nicht getan:
Maurice Chappaz „Das Buch der C.“, Frauenfeld (Verlag Der Bärenhüter im Waldgut) 1994, 121 Seiten, zur Zeit vergriffen.

Darin setzt Chappaz, ein Schweizer, der französisch schreibt, seiner 1979 verstorbenen Frau Corinna Bille „ein einmaliges Lebens-Mal“.

Der Klappentext sagt alles, was nowendig und richtig ist.
Chappaz kennt man von seinen Büchern über das Lötschental und über die Walliser.
Als Dichter war er mir neu. Ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Aber so geht das nun mal. Ich sollte es einfach noch mal lesen. Jetzt wo ich weiß, worum es geht.

Ich zitiere mal noch eine verständigere Kritikerin von Amazon: „Ein wunderschönes, großartiges Buch. Eine Liebeserklärung an seine verstorbene Frau, voller Trauer, Verlassensein, so daß der Leser sich gegen die Schwere kaum zu wehren vermag. Chappaz verfügt über eine grandiose Sprache, die es ihm möglich macht, sich den Lesern zu öffnen.“

Nun denn.
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Frau W. und Herr B. / Orakel 2
4.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das vierte Türchen…:
Die alles entscheidenden Frage „Kann man aus Erdbeeren Wurst machen und wen ja, wie?“ stand auf einem Blatt Papier, das Herr Professor Bongartz und Frau Weichbrodt jetzt mit viel Gefühl aber auch mit Nachdruck durch das Herz in der Orakeltür drückten.

Und es passierte, was passieren sollte. Herr Manfred drückte es später in der Wirtschaft gegenüber Hans und den anderen Mittrinkern so aus: „Dann hörte man einen verzwickten, unterdrückten und verstohlenen, perfiden Pubs. Nicht laut, aber trotzdem nicht überhörbar. Wir überhörten den Brummer natürlich verschämt, aber dennoch kichernd. Dann… endlich, die Tür öffnet sich – trotz guter Ölung – knarrend und ausladend. Wir wichen alle zurück und warteten gespannt auf die Prophezeiung des allmächtigen Orakels“

„Jeder wünschte das Abbild des Orakels zu erblicken,“ fuhr Manfred geschwollen fort, „doch durch den suppigen und schweren Myrrhe- und Weihrauchnebel…“ (hier übertrieb Manfred maßlos) „…war nur ein unscharfes Bild des wundersamen Orakels zu erkennen… Das Orakel ist uneinsehbar und unerreichbar hinter dem gepanzerten Feuilleton eines Tageblattes verborgen. Dahinter muss ja normalerweise ein schlauer oder ein aufgeweckter Kopf stecken, der den Bürgern den Weg weisen kann.“

„Wieder war ein Pubs zu vernehmen, alle horchten wir auf. Oh ja, das Orakel hatte gesprochen! Alle wussten nun den Weg, das Ziel, den Sinn und alles andere, was wir anstreben sollen und müssen. Vor allem natürlich die beiden Amerikafahrer“

In Wirklichkeit hatte das Orakel natürlich mehr als „einen Pubs“ von sich gegeben. Das war Manfreds Version der Geschichte, wobei Manfred die eigentliche Antwort des Orakels gar nicht richtig hören konnte. Das Orakel sagte in etwa folgendes (oder flüsterte es eher):
„Frühstück: Grottenschlecht. 1 x Rote „Erdbeerwurst“, 1 x andere Wurst (rollte sich nach wenigen Tagen selbstständig zusammen), 1 x immer den gleichen Käse, Eier waren mittlerweile blau gekocht, Spiegeleier, Speck, Schmalzringe, Tomaten, Würste (würgh).
Größtenteils 1 ! Sorte (Fertig)Marmelade, übersüßte wässrige Fruchtsaftgetränke aus Automat
4 Sorten Müslibestandteile, Kaffee Teebeutel, hier und da Schüssel Joghurt, Toast, „Aldi“Brötchen, hier und da mal Crossaints …..
Mittagessen: Kantinenfutter. Pommes (matschig), Nudeln (geschmacklos) lieblos zurechtgehackter Salat, Fleisch, das man irgendwann nicht mehr sehen konnte.
Abendessen: Die ersten 4 Tage (Vor Anreise vieler Gäste) annehmbar gut, dann täglich schlechter werdend. Resteverwertung = Bsp: Tag 1 Hühnchen – Tag 2 Hühnchenspieße (Trocken) – Tag 3 Hirtentopf o. „Paela“ mit Hühnchen (gleiches Fleisch) – Tag 4 gleicher Hirtentopf/“Paela“ mit Spiegeleier vom Morgen. Die Wurst und andere Bestandteile fand man immer im Mittag, bzw Abendessen wieder. Hier und da gabs auch mal ein Highlight, das waren aber eher die Ausnahmen. Viel Fertig-Parniertes für die Friteuse
Gut: Eis für Kinder, Annanas (bis auf die alte braune), Melonen gabs immer, Wackelpudding in allen Spektralfarben, Kuchen, Pudding.
Vegetarier, Zuckerkranke … besser in ein anderes Hotel !
Auswahl: Bescheiden.
Getränke: Gut bis wässrig. Longdrinkzutaten wurden immer weniger, Bier absolut ok !, Wein mal gut mal undefinierbar (metallischer Geschmack). Cocktails und Sangria nur gegen Bezahlung
Empfehlenswert: Rose-Wein, Bier. Whiskey allemal.“
Damit war dann wohl alles gesagt! „Bier absolut ok !“ „Whiskey allemal.“
„War das denn jetzt die Antwort auf unsere Frage?“ Frau Weichbrodt war unsicher. Sie meinte, aus den Sätzen des Orakels ein „Nein“ herausgehört zu haben, man könne keine Wurst aus Erdbeeren machen. Herr Bongartz glaubte, ein klares „Ja“ verstanden zu haben, aber mit einem großen „Aber“ dahinter. Der kritische Ton der Speise gegenüber war unüberhörbar.

Wie dem auch sei. Schließlich war für sie alle die Befragung erfolgreich. Beide nahmen es als gutes Zeichen, dass das Orakel so ausführlich geantwortet hatte. Und beide hatten sich die Worte des Orakels ganz genau eingeprägt. Nicht eine Silbe davon würden sie jemals vergessen. Die Türe quietschte wieder zu und mit einem lauten „klack“ wurde sie wieder von innen verriegelt. Das Orakel wollte wieder alleine sein.
Edith Hübsch eilte wieder nach Hause, von wo sie mitten aus einem Großputz aufgebrochen war, um dem Orakelspektakel zuzugucken. Manfred machte sich auch auf in die Kneipe, wo Hans schon auf ihn wartete, der Depressive.
Frau W. und Herr Professor B. zogen ebenfalls von dannen. Arm in Arm. Sie hatten eine große Zukunft vor sich. „Auf nach Texas,“ dachte sie, „der Sonne entgegen.“
Geschrieben in Edith Hübsch, Das Orakel, Manfred, Prof. Bongartz, Frau Weichbrodt, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
Frau W. und Herr B. / Orakel 1
2.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das zweite Türchen:
Draußen vor der Stadt, an einem stillen Örtchen in einem kleinen Wäldchen hauste das „Orakel”. Viele aus dem Bekanntenkreis von Frau Weichbrodt wussten davon, niemand kannte jedoch das tatsächliche Alter des Orakels und nur selten wurde es noch von den Bürgern befragt.

Frau Weichbrodt hatte sich hier mit zwei alten Freunden als Beistand verabredet, um sich Klarheit über ihre und Herrn Bongartz’ Zukunft zu verschaffen. Das Orakel funktionierte so, dass man seine Frage auf einem Stück Papier durch das Guckloch des Orakel-Häuschens warf, um danach „erhört zu werden und die Prophezeiung und allmächtige Segnung zu höheren Weihen zu erfahren,“ wie es umständlich in den alten Schriften hieß.

Manfred war als erster angekommen, auch er ein überzeugter Anhänger und Gläubiger des Orakels. Er wusste von früher, dass das heute ein ganz besonderer Moment werden würde. Er hatte schon einigen Befragungen beigewohnt.
Edith Hübsch kam als nächste. Sie war eine entfernte Bekannte von Manfred, ehemalige Kollegin und vertraute Kaffeeklatschtante von Frau Weichbrodt.

„Haben Sie so was schon mal mitgemacht?“ fragte sie Manfred. „Ja, ein paar Mal schon,“ sagte er. „Es ist manchmal richtig unheimlich. Manchmal wartet man lange. Meist passiert nicht viel… Manchmal rumpelt es, manchmal raschelt es… ab und zu schnarcht es… allen stockt dann der Atem, vor allem wenn’s mal lauter rumpelt. Durch das Herzchen sieht es dunkel aus, aber trotzdem regt sich immer wieder was, bzw. schillert immer wieder etwas durch.“
„Ach, hören Sie auf, das glaub’ ich nicht!“ lachte Frau Hübsch nervös. Aber da kamen auch schon der Professor und ihre alte Freundin.

Beide wollten die Orakelbefragung schnell hinter sich bringen. Frau Weichbrodt hatte zuhause noch alle Hände voll zu tun, Herr Bongartz fand die Befragung eigentlich – und das hatte er auch ausdrücklich betont – „so unnötig wie einen Zweitkropf.“ Aber Sesimi wollte sich einfach sicher fühlen.
Sie hatten sich gemeinsam eine Frage überlegt, die für ihre gemeinsame Zukunft ausschlaggebend sein sollte. Sie lautete: „Kann man aus Erdbeeren Wurst machen und wenn ja, wie?“
Mit dieser Frage, die natürlich auch auf das Ende von Herrn Mindernickel anspielte, sollte entschieden werden, ob sie zusammen eine lange und gemeinsame Zukunft haben und ob sie miteinander glücklich werden würden oder nicht.
Auf ein Blatt Papier, das entsprechend den altertümlichen Vorgaben aus dem großen Buch „Origami“ des Orakels gefaltet war, hatten sie die Frage in deutlicher Handschrift gemalt. Das würden sie jetzt dem Orakel unterbreiten.
(Fortsetzung folgt in ca. 2 Tagen.)
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Frau W. und Herr B. / Verzaubert 2
26.11.2007 von Heiner.Eberle.
Es war wie früher mit ihrem verflossenen Herrn Mindernickel. Sie stieg ihrem Beschützer nach. Wie Herr Mindernickel damals im Brötchen oder in der Erdbeere, so war es jetzt der Metzgersprofessor aus Texas, der ihre Begleitung benötigte, ansonsten er sich sicherlich das Hirn irgendwo einrennen würde. Da war sie sich ziemlich sicher. Männer waren ja alle gleich.

Und was hatte sie gesagt: Der Weg auf das Hochplateau führte über einen völlig anderen Weg, als der gute Professor vermutet hatte, nämlich über die Nordwand. „Alle möglichen Permutationen (Stellungen) bilden die Menge G_W. Jede Stellung ist durch eine Verknüpfung der sechs Grundpermutationen B_W = \{V, H, R, L, O, U\} subset G_W zu erreichen, die mit der zweistelligen Verknüpfung circ: G x G rightarrow G verbunden werden. Da hättest du auch selbst draufkommen können, mein geliebtes Dickerchen,“ flüsterte sie ihm schnurrend ins Ohr, als er bei ihr angekommen war.

Und sogar Hans hatte einen Teil des Aufstieges schon geschafft. „Ich weiß bloß eins”, grummelte er: “Wenn ein Eckwürfel verdreht ist, dann ist immer eine weitere Ecke verdreht. Wenn eine Kante verdreht ist, dann ist immer eine weitere Kante verdreht. Und wenn zwei Eckwürfel in ihrer Stelle vertauscht sind, dann sind automatisch auch zwei Kanten miteinander vertauscht.“

Der Herr Professor (der sich nicht so gerne „Dickerchen“ nennen ließ) und Frau Weichbrodt genossen die Aussicht und die Ruhe oben auf dem hohen Plateau. So Eines Geistes Kind zu sein und sich quasi blind zu verstehen und sich zu vertrauen, das war schon eine sehr prickelnde Erfahrung. Das hatten beide sich nicht so schön vorgestellt. Es war alles viel besser, als sie es erwartet hatten.

„Na, wann soll’s denn losgehen über den großen Teich in die Neue Welt?“ fragte neugierig schnodderig Hans, „…muss doch dann vorbeikommen und viel Glück und gute Reise wünschen.“ „Am 18. Dezember, wenn alles klappt“, sagte Frau Weichbrodt und schauderte etwas, als sie daran dachte, dass es bis dahin ja nur noch wenige Wochen sein würden. Wie sollte sie denn alles vorher erledigen, das war ja völlig unmöglich… Leichte Panik überfiel sie und ein kleiner Schatten legte sich über ihre Hochstimmung. Aber dann dachte sie daran, dass das Leben in Texas mit ihrem geliebten Professorchen ganz prima werden würde, mit all den netten Tieren und der schmucken Wurstfabrik. Und außerdem würde ja auch das Wetter in Texas um einiges besser sein als der grippeträchtige Schmuddel, den sie hier vor Weihnachten durchzustehen hatten.

„Ich habe zuhause eine ganz besondere Überraschung für Dich, glaube ich“, flüsterte Bongartz Sesimi ins Ohr. „Nämlich einen Megaminx. Kennst du den? Der Megaminx verfügt über 50 bewegliche Teile (im Gegensatz zum Zauberwürfel, der nur über 20 verfügt). Davon sind 30 Kantenstücke mit 2 Farben und 20 Eckstücke mit je 3 Farben. Die fünfeckigen Mittelsteine sind fixiert am Grundgerüst des Puzzles und ändern ihre relative Lage nicht.

Das führt zu einer maximalen Obergrenze möglicher Kombinationen von 30!·20!·2hoch30·3hoch20. Da mechanismusbedingt nicht jede Stellung erreichbar ist, verringert sich diese Anzahl auf 30!·20!·2hoch27·3hoch19 ~ 10hoch68. Aber das reicht ja auch. Wäre das nichts für Dich?“

Frau Weichbrodt konnte sich kaum auf den Beinen halten, so weich waren ihre Knie während der letzten Sätze des Professors geworden. Endlich jemand, der ihre Obsessionen verstand. Nichts konnte schöner sein. Auf nach Texas. Mit ihm.
Nicht verpassen: Am 18. Dezember kann man den beiden tschüss sagen.
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Frau W. und Herr B. / Verzaubert 1
24.11.2007 von Heiner.Eberle.
Die beiden hatten sich gefunden und ließen sich nicht mehr voneinander trennen.
Alles unternahmen sie gemeinsam. Herr Professor Bongartz hatte noch einige Wochen Zeit, bevor er wieder in das heimatliche Texas zurückfliegen musste (natürlich mit Frau Weichbrodt zusammen) und das genossen sie ausgiebig.

Frau Weichbrodt zeigte ihrem Lebensgefährten ihren ganzen Stolz, einen alten Zauberwürfel, den sie sich noch aus der Zeit, als sie Mathematik unterrichtete, im Garten aufbewahrt hatte.

Herr Bongartz kannte so ein Ding zwar auch – er hatte zuhause etwas ganz ähnliches stehen – wusste aber nicht wirklich etwas damit anzufangen. Er hatte sich noch nie ernsthaft damit beschäftigt.

Frau Weichbrodt erklärte ihm die Grundbegriffe, die man brauchte, wenn man eine Lösung auf logisch-mathematischem Wege dafür suchte: „Es gibt Ecksteine: Die acht Ecksteine verbinden je drei angrenzende Flächen in den Ecken. Dann gibt es 12 Kantensteine, die je zwei angrenzende Flächen in den Kantenmitten verbinden. Und schließlich kennen wir Mittelsteine: Die sechs Steine in der Mitte der Würfelflächen besitzen zueinander konstruktionsbedingt immer dieselbe relative Lage und bestimmen so, welche Farben aneinandergrenzen müssen.“

Davon war Herr Bongartz zwar hoch beeindruckt, aber es war für sein Gemüt dann doch etwas zuviel. Er war eher der Praktiker, der so ein Problem nicht im Kopf, sondern durch Ausprobieren lösen wollte. Glücklicherweise kam Hans dazu, der früher immer den Würfel ölen musste, wenn er mal wieder zu sehr quietschte.

„Die erste theoretische optimale Lösung stammt von Richard Korf, der 1997 zeigte, dass die durchschnittliche optimale Lösung 18 Züge benötigt”, fuhr Frau Weichbrodt fort. “Er ging außerdem davon aus, dass nie mehr als 20 Züge erforderlich sind, jedoch konnte er das nicht beweisen. Mitte 2007 gelang es Computerforschern, eine Software zu programmieren, die den Würfel in maximal 26 Zügen löst (der bisherige Rekord lag bei 27 Zügen). Durch immer schnellere Computer mit größerer Rechenleistung ist zu erwarten, dass auch dieser Rekord gebrochen wird. Ob man jedoch jemals an die 20 Züge heran kommt - sofern die Theorie der 20 Züge, die man bis heute nicht beweisen konnte, überhaupt der Wahrheit entspricht - ist damit nicht gesagt.“ Herr Bongartz bewunderte das Wissen seiner geliebten Sesimi, aber viel mehr reizte es ihn, das gute Stück von oben in Augenschein zu nehmen.

Und so bestieg er die rechts außen liegende Flanke. „Der Würfel kann als mathematische Gruppe aufgefasst werden,“ rief Frau Weichbrodt zu ihm hinauf. „Hierfür wird jede Stellung als eine Verknüpfung der sechs möglichen Basis-Permutationen B = \{V, H, R, L, O, U\} betrachtet.“

Die Fortsetzung hiervon folgt in etwa 2 Tagen.
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Genazino - Regenschirm
17.11.2007 von Heiner.Eberle.
Vor kurzem fertig gelesen, nicht mehr ganz druckfrisch das Werk, aber nach wie vor erwähnens- und lobenswert:
Wilhelm Genazino „Ein Regenschirm für diesen Tag“, Roman, München (Hanser) 2001, oder als Taschenbuch bei dtv, € 8,–, 170 Seiten.

Berichtet wird von einem Mann im „Stadium der Existenzlosigkeit“, so heißt es einmal, von einem „Schuhtester“, dem man die Existenzgrundlage halbiert. Aber das ganze Buch ist ein sehr freud- und lustvolles, eigentlich.
Es enthält die nettesten Beobachtungen: „Wahrscheinlich liebt die Mutter den Staubsauger, weil das Gerät ihr vortrefflich dabei hilft, unerreichbar zu sein“ (S. 26). Oder: „Ich fühle die Zerbröckelung beziehungsweise Verflusung in mir, amüsiere mich gleichzeitig über sie und kann mir nicht recht böse sein.“ (S. 50)

Der Autor geht ganz liebevoll mit sich und seinen Figuren um. Das Buch ist voll leichter, verspielter oder ernster Gedanken (z.B: über die vergleichende Schuldwissenschaft auf S. 103 ff), in einer ganz sorgfältigen, bedächtigen und unaufgeregten Sprache geschrieben.
In der Geschichte begegnet er Frauen, die er früher einmal näher oder entfernter gekannt hat. Irgendwann einmal. Und er begegnet Menschen die fast durchweg einen Defekt haben, irgendwie behindert sind.

Das scheint er aber lustigerweise selber zu merken, denn auf S. 158 „…schwimmt eine Ente vorüber; sie hat ein Bein eigentümlich hochgestellt. Und obwohl ich mich gerade ermahnt habe, nicht mehr bedeutungsvoll zu sehen, fällt mir doch der Satz ein: Guter Gott, jetzt sind auch noch die Enten behindert.“

Nach und nach findet er neue Begriffe für die Merkwürdigkeiten des Lebens und er erklärt sie dann auch ausführlich: Das „Gestrüpp“, das „Gewöll“, das „Geraschel“, das „Geschleppe“…Das ist alles sehr lesens- und bedenkenswert. Sehr klug.
Genazino nennt das Buch selbst eine „innere Erörterung“ (S. 133). Es ist von völliger Offenheit, die niemals peinlich ist. (S. 155 z.B.)

Man traut sich gar nicht, großspurig von diesem kleinen Buch zu schwärmen. Es ist sehr empfindlich.
Also bitte lesen. Leise. Danke.
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Alle zusammen
15.11.2007 von Heiner.Eberle.
Noch einmal Dankeschön für alle Glückwünsche und Geschenke.
Weil einige der Geschenke mich für die nächsten Jahre blogtechnisch auslasten werden, muss ich jetzt mal anfangen, alles zu sortieren und Inventur zu machen.
Ich habe die schöne Waldarbeiterszene hier nicht mitgebracht, auch die Bäume, die Vespa und die John Deere Traktoren nicht.
Aber ich habe mal alle Personen, die in diesen Bloggeschichten eine Rolle gespielt haben oder noch eine Rolle spielen können, zusammengestellt.
Damit man sie besser erkennen kann, sind sie als „Thumbnails“ hier drin. Also die kleinen Bilder bitte anklicken, dann werden sie größer. (Die großen werden beim Anklicken nicht noch größer. Aber auch nicht kleiner.)
Bekannt sind natürlich diese: Ex-Cable Joe und Mähchen. Mit ihnen fing ja alles an. Damals.

Auch mit denen hier gab es schon Beziehungs- und andere Dramen: Frau Weichbrodt (Sesemi), jetzt ohne den verflossenen Herrn Mindernickel, dafür mit ihrem neuen Schwarm, Herrn Bongartz aus Texas, Bruder Lully und seine verehrte Geliebte Undine Gehscha. Und auch Frau von Tümmler, die von ihrem Herrn Marquardt mal wieder sitzen gelassen wurde.
Die Marquardts (1) bis (5) kennen wir mittlerweile auch schon ganz gut, vor allem ihre Spezialaufträge.
Und bei denen hier, die schon mal bei der verblichenen Fliege aufgetaucht sind, handelt es sich um alte Arbeitskollegen von Hans aus der Fabrik. Bisher noch namenlos. Francesco, der Brückenarbeiter, der Lieblingskollege von Hans, stürzte ja in Ausübung seiner Berufspflichten im Sommer diesen Jahres ab und gilt seit dem als verschollen.
Und hier betreten die noch nicht erweckten Figuren die Bühne: Sogenannte “Passanten”, die einfach nur herumgehen oder stehen und eine Szene dekorieren. Jede einzelne Figur hat natürlich und braucht natürlich erstmal eine Geschichte.
Hier sind noch weitere 6 „Passanten“, aus denen sich schon mal locker 3 Pärchen ergeben würden, wenn man sie ließe.
Diese Gruppe wird als „Stadtbesichtigung“ bezeichnet. Die Figur rechts ist wohl die Haupt-Agitatorin der Gruppe, mit Mikrophon (?).
Und das ist eine Sammlung von „Berufen“. Was wohl die Berufe der beiden Faruenfiguren sind? Irgendwie undurchsichtig.
Daneben bin ich jetzt auch stolzer Besitzer einiger Kloszenen. Hier ist der Flegel, der Stehendpinkler, der nicht einmal das Häuschen benutzt:

Die anderen sind schamloserweise nur zu erkennen, wenn sie die Tür nicht zu machen. Scheint aber niemand hier zu stören. Der Zeitungsleser:

Eine weibliche Person, die ich – glaube ich – Frau Kuttner taufen werde:

Und ein verliebtes Paar, das es sich hier trotz viel Gestank gemütlich gemacht hat.

Zur Weihnachtszeit wird es verstärkt Bewegungen und Austausch mit den himmlischen Heerscharen geben, deshalb zeige ich hier schon die Jahresendfiguren, die demnächst den Blog bevölkern werden. Ihre Namen muss ich noch herausbekommen. Eine/r der Engel wird sicherlich Sophia heißen. Vielleicht die kleine putzige Figur ganz links.
Wie gesagt: Die anderen Sachen, aus denen man Bilder und Geschichten machen kann, sind heute nicht dabei. Nur die Straßenwalze musste ich unbedingt unter die Lupe nehmen, deshalb also: Der Henschel.
Wem zu irgendeiner der neuen Figuren etwas einfällt, wer eine Idee hat, ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit kennt oder eine Geschichte, die sich zwischen zwei Figuren abspielen könnte, bzw abgespielt hat, wie eine Figur mit einer anderen bekannt oder verwandt sein könnte, wo sie sich einmal begegnet sind usw. usw., oder auch nur einfach weiß, wie sie heißen, der möge doch bitte einen Kommentar hinterlassen.
Ich werde mein möglichstes tun, die Vorschläge einzubauen, oder sie mit meinem Wissen und meinen Vorstellungen kombinieren, wenn das geht. Und es winken natürlich für die Ideen, die dann in den Blog Eingang finden werden, „wertvolle Sachpreise“. Versprochen.
Ansonsten werden die Figuren Schritt für Schritt die Geschichte selber weiterspinnen. Mal sehen, was da noch rauskommt.
Geschrieben in Undine Gehscha, Marquardts, Frau von Tümmler, Prof. Bongartz, Hans, Bruder Lully, Mähchen, Joe, Herr Mindernickel, Frau Weichbrodt, Allgemein | Drucken | 6 Kommentare »