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Archiv der Kategorie Franz
Francescos Letzte
5.9.2007 von Heiner.Eberle.
Francesco wollt nie - wie Hans z.B. - am Band arbeiten. Seine Arbeit bestand zu großen Teilen darin, die Befestigung der Bahnbrücken zu prüfen. Zum Beispiel bei dieser hier:

Er begab sich wie immer an jenem berüchigten und windigen Donnerstag auf die extrem schwierige Mission, hatte alle Werkzeuge und die etwas betäubenden Chemikalien eingepackt, das Vespro und die Bildzeitung natürlich auch, und schwang sich auf das hohe Geländer.
Rost an den Brücken war das übelste und wichtigste, das er zu bekämpfen hatte:

Für den sofortigen Einsatz hatte er schnell wirksamen Rostumwandler dabei. Der war jedoch außerordentlich umweltschädlich und seine Dämpfe machten einen schon leicht benommen, wenn man nicht aufpasste.

Für schwerere Fälle musste er immer das Rostumwandlungskommando bestellen. Dann blieb ihm nur eine möglichst genaue Schadensaufnahme und -beschreibung.

Er liebte seinen Beruf. Er war immer an der frischen Luft, konnte auch einmal ungestört die Aussicht genießen, es war eine verantwortungsvolle Tätigkeit, und sein Chef legte Wert darauf, dass er sorgfältig prüfte und inspizierte. Geschwindigkeit war nicht in erster Linie gefragt. Sondern Genauigkeit. Also kein Stress.
Allerdings gab es auch Gefahren: Steile Schluchten und Spalten, die schlecht einsehbar waren und die im Falle eines Falles immer einen tiefen, tödlichen Sturz bedeuten würden.

Für ihn war das trotz der Risiken ein cooler Job bei der deutsche Eisenbahnbrücken AG. Er wollte gar nie etwas anderes machen. Schon im Kindergarten hatte er immer “Rostinspizient” gesagt, auf die Frage, was er denn einmal werden wolle.

Nur einmal ging tatsächlich etwas ganz gravierend daneben.
Er war in Gedanken, dachte an seine liebe Frau, hatte schon über ein Dutzend Roststellen and diesem Donnerstag inspiziert, teilweise umgewandelt, hatte schon einige Dämpfe eingeatmet und war endlich an der Riesen-Mutter angekommen, als ihn plötzlich ein Windstoß erfasste und von dem Geländer wehte.

Er spürte es gar nicht mehr richtig. Er landete zwischen den Geleisen auf den aus Sandstein gemauerten Brückenpfeilern. Dorthin war kein Durchkommen für irgendwelche Hilfskräfte. Selbst wenn er den Sturz überlebt haben würde. Zu viele grausame Fressfeinde lauerten dort auf ihn.
Wir müssen uns also leider von Francesco, den Hans immer Franz nannte, hier für immer verabschieden. Ja. Leider. Hans musste ab jetzt immer abends alleine nach Hause gehen.
Traurig, traurig.
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Mozart Klavierkonzerte
29.8.2007 von Heiner.Eberle.
Hier kommt eine schnelle Plattenkritik.
Weniger Kritik als schnelle Kaufempfehlung, solange der Preis noch so ist, wie er ist.
Wir sprechen von:
Wolfgang Amadeus Mozart: DIE KLAVIERKONZERTE
Gesamtaufnahme. Derek Han, András Schiff, Zoltán Kocsis, Dezsö Ranki/Klavier, P.-J. Belder/Cembalo, Philharmonia Orchestra, Musica Amphion, Hungarian State Orchestra/Paul Freeman, János Ferencsik. DDD. Brilliant Classics. 11 Hybrid-SACDs.
Gibts überall und auch bei Zweitausendeins unter der Nummer Nr. 690349 zum Preis von Achtung: € 8,99 laut Internet.
Das sollte man wahrnehmen. Ich meine, ich hätte noch was um die € 15 bezahlt, aber egal.

Beim Reinhören in die erste CD bitte nicht abschrecken lassen, da spielt Pieter-Jan Belder auf einem nachgebauten, “alten” Spinnett, das klanglich nicht ganz mit dem Orchester mithalten kann. Ab der 2. CD klingt dann aber wieder alles wie gewohnt.
Oder besser: Besser als gewohnt. Die Aufnahmetechnik ist obergut. Ich habe nur einen sehr guten “normalen” CD Spieler, ohne Stereo-Multi-Channel und ohne Möglichkeit, Hybrid CDs (”super audio CDs”) abzuspielen bzw. zu hören. Trotzdem sind es schon enorme klangliche Unterschiede zu althergebrachten Aufnahmen. Hätte ich nicht gedacht.
Von den Klavierspielern kannte ich nur Andràs Schiff; der spielt aber nur auf der letzten CD im Konzert für 3 Klaviere und Orchester. Die anderen, Pieter-Jan Belder (auf dem “Harpsichord”) und Derek Han, der die CDs Nr. 2-10 bestreitet, waren mit nicht bekannt, aber sie können das schon auch gut.

Ich gestehe an dieser Stelle, ich bin weder der Mozart-Kenner noch Mozart-Liebhaber. Steinigt mich, wenn Ihr wollt, aber die meisten Sachen sind mir oft zu lieb und nett und “richtig” und süß und vorausschaubar, kindlich, ausgewogen, usw. Eigentlich langweilig, um es auf den Punkt zu bringen. Davon nehme ich ausdrücklich aus (und ich kenne natürlich nur vergleichsweise wenig von WAM) z.B. das G-Moll Streichquintett (spannend), das Requiem und ein paar andere Sachen (Einzelnes aus Opern).
Aber ich will bitteschön nicht mehr ein Jahr lang von Klaus Maria Brandauer täglich auf SWR 2 und anderen Sendern einen von gefühlt 5.000 Briefen von “Wolferl” an sein “Stanzerl” oder den “Herrn Papa” oder Wenauchimmer vorgelesen bekommen. Nein. Bitte nicht mehr.

Zurück zum Päckchen: Jede CD hat zwischen 60 und 80 Minuten Spielzeit, macht rund 13 Stunden Mozart Klavierkonzerte. Man hat sie endlich alle komplett. In einer schönen Box. Mit jeweils kurzem Brilliant-Classics-typischen Einführungstext.

Für den, der Komplettaufnahmen liebt, weil er gerne alles komplett haben will, wie Bruder Lully z.B., ist das ein prima Angeot. 11 Multi-Channel SACDs für € 8,99 (wenns noch stimmt). einfach kaufen!
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Lully nealy lost
28.8.2007 von Heiner.Eberle.
Bruder Lully liebte es, im Wald umher zu wandern und im Dickicht nach Überresten von Menschen oder Tieren zu suchen, die er dann als Pseudoreliquien in seinem kleinen Schrein ausstellen und für diese Heiltumsschau Eintritt verlangen konnte. Er war schon ein ziemlich geschäftstüchtiger Mönch.

Einmal geschah es, dass Bruder Lully sich völlig vergessen hatte und immer weiter in das Dickicht hineingeriet. Er war in Gedanken. In frommen und unfrommen.

Und er verhaspelte sich in den scharfen und harten Dornen der alten Rosen mit seiner weiten und weichen Soutane.

Wie es der Zufall wollte, sollte Mowing Girl heute mal wieder seine Retterin werden. Das Mähchen war (natürlich nicht ganz zufällig) zur Stelle und wurde auf des Bruders Wimmern aufmerksam.

Jedoch war Lully im Gestrüpp so fest verknotet, dass sie ihn nicht alleine befreien konnte.
Francesco, auf dem Weg zur Arbeit (oder von der Arbeit), kam gerade am Rosenwaldrand vorbei…

…und wurde umgehend von Mähchen für die Hilfsakton abkommandiert.

Francesco rief erst kurz zuhause an, dass es mal wieder später werden würde. Dann holte er Hans zum Helfen. Denn der war ebenfalls in der Gegend unterwegs, auf dem Weg nach Hause. Er hatte sich gerade auf einem alten Lenden-Stütz-Blatt ein Weilchen ausgeruht. Er war ja auch nicht mehr der Jüngste…

Um Buder Lully zu befreien, mussten sie sich mühsam von hinten durch das Rosenunterholz annähern. Das war ganz schön stupfig.

Das war schwierig und kostete sie viel Zeit. Wie Bruder Lully mit seiner arthritischen Hüfte das geschafft hatte, konnten sie überhaupt nicht begreifen. Hans und Franz hatten sich übrigens rechtzeitig Schutzcreme auf die Nasen geschmiert, um vor den gefährlichen Sonnenstrahlen zu dieser Jahreszeit (August) in dieser Höhe einigermaßen sicher zu sein. Daran hatte Lully mit Sicherheit auch nicht gedacht. Hatte sich sicherlich schon einen dicken Sonnenbrand geholt.
Schließlich kamen sie bei ihm an. Mein Gott, war Bruder Lully das wieder peinlich. Immer kam er in solche Situationen und musste sich retten lassen.
Hans war es schließlich, der Lully zuerst entdeckte. Mähchen war die andere Strecke, von vorne, gekommen, um ihnen die Unfall-Stelle zu zeigen.

Zum Schluss, wie vermutet, waren alle wieder glücklich beieinander. Die obligatorischen Ermahnungen des strengen Mähchens (der “Wärterin”) ertrug Lully mit Engelsgeduld.

Es war ihm peinlich, vor allen anderen so zurecht gewiesen zu werden. Er hatte sich ja nicht absichtlich verheddert. Sondern für einen guten Zweck.

Jetzt brauchten sie aber alle erst einmal ein schönes Bier, schlug Hans vor. Und etwas Ruhe für Lullys Hüfte.
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Lully im Pilz
26.8.2007 von Heiner.Eberle.
Wie das angefangen hat, weiß Bruder Lully selbst nicht mehr so richtig. Er übte die Pose des Caspar David Friedrichschen “Mönch am Meer”, allerdings “mit Pilz” und bei besserem Wetter (bei Regen ging er ja nicht mehr raus - das tat seiner Hüfte gar nicht gut. Er ging ja auch schon ganz schief und stehen konnte er auch kaum noch aufrecht. Kam alles von den kalten Mönchszellen…)

Er meinte in seiner Andacht auf einmal eine leise, wimmernde Stimme zu hören. Sie schien aus dem Innern des Pilzes zu kommen. Es waren sehr betörende Laute, die ihn um Hife zu rufen schienen. Er glaubte, er sollte hier dringend etwas unternehmen.
Lully kannte die Geschichten von jungen Mädchen und Frauen sehr wohl, die nachts, völlig unerwartet und völlig wehrlos wie sie waren, sich von dem Pilz überwältigen ließen und danach von ihm gefangen gehalten wurden. An solchen Grausamkeiten hatte der Pilz offensichtlich großes Vergnügen. Und niemand hatte ihm bisher Einhalt gebieten können.
Bruder Lully reagierte auf die Hilferufe, wie es seine Art war: Mutig und entschlossen wollte er den Dingen auf den Grund gehen. Und stieg dem Pilz aufs Dach.

Er kam höher und höher und stieg gleichzeitig immer weiter in die inneren Schichten des Pilzes hinein. Die Stimmen der jungen Frauen sogen ihn geradezu an. Er trat vorsichtig-unsicher auf dem weichen Untergrund auf, rutschte einmal kurz weg…:

Und es war passiert: Er stürzte direkt in die Lamellen hinein, die mit dem übel riechenden Verdauungssaft des Pilzes getränkt waren. Lully war sich sicher: Es war um ihn geschehen.

Er sollte hier und jetzt bei lebendigem Leibe verdaut werden. Von einem hundsgemeinen, handelsüblichen Champignon. Er ahnte auch langsam, wo die veführerischen Stimmen herkamen: Es war der leichte Luftzug, der am Rand des Pilzschirmes vorbeipfiff. Das hörte er jetzt ganz deutlich, denn er war jetzt ganz nahe dran. Da kamen die Geräusche her.
Er rief um Hife. Lange. Oft. Er wollte nicht verdaut werden. Nicht heute. Nicht so. Lange hörte er nichts. Wer sollte ihn auch schon hören?

Doch dann - wieviele Stunden mochten vergangen sein? - vernahm er von oben ein dumpfes “Ja da schau her, der Lully!”, die Stimme von Hans, dem Arbeiter am Band, der auf dem Heimweg mit Francesco war und des Bruders Hilferufe gehört hatte. Obwohl sie beide schon mehrere Bierchen intus hatten, war klar: Hier musste geholfen werden.

Und gleich kam auch Francesco herunter, der eigentlich schon zuhause hätte sein sollen. Seine Frau würde ihm wieder die Leviten lesen. Sie war so streng. Das ahnte er jetzt schon. Weil er nach der Arbeit nicht sofort nach Hause gekommen war. Aber - vielleicht würde sie es ja verstehen, wenn er als Retter von Bruder Lully nach Hause kam? Als Held? Vielleicht…

Mit vereinten Kräften schafften sie es, Bruder Lully aus den scharfen und ätzenden Lamellen zu ziehen (seine Schuhe waren schon ziemlich angegriffen) und ihn auf den Boden zurückzubringen.

Per Handy hatte Francesco in der Zwischenzeit Mähchen an den Ort des Grauens gerufen. Damit sie mit dem Champignon mal rede. So konnte es ja auf keinen Fall weitergehen. Das “Ding” war ja eine Gefahr für alle friedliebenden Menschen…

Zuerst richtete Mähchen aber ein deutliches Wort an Bruder Lully. Damit er sich zukünftig etwas vorsichtiger bewege und vernünftger benehme - er sei doch auch nicht mehr der Jüngste. Er solle doch solche Gefahren und Abenteuer bitte sein lassen. Dafür gäbe es erfahrenere Helfer wie sie oder Cable-Joe z.B.

Luly konnte soche Standpauken gar nicht ertragen. Es war ihm zutiefst unangenehm. Er wäre am liebsten im Boden versunken. Es war jedesmal dasselbe. Er wollte nur helfen und bekam immer die größten Schwierigkeiten.
Mit den Trocken-Rosen war das ja ähnlich gewesen.
(Davon demnächst mehr.)
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Hans und Franz / 1
24.8.2007 von Heiner.Eberle.
Heute darf ich 2 neue Kollegen vorstellen, die auch in der Fabrik arbeiten, in der das Riesen-Fliegen-Untier sein Unwesen getrieben hat und alle so darunter leiden mussten.

Hans ist der Arbeiter, der am Band steht, schon seit über 30 Jahren in der Firma ist und sich die silberne Ehrennadel letztes Jahr erworben hat. Sogar einen Brief von seinem Chef hat es dazu gegeben. Und einen Blumenstrauss. Sein Sohn fängt da in der Firma jetzt auch schon an, Karriere zu machen. Hat den Meister gemacht. In einer anderen Abteilung. Eigentlich wollte der ja im Ausland was werden, aber er hat den Absprung dann doch nie geschafft. Naja.

Und Franz, sein bester Kumpel, der heißt eigentlich Francesco, aber Franz liegt Hans besser, und kürzer ist es auch, also nennen in alle jetzt so. Mit Franz geht er jeden Morgen zur Arbeit und jeden Abend wieder nach Hause.

Wenn der keine Überstunden machen muss. Denn Franz ist oft draußen unterwegs bei dem gefährlichen und meist ungesicherten Überprüfen der Roststellen an den Brücken. Das kann schon mal einen schnellen Absturz bedeuten, wenn der Wind zu kräftig weht und man keinen festen Stand hat z.B. Hans ist froh, dass er seine Arbeit im Trockenen und in aller Ruhe am Band machen kann. Akkord, aber einigermaßen erträglich.

Ihr Weg führt sie jedesmal an dem großen Pilz vorbei, der sich seit einiger Zeit hier in der Stadt niedergelassen hat. Er soll aus dem tiefen Süden der Republik oder aus dem Südosten gekommen sein, aus angrenzenden europäischen Staaten womöglich, sagt man. Man sagt, dass der Pilz zuweilen sehr aggressiv sein könne, aber gegenüber Hans und Franz hatte er sich bislang immer sehr anständig benommen. Er roch nicht einmal unanständig. Im Gegenteil.

Der Pilz - so gehen die Erzählungen - soll mal Bruder Lully fast verschlungen oder erwürgt haben, wenn nicht Mowing Girl geistesgegenwärtig Hans und Franz zuhilfe gerufen hätte.

Doch dazu später mehr. Das könnte nämlich eine längere Geschichte werden. Bruder Lully steckt ausserdem ständig in Schwierigkeiten, aus denen ihm immer jemand heraushelfen muss. Irgendwie ist er dafür geschaffen. Er zieht solche Situationen förmlich an, ist dann völlig hilflos. Und er lernt auch nichts daraus. Das schlimmst aber: je tatteriger er wird, desto haariger die Abenteuer, in die er sich begibt.
Zu guter Letzt hat er sich auch noch in eine schöne, nicht mehr ganz so junge, Japanerin verliebt. Aber das geht ja aus ganz vielen Gründen überhaupt nicht….!
Wie gesagt: Dazu später mehr.
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