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Archiv der Kategorie Gottlob

Hilmar und Gottlob

Hilmar Stampf musste Gottlob Friedrich unter 4 Augen sprechen. Dringend.

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Er hatte einen sehr abgelegenen Ort für die Verabredung mit ihm ausgesucht, wo selten andere Spaziergänger vorbei kamen.

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Es war zwar etwas schwierig für Leute, die nicht schwindelfrei waren, aber Hilmar wusste, dass Gottlob Friedrich in seiner Freizeit begeisterter Kletterer war und deshalb wohl kein Problem mit der Höhe haben dürfte.

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“Hallo Herr Stampf, da sind Sie ja! Was gibt’s denn so Geheimnisvolles, dass wir uns hier oben treffen müssen?”

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“Es geht nochmal um die Geschichte und dem Mord an Frau Hübsch. Danke, dass Sie kommen konnten, Herr Friedrich. Ich habe nur 1 Frage und Sie müssten mir die eigentlich beantworten können: Hat das Orakel, bevor man es als Herr Schabulsky identifiziert hat, den Lotteriegewinn von Frau Hübsch vorausgesagt? Wissen Sie etwas darüber? Haben Sie davon etwas gehört?”

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“Ja, nicht nur das. Es hat auch gewusst, wann sie mit ihrem Los etwas gewinnen würde und wieviel. Das hat ihm die Frau Hübsch zwar nicht geglaubt, aber dann ist es ja doch genau so eingetroffen”.

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Hilmar wurde es jetzt doch etwas schwindlig.

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“Wissen Sie, Herr Friedrich, ob das Orakel das auch anderen Leuten gesagt hat? Ich meine: Hat es auch anderen Personen richtige Vorhersagen gemacht?”

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“Nein, soweit ich weiß, nicht. Ich habe das Orakel auch einmal wegen meiner Karriere bei der Stadtreinigung befragt. Sie wissen schon, Gehaltserhöhung, mehr Verantwortung, weniger Schmutz und so. Aber außer einem unverständlichen Kochrezept habe ich keine klaren Informationen bekommen, das war ziemlich bescheuert, und dann habe ich es gelassen.”

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“Na, trotzdem danke, Herr Friedrich. Sie haben mir sehr geholfen. Darf ich noch ein Bild von Ihnen machen?

Gottlob Friedrich erlaubte es natürlich. Er fühlte sich etwas geschmeichelt, wusste aber nicht so richtig, ob er jetzt etwas zuviel ausgeplaudert hatte. Schließlich war Stampf ja Reporter, vielleicht kam er jetzt in der Zeitung?

Frank Doll - Die Verhöre 6

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“Als ich den Surf-Ahorn genommen habe, ja? Also da habe ich auch ein bisschen sauber gemacht und so, als kleines Dankeschön, dachte ich, da sah es ja aus, sag ich Ihnen! Und das ist ja schließlich auch mein Beruf, wissen Sie?”

“Jaja, schon klar. Weiter!”

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“…Da habe ich ganz seltsam viel Papier aufgefegt. So Toilettenpapier. Ganze Bahnen, die lagen da um die Leiche herum, das sah ganz unordentlich aus.”

“Was haben Sie? Das wird ja immer schöner” Doll war fassungslos und einer Verzweiflung ganz nahe.

“Ja, ich habe es in der Zwischenzeit natürlich entsorgt, aber auf dem Surf-Ahorn könnten noch Reste davon zu sehen sein.”

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Und Gottlob Friederich brachte auf seiner Schubkarre den von Frau von Tümmler am Tatort vergessenen und von ihm von dort mitgenommenen Surf-Ahorn her.

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“Tatsächlich. Ich sehe es ganz deutlich”, bestätigte Kommissar Doll. “Toilettenpapier. 3-lagig. Das muss sofort ins Institut! Warum haben Sie das bloß nicht früher gesagt!” Doll war außer sich. “Das ist ja fast schon Behinderung der Polizeiarbeit!”

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“Jaja, schon gut. Ich habe das jetzt verstanden. Tschuldigung. Mach ich nie wieder. Aber wissen Sie, was mir da beim Fegen noch eingefallen ist? Es gingen doch stndig Leute zu dem Toilettenhäuschen draußen vor der Kleingartensiedlung, hinterm Bahnhof. Da soll doch so ein Orakel hausen!”

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“Ja, diesen Blödsinn habe ich auch schon gehört.” Doll war gespannt aber skeptisch.

“Eben. Und bei dem Papier habe ich automatisch an das Gerücht denken müssen, dass Herr Schabulsky ja seit seiner Flucht untergetaucht ist und manche meinen ja, er säße da drin und würde sich für seine Orakelsprüche bezahlen lassen.”

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“Und außerdem weiß ich, dass Frau Hübsch auch schon mehrfach bei dem Orakel gewesen ist, um sich beraten zu lassen. Wegen ihrem Lotteriegewinn und so, wissen Sie? Was sie mit dem Geld anfange sollte usw…”

Stampf kam noch einmal vorbei, um Fotos von dem Beweisstück zu machen. Doll sagte nichts mehr.

“Lassen Sie uns das bitte heute Nachmittag auf dem Revier noch einmal besprechen, Herr Friederich. Das ist wichtig. Können Sie um 15.00 Uhr? Gottlob konnte.

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Und Doll hatte endlich das Gefühl, einen großen Schritt weitergekommen zu sein. Trotz Gips und Krücken.

(Bald haben wir es geschafft.)

Frank Doll - Die Verhöre 5

“Was wissen Sie? Wo waren Sie zur Tatzeit?”

Grolle hatte sich den Straßenfeger Friederich, Gottlob Friederich, geschnappt.

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“Ja, ich war da,” antwortete er zögerlich. Ich habe dort saubergemacht. Und dann habe ich den Surf-Ahorn stehen sehen und habe ihn mitgenommen. Hat ja niemand gehört. Für meine Tochter, wissen Sie? Die wünscht sich sowas schon lange. Ich selbst kann damit ja nichts anfangen.”

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“Was haben Sie? Und was war mit der Leiche? Die müssen Sie doch gesehen haben!?”

“Ja, aber ich dachte, die würde auch jemand anderes nach mir noch finden. Die lief ja nicht weg. Dann hätte ich doch den Surf-Ahorn nicht nehmen können, wenn ich das gemeldet hätte. So schlimmm fand ich das auch wieder nicht. Ich bin ja nicht der einzige Mensch auf der Welt. ”

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“Haben Sie jetzt mich im Verdacht?”

“Sagen Sie mal, wie naiv sind Sie denn eigentlich?” Grolle war etwas außer sich. “Ich müsste Sie jetzt eigentlich sofort verhaften!”

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“Na, mach mal langsam, Grolle!” Hilmar Stampf erschien auf der Bühne.

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“Ich denke, Du kannst ihm glauben. Das ist ein ziemlich armer Schlucker.”

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“Muss für Frau und Kind aufkommen, da geht halt der Surf-Ahorn für die Tochter über die moralische Verpflichtung, eine Leiche an die Polizei zu melden!”

“Na hör mal, wenigstens anonym hätte er es doch machen können…”, bot Grolle an, aber es war ja jetzt auch egal.

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“Na, was Neues?” Doll traf ein.

“Tja, der Surf-Ahorn ist aufgetaucht. Gottlob Friedrich aber unschuldig, seine Aussage ist relativ glaubwürdig.”

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“Ah Herr Kommissar!”

“Ja? Was gibt es noch?”

“Lassen Sie mich noch was erzählen, was für Sie vielleicht interessant ist…”

(Das kommt dann beim nächsten mal.)

Gottlob 1 - Konfetti

Gottlob Friedrich war Straßenfeger. Mit Freude und mit viel Stolz. Er wusste, dass er einen wichtigen Job hatte und ließ sich den auch von niemandem schlechtreden. Sein Job war, Straßen, Wege, Gehwege, Einfahrten, usw. sauber zu halten und von Müll und Abfall zu befreien.

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Schmutz ganz allgemein konnte er in keiner Form ertragen, Bevor der Boden nicht peinlich sauber gefegt oder blank poliert und gebohnert war, gab er nicht auf. Das war schon immer so gewesen. Schon als Kind war er deswegen schon auffällig geworden.

Heute war mal wieder ein Unglück passiert. Irgendjemand hatte gefährliche runde Papierstanzreste auf den Schreibtisch fallen lassen und das Telekommunikations-Device in Gefahr gebracht. Gottlob Friedrich reagierte sofort.

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Die Dinger mussten schnellstmöglich entfernt werden. Sie waren so gefährlich, weil ihre Kanten so scharf waren, dass man sich daran Hosen oder Wertvolleres aufritzen konnte. Also mal wieder genau der richtige Job für ihn, den Retter der Passanten und Fussgänger.

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Schaufel und Schubkarre hatte er gottseidank immer dabei. Was wäre er ohne sie! Der Besen war von ihm nicht mehr zu trennen. Er war quasi mit ihm bereits verwachsen. Er kam nicht mehr von ihm los.

Gottlob rackerte sich ab, Er ruhte nicht eher, als bis alles, auch das letzte Papierschnipselchen, aufgesammelt und zum Abtransport in der Karre lag.

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Damit hatte er wieder mal gewonnen. In seinem täglichen Kampf gegen den Abfall, den Dreck, den Schmutz und den Kehricht. Das würde er umgehend als Erfolgsmeldung beim Stadtreinigungsamt berichten müssen.

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So sah sein Lebensinhalte aus. Dafür lebte er. Dafür wurde er bewundert und bezahlt. Dafür liebte ihn seine Frau (die nicht ganz so pingelich war wie er) und dafür lohnte es sich zu leben, dachte er. Und sang den alten Walzer seiner Straßenfegerzunft, der wie für ihn geschrieben war:

“Ich bin der Straßenkehrer Gottlob Friederich.
Ich kehr bei arm und reich, bei hoch und niederich.
Bei Eis und Schnee bei Regenwetter und bei Sonnenschein
muss ich als Straßenfeger immer auf dem Deckel sein…”

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