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Archiv der Kategorie Olaf Schmundt
Hans etc. / Wunschperle 2
29.1.2008 von Heiner.Eberle.
Der Schmerz von Olaf musste unerträglich sein.

Und dann sahen sie es:
“Meine Arme sind fort, weg, abgefallen! Helft mir! Ruft einen Arzt! Schnell! Um Gottes Willen!”
Olaf Schmundt hatte beide Arme verloren. Zusammen mit dem Photoapparat, den seine Arme immer noch festhielten. Er konnte sich kaum noch aufrecht halten. Es war unfassbar.

Einfach abgefallen. Ohne Fremdeinwirkung. Was war es denn gewesen, was er gesagt oder getan hatte? War es sein einfach schnodderig und empört fallengelassener Satz von vorhin gewesen, der sich so schnell in die Realität umgesetzt hatte?
War das die unvorhersehbare Kraft der Wunschperle?
Hans und Adelheit hatten noch nicht richtig begriffen, was da vor ihren Augen vorgefallen war. Die Wunschperle hatte nach eigenem Gutdünken einen Wunsch erfüllt und sich dann - nach getaner Arbeit - in den Erdboden zurückgezogen. Stolz, müde und eigensinnig.

Hilmar Stampf hatte einen Notarzt alarmiert. “Der wird gleich hier sein.” Adelheit und Hans standen entsetzt um Olaf herum, unfähig, irgendwie zu helfen. Sie versuchten ihn zu beruhigen, damit er nicht womöglich auch noch den Verstand verlöre.

Aber vor allem in Hilmar Stampf war plötzlich ein professionelles Interesse wieder erwacht. Er machte seinen Photoapparat scharf und schoss aufsehenerregende Bilder von Olafs abgefallenem Armpaar und dokumentierte den sensatioellen Vorfall für die Nachwelt.

“Das wird eine Hammergeschichte”, sagte er. “Das glaubt uns keiner! Die Pflanze muss hinter Gittern oder gar Mauern, die ist ja richtig gefährlich!” Hans und Adelheit staunten vor so viel Kaltblütigket und Jagdinstinkt des Reporters, aber er hatte ja recht. Darüber musste man schreiben. Und dann fühlten sie sich auch wieder geschmeichelt und wichtig, weil er ihre Beobachtungen des Vorfalles als Zeugenaussagen notierte und sie freuten sich, dass sie bald in der Zeitung zitiert werden würden.
Ein wenig Ruhm hat ja noch niemandem geschadet.
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Hans etc. / Wunschperle 1
27.1.2008 von Heiner.Eberle.
Die Marquardts hatten die Wunschperle in den großen Park der Frau von Tümler gebracht und eingepflanzt. Da stand sie nun. Stolz und demütig. Und sondierte die Welt um sie herum.

Hans war natürlich einer der ersten, der sich neugiereig um sie herumtastete.

Aber gleich war auch das Reporterduo Hilmar Stampf und Olaf Schmundt mit ihren neuen Kameras zur Stelle, um die Story um das seltsame Lebewesen als erste und exklusiv für ihr Lokalblatt zu bekommen.

So etwas sah man ja nicht alle Tage. “Und ich habe das richtig verstanden? Sie erfüllt nur die Wünsche, die sie will? Sie entscheidet, wer welche Wünsche erfüllt bekommt und wer nicht? Sehr seltsam!”

“Ja!” Adelheit war jetzt auch dazugestoßen. “So habe ich das auch gehört. Deshalb muss man auch höllisch aufpassen, was man so sagt!”
“Hans, was meinst Du: Sollen wir uns ein neues Sofa für das Wohnzimmer wünschen? Oder lieber eine neue Einbauküche?”
“Ach lass mal!” Hans war heute tief melancholisch. Was sollte er denn noch für Wünsche haben? Es half ja alles doch nichts. “Wenn nur die Geschichte mit Lully und Undine wieder ins Reine kommen würde…”

“Jetzt sollen mir doch die Arme abfallen!” rief wütend und empört von hinten der junge Reporter Schmundt aus dem Ressort Technik. “Schnell! Sie zieht sich zurück und haut einfach ab… AAAAhhhhh!” Man hörte nur noch einen unerträglichen Schmerzensschrei.
Fortsetzung folgt.
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Edith / Patronen
22.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das zweiundzwanzigste Tor.
Edith Hübsch konnte es nicht fassen. Irgendjemand war über Nacht in das Museum eingedrungen, hatte nach Kräften randaliert und die antiken Patronen umgeworfen. Und sie einfach liegenlassen. Nicht einmal mitgenommen. Wahrscheinlich waren sie zu schwer oder unverkäuflich auf dem Schwarzmarkt oder so was. Purer Vandalismus. Ohne Worte.

Das war ja jetzt nicht nur wegen der Tinte gefährlich, die womöglich auslaufen konnte… Auch wenn jemand darüber fiele… nicht auszudenken…

… da konnte man sich ja schwer verletzen oder sich was brechen womöglich… Jedenfalls musste sie die Ausstellung heute schließen. Sofort. Besucher sollten und durften dieses Durcheinander nicht sehen.

Aber die Presseleute hatten es natürlich bereits mitbekommen. Hilmar Stampf und Olaf Schmundt waren zur Stelle.

Ob sie glaube, dass da ein terroristischer Hintergrund vorliege, fragten sie Frau Hübsch voller Andeutungen und investigativer Absicht. Frau Hübsch fand das ziemlich daneben und gab ein „ach quatsch, woher denn, doch nicht hier. Mit diesen Dingern kann man doch nichts anfangen, die können ja nicht mehr explodieren oder so,“ von sich.
Jedenfalls wollte sie keinen öffentlichen Skandal. Sie wollte das Drama ohne viel Trara wieder in Ordnung bringen und schnellstmöglich das Haus wieder für die Besucher öffnen.

Frau Tybbke war schon zur Stelle. Edith hatte sie alarmiert, als sie den Schlamassel entdeckt hatte und sie um schnelle Hilfe gebeten. Und Frau Tybbke, (Adelheit mit Vornamen und die Gattin von Hans Tybbke, dem Arbeitskollegen von Francesco, der (Francesco) im Sommer von der Brücke gestürzt war – ein tragischer Arbeitsunfall, man erinnert sich?) war anstandslos und umstandslos zur Stelle.

Es war ja auch alles nicht so dramatisch, die Hälfte der Installation stand ja noch ziemlich stabil und aufrecht da. Die, die umgefallen waren – so schwer sie auch aussahen – mit vereinten Kräften sollten sie die doch wieder in die Senkrechte wuchten können.

Sie überlegten kurz, in welcher Reihenfolge die schweren Dinger nebeneinander gestanden hatten und ob das von irgendeiner Relevanz war, da sie doch eigentlich alle ähnlich aussahen… Aber dann fingen sie einfach links an und hörten rechts auf und hatten es bald auch geschafft.

Edith Hübsch fiel noch ein cleverer Schachzug ein: „Tue Gutes und rede darüber“, dachte sie und rief kurzerhand Olaf Schmundt und Hilmar Stampf an, ob sie nicht auf ein paar Fotos und ein Stück Käsekuchen vorbeikommen wollten, sie hätte Neuigkeiten, die Geschichte sei ja sonst nicht zu Ende erzählt. Und sie waren neugierig, wollten und kamen.

Stolz präsentierte sie ihnen das fertige Werk. Sie hatte den Eindruck als sähen die Patronen jetzt sogar etwas stattlicher und auch bedrohlicher aus als vorher – aber das konnte täuschen.
Und die beiden Tagblatt-Reporter schossen Fotos ohne Ende.
Das hatte sie prima hingekriegt. Sie war jetzt die Heldin.
(Adelheit Tybbke hatte sich schon früher zurückgezogen, als sie hörte, dass Edith die Presse anrief. Sie wolle nicht „in die Zeitung,“ sagte sie und ging zu ihrem Gatten, der mit Grippe zuhause im Bett lag und gepflegt werden wollte.)
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Stampf und Schmundt 1 / Vespa 2
12.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das zwölfte Tor.

Hilmar Stampf fuhr fort: „Lange Zeit war die Vespa auch ein Nutzfahrzeug auf zwei Rädern. Erst im Laufe der Jahre mischte sich immer mehr Lebensfreude in das Fahrgefühl.“

„Die Ur-Vespa „98“ sollte einfach, sparsam und leicht fahrbar sein – und mit den vorhandenen Produktionsanlagen zu bauen sein. Weil Corradino nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, ging er völlig unvoreingenommen an diese Aufgabe heran. Der Antrieb und die Kraftübertragung sollten so einfach wie möglich sein, und so entschied er sich für den Direktantrieb, zumal der Kettenantrieb in der damaligen Notzeit aus Materialmangel fast unmöglich war.“

„Den Text kenne ich auch. Der ist aus Wikipedia.“, Olaf Schmundt hatte dieselben, schnellen Quellen benutzt: „Auch sollte die Vespa keine Motorenteile haben, an denen man sich schmutzig machen konnte. Daher war der Motor komplett verdeckt untergebracht. Der Reifenwechsel sollte so einfach wie bei einem Auto sein.“
„Die Konsumenten, die zumeist noch unter den Entbehrungen des Krieges zu leiden hatten, benötigten ein kostengünstiges, aber ansprechendes Transportmittel, dem auch das Befahren schadhafter Straßen nichts anhaben konnte. Aus diesen Beschränkungen heraus entstand - wie so oft in der Technikgeschichte - ein genial einfaches Konzept, die Vespa. Ihr Name wurde am 23. April 1946 zum Patent angemeldet.“

„In den fünfziger Jahren wurde die Vespa auch nördlich der Alpen bekannt und zu einem Lieblingsfahrzeug insbesondere der jungen Generation. In die Schweiz wurden die ersten Vespas bereits 1947 exportiert, nach Deutschland kamen sie etwa 1950. Jakob Oswald Hoffmann schloss 1949 mit Piaggio einen Lizenzvertrag ab und baute ab dem Frühjahr 1950 Vespas für den deutschen Markt. Zwischen 1950 und 1953 baute er das Modell HA und lediglich im Jahr 1953 das Modell HB.“

„Hier ist noch eine Quelle, die Du Dir am Wochenende reinziehen kannst“, sagte Olaf:
Branislav Dimitrijeviç: “Sozialistischer Konsumismus, Verwestlichung und kulturelle Reproduktion. Der „postkommunistische“ Übergang im Jugoslawien Titos” in: “Zurück aus der Zukunft. Osteuropäische Kulturen im Zeitalter des Postkommunismus.” Hg. von Boris Groys et al., Frankfurt/Main (Suhrkamp), 2006, S. 195 - 277, S. 217. (Im Abschnitt „Liebe, Mode, Wettbewerb“ interessante Ausführungen zu den historischen Bedingungen der Entstehung des Konzepts der Vespa und zur Rolle italienischer Motorroller in der (Film-)Kultur.)

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Stampf und Schmundt 1 / Vespa 1
10.12.2007 von Heiner.Eberle.
Das zehnte Türchen.
Hilmar Stampf und Olaf Schmundt, die beiden Technik-Redakteure (Herr Stampf war sogar Leiter der Redaktion „Wissenschaft und Technik“) hatten mit Freude den Job übernommen, etwas zu dem Vespa-Nachbau zu schreiben, den ein Künstler (Hakamati) in der Stadt ausgestellt hatte.
Es war ihnen nicht ganz klar, was das Werk aussagen oder bedeuten sollte, aber sie waren alte Vaspa Fans und hatten sich schon die wesentlichen und weiterführende Informationen eingeholt.

Schmundt erzählte schon druckreif aus dem Gedächtnis, was er herausgefunden hatte: „Auf zwei Rädern rollte Italien in die Nachkriegszeit. Die Vespa ist seit über 60 Jahren Ausdruck italienischen Lebensstils. Als sie auf den Markt kam, sah sie ungewöhnlich aus. Dafür überraschte sie mit einem ganz eigenen Charme und eroberte die Herzen der Menschen rund um den Globus.“

„Ja, hätte ich auch so gesagt,“ betätigte Stampf. „Der Hersteller Piaggio präsentierte 1946 in Rom die „Motorellega Utilitaria Vespa“, zu deutsch, die „leicht motorisierte, vielseitige Wespe“. 2484 Stück der Ur-Vespa 98 verlassen im ersten Jahr das Werk, 1947 sind es bereits 16.500 Exemplare. Der berühmteste Roller der Welt hatte seinen Durchbruch geschafft. Hast Du die Zahlen auch gefunden?“

„Ja, habe ich. Und noch mehr: Die starke Nachfrage führte dazu, dass auf dem Schwarzmarkt der doppelte Preis für die 60 km/h schnelle Vespa mit 98 ccm Hubraum verlangt wurde.“ Das war neu für Hilmar Schmundt. Aber er hatte dafür noch andere Hintergrundinfos recherchiert:

„Der Konstrukteur des legendären Rollers war Corradino D’Ascanio im Auftrag von Firmeninhaber Enrico Piaggio. Nach und nach steigerte sich der Hubraum von 125 auf zunächst 150 ccm. Unsterblichen Ruhm erlangte das Fahrzeug durch seine Hauptrolle an der Seite von Audrey Hepburn und Gregory Peck im Schwarz-Weiß-Klassiker „Ein Herz und eine Krone“. Die Vespa wurde endgültig zum Symbol des italienischen Stils und Ausdruck italienischer Eleganz.“

„Die Kultwelle der Stil-Ikone aus dem Land der „Dolce Vita“ schwappte schließlich nach Deutschland, England, Spanien oder Frankreich. Die Werbung dafür ist auch schon richtig kultig:“


Die Fortsetzung dazu folgt in 2 Tagen.
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