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Archiv der Kategorie Herr Mindernickel
Alle zusammen
15.11.2007 von Heiner.Eberle.
Noch einmal Dankeschön für alle Glückwünsche und Geschenke.
Weil einige der Geschenke mich für die nächsten Jahre blogtechnisch auslasten werden, muss ich jetzt mal anfangen, alles zu sortieren und Inventur zu machen.
Ich habe die schöne Waldarbeiterszene hier nicht mitgebracht, auch die Bäume, die Vespa und die John Deere Traktoren nicht.
Aber ich habe mal alle Personen, die in diesen Bloggeschichten eine Rolle gespielt haben oder noch eine Rolle spielen können, zusammengestellt.
Damit man sie besser erkennen kann, sind sie als „Thumbnails“ hier drin. Also die kleinen Bilder bitte anklicken, dann werden sie größer. (Die großen werden beim Anklicken nicht noch größer. Aber auch nicht kleiner.)
Bekannt sind natürlich diese: Ex-Cable Joe und Mähchen. Mit ihnen fing ja alles an. Damals.

Auch mit denen hier gab es schon Beziehungs- und andere Dramen: Frau Weichbrodt (Sesemi), jetzt ohne den verflossenen Herrn Mindernickel, dafür mit ihrem neuen Schwarm, Herrn Bongartz aus Texas, Bruder Lully und seine verehrte Geliebte Undine Gehscha. Und auch Frau von Tümmler, die von ihrem Herrn Marquardt mal wieder sitzen gelassen wurde.
Die Marquardts (1) bis (5) kennen wir mittlerweile auch schon ganz gut, vor allem ihre Spezialaufträge.
Und bei denen hier, die schon mal bei der verblichenen Fliege aufgetaucht sind, handelt es sich um alte Arbeitskollegen von Hans aus der Fabrik. Bisher noch namenlos. Francesco, der Brückenarbeiter, der Lieblingskollege von Hans, stürzte ja in Ausübung seiner Berufspflichten im Sommer diesen Jahres ab und gilt seit dem als verschollen.
Und hier betreten die noch nicht erweckten Figuren die Bühne: Sogenannte “Passanten”, die einfach nur herumgehen oder stehen und eine Szene dekorieren. Jede einzelne Figur hat natürlich und braucht natürlich erstmal eine Geschichte.
Hier sind noch weitere 6 „Passanten“, aus denen sich schon mal locker 3 Pärchen ergeben würden, wenn man sie ließe.
Diese Gruppe wird als „Stadtbesichtigung“ bezeichnet. Die Figur rechts ist wohl die Haupt-Agitatorin der Gruppe, mit Mikrophon (?).
Und das ist eine Sammlung von „Berufen“. Was wohl die Berufe der beiden Faruenfiguren sind? Irgendwie undurchsichtig.
Daneben bin ich jetzt auch stolzer Besitzer einiger Kloszenen. Hier ist der Flegel, der Stehendpinkler, der nicht einmal das Häuschen benutzt:

Die anderen sind schamloserweise nur zu erkennen, wenn sie die Tür nicht zu machen. Scheint aber niemand hier zu stören. Der Zeitungsleser:

Eine weibliche Person, die ich – glaube ich – Frau Kuttner taufen werde:

Und ein verliebtes Paar, das es sich hier trotz viel Gestank gemütlich gemacht hat.

Zur Weihnachtszeit wird es verstärkt Bewegungen und Austausch mit den himmlischen Heerscharen geben, deshalb zeige ich hier schon die Jahresendfiguren, die demnächst den Blog bevölkern werden. Ihre Namen muss ich noch herausbekommen. Eine/r der Engel wird sicherlich Sophia heißen. Vielleicht die kleine putzige Figur ganz links.
Wie gesagt: Die anderen Sachen, aus denen man Bilder und Geschichten machen kann, sind heute nicht dabei. Nur die Straßenwalze musste ich unbedingt unter die Lupe nehmen, deshalb also: Der Henschel.
Wem zu irgendeiner der neuen Figuren etwas einfällt, wer eine Idee hat, ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit kennt oder eine Geschichte, die sich zwischen zwei Figuren abspielen könnte, bzw abgespielt hat, wie eine Figur mit einer anderen bekannt oder verwandt sein könnte, wo sie sich einmal begegnet sind usw. usw., oder auch nur einfach weiß, wie sie heißen, der möge doch bitte einen Kommentar hinterlassen.
Ich werde mein möglichstes tun, die Vorschläge einzubauen, oder sie mit meinem Wissen und meinen Vorstellungen kombinieren, wenn das geht. Und es winken natürlich für die Ideen, die dann in den Blog Eingang finden werden, „wertvolle Sachpreise“. Versprochen.
Ansonsten werden die Figuren Schritt für Schritt die Geschichte selber weiterspinnen. Mal sehen, was da noch rauskommt.
Geschrieben in Undine Gehscha, Marquardts, Frau von Tümmler, Prof. Bongartz, Hans, Bruder Lully, Mähchen, Joe, Herr Mindernickel, Frau Weichbrodt, Allgemein | Drucken | 6 Kommentare »
Frau W. und Herr M. / Erdbeerdrama 4
8.11.2007 von Heiner.Eberle.
Aber letztendlich klappte es. Frau Weichbrodt war gerettet. Er wühlte sich ebenfalls wieder aus dem Kompott heraus, suchte Herrn Mindernickel, fand noch die Stelle, an der er versunken war, erkannte, dass alle Hilfe aussichtslos war und trat betroffen den Rückweg an.

Lully, der unten wacker gewartet hatte (wo war eigentlich Mähchen?), bemerkte, dass die Erdebeere verletzt war. Eine Wunde hatte sich geöffnet, aus der klebriger Erdebeersaft heraus troff.

Herr Bongartz stand verklebt und benommen da. Das Monster hatte gottseidank seinen Geist aufgegeben.

Herr Mindernickel hatte genau das Nervenzentrum getroffen. Die weichste und empfindlichste Stelle, die ihn dann verschluckt hatte, war getroffen und das Erdebeermonster hatte daraufhin seinen Geist aufgegeben.
Und es gab ihn wieder her. Aus der Öffnung, die Lully bemerkt hatte, rutschten langsam die verklebten Überreste des verblichenen Herrn Mindernickel heraus.

Frau Weichbrodt stand fassungslos dabei.

Herr Bongartz, der ihr das Leben gerettet hatte, war der einzige, von dem sie sich trösten ließ.
Lully hielt sich weise zurück, aber Hans bot ihr pragmatisch und unverkrampft alle Unterstützung an, die sie jetzt brauchen würde.

Frau Weichbrodt brach in Tränen aus. Und alle versprachen ihr, jetzt besonders eng zu ihr zu sammenzuhalten.
Herr Mindernickel hatte sie von dem Terror des Erdebeerdämons befreit. Dafür würden sie ihm ein Denkmal setzen. Das war eine unvergessliche Heldentat.

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Frau W. und Herr M. / Erdbeerdrama 3
6.11.2007 von Heiner.Eberle.
Und genau das passierte dann auch, wie sie vorausgesehen hatte. Mit einem leisen Laut der Überraschung sank Herr Mindernickel in das weiche Fruchtfleisch der Erdbeere ein. Bis zur Brust.

Und noch schlimmer. Frau Weichbrodt, die es quasi hätte besser wissen müssen, konnte sich ebenfalls nicht mehr von der Stelle bewegen. Auch sie wurde von dem Erdbeerdämon in sich eingesogen.
Mit beiden ging es stetig bergab. Immer tiefer sanken sie ein. Gegenseitig riefen sie sich verzweifelt aufmunternde Worte zu, aber keiner wusste, wie sie aus der klebrigen Masse wieder herauskommen sollten. Sich dagegen zu wehren, war unmöglich. Zu klebrig und glitschig war das Zeug. Ekelhaft süß schmeckte der Brei, in dem sie zu ersticken drohten. Dazu noch Sahne? Puh!

Lully und Professor Bongartz waren starr vor Entsetzen und wussten nicht, was sie tun sollten.

Herr Mindernickel war definitiv nicht mehr zu retten. Seine letzten Rufe waren nur noch als Blubbern zu erkennen. Auch Frau Weichbrodt sah ihr letztes Stündlein gekommen. Was ein Ende: Ertrunken in der Erdbeere!

Doch Professor Bongartz wäre kein echter Texanischer Cowboy gewesen, wenn er sich nicht ein Herz gefasst hätte.
„Halten Sie durch, ich komme!“ rief er nach oben. Und Frau Weichbrodt, die noch einen Hoffnungsschimmer sah, schaffte es, durch stetiges Rudern mit ihrer Handtasche tatsächlich wieder den Kopf etwas weiter aus dem Erdbeerschlamm herauszubekommen.

Herr Bongartz zog und zog und versank selber dabei fast auch in dem klebrigen roten Brei.

Ob die Rettung gelingt? Fortsetzung in ca. 2 Tagen.
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Frau W. und Herr M. / Erdbeerdrama 2
4.11.2007 von Heiner.Eberle.
Frau Weichbrodt wusste auch nicht weiter. Sie bot ihren gesamten Zuckervorrat an, wenn die Erdbeere ihr bloß ihren letzten Rest Sahne ließ, den sie noch zuhause hatte.
Da hatte Herr Mindernickel genug. „Jetzt ist ein für allemal Schluss mit dieser Unterdrückung“, sagte er. „Wir müssen uns wehren und diesem Früchtchen klar machen, dass man mit uns so nicht umspringen kann. Ich werde das Ding jetzt erledigen.“

Und bevor die anderen ihn irgendwie zurückrufen oder aufhalten konnten, war er bereits auf das Erdbeermonster hinaufgestiegen.

Der Untergrund war weich und schwammig und zitterte merklich. Natürlich: Das Erdbeerungeheuer war zornig und versuchte sich nach Kräften zu wehren. „Pass bloß auf dich auf!“, riefen Hans und Lully von unten.

Aber wie so oft bei ihren Ausflügen: Frau Weichbrodt ließ ihren verehrten Herrn Mindernickel nicht alleine. Sondern folgte ihm in einiger Entfernung nach. Sie ließ ihm gerne den Vortritt.

Er war immer derjenige, der behauptete, genau zu wissen, wo es lang ginge (na ja, manchmal fand er auch tatsächlich alleine sein Ziel, das musste sie schon zugeben), aber sie war meist instinktiv auf dem richtigeren Weg unterwegs. Das hatte bisher für beide immer hervorragend geklappt. Gemeinsam hatten sie immer erreicht, was und wohin sie wollten.

Herr Mindernickel stieß einen Jubelschrei aus. Er hatte das ganz oben liegende Nervenzentrum der Erdbeere erreicht. Der Punkt, an dem es ihr ganz besonders wehtat. Hier war die entscheidende Stelle, um sie zu besiegen.

Frau Weichbrodt hatte Angst. Sie rief ihn zurück. Sie befürchtete das Schlimmste. Sie wusste, dass es dort, wo Herr Mindernickel augenblicklich stand, weiche Stellen gab, die unweigerlich zum Tode führten konnten.

Fortsetzung folgt nochmal in etwa 2 Tagen.
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Frau W. und Herr M. / Erdbeerdrama 1
2.11.2007 von Heiner.Eberle.
Jedes Jahr war es wieder dasselbe: Das Dorf zitterte unter der Bedrohung. Immer im späten Oktober belagerte sie die Erdbeer-Terroristin.
Sie wollte Sahne. Sie wollte gefüttert werden. Sie wollte vor dem Winterschlaf sich ein Fettpolster anfuttern, damit sie gegen die Kälte geschützt wäre.

Jedes Jahr hatten sie der Erdbeerfrau gegeben, was sie konnten und sich dabei immer an den Rand des Ruins gebracht.

Dieses Jahr, beschlossen sie, sollte damit Schuss sein. Sie wollten sich wehren und die Erdebeere für immer loswerden.

Herr Mindernickel, der Geschäftsmann, wurde ausgeguckt, um ernst mit Frau Erdbeere zu verhandeln, besser gesagt, um ihr die Weigerung der Dörfler zu hinterbringen.

Lully und Professor Bongartz standen ihm als Sekundanten und moralische Unterstützung ängstlich zur Seite.

Frau Erdbeer sagte „nein“ und forderte verschärft den gesamten Dorfvorrat an Sahne und Rahm ein.
Hans hatte eine Idee: Man sollte sie so lange unbeachtet in der Herbstsonne liegen lassen, bis sie von alleine verfaulen oder erfrieren würde. Das sei doch ganz einfach…

Und er richtete auch gleich einige böse und aggressive Worte an das Ungeheuer.

Doch das nützte gar nichts. Sie warf ihr Mahlwerk an und ließ schmatzende Geräusche hören. Hans zog sich angewidert zurück. Die Erdbeere an sich war nicht sonderlich mobil, aber ihre Fress- und Kauwerkzeuge konnte sie blitzschnell ausfahren und das hatte schon manchem im Dorf das Leben gekostet.

Die Fortsetzung folgt in ca. 2 Tagen.
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Bongartz 5 / Haken
31.10.2007 von Heiner.Eberle.
Herr Bongartz hatte hinter seinem Haus eine Entdeckung gemacht: Einen großen alten Haken aus einer ganz besonderen Metalllegierung und wunderbar verarbeitet.

Den musste er sich unbedingt unter den Nagel reißen. So ein Exemplar hatte er in Texas noch nie gesehen. Es war äußert sorgfältig geschmiedet, zwar schon leicht korrodiert, aber das sollte kein größeres Problem sein.

Die Spitze hatte es ihm in ihrer Eleganz ganz besonders angetan.

Hier war jedes Detail mit größter Könnerschaft gearbeitet. Welche Tradition und Handwerkskunst wurde hier sichtbar…!

Die Schwingung und Beugung hier an diesem Endstück faszinierten ihn beosnders und brachten ihn vor Bewunderung und Andacht fast an den Rand der Tränen. Das Teil musste er zuhause unbedingt in der nächsten Fleischerzunftversammlung vorführen. An solchen Spießen konnte man ja ganze texanische Wildschweine am Stück räuchern!
Er versuchte, sich den Haken unter den Arm zu klemmen um ihn nach Hause zu ziehen.

Aber leider vergeblich. Das war gar nicht so einfach. Im Gegenteil. Ganz schön schwer.

Herr Bongartz zog und zog und wäre fast gefallen, so hatte er sich angestrengt. Aber nichts hatte sich bewegt.

Doch dann ging es langsam. Schritt für Schritt. Die Sonne kam auch wieder heraus, der Abend sollte noch richtig schön werden. Er freute sich schon auf ein Belohnungs-Bier auf seiner Terrasse.
Und dann kam sogar noch Herr Mindernickel dazu und half ihm, das dreckige Stück (er erkannte den wirklichen Wert des Hakens natürlich nicht…) nach Hause zu schaffen.

Und dort stellt Herr Bongartz dann alle Fragen über Frau Weichbrodt, die ihm seit ihrer ersten Begegnung vor ein paar Tagen im Kopf herumgegangen waren. Herr Mindernickel antwortete so gut er konnte, aber wurde zunehmend misstrauisch. Was hatte dieser Kerl denn mit seiner Frau Weichbrodt vor…?
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Dahl - Tiefer Schmerz
28.10.2007 von Heiner.Eberle.
Also wenn ich mal einen wirklich guten Krimi empfehlen darf: Arne Dahl „Tiefer Schmerz“, München (Pieper) 2006, übersetzt (an einigen Stellen knirscht es, und vom Schwedischen Umgangston ist man auch zuweilen überrascht…) von Wolfgang Butt. 410 Seiten (könnte auch länger sein), € 8,95.

(Zu Wolfgang Butt nur ein Beispiel von S. 203: „Professionalismus“ würde ich einfach durch „Professionalität“ ersetzen.)
Arne Dahl ist ja bei seinen Mordfällen nie zimperlich, wenn es um außergewöhnliche Tötungsmethoden und Grausamkeiten geht. In diesem Buch auch nicht. Aber es hat alles seine Logik. Alles stimmt zusammen. Es ist gut gebaut und alle Themenstränge führen rechtzeitig und richtig auch wieder zusammen. Er verliert keinen Faden.
Es geht letztlich um Vergeltung, um eine Rache-Geschichte. (Man kann also auch auf der Seite der Verbrecher stehen. Zumindest ertappt man sich zuweilen dabei.) Und selten hat mich eine Geschichte in den letzten Monaten so gefesselt wie diese hier.

Es ist nebenbei auch die Geschichte der Zerstörung eines persönlichen Paradieses, nämlich des Glückes einer der Kommissare und seiner Familie, die in den „Fall“ verstrickt sind. Unbeabsichtigt. „Alles war wunderbar und alles war falsch“, heißt es am Ende auf S. 410. Und das ist vielleicht die Quintessenz daraus. Es geht beides zusammen.

1 Problem habe ich allerdings: Beim ersten Mord finden sie ein Wort, das die Polizei als „Epivu“ identifiziert (S. 36). Ein Professor, 90 Jahre alt, aus einem zunächst noch anderen Erzählstrang, verliert sich in der Stockholmer U-Bahn und stellt irgendwann fest, dass das Muster seiner Fahrten jeden Tag die Form eines Buchstabens nachbildet. (S. 79, 108, 110, 112) Und er setzt das Wort „Epivu“ zusammen. „Sinnlos“ (S. 112) Und genau das ist es! Später stellt sich nämlich heraus, dass das Wort gar keinen Sinn macht, sondern von den Kommissaren falsch verstanden wurde, ein Lesefehler war.

Wie kann also der Herr Professor das Muster eines Wortes abfahren, das nur das falsche Leseergebnis der Stockholmer Polizei war? Solche Scherze macht das „Schicksal“ ja nicht, das ist Quatsch. Und außerdem ist das eine Idee von Paul Auster (in einem Teil der Manhattan Trilogie sammelt ein Mann Dinge vom Boden auf und legt dabei bestimmte Strecken in Manhattan zurück, die danach als Muster eines Wortes gelesen werden können… sehr mysteriös.) Oder womöglich von jemand ganz anderem.

Und noch was, dann ist aber genug genörgelt: Der Herr Professor verwendet für sein zweigeteiltes Leben die Metapher eines Blatt Papieres, bei dem auf beiden Seiten ein Text steht. Dieses Bild wird später (S. 76) – für meine Begriffe unzulässig – vom Autor übernommen, auf andere Personen angewendet und von denselben für sich in Anspruch genommen. Das ist etwas komisch, fühlt sich nicht gut an. Hätte ich nicht gemacht. Na egal.

Alles in allem ein tolles Buch. Bitte lesen. Ist rundherum empfehlenswert. Wie die anderen Krimis von Herrn Dahl. Bis auf “Rosenrot”. Wurde zwar viel gelobt, konnte ich aber noch nicht lesen und beurteilen. Ich schätze, dass es trotzdem gut ist.

Geschrieben in Hans, Herr Mindernickel, Bücher, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
Frau W. und Herr M. / 11
3.10.2007 von Heiner.Eberle.
Herr Mindernickel und Frau Weichbrodt standen kurz davor, einen gemeinsamen Panikanfall zu erleiden. Oder gleich zu ersticken.

Nach Leibeskräften riefen sie um Hilfe, was aber niemand hörte. Bis gottseidank Bruder Lully – auf dem Weg zum Lebensmitteleinkaufen, er wollte heute süß-saures Huhn ausm Wok für sich und Gehscha kochen – die offensichtlich herrenlosen Rabattmarken von weitem sah und gleich ein tolles Handtuchschnäppchen witterte.
Er sammelte natürlich auch. Aber nur für Gehscha. “Sie mag dieses gelbe Saunatuch so,“ entschuldigte er sich, wenn man ihn darauf ansprach.

Halb entsetzt über die gefährlich klebrige Situation, in der er Herrn Mindernickel und Frau Weichbrodt fand, halb belustigt über die Schlagzeile morgen in der Zeitung „Paar von Rabattmarken erwürgt“, half er den beiden aus der Breduille.

Beim Einkleben machte er auch noch mit und nahm zwischendurch Frau Weichbrodt auf die Seite, um ihr noch einmal ins Gewissen zu reden. Sie solle doch Herrn Mindernickel mit nach Passau nehmen. Das sei sie ihrem “gemeinsamen Glück doch schuldig“, wie er sich ausdrückte.

Herr Mindernickel bekam das natürlich mit und fand es oberpeinlich. Was ging den alten Mönch denn das an. Der Fall war sowieso schon erledigt. Passau war entschieden. Die Stelle, auf die Frau Weichbrodt spekuliert hatte, war bereits vergeben. (Was Lully nicht wusste).

Also sollte (zunächst) wieder alles beim alten bleiben. Herr Mindernickel hatte zum wiederholten Male eine Krise an sich vorüberziehen sehen. Aber das würde nicht mehr lange so weitergehen. Da war er sich ziemlich sicher.

Als sie alles erfolgreich und einigermaßen unbeschadet eingeklebt hatten, beschlossen sie, als Dank für die Hilfe, Lully das gelbe Saunatuch zu schenken. Ein großes Opfer für Frau Weichbrodt. Herrn Mindernickel war es eher wurscht. Wie sie das Paket allerdings nach Hause schaffen sollten, das wussten sie noch nicht.
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Frau W. und Herr M. / 10
1.10.2007 von Heiner.Eberle.
Frau Weichbrodt und Herr Mindernickel sammelten mit Begeisterung Rabattmarken von den unterschiedlichsten Unternehmen. Punkte, Meilen, Herzchen, was es alles gab. Bis ihnen eines Tages ihre Sammelwut beinahe zum Verhängnis geworden wäre.

Es ging um die Handtuchaktion bei REWE. Frau Weichbrodt kam mit Klebeheftchen und der ersten Rabattmarke, an der sie heftig zu schleppen hatte, ganz aufgeregt nach Hause. (Die beiden wohnten mittlerweile zusammen, hatte ich das schon erwähnt?) Sie hatte schon immer so tolle Handtücher haben wollen.

Dort traf sie allerdings auf einen ziemlich grantigen Herrn Mindernickel, der bei diesem Quatsch nicht mitmachen wollte. Handtücher waren ihm zu läppisch. Er wollte lieber da sammeln, wo es Reisen oder Heimwerkerartikel gab. Das lag mehr auf seiner Linie.

Aber trotz seiner vorübergehenden Bockigkeit und ihrer Enttäuschung machte Frau Weichbrodt weiter. Sie hatte auch eine Verbündete an der REWE Kasse, die ihr ganz subversiv und illoyal immer ein Märkchen mehr zusteckte, als sie eigentlich hätte ausgeben dürfen.

Und so kam es, dass sich bei Frau Weichbrodt und Herrn Mindernickel mehr und mehr von diesen klebrigen Marken ansammelten und sie wussten bald nicht mehr, wohin damit.

„Handtücher!“ rief Herr Mindernickel permanent und in spöttischem Ton: „Ich mach das nur wegen der Handtücher!“, obwohl man ihn bald unter den Märkchen nicht mehr hören konnte. Die Marken bekamen ein zunehmend aggressives Eigenleben. Und weil sie so klebrig waren, hatten die Beiden enorme Schwierigkeiten, sich davon zu befreien. Sie verstrickten sich immer mehr in die Dinger.

Schon gar keine Chance hatten sie, die Marken auf die dafür vorgesehenen Felder zu kleben.

Das war die offensichtliche Rache. Das Rabatt-System forderte seine Opfer. Und sie sollten die ersten sein.
Fortsetzung muss folgen.
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Frau W. und Herr M. / 9
27.9.2007 von Heiner.Eberle.
Frau Weichbrodt hatte ein Problem: Sie wollte wieder auf eigenen Füssen stehen. Nicht mehr abhängig von ihrem Ersparten oder von Herrn Mindernickels zugegeben großem Vermögen sein. Sie wollte wieder ihrem Beruf als Lehrerin nachgehen, den sie in den letzten Jahren nicht mehr ausgeübt hatte.

Sie träumte davon, wieder zu unterrichten und sie hatte von Irene (Frau von Tümmler) auch schon eine Stelle angeboten bekommen (Irene hatte gehört, dass man dort jemand suchte): In einer gepflegten Privatschule, einem Gymnasium, für 20 Stunden die Woche, also auch nicht zu anstrengend, mit Aussicht auf mehr.

Allerdings war die Stelle ganz tief in Bayern und das hatte sie mit Herrn Mindernickel noch nicht besprochen. Als er an diesem Abend auf den Stecker kam, erwähnte sie es ganz beiläufig.

„Wo ist das?“ fragte er entsetzt, „bei Passau? Willst du denn da leben? So auf dem Land? Glaubst Du, Du erträgst das?“
Er fand ein Argument nach dem anderen, warum Frau Weichbrodt lieber nicht so weit weg gehen sollte (keine Opern, keine Designerklamottenläden). Was er nicht wusste: Hans hörte die ganze Zeit zu.

Er war in letzter Zeit immer in der Nähe. Sehr ungewöhnlich. Blieb immer hängen, auf dem Weg nach Hause. Spionierte er ihnen nach? Im Auftrag von wem?
Jedenfalls eskalierte die Diskussion zusehends. Frau Weichbrodt pochte auf ihre Freiheit und ihren Wunsch, was Eigenes, Neues auf die Beine zu stellen. Schließlich müsste sie ihrem Leben ja auch wieder einen Sinn geben und könne nicht nur passiv und gelangweilt („gelangweilt?“ erwiderte entsetzt, weil persönlich angegriffen, Herr Mindernickel) zuhause sitzen und in zweifelhaften kulturellen Vereinen tätig sein.

Erbost ob des völligen Unverständnisses und der unnachgiebigen Ablehnung von Herrn Mindernickel zog sie sich zurück. Seine ganzen Argumente hatten sie davon überzeug, dass sie dringend weg musste. Distanz würde gut tun.
Auf der anderen Seite tat es ihr natürlich leid. Hans, der erstaunlicherweise Frau Weichbrodt sehr gut verstehen konnte, versuchte, Herrn Mindernickel zu beruhigen und zu trösten.

Der aber, weil er ja gerade den Eifersuchtsschock überstanden hatte (Joe = Bruder von Frau W.), sah ein weiteres mal eine nicht-rosige Zukunft als alleinstehender vermögender alter Herr vor sich und empfand eine tiefe sauertöpfische Enttäuschung.
Aber in der Sache sollte noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Lully kam vor bei und versuchte zu verstehen und zu raten: „…darüber schlafen, morgen ist auch noch ein Tag, da sieht die Welt wieder ganz anders aus…“ usw., seine übliche Leier.

Und Hans versuchte desgleichen, die beiden wieder zusammenzubringen. Er schlug sogar vor, Herr Mindernickel könne doch mit ins Bayrische ziehen. Es solle da sehr schöne Flecken geben. Sein Schwager käme ja auch aus der Gegend um Passau, er hätte Bilder gesehen, und ein tolles Bier würde es da geben…
Und so endete dieser Tag. Herr Mindernickel und Frau Weichbrodt wagten erste Gedanken an eine gemeinsam neue Zukunft auf dem Land. Irgendwo an der österreichischen Grenze.

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