Heinerblog

17.10.2007

Marquardts 5 / Perlenkugel

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:45

Herr Marquardt (2) war der erste, der die Perlenkugel bestieg. Sie gab leicht sphärisches Geräusch und Geklingel von sich, wenn die Drähte und die Perlen sich im Wind bewegten, sich drehten und sich aneinander rieben. Sphärenklänge eben.

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Herr Marquardt (5) brauchte etwas länger. Seine Kelle war ihm wie immer im Weg.

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Aber er schaffte es dann doch und konnte den Blick in die Ferne und auf das Meer genießen.

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Als völligen Fehlschlag schätzte Herr Marquardt (4) seine Situation ein. Er war quasi in dem Drahtgeflecht gefangen und kam da unten nicht mehr raus.

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Doch dann dirigierte ihn von oben Frau von Tümmler, die den geeigneten Ausweg aus dem Irrgarten erkennen konnte, und geleitete ihn rufend zu sich hinauf.

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Und das klappte. Auf diese Weise kamen sie sich ziemlich nahe. Was Herrn Marquardt (4) sehr gefiel.

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Sie kamen sich näher…

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…und wollten am liebsten gar nicht mehr hinuntersteigen.

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Wenn da nicht das ungeduldige Rufen von Herrn Marquardt (3) gewesen wäre, der Frau von Tümmler suchte, weil er sie schon die ganze Zeit vermisst hatte. (Er meinte, er müsse sie permanent vor etwas schützen…)

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Das blöde Perlendrahtding war Herrn Marquardt (3) ziemlich egal. Er wollte lieber ein Bier trinken. Und dass Frau von Tümmler mitkommen würde, davon ging er einfach aus.

Schließlich kam sie auch, von der Kugel herunter, etwas außer Atem, herbeigehetzt, entschuldigte sich bei ihm, obwohl sie sich eigentlich nicht richtig klar war, wofür…

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Die anderen, Herr Marquardt (1) und (2), blieben lieber noch etwas auf der schwankenden Kugel und hatten ihren Spaß dabei.

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Dann kam doch noch Herr Marquardt (3) kurz dazu. Und sogar Herr Marquardt (5) machte sich noch einmal and den Aufstieg.

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Da oben sangen sie dann ihre Hymne: Das schöne alte vierstimmige Lied von der Arbeit im Waggong:

„Wir sind die Schaffner von der Bahn,
wir machen auf, wir lassen an.
Uns zieht die Lok, uns treibt der Wahn,
wir sind die Helden von der Bahn.“

„Wir sind die Schaffner rot und blau,
wir kennen jeden Zug genau.
Der Fahrplan ist unser Gebot,
wir sind die Schaffner blau und rot.“

Usw. usw.

15.10.2007

Marquardts 4 / Ankunft

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:37

Als der Zug in W. ankam, hatten sie alle Hände voll zu tun, um die schrägen Fahrgäste auszuladen. Da war zum Beispiel der Flachsteinbrocken, den sie nur mit größter Mühe von seinem Sitz herunter bekamen und auf den Bahnsteig ziehen konnten.

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Dann hatten sie natürlich den edlen alten Herr Knoblauch, gut ausgeruht aus dem Gepäckwagen, der von Herrn Marquardt (1) persönlich durch den Zoll begleitet wurde. (Lebensmittel sollte man ja hier nicht einführen.) Auf dem letzten Teil der Reise hatte Herr Marquardt (1) von dem Fahrgast einige tolle Rezepte und großartige Küchentricks bekommen, das war für ihn sehr beeindruckend gewesen.

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Und Frau Bilsom, die Geplagte, wurde von Herrn Marquardt (3) umgehend zu einem Krankenwagen geführt.

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Aber sie trafen nun auch auf ein völlig außergewöhnliches und noch fremdartigeres Ding. Mit dem wollten sich Herr Marquardt (1) und die anderen dann doch etwas länger auseinander setzen. Sie hatten ja jetzt etwas Aufenthalt, bevor es wieder zurückging.

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13.10.2007

Marquardts 3 / Knoblauch

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:27

„Schon wieder so ein seltsamer Fahrgast hier auf dem Bahnsteig“, dachte Herr Marquardt (2). Wie sollte er den denn in das Abteil bekommen? War der auch wieder aufpreispflichtig? Oder gar schwanger?

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Herr Marquardt (5) sah ebenfalls völlig ratlos aus. Es handelte sich wohl um eine Art Knoblauchgewächs. Das war schon mal eine Erkenntnis, die weiterhalf. Aber nicht sehr viel.

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Es blieb ihm nichts anderes übrig. Er brauchte Hilfe.

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Frau von Tümmler hatte die Idee: Eine Knoblauchpresse sollte helfen. Doch das lehnten alle Schaffner von vornherein und rigoros ab. Die Sauerei auf den Sitzen und der Geruch! Den würden sie ja nie mehr aus dem Abteil bekommen! Den Waggon könnten sie ja anschließend wegwerfen! Ganz zu schweigen von dem Zustand des Fahrgastes bei der Ankunft! Das würde ja Schmerzensgeld- und Schadensersatzklagen in nie gekanntem Ausmaß bedeuten. Niemals. So konnte das Problem nicht gelöst werden.

Aber die Aufregung legte sich genau so rasch wieder, wie sie aufgebraust war.

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Nur eine Lösung blieb: Der Gepäckwagen. Und das versuchten sie dann auch. Mit vereinter Kraft schoben sie den Gast in das Gepäckabteil, neben die Fahrräder und die Windkraftrotorenblätter. Dort hatte er genügend Platz, um sich hinzulegen und sich etwas auszuruhen.

Gottseidank…

11.10.2007

Marquardts 2 / Bilsoms

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:13

Herr Marquardt (1) und Herr Marquardt (3) stießen beim Zugwechsel auf ein seltsam gelbes weiches rundes Ding.

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Es bewegte sich leicht, es zitterte richtig, es lebte offenbar, es frohr. Aus der Bahn-Unterführung (Fußgänger-Unterfühung?, wie heißt denn das richtig?) kam ein zweites Exemplar dazu. „Sind das reguläre Fahrgäste? Was meinst du?“ fragte Herr Marquardt (1).

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„Offensichtlich ja, aber mit Aufpreis, wenn ich das recht sehe.“ Sagte Herr Marquardt (3) und versuchte, den einen der beiden gelben Knöpfe darauf anzusprechen.

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Da kam Herr Marquardt (4) dazu und klärte ihn auf: „Die Familie Bilsom auf dem Weg zurück nach England.“ Frau Bilsom sei hochschwanger und müsse sehr fürsorglich behandelt werden.

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Ansonsten würde noch ein Unglück passieren. Was das genau sein könnte, darüber schwieg er sich aus. Tat aber so, als wüsste er Beschied.

Frau von Tümmler, die gerade fröhlich von ihrem Badeurlaub mit dem Gummibär zurück kam, war ganz begeistert von dem weichen Material, aus dem die Bilsoms gebaut waren. Sie hatte so einen „haptischen“ Tick und musste immer alles anfassen, was ihr begegnete, in alles hineingreifen und an allem herumknuddeln. Herr Marquardt (5) versuchte, Frau von Tümmler über den Zustand von Mrs. Bilsom aufzuklären, doch Frau von Tümmler hörte nicht zu.

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Währenddessen versuchten Herr Marquardt (3) und (4), Herrn Bilsom begreiflich zu machen, dass er und seine Frau leider nicht den Normmaßen der Deutschen Bahn entsprachen und deshalb einen geringen Aufpreis zu zahlen hätten.

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Frau von Tümmler war nicht mehr zu halten. Sie stieg auf Frau Bilsoms Kopf und benutzte ihn als Trampolin. Frau Bilsom ging dabei leicht in die Knie, hielt aber Stand, so dass Frau von Tümmler hüpfend von oben die Aussicht genießen konnte. Sogar den einfahrenden Zug konnte sie schon in der Ferne sehen.

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Die Schaffner standen entgeistert da. Sie regten sich enorm auf ob der Naivität und Unbedachtheit der guten Frau. Herr Marquardt (5) verzweifelte schier und vergaß fast, das Zeichen für den einfahrenden Zug zu geben.

Herr Marquard (4) versuchte verzweifelt, Frau von Tümmler vom Risiko ihres Tuns zu überzeugen, während Herr Marquardt (3) meinte,  vielleicht sollten sie das zur Entspannung einfach alle mal probieren.

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Und das taten sie dann auch (sehr vorsichtig). Offensichtlich hatte weder Herr noch Frau Bilsom ja etwas dagegen. Reihum, solange der Zug noch nicht eingefahren war: Besonderns Herr Marquardt (5), der eigentlich wirklich wichtigeres zu tun gehabt hätte, wollte fast nicht mehr herunterkommen.

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Weil sie so viel Spaß gehabt hatten, war auch gar keine Rede mehr vom Aufpreis auf die Tickets. Alle waren wie verändert, gut gelaunt durch die Begegnung mit der netten und weichen Familie Bilsom. Sie hatte eine so beruhigende und großzügige Ausstrahlung, ja Charisma, das noch lange in ihnen nachwirkte.

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Und sie machten sich langsam auf den Weg zum Einsteigen in den Zug nach W. Und staunten darüber, was man doch als einfacher Beahnbeamter so jeden Tag an Interessantem erleben konnte.

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30.8.2007

Marquardts 1 / Gummibär

Abgelegt unter: Marquardts, Tiere, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:09

Frau von Tümmler, eine Urlaubsreisende, hatte sich mit Herrn Marquardt (1) verquasselt, wollte aber auf keinen Fall ihren Zug verpassen.

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Sie beeilte sich wie noch nie, auf das richtige Gleis zu kommen (wie oft hatte sie schon auf dem falschen Gleis gestanden und ihr Zug war irgendwo ganz anders abgefahren!), wo auch alle ihre Koffer schon auf sie warteten.

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Auf dem Weg dahin wäre sie beinahe über einen Bären gefallen, der da hilflos auf dem Boden lag. (Sie wäre weich gefallen.)

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Herr Marquardt (1) kam dazu und sagte nur: “Er schon wieder. Betrunken? Hoffentlich will er nicht schon wieder bei uns mitfahren!”

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Allerdings: Er wollte. Und zwar an den Strand. Zum Urlaub machen. Hans, der auf dem Heimweg von der Arbeit (am Band) war, kam dazu, um mitzuhelfen, den Bären aufzurichten (er konnte sich ja kaum selbst bewegen), während Herr Marquardt (2) sich um die beste Zugverbindung zum Meer kümmerte und ihm zeigte, von welchem Gleis aus er abfahren sollte.

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Als sie ihn endlich auch noch mit weiterer Hilfe von Herrn Marquardt (3) aufgerichtet hatten,…

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…besprach Frau von Tümmler alles im Detail mit dem Bären und dem Zugschaffner, Herrn Marquardt (4).

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Endlich kam noch Herr Marquardt (2) dazu, um die Pässe zu kontrollieren. Der Bär hatte seinen Pass heute gottseidank dabei.

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Und dann konnte es eigentlich losgehen. Herr Marquardt (5) gab letzte Anweisungen, wie sich der Bär auf der langen Fahrt zu verhalten hatte…

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…(der Bär hörte ganz genau zu und merkte sich jedes einzelne Wort)…

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…und warnte ein letztes mal Frau von Tümmler vor den Gefahren und Risiken, denen sie sich dabei aussetzte, wenn sie ihn in ihre Obhut nehmen sollte. So ein Gummibär war unberechenbar. Allerdings war sie nicht mehr von ihrer Entscheidung abzubringen. Sie wollte auf den Bären aufpassen, dass ihm nichts geschieht.

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Hans, der in der Zwischenzeit ein Bier trinken war (sein Zug hatte sowieso Verspätung), ließ sich die Situation von Herrn Marquardt (2) in allen Einzelheiten wieder und wieder erklären und wollte es nicht glauben. So eine Verantwortung zu übernehmen, hätte er der leichtherzigen und sprunghaften Frau von Tümmler nie zugetraut.

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Zusammen mit Herrn Marquardt (5) beobachteten sie den Zug, wie er langsam aus dem Bahnhof fuhr und wünschten den beiden alles Gute und eine gute Erholung, am Meer.

Hoffentlich wusste der Gummibär sich zu benehmen….

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