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Archiv der Kategorie Platten
Goetheturm 7
14.2.2009 von Heiner.Eberle.
Die 6. Fortsetzung.
25.

26.

27.
28.

Fortsetzung folgt.
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Mähchen gesichtet
8.5.2008 von Heiner.Eberle.
Es war letzten Sonntag, ich ging ziellos am “Nizza” spazieren, dem Palmenufer am Main, da sah ich das hier:

Tatsächlich, das Mähchen. Bei der Arbeit, fröhlich pfeifend.
Lang hatte man nichts von ihr gehört.

Oder gesehen. Aber offensichtlich war sie hier in besten Händen, hatte viel zu tun bei all den exotischen und unbekannten Pflanzen.

Sie fand es sehr spannend und lehrreich, meinte sie. “Anders als immer nur der langweilige Bananenstock!”
Allerdings war die Arbeit auch nicht ungefährlich.
Leicht konnte man abstürzen oder von einer der plastikfressenden Pflanzen verspeist werden.

Das größte Abenteuer hatte sie hier, als sie ihr Lenkrad verlor.

Sie war mit einem dicken Felsen zusammengestoßen und das Lenkrad war aus der Halterung gesprungen und ihr einfach entgegengekommen. “Das hätte schön ins Auge gehen können”, sagte sie.
Doch dazu später mehr.
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Uri Caine - Wagner e Venezia
22.1.2008 von Heiner.Eberle.
Eine schnelle und ganz tolle Kaufempfehlung aus dem CD Regal. Der Tipp dazu stammt von Maria. Danke dafür. Hat sehr viel Spaß gemacht.
Die CD heißt “Wagner in Venezia” und enthält Stücke aus Wagneropern. Ohne Gesang, sondern gespielt von Uri Caine und seinem Ensemble. Live gespielt und digital augfgenommen im “Gran Caffè Quadri”, auf der Piazza San Marco und im “Hotel Metropole”, an der Riva Schiavoni in Venedig, zwischen dem 6. und 9. Juni 1997.

Erschienen ist die CD, handwerklich und haptisch exzellent gemacht, wie alles aus diesem Musik-Verlag, bei der “Music Edition Winter & Winter” in der Schweiz. Sie gibt es im guten CD Handel, z.B. beim Plattenladen am Goethehaus. Dort steht links, wenn man reinkommt eine Kiste, wo alle “Winter & Winter” CDs gesammelt zu finden sind. (Viele Schätze zu entdecken.)
Warum ist die CD so toll?

Weil sie erstens einen Eindruck davon gibt, wie Wagner selber in Venedig seine eigene Musik auf dem Markusplatz hörte (einige Wagner-Zitate von 1858 stehen im Booklet: “… Nun hörte ich aber abends von ihm (dem Kapellmeister) den Tannhäusermarsch, und mich ärgerte das schleppende Tempo; da ließ ich ihm sagen, wenn er wieder was von mir machte, sollte er mir’s doch sagen, damit ich ihm das richtige Tempo usw. weisen könnte.”)

Zweitens, weil sie die Wagner-Musik so greifbar macht und von ihrem hehren Podest herunterholt. Das Kaffeehaus-Ensemble von Uri Caine ist nicht ein Riesenorchester, sondern besteht aus 2 Geigen, 1 Cello, einem Kontrabass, einem Klavier und ja: einem Akkordeon. Das macht so Spaß, ihnen zuzuhören, wie sie alles daransetzen, eine Orchesteraufführung nachzuspielen. Aber manchmal denkt man, sie sind auch ein bisschen eigensinnig, weil sie wissen, dass sie genauer und sensibler spielen können, als ein so großer Apparat.

Drittens haben es die Herren Winter & Winter mal wieder geschafft, die Aufnahme einer ganzen CD in eine gemeinsam Athmosphäre zu packen. Die Musik taucht auf aus den Geräuschen auf dem Markusplatz, dem Geklapper im Cafè, man hört die Plaudereien der Gäste, nach den Stücken ihr artiges Geklatsch, man hört die Kirchturmuhr schlagen und alle Nebengeräusche, als würde man direkt neben dem Ensemble sitzen und einen Tee schlürfen. Ganz prima.

WAGNERS KUNST IST KRANK (F. Nietzsche)
Natürlich ist der Liebestod (und das Präludium) aus dem Tristan das Highlight, aber auch die Lohengrin Overtüren sind klasse. der Ritt der Walküre ist sehr witzig, aber halt schon ein Stimmungs-Reißer.

Egal. eine wirklich tolle CD. Da stimmt alles. Von der Verpackung bis zum letzten Geräusch im Hintergrund. sollte man sich selber schenken oder auch mal anderen. Könnte auch Menschen gefallen, die bisher noch keinen Zugang zu Wagner hatten. Wie gesagt: Es wird nicht gesungen.
Jetzt ist doch wieder viel text geworden.
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Chopin / complete
9.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das neunte Tor.
Ich muss über eine CD-Kiste schreiben, weil ja jetzt Weihnachten kommt und diese Musik-Box ein sehr schönes Geschenk sein kann.
Es geht um Chopin, “Sämtliche Werke”, diverse Künstler, Aufnahmen 1949 (1-2) bis 2006. Brilliant Classic, 17 CDs. Kann man kaufen im normalen Plattenladen oder bei Zweitausendeins für € 16,99. Kein Witz. Ist so günstig. In einer stabilen Pappkiste mit einem Booklet, das ein Minimum an Informationen gibt. Aber was heißt das schon bei dem Preis.
Und weil die Kiste im “Fonoforum” vom September (S. 91) schon ausreichend besprochen worden ist und ich dem auch nichts anfügen kann, zitiere ich einfach mal daraus:
“Rund die Hälfte der Aufnahmen sind gegen neues, von Firmen wie Philipps, Chandos und anderen übernommenes Material eingetauscht.”
(Dazu sollte man einerseits wissen, dass “Brilliant” vor einiger Zeit schon einmal eine umfassende Chopin-Box vorlegte (die gibt es ebenfalls bei Zweitausendeins, 30 CDs für € 29,99), und andererseits, dass das Label “Brilliant Classics” vorzüglich Back-Katalog-Aufnahmen anderer großer Plattenfirmen wiederverwertet und zusammen mit eigenproduzierten Aufnahmen zu dicken Paketen schnürt wie bei diesem hier.)
“So musste Martijn van den Hoek in den Etüden dem brilliant und flüssig agierenden Louis Lortie und bei den Walzern dem klaren, hochvirtuosen Zoltan Kocsis weichen, für die Nocturnes steht jetzt die bekannte alte Harasiewicz-Einspielung.

Anstelle der Konzerte mit Paul Giacometti ist das sensationelle, nach wie vor umwerfend präsente und prägnante Diskusdebut des zwölfjährigen Evgeny Kissin zu hören, und die beiden großen Sonaten musste Fred Oldenburg zugunsten der fesselnd druckreichen Gilels-Aufzeichnung von 1949 und der hochrangig ausgeglichenen Darstellung aus Sergiu Fiorentinos später Berliner APR Serie (?) abgeben.
Van Winkel schließlich, selbst aktiver Pianist” (und Produzent der Brilliant Classic Aufnahmen) “ließ Bella Davidovich den Vortritt, deren durchdachte, ausgeglichene und bis ins letzte ausgefeilte Gestaltung der Balladen und Impromptus nach wie vor ein erstrangiges Zeugnis ihrer imponierenden Kunst ist.

Aus “Brilliants” erstem Chopin-Gipfelsturm geblieben ist die pianistisch absolut überzeugende, aber etwas unpersönliche Einspielung der Scherzi durch Alwin Bär. Ebenso die Einspielung der Mazurken durch Cor de Groot.
Für die ergänzenden Neuproduktionen holte van Winkel sich seine Interpreten aus Italien: Alessandra Ammara präsentiert sich mit den frühen Polonaisen und den kleinen Einzelstücken Chopins - von seiner Variation zu Liszts “Hexameron” bis zum Unikum seiner Fuge - vorteilhaft als eine auffallend klangschön und sensibel vorgehende Interpretin.

Alles in allem also eine qualitativ sehr akzeptable Einsteigerserie mit Ausreißern nach oben und unten. Sie gibt auch einen ersten Eindruck von der Breite des interpretatorischen Spektrums, dem die Musik Chopins unterworfen ist.”
Und wenn ich das noch sagen darf: Für € 16,99 bekommt man einfach kein besseres Angebot.
Schöne Weihnachten!
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Gardiner - Bach Kantaten 2
23.11.2007 von Heiner.Eberle.
Weil es nur Kantaten für 52 Sonntage und einige Feiertage gibt, musste / konnte die Aufnahme des gesamten Werkes in einem Jahr abgeschlossen sein. Was der Hörer mitbekommt, ist also pro CD ein Querschnitt der Kompositionen von Bach zu einem bestimmten Tag im Kirchenjahr und einem bestimmten Anlass. Im Lauf der Zeit und der Jahre immer wieder mit unterschiedlichen Texten neu und anders komponiert. Das ist die eine (vertikale) spannende Betrachtungsweise.
Die andere (horizontale) ist, sich die Kantaten eines Jahres in der Abfolge von einem Sonntag zum nächsten anzuhören und zu beobachten, was da passiert. Wenn z.B. Musiker zu Bachs Zeiten ihr Instrument nicht ausreichend beherrscht haben und Bach in seinen wöchentlichen Kompositionen und Aufführungen darauf reagieren musste…

In den Begleittexten, die Gardiner selber schreibt (und er schreibt zu jeder einzelnen Arie, zu jedem einzelnen Choralstück jeder Kantate, wie er es sieht, was er darin liest, was er daraus gemacht hat und warum das alles ganz großartig ist, man kann unglaublich viel dabei lernen), erfährt man auch etwas von dem Risiko, dem Abenteuer, das die Truppe eingegangen ist.

Mal ist nicht genügend Platz vor dem Altar oder auf der Empore, mal ist am Reformationstag in Wittenberg, als sie dort aufnehmen wollen, ein Jahrmarkt vor der Kirche, mal ist die Akustik so, dass ein Instrument völlig untergeht, mal ist die Stimmung der Orgel nicht mit den Instrumenten des Orchesters in Deckung zu bringen usw. Und das merken sie meistens immer erst 1-2 Tage vor der Aufführung! Man will sich das alles gar nicht ausdenken. Ich will nicht wissen, wie oft sie sich ein sicheres Studio gewünscht haben.

Wer mehr von Gardiner und seiner „Monteverdi Productions“ hören, lesen und sehen will, gehe bitte dringend in den Plattenladen oder auf diese Website, die ich sehr empfehlen möchte:
Dort ist auch sehr interessant nachzulesen, wie das Firmen-Sponsor-Programm aufgebaut ist. Da kann man sich noch was abgucken. Und bekommt Lust, selber was zu spenden. Die machen das richtig gut.

Ach ja, und noch ein Tipp: Wenn man Abonnent der CDs ist und sie sich aus UK schicken lässt, es erscheinen seit 2005 pro Jahr 3-4 Doppel CDs, bekommt man regelmäßig (aber selten) Post von Frau Gardiner, die sich um alles kümmert, wozu ihr Mann keine Zeit hat. Darum, dass die Kreditkarten der Abonnenten noch gelten, dass man weiß, was als nächste Lieferung kommt, wo ihr Mann demnächst Konzerte gibt usw. Sehr nett.

Zum Schluss noch ein Zitat aus der oben genannten FAZ:
„Wenn auch unter größtem Zeitdruck komponiert, kopiert und einstudiert, wohl auch nicht immer perfekt aufgeführt, lassen die Kantaten eine verborgene Parallelwelt aufscheinen, so, als habe sich Bach mit ihnen eigene musikalische Wünsche erfüllt und im erfinderischen Umgang mit den engen logistischen Vorgaben der Sonntagsmusiken vor allem die reizvolle Herausforderung sehen wollen. Gardiner fügt eine weitere künstlerische Dimension hinzu. Er hört die Kantaten auf seine Weise, liest Bizarrerien, Extreme und Einseitigkeiten in sie hinein. Die Stücke erlauben es, weil sie unerhört vielschichtig sind, und Gardiner darf es, weil er hervorragende Musiker hat. (…)
Es gibt bei diesen Aufnahmen trotz mancher Exzentrik keine Eitelkeiten. Vor allem der Monteverdi Choir ist frei von Glamour, ohne stumpf zu werden und natürlich, ohne deswegen nachlässig zu sein. Ja, dieser Chor klingt wie eine veritable Gemeinde, die zufälligerweise professionell singen kann.“

Es ist ein in allen Beziehungen großes Werk. Und man steht ziemlich ehrfürchtig davor. Das muss man unterstützen.
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Gardiner - Bach Kantaten 1
19.11.2007 von Heiner.Eberle.
Als 1987 von John Eliot Gardiner das Bachsche Weihnachtsoratorium erschien, bei der Archiv Produktion der Deutschen Grammophon, schrieb Heinz-Josef Herbort in der „Zeit“, es sei jetzt an der Zeit, dass „mancher hoch gelobte Kantor, Kirchen- oder Generalmusikdirektor seine vorsintflutliche Partitur verbrennen und mit einer neuen ganz von vorne anfangen“ müsste.

Gardiner und der Monteverdi Choir und seine English Baroque Soloists stammen aus der Dritten Generation der historischen Aufführungspraxis (neben Trevor Pinnock und Christopher Hogwood oder Reinhard Göbel und seine Musica Antiqua aus Köln – inzwischen gibt es die vierte Generation, aber dazu irgendwann einmal…)
Er traut sich also schon mehr als seine Vorgänger, ist nicht mehr ganz so dogmatisch.

Und darum schafft er auch dieses hier: Die Aufnahme sämtlicher Bachkantaten. Und das nicht irgendwann, sondern innerhalb eines einzigen Jahres. Was daran besonders ist? Er macht die Aufnahmen an unterschiedlichen Orten. Nicht im Studio, sondern in Kirchen. Und zwar in ständig wechselnden Kirchen. Und das Woche für Woche. Mit ständig neuem Programm. Immer live. So wie Bach seine Kantaten komponiert hat.

Also der Reihe nach. Man muss den Prozess verstehen, dann versteht man auch die Leistung der Künstler und nicht zuletzt die logistische Herausforderung:
Mittenrausgegriffen:
Für den Sonntag „Quinquagesima“ (laut Booklet am 5. März 2000) hat Bach 4 Kantaten geschrieben: BWV 22 von 1723, BWV 23 von 1723, BWV 127 von 1725 und BWV159 von 1729. Die werden samstags von Gardiner und seiner Truppe in der Kings College Chapel in Cambridge generalgeprobt und sonntags aufgeführt. Daraus entsteht die erste CD.
Dann packen sie alles ein, reisen mit Instrumenten und Technik weiter nach Walpole St. Peter in Norfolk und proben und führen am Palmsonntag 26. März 2000 die Kantaten BWV 182 von 1714/24, BWV 54 von 1714 und BWV 1 (Wie schön leuchtet der Morgenstern) von 1725 auf. Das gibt CD 2 für die Kantatenlieferung Nr. 21.

Am 23. April (Ostersonntag) nehmen sie BWV 4 (Christ lag in Todesbanden) und BWV 31 auf, am Montag nach Ostern, 24. April 2000, BWV 66 (Erfreut euch, Ihr Herzen) und BWV 6 in der Georgenkirche in Eisenach. Am Dienstag nach Ostern, 25. April 2000, folgen noch die Aufnahmen von BWV 134 und BWV 145, ebenfalls in Eisenach. Das ergibt die 2 CDs der Kantatenlieferung Nr. 22.

An Quasimodogeniti, dem ersten Sonntag nach Ostern, also am 29./30. April 2000, nehmen sie die Kantaten BWV 150, BWV 67, BWV 42 und BWV 158 auf, wegen der kurzen Frist von 4/5 Tagen nicht weit davon entfernt in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche in Arnstadt. Die Kantaten für den nächsten Sonntag, den 7. Mai 2000, nehmen sie an eben diesem Tag in der Basilisque St. Willibrord in Echternach auf: Kantaten BWV 104, BWV 85, BWV 112. Damit wäre Kantatenlieferung Nr. 23 fertig.

Und so geht es weiter: Eine Woche später, am 14. Mai 2000, folgen die Live Aufnahmen von BWV 12 (überhaupt das tröstlichste: „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“), BWV 103 und BWV 146 in der Schlosskirche in Altenburg. Wieder eine Woche später, am 21. Mai 2000 spielen die Sänger und Musiker BWV 166, BWV 108 und BWV 117, komponiert für den vierten Sonntag nach Ostern, ein. Damit ist Kantatenlieferung Nr. 24 erledigt.
Und so geht das auf der Pilgerfahrt fort.

Technisch sind die Aufnahmen erste Sahne. Von der künstlerischen Umsetzung her schlagen sie anderes um Längen (Tom Koopmann, Helmut Rilling). Die Energie, die hinter dem gesamten Unternehmen steht, ist unfassbar. Die jahrzentelange Begleiterin von Gardiner, die ehrwürdige Deutsche Grammophon, hat während der Produktion das Handtuch geschmissen. Ich zitiere mal die FAZ vom 16. Juli 2005 (S. 40):
„Der Dirigent sah sich zu einer radikalen Reaktion gezwungen, um die während der Generalproben zu den Konzerten aufgenommenen Kantaten wie geplant veröffentlichen zu können. Die Bänder immerhin wurden ihm vom Label überlassen. Durch den eigenen Chor und das eigene Orchester längst als Entrepreneur erfahren, gründete Gardiner daraufhin die „Monteverdi Productions“, schuf sich sein eigenes Label, taufte es, ganz Bach-Fanatiker, „Soli Deo Gloria“ (SDG), suchte sich die Firma Harmonia Mundi als Vertriebspartner und gewann hochkarätige Mäzene, darunter den britischen Kronprinzen Charles als Schirmherren.“

Die Fortsetzung dieser Einlassungen kommt hier in ca. 4 Tagen.
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Messiaen / Orgelwerke
11.11.2007 von Heiner.Eberle.
Man muss nur abwarten können.
Die Box liegt schon seit ein-zwei Wochen hier auf dem Schreibtisch und wartet darauf, dass ich etwas über sie schreibe. Und jetzt lese ich im neuen Fonoforum (Nov 2007, S. 89) eine mehr oder weniger lobende Kritik darüber und kann mich also etwas darauf stützen. Alle Zitate in dem Text hier stammen aus diesem Artikel von Christoph Vratz.
Es geht um Folgendes:
Oliver Messiaen, sämtliche Orgelwerke („Organ Works complete“), gespielt von Willem Tanke, veröffentlicht bei Brilliant Classics. 8 CDs zum mal wieder wunderbaren Preis von € 15,99 (bei Zweitausendeins).

Messiaen stammt aus der Tradition der seriellen Komponisten (Schoenberg, Boulez, etc). Man darf also keine barocken Schnörkel oder verspielte Kirchenmelodien zum Mitsingen oder so erwarten. Was zu hören ist, ist getragen, flächig, meditativ, stellenweise monumental, Klangereignisse, die immer noch neu und ungewöhnlich anzuhören sind.
Der Organist, Willem Tanke, ist nebenbei auch Komponist und „Improvisator“. „Erst im letzten Jahr gründete er zwei Ensembles: Das Trio Terra Volcania und ein Quartett mit dem originellen Namen „The Rotterdam Art of doing Nothing Ensemble“.“

Tanke spielt sehr langsam, „wie ein Schleicher“, aber „Tanke besticht durch stimmige Proportionen, durch einen klaren Sinn für die Strukturen dieser Werke. Natürlich ist seinem Spiel eine gewisse Affektgeladenheit nicht abzusprechen, doch steht diese immer in einem durch das jeweilige Werk vorgegebenen Kontext.“

Ein Problem der Aufnahme sehen die Kritiker in den leisen Stellen mancher Stücke, führen es auf die technische Leistungsfähigkeit der Orgel in Haarlem zurück. Manche leise Stellen erschienen etwas zu vorlaut, zu präsent, was ich selbst nicht nachvollziehen konnte. „Wirkliches Pianissimo, ein ruhiges ätherisches Schweben scheint auf jeden Fall kaum möglich.“ Dann jedoch: „In den lauten Passagen ist eine umso größere Unmittelbarkeit garantiert. Das Dröhnen und Rauschen der Bässe fliegt ihm (dem Hörer) geradezu um die Ohren.“

Zu der Box gibt es ein Brilliant-typisch mageres Booklet, das ein paar Fakten zu jedem einzelnen Stück bietet aber eben auch den niedrigen Preis ausmacht.
Alles in allem: Für wenig Geld eine tolle Möglichkeit, Messiaen kennen zu lernen. Lohn sich auch. Sagt auch professor Bongartz aus Texas.

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Bongartz 4 / Bildchen
23.10.2007 von Heiner.Eberle.
Herr Bongartz liebte Sammelbildchen.

Er hatte sein ganzes Haus und seine ganze Terrasse mit Sammelbildchen verziert, ja geradezu zutapeziert.

Er konnte lange die schönen alten handgemalten Motive betrachten und von Zeiten träumen, als in seiner Heimat Texas noch alles in Ordnung war und die alten Werte noch galten.

Von weitem näherte sich unsicher Frau Weichbrodt, auch sie völlig in Gedanken und fasziniert von der Sammlung.

Wie viel Leidenschaft und Zeit wohl da hinein gesteckt worden war…? Und warum?
Sie kamen ins Gespräch. Er stellte sich als Fleischer- und Metzgermeister aus Texas, USA vor, sie war hochgradig entzückt von seiner Freundlichkeit und seinen höflichen Umgangsformen.

Das Thema heile Welt und Werte und die 50er Jahre in Texas interessierten sie zwar überhaupt nicht. Aber die Bilder hatte sie irgendwo schon einmal gesehen. Herr Bongartz behauptete steif und fest, er habe sie teils von seinem Vater geerbt (in einer Zigarrenkiste), teils eigenhändig gesammelt.

Na egal. Frau Weichbrodt kannte eine alte Schallplatte, dessen Cover auch mit solchen Bildchen gestaltet war. Sie verabschiedete sich höflich, nicht wirklich sicher, was sie von Herrn Bongartz halten sollte. Sie konnte ihn noch nicht richtig einschätzen.

Herr Bongartz blieb alleine zurück. Nachdenklich.
Und blickte sehnsuchtsvoll in die Ferne, als ob er dort eine bessere Welt erahnen würde. Der alte Romantiker. Jaja, es war schon richtig. Das war – auch – ein altes Plattencover. Aber eigentlich war es noch viel mehr…
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Mozart Klavierkonzerte
29.8.2007 von Heiner.Eberle.
Hier kommt eine schnelle Plattenkritik.
Weniger Kritik als schnelle Kaufempfehlung, solange der Preis noch so ist, wie er ist.
Wir sprechen von:
Wolfgang Amadeus Mozart: DIE KLAVIERKONZERTE
Gesamtaufnahme. Derek Han, András Schiff, Zoltán Kocsis, Dezsö Ranki/Klavier, P.-J. Belder/Cembalo, Philharmonia Orchestra, Musica Amphion, Hungarian State Orchestra/Paul Freeman, János Ferencsik. DDD. Brilliant Classics. 11 Hybrid-SACDs.
Gibts überall und auch bei Zweitausendeins unter der Nummer Nr. 690349 zum Preis von Achtung: € 8,99 laut Internet.
Das sollte man wahrnehmen. Ich meine, ich hätte noch was um die € 15 bezahlt, aber egal.

Beim Reinhören in die erste CD bitte nicht abschrecken lassen, da spielt Pieter-Jan Belder auf einem nachgebauten, “alten” Spinnett, das klanglich nicht ganz mit dem Orchester mithalten kann. Ab der 2. CD klingt dann aber wieder alles wie gewohnt.
Oder besser: Besser als gewohnt. Die Aufnahmetechnik ist obergut. Ich habe nur einen sehr guten “normalen” CD Spieler, ohne Stereo-Multi-Channel und ohne Möglichkeit, Hybrid CDs (”super audio CDs”) abzuspielen bzw. zu hören. Trotzdem sind es schon enorme klangliche Unterschiede zu althergebrachten Aufnahmen. Hätte ich nicht gedacht.
Von den Klavierspielern kannte ich nur Andràs Schiff; der spielt aber nur auf der letzten CD im Konzert für 3 Klaviere und Orchester. Die anderen, Pieter-Jan Belder (auf dem “Harpsichord”) und Derek Han, der die CDs Nr. 2-10 bestreitet, waren mit nicht bekannt, aber sie können das schon auch gut.

Ich gestehe an dieser Stelle, ich bin weder der Mozart-Kenner noch Mozart-Liebhaber. Steinigt mich, wenn Ihr wollt, aber die meisten Sachen sind mir oft zu lieb und nett und “richtig” und süß und vorausschaubar, kindlich, ausgewogen, usw. Eigentlich langweilig, um es auf den Punkt zu bringen. Davon nehme ich ausdrücklich aus (und ich kenne natürlich nur vergleichsweise wenig von WAM) z.B. das G-Moll Streichquintett (spannend), das Requiem und ein paar andere Sachen (Einzelnes aus Opern).
Aber ich will bitteschön nicht mehr ein Jahr lang von Klaus Maria Brandauer täglich auf SWR 2 und anderen Sendern einen von gefühlt 5.000 Briefen von “Wolferl” an sein “Stanzerl” oder den “Herrn Papa” oder Wenauchimmer vorgelesen bekommen. Nein. Bitte nicht mehr.

Zurück zum Päckchen: Jede CD hat zwischen 60 und 80 Minuten Spielzeit, macht rund 13 Stunden Mozart Klavierkonzerte. Man hat sie endlich alle komplett. In einer schönen Box. Mit jeweils kurzem Brilliant-Classics-typischen Einführungstext.

Für den, der Komplettaufnahmen liebt, weil er gerne alles komplett haben will, wie Bruder Lully z.B., ist das ein prima Angeot. 11 Multi-Channel SACDs für € 8,99 (wenns noch stimmt). einfach kaufen!
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Lully Charpentier Buxtehude
14.8.2007 von Heiner.Eberle.
Heute ein kurzer und lobender Plattenhinweis.
3 CDs von Harmonia Mundi, die eine großartige Mid-Price Serie haben, die “musique d’abord” heißt und viel weniger “mid-pricig” daherkommt als die Reihen anderer Firmen.
Es sind Aufnahmen von 1980, 1985 und 1990, technisch durchweg ziemlich sauber aufgenommen.
Über die Interpreten kann man nur das beste sagen, wenn es nicht schon gesagt worden ist. René Jacobs leitet beim “Membra Jesu Nostri” das Concerto Vocale (ich glaube aus Gent), mit Andreas Scholl als Counter-Tenor, und sehr souveränem Chorauftritt.

Buxtehude, geb. 1637 hat dieses Jahr 370sten Geburtstag und 300sten Todestag wenn ich das richtig rechne. Dafür hört man überraschend (und auch wohltuend) herzlich wenig von ihm. Er wird verständlicherweise nicht so aufdringlich begangen wie Mozart im letzten Jahr z.B.
Dafür weiß man aber, dass Buxtehude komponiert hat, was das Zeug hielt. Allein 120 Vokalwerke, die nur für Gottesdienste geschrieben wurden, stammen von ihm. Vieles aus seinem Werk ist noch nie für CD eingespielt worden. Vielleicht wird das ja demnächst (ich vertraue auf “the long tail”) wenigstens per iTunes oder anderer Plattformen dem geneigten Hörer zugänglich gemacht.
Nächstes: Les Arts Florissants singen und spielen 3 Oratorien von Marc-Antoine Charpentier, einem französischen Barocker, nur 3 Jahre älter als Buxtehude.

Vor allem das “Filius Prodigus” fand ich hier ganz herausragend.
Alle CDs haben übrigens ein kleines Booklet mit kurzer Werkeinführung (in 2-3 Sprachen) und den kompletten Text. Den muss man sich bei vielen günstigen Angeboten heute ja aus dem Internet besorgen, und wer will das schon (ausdrucken, wohin damit…?)
Letze Empfehlung aus dem Weltklasse Musikverlag in Arles: 2 “grand motets” von Jean-Baptist Lully, noch einem Franzosen, geboren wiederum 2 Jahre vor Charpentier.

Philippe Herreweghe ist so heftig gelobt worden (erst jetzt wieder mit seinen Bruckner Symphonien), dass ich das hier nicht auch noch machen muss. Chor und Orchester der “La Chapelle Royale” spielen sehr gut aufgelegt. Macht Spass zuzuhören. Vor allem, wenn man den alten Text im Ohr hat und die Art, wie z.B. Verdi mit dem “Dies Irae” umgeht. Man vermisst nicht das Donnergrollen und das “Wehgeschrei”. Das passt hier alles dramatisch sehr gut zusammen.
Zu Lully, den man als Ehrgeizling, Lebemann und Lüstling bezeichnet hat, und seinem Erben an der Pariser Oper, Jean-Philippe Rameau, muss ich noch das Buch ewähnen, das die musikalische Auseinandersetzung von damals (1730 ff) in Verbindung bringt mit den Unruhen in den Pariser Vorstädten 2003: Wolfgang Schlüter “Anmut und Gnade”, Die Andere Bibliothek Band 265, Frankfurt 2007 (Eichborn). Schönes Buch. Spannender Versuch. Wurde ausschließlich und hoch gelobt. Ich habe es auf dem Stapel. Wenn ich es fertig gelesen habe, schreibe ich hier etwas darüber. Versprochen.
Für heute ist es genug. Hier sind noch einmal alle CDs zusammen:

Jaja, mit dem kleinen dicken Mönch, für den ich noch keinen Namen habe. Ich könnte ihn ja Pater oder Bruder Lully nennen, oder?
Jemand eine andere Idee?
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