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Archiv der Kategorie Das Orakel

Frank Doll - Die Verhöre 8

„Orakel, kommen Sie heraus, wie wissen, wer Sie sind. Sie stehen im Verdacht, Edith Hübsch ermordet zu haben, um an ihren Gewinn aus der Lotterie zu kommen. Gestehen Sie und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“

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Ganz langsam und leise quietschend ging die Tür auf.
Doch dann waren sie erschüttert.

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In dem Häuschen saß nicht das nach Myrrhe und Weihrauch duftende Orakel mit Hut und Zeitung, wie von allen beschrieben, sondern ein eng umschlungenes Pärchen.

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„He, was soll’n das? Kann man nicht mal in Ruhe aufs Klo?“
„Na, das sieht mir ja aber anders aus, was Sie da machen!“ konterte Grolle. „Wohin haben Sie denn das Orakel verscheucht?“
„Orakel? Was ist denn das für ein Quatsch, bei Ihnen piept es wohl! Orakel! So was gibt es doch gar nicht!“

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„Vielleicht schauen Sie mal weiter bei dem Buch, das da liegt, vielleicht ist das ihr Orakel, der Spinner, der die Hosen nicht mehr hochkriegt!“

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Und tatsächlich: Auf dem teuren Ledereinband saß das „Orakel“, Sabses Ehemann, in wohl vertrauter Haltung. Er hatte es weder für notwendig erachtet, die Hose hochzuziehen, noch den Hut oder die Zeitung abzulegen.

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„Herr Schabulsky“, wir wollen mit Ihnen reden!“ riefen sie etwas nervös nach oben. Wie immer, wenn sie der Aufklärung eines Falles so nahe waren.

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„Und warum? Können Sie Ihre Anfrage nicht schriftlich einreichen, wie alle anderen auch?“
„Nein, das können wir nicht. Wir wollen auch nicht das Orakel befragen, sondern Herrn Schabulsky verhaften, Sabse Schabulskys untergetauchten Ehemann, verdächtig der Tötung Edith Hübschs aus ganz niedrigen Beweggründen.“

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„Na gut, ich komme mit Ihnen. Ich gestehe alles, wenn Sie mir nur einen Orthopäden beschaffen, der mir aus dieser verkrampften Position hilft.“

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„Ich kann nämlich nur in dieser Haltung sitzen, kann mich nicht mehr richtig aufrichten, der Hexenschuss, wissen Sie! Das Leben im Orakelhäuschen hat mir ganz schön zugesetzt. Was bin ich froh, dass das vorbei ist.“

„Das kriegen wir hin, keine Sorge!“ versicherte Doll wieder ganz beruhigt, und sie nahmen ihn von beiden Seiten unter die Arme und führten ihn ab.

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Und Pablo, der Leierkastenmann, versuchte, eine Moral der Geschichte zusammenzudichten. Aber außer dem alten „Verbrechen lohnt sich meist nicht“ oder „Wir werden alle mal erwischt“ fiel ihm nichts Wesentliches ein.

Damit wäre also diese lange Geschichte endlich auch beendet. Spektakulär nicht?

Frank Doll - Die Verhöre 7

Der letzte, aber auch heftigste Lichtblick für Kommissar Doll war der ständig wiederkehrende Hinweis auf das „Orakel“.

Und so machte er sich auf, um das Häuschen zu finden, das einstmals am Stadtrand, in der Schrebergartensiedlung und dann hinter dem Bahnhof stand.

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Der letzte, aber auch heftigste Lichtblick für Kommissar Doll war der ständig wiederkehrende Hinweis auf das „Orakel“.

Und so machte er sich auf, um das Häuschen zu finden, das einstmals am Stadtrand, in der Schrebergartensiedlung und dann hinter dem Bahnhof stand.

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„Ja, Sie sind völlig richtig, immer der Nase nach, da lang, ja, da können Sie gar nichts falsch machen. Es riecht halt etwas streng, aber so ist das nun mal.“

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Und so langsam verstand Doll auch, warum.

„Sag mal, sind wir hier eigentlich auf einem öffentlichen Örtchen oder was?“

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In etwas großer Hektik versuchte ein Pinkler, sein Geschäft zu beenden, als er so heftig von Doll angesprochen  wurde.

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„Aber so lange Du einpackst, kannst Du mir auch noch gleich sagen, wo denn dieses ominöse Orakel sein soll? Oder?“

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Und er bekam sogar eine einigermaßen zuverlässige Antwort, denn nach kurzer Zeit traf er auf Grolle, der sich bei Manfred schlau gemacht hatte und den Weg über die Felder genommen hatte, statt durch den verpinkelten Lindenblütenwald.

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„Also: Das Orakel ist Sabse Schabulskys Mann, der vor einigen Monaten untergetaucht ist. Das ist wohl sicher. Er weiß von allem, weil ihm alle ihre Geheimnisse mitteilen, um einen Rat oder eine Offenbarung von ihm zu bekommen.

Er hatte genügend Anlass und Möglichkeiten, den Mord an Edith Hübsch begangen zu haben.“

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„Und dazu hat Edith ihn noch in der Hand gehabt!“ Pablo, der Leierkastenspieler war Doll gefolgt und hatte noch eine interessante Neuigkeit dabei:

„Das Orakel hat mir beim Bier mal erzählt, die Edith hätte als Einzige sein Geheimnis herausgefunden und gedroht, es an die Öffentlichkeit zu bringen. Das Orakel hatte eine Heidenangst. Vor einer Aufdeckung und vor allem auch vor seiner Frau, der Sabse.“

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„Na also, das ist doch alles rund“, freuten sich Doll und Grolle. „Lass und das Orakelnest ausheben!“

Ihr Jagdinstinkt war wieder aktiv da. Und nach wenigen Minuten hatten sie das Häuschen erreicht.

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Es stank erbärmlich.

(Jetzt folgt noch eine Fortsetzung, dann ist der Fall erledigt. Versprochen.)

Shaw - Zu wahr

Eine flotte Besprechung:

Berhard Shaw “Zu wahr um schön zu sein - Eine politische Extravaganz in 3 Akten” und  “Zu viel Geld - Eine unmanierliche Komödie in 4 Akten” Deutsche Erstausgabe, übersetzt von Ursula Michels-Wenz (ganz hervorragend, der Humor ist großartig.) Mit jeweils einer Vorrede des Autors. Beide Stücke sind gedruckt zuerst auf deutsch erschienen (1932 bzw. 1948) und danach auf englisch. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 2000, TB € 7,50

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Das Thema des alten Linken Shaw ist etwas veraltet: Im Zeitalter des hybriden Verbrauchers sind die Vorstellungen über “Reiche” und “Arme” nicht mehr so gradlinig und scharf definiert wie Shaw das hier als Modell vorstellt. Die “Reichen ” leiden sicherlich nicht unter ihrem Reichtum, das ist ein schöner Gedanke, aber irgendwie nicht mehr nachvollziehbar. Es sei denn, man wendet es auf unsere Freizeit-Zwangs-Aktivitäts- und Spass-Gesellschaft an, dann könnte es wieder passen.

Aber es gibt andere schöne Themen in dem Buch: Die Verlogenheit von stumpfsinnigen Regeln geben immer wieder Anlass zu Spott und Ironie, die falschen Gwissens- und Glaubenswahrheiten, die zu Täuschungen und verlogenen Ritualen verkommen, usw. Sehr schöne Gedanken findet man da.

Und wie gesagt, die Texte sprühen vor Witz und Spitzfindigkeiten. Die Dialoge sind großartig, immer auf den Punkt.

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“Eine bis zur Lebensunfähigkeit verwöhnte und umsorgte junge Frau wird durch zwei Gangster in ein phantastisch belebendes Abenteuer gestürzt, in einen Ausbruch aus der lähmenden Entmündigung, der sie erwachsen macht.” Sagt der Klappentext zum ersten Stück. Und das stimmt auch so.

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Kein dramatisches wichtiges Buch also, aber sehr unterhaltsam und lesbar.

Maeda - Simplicitiy

Ich wollte eigentlich keine so langen Buchbesprechungen mehr schreiben, aber das hier wird voraussichtlich wieder so etwas ausführliches.

Es ist ein Buch, auf das mich die lieben Kollegen hingewiesen haben (und schon wieder was Japanisch-Verwandtes. Seltsam…):

John Maeda: „Simplicity – Die 10 Gebote der Einfachheit“, aus dem Englischen von Sebastian Vogel. München (elsevier, Spektrum Akademischer Verlag) 2007. Nur 102 Seiten, gebunden, € 16,–.

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Von dem Buch sind alle begeistert. Der Rückseitentext zitiert begeistert Herrn Tessenow, einen Architekten, arte, die SAP Design Guild (was ist denn das?) und „Phlow“, das „Magazin für Musik und Netzkultur“.

Und der Verlag sagt „ „Simplicity“ ist der Rettungsanker in einem Meer immer komplexer werdender Prozesse und zunehmend unüberschaubarer Funktionalitäten.“ Große Worte.

„Wie soll man einen klaren Kopf behalten in einer Welt, die immer komplexer wird?“ fragt der Klappentext. Und damit rennt er natürlich offene Türen ein. Obwohl ich das MIT Media Lab und andere technisch fortgeschrittene Institutionen verdächtige, dass ihnen bisher ein „Mehr“ an Funktionalität immer besser erschien als ein „Weniger“. Aber die „Reduktion von Komplexität“ beschäftigt natürlich Universitätsprofessoren, Verhaltenswissenschaftler, Soziologen, Psychologen, Ergonomen und Industriedesigner seit zig Jahren.

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Es gab immer schon die unterschiedlichen Auffassungen und Philosophien: aus Japan (mehr ist besser: Meine alte Mitsubishi Fernbedienung, sag ich bloß!) und z. B. Deutschland (aufs knappste reduziertes Design bei Fernseher und Fernbedienung von Loewe, die ganze Tradition aus Dessau, Dieter Rams und so weiter), von BMW (mehr Technik / Funktionen und Bedienelemente sind besser) und Mercedes (weniger sichtbare Technik ist besser).

Und es gab schon in den 80er Jahren von Frogdesign den Ansatz, vom Benutzer und von der Verwendung her die Form eines Produktes zu entwickeln und dann die Ingenieure die Technik dort hinein konstruieren zu lassen, anstatt umgekehrt, wie es immer und bis heute geschieht, um ein technisches Ingenieurs-Konstrukt herum eine möglichst handhabbare Hülle zu designen.

Aber all diese Gedanken werden nicht so ausführlich diskutiert in dem Buch von Maeda.

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Sein Text kommt eher wie eine freundliche Plauderei daher. Gerne würde man mit ihm darüber diskutieren. Ihm recht geben, ihm andere Beispiel zeigen (s.o.), weil einen das Thema natürlich auch beschäftigt. Jeder hat seine eigenen Anekdoten zu den komplizierten Dingen des Lebens.

Aber warum ist das Buch selber so kompliziert?
Warum braucht es so viele Regeln und „Schlüssel“?
Und warum nimmt Maeda ab Seite 83 wieder manche von den Regeln zurück, die er zuvor aufgestellt hat?
Weil sie doch nicht so einfach und eindeutig sind? Weil sie Einschränkungen brauchen?
Maeda selbst spricht von „ungelösten Schwächen“ (S. 84), die das Buch hat, die ihn aber nicht hindern, es „jetzt herauszubringen“.
Nun gut. Das sind sein Eingeständnis und seine Entscheidung.
Was aber sind „ungelöste Schwächen“? Meint er Fehler? Offene Fragen? Zu wenig Zeit, um das Thema tiefer anzugehen?
Hätte das Buch vielleicht doch ein paar Seiten mehr haben sollen?
Oder einen Lektor, der es noch mal auf Verständlichkeit prüft?
Jedenfalls macht es das alles etwas kompliziert.

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Das Buch bräuchte neben dem Lektor übrigens auch einen Korrektor, der die Tippfehler beseitigt. (Bitte meine eigenen Fehler großzügig überlesen. Danke.)

Und dann stellt sich die Frage: Warum benötigt ein 100 Seiten starkes Büchlein einen 8-seitigen Einleitungstext, der dazu noch erklärt „Wie man dieses Buch lesen sollte“ (S. XIV).

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Das Buch ist leider nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Auf Seite 5 handelt er gleich über das Problem der vielen Knöpfe auf einer Fernbedienung oder einem anderen technischen Gerät. Darüber hat sich schon jeder mal aufgeregt. Und: Steve Jobs hat es jetzt kategorisch gelöst. Er hat die Tastatur abgeschafft. Jede Applikation bringt einfach eigene virtuelle Funktions-“Tasten“ mit. Eine physische Tastatur als Eingabemedium entfällt. Stattdessen gibt es das “multi-touch panel” als Interphase.

Beides kannte Maeda noch nicht, als er sein Buch schrieb. Das iPhone war noch nicht auf dem Markt. Aber das sollte die Lösung zu dem Problem sein, das er beschreibt. (Er redet stattdessen noch von „Klapphandys“, als „heute das am weitesten entwickelte Beispiel dafür, wie man Funktionalitäten verstecken kann, bis sie gebraucht werden.“ Schöne alte Zeit.)

(Dass Tasten als Schnittstelle die Möglichkeiten des Users eher behindern als unterstützen und zudem ein zu enges Korsett für die Entwickler von Applikationen sind, hat übrigens auch schon Hartmut Esslinger vor einigen Jahren gesagt und eine intelligentere Form der Bedienung von Computern gefordert. Intelligenter als eine Schreibmaschinentastatur, die davor nur Sekretärinnen als Arbeitsmittel diente. Damit soll nichts gegen Sekretärinnen gesagt sein.)

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Auf Seite 96 beschreibt Maeda ein grandioses Beispiel einer einfachen Mechanik (Elektrik), von der Art man gerne mehr lesen würde, weil sie zukunftsweisend ist und neue Möglichkeiten ahnen lässt. (Obwohl das Beispiel natürlich doof ist: Kein Mensch hat mehr einen separaten „Schlüsselanhänger“, der das Alarmsystem im Auto aktiviert. Das macht schon der Schlüssel selber. Oder ist das in USA anders?)

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Maeda benutzt übrigens auch Google. (S. 15) Und berichtet dann, dass, wenn er einen Begriff eingibt, „mehrere Millionen Treffer“ angezeigt werden. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen und Informationen. Und bei weiterer Suche ganz komplizierte Informationen herauskommen. Aber wirklich…! Ich meine, das kann man ja mal machen, wenn man keine andere Möglichkeit der Recherche hat. Aber das schreibt man doch nicht mit Erstaunen in ein solches Buch! Das will man nicht lesen. Nicht von einem „Director of Research“ am MIT Media Lab!

Und es folgt kein Wort zu eben der Evidenz, dass das Ergebnis ein unüberschaubarer Haufen Verwirrung und Komplexität ist, aus dem man nur herauskommt, wenn man ausreichend über die Materie Bescheid weiß. Und auch kein Kommentar zu der an Einfachheit nicht zu überbietenden Eingabeseite von Google. Das wäre doch eigentlich ein Thema zu “Simplicity” gewesen.

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Komplex ist das Buch auch, weil der Übersetzer, Herr Vogel, ein paar Slapsticks vollführt, die schwer nachzuvollziehen sind. Witzig ist z.B. auf S. 17: „…Diese Frage stellt man mir häufig in Zusammenhang mit den Dias, mit denen ich meine Arbeit präsentiere.“ Nach kurzem Seufzen erkenne ich, dass er wohl Powerpoint „Slides“ meint, also Präsentationsfolien, Charts oder wie man das auf Deutsch nennt. Mein lieber Herr Übersetzer, mit dem Diaprojektor haben wir vor 10 Jahren aufgehört zu präsentieren.

Und das ist mir ebenfalls etwas zu kompliziert: „VVV (Das „Gesetz“ von „Verkleinern“, „Verstecken“, Verbinden“) besagt, dass wir die Wahrnehmung der Zeitverkürzung durch Verkleinern und Verstecken herstellen können, und den Verlust können wir ausgleichen, indem wir die wichtigsten Dinge auf raffinierte Weise zum Ausdruck bringen“. Welche „Dinge“? Welcher „Verlust“? Ich ahne ja, was Maeda sagen will, aber hat das Herr Vogel auch so verstanden? (S. 24)

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Noch ein Satz, den man dem Übersetzer gerne wieder zurückgeben wollte, völlig aus dem Zusammenhang gerissen: „Die erkennbare Beziehung zu einem physischen Arbeitsplatz begünstigte die sofortige kognitive Verinnerlichung, die durch ebenfalls übersetzte Konzepte noch verstärkt wurde“. (S. 40) Das müsste doch auch einfacher gehen. Oder?

Schluss mit der Nörgelei. Maeda meint natürlich alles ganz richtig. Da kann mancher sich etwas davon abschneiden.

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S. 100: „In meinem Büro am MIT bekomme ich jeden Tag Besuch von einigen der klügsten jungen Leute der Welt.“ Na dann. Das steht da einfach so.

Und dann bringe ich das einfach nicht richtig zusammen: Dieser oberflächliche Plauderton. Die plausiblen, teilweise banalen, teilweise genialen Einsichten. Die richtigen, aber komplizierten Regeln. Die verkomplizierende Sprache. Seine scheinbar mangelnde Ahnung oder seine Interesselosigkeit über / an internationaler Designgeschichte oder Formphilosophie, Ergonomie und so weiter. Zusammen mit seiner Direktoren- und Professorenstellung am MIT Media Lab… So kommt das hier alles gemischt an. Und passt irgendwie nicht. Vielleicht weckt seine Position und sein Ruf Erwartungen auf mehr Substanz? Ich weiß nicht.

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Maeda ist mittlerweile Präsident der Rhode Island School of Design. Ist das ein Aufstieg?

Hier ist ein Link zu einem Maeda Artikel über das iPod Touch und seine Ansichten über multi touch panels als “update”:

http://www.businessweek.com/innovate/content/sep2007/id20070919_820841.htm

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Und hier ist die Website zum Thema „Simplicity“, die aktuelle Beispiele bringt. und wo man die Regeln zur Einfachheit im englischen Original findet:

www.lawsofsimplicity.com

Weitere Bücher zum Thema sind aus seiner Fakultät angekündigt. Z.B. von der „unglaublich kenntnisreichen“ Jessie Scanlon „The value of simplicity“, in dessen Mittelpunkt die „moderne Geschäftswelt“ stehen wird. Da sind wir mal gespannt.

Murakami - Aufziehvogel

Auf mehrfache Empfehlung hin habe ich gelesen:

765 Seiten Haruki Murakami „Mister Aufziehvogel“. Aus dem Englischen übersetzt von G. und D. Bandini, Köln (DuMont Buchverlag) 1998 bzw. als Taschenbuch bei btb (randomhouse, vulgo Bertelsmann) 2000, € 12.50. Ein schöner Wälzer. Man ist ganz stolz, wenn man ihn dann geschafft hat.

Wenn man die Kritiken und Lesermeinungen liest, gehen die Ansichten über dieses Werk ja ganz schön auseinander. Es fängt schon mit der Frage an, worum es in dem Buch eigentlich geht. Auf die „spirituellen“ oder esoterischen Anspielungen und Deutungen gehe ich hier lieber nicht ein. Dafür bin ich nicht zuständig.

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Ich beschränke mich auf einige „Fakten“: Es ist die Geschichte eines freiwillig arbeitslosen Rechtsanwaltsbüroangestellten. Den verlässt seine Frau. Er trifft in seiner Freizeit, von der er reichlich hat, eine überaus nette Nachbarin mit tiefsinnigen Gedanken. (Überhaupt haben immer alle, auch sein Onkel, kaum sitzt er am Tisch, tiefsinnige Gedanken und verfallen in bedeutungsschwangere Sätze.)

Er trifft in einer „fremden Stadt“ die Modedesignerin / Therapeutin Muskat mit ihrem schweigsamen Sohn Zimt. Es begegnen ihm die Wahrsagerinnen Malta und Kreta (Ja, die haben solche Pseudo-Namen) und alle begegnen ihm häufig auch in seinen Träumen.

Es spielt auch sein einflussreicher Schwager mit, der einmal die eine der Wahrsagerinnenschwestern, Kreta, vergewaltigt haben soll. (Achtung, eventuell symbolisch gemeint: Der medien- und politik-getriebene Schwager hat denselben Namen wie der Kater, der zusammen mit der Ehefrau des Erzählers verschwunden ist.)

In einem weiteren Nachbarhaus, das verlassen ist, steht ein trockener Brunnen, der sich als Zufluchtsort, Meditationsloch und Schnittstelle zu parallelen Welten erweist.

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Und da beginnen für mich die Probleme. Ich kann mit Parallelwelten und Traumerzählungen nicht viel anfangen. Es sind zu viele Träume und Verwandlungen und Aufhebungen von Körperlichkeiten und Übertritte in andere Welten (im Traum oder in der realen Welt?) als dass man das noch nachvollziehen könnte. Ich habe aus Interesse und Neugier verfolgt, was der Autor noch mit dem Leser vor hat, aber inhaltlich folgen konnte ich nicht mehr. Ich habe es auch mittlerweile vergessen.

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Die Träume sind unfair. Wenn der Autor etwas sagen will oder die Geschichte voranbringen will, dann soll er das tun. Wenn ein konfuser Traum „deutungswürdig“ ist, warum deutet er ihn dann nicht? Er erfindet ihn als Autor doch sowieso. Warum erfindet er etwas Erfundenes? Das ist doch unnötig doppelbödig. Also interessiert mich doch die Deutung des Autors / der Romanfigur. Sonst bin ich als unerfahrener Traumdeuter doch völlig lost. Andererseits: Wenn der Traum nicht gedeutet werden soll, warum steht er dann da? Weil es nett ist, ihn zu lesen? Naja. Verschlüsselte Botschaften, die für das Verständnis wichtig sind, in Träume zu verkleiden, finde ich jedenfalls nicht zielführend.

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Ganz speziell und wirklich großartig sind aber die konkreten Figuren, z.B. der jungen Nachbarin mit ihren Zigaretten und der Limonaden im Sonnenstuhl, der Modedesignerin, und natürlich die heftig brutalen Szenen aus dem japanisch-chinesischen Krieg, die Folterberichte über die Häutung, die man eigentlich lieber nicht lesen möchte, die Brutalität aus dem Straflager unter dem System Berias („eine japanische Form des Gulags“) und die bedrängendste Erzählung überhaupt: Die Beseitigung der nutzlosen Tiere im Zoo. Da merkt man, was ein großer Erzähler Murakami ist.

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Aber der Leser kriegt den einen ja nicht ohne den anderen. Also muss man das auch so zusammen sehen. Und hier ergibt sich die spannende Frage: Was haben die realistischen Grausamkeiten des letzten Krieges und die alten „Mächte“ (noch) zu tun mit den Lebensumständen der heute lebenden Japaner, mit ihrer Gesellschaft, ihren „Träumen“ und ihrer Politik? Darüber lohnte es sich sicherlich mal nachzudenken (wenn man sich beim Thema Japan etwas besser auskännte). Absichtslos stehen diese unterschiedlichen Texte ja nicht in einer gemeinsamen Geschichte.

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Da gibt es auch einen chronologischen Fehler – hat den außer mir auch schon jemand bemerkt? Oder liege ich falsch? Das dritte Buch ist überschrieben mit „Oktober bis Dezember 1985“. Da das zweite Buch nur bis „Oktober 1984“ geht, müsste es richtig heißen „Oktober 1984 bis März 1985“, denn das ist der in der Erzählung beschriebene Zeitraum. (Im Text bestätigt z.B. auf S. 447 oder 449). Marukami gibt die Verwirrung auch selber zu (S. 469): „Der Ablauf der Zeit wird immer unklarer.“

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Die handelnden Personen haben selber auch immer sehr viel Zeit. Das nur als Warnung. Man muss beim Lesen sehr viel Zeit mitbringen. Die nimmt sich die Erzählung nämlich auch. Es braucht immer sehr lang, bis man an einem Erzählfaden entlang zum eigentlichen Kern durch kommt.

Bei amazon kann man auch die NZZ Kritik von Ludger Lüdkehaus nachlesen, in der er einen kurzen Textvergleich zu den ersten Sätzen des Buches, die schon mal in einer früheren Version aus dem Japanischen direkt ins Deutsche übertragen worden sind, mit dem hier vorliegenden Übersetzungstext aus dem Englischen macht. Das Ergebnis: Der alte Text ist besser.

Also bitte. Einfach mal ausprobieren und lesen. Sich selber die Meinung bilden. Schadet nichts.

Orakel - Korrektur

Man hat mich freundlicherweise noch einmal drauf hingewiesen, dass es mit dem Orakel ja etwas anders ist als ich es beschrieben habe: Es steht nämlich nicht, wie von mir fälschlicherweise so dargestellt oder in einer Weise irgendwie tendenziös angedeutet dass der Eindruck hätte entstehen können es wäre in einem „kleinen Wäldchen“, an einem „stillen Örtchen“ zu finden. Nein mitnichten aber gar nicht.

Sondern: Das namenlose Orakel steht in einer Schrebergarten-Kolonie in der Nähe des Bahnhofs. Das ist wichtig, weil es ein Gerücht gibt, das darum herum spielt.

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Auch wenn nämlich das Orakel „namenlos“ ist, weil man ja auch das Gesicht hinter der Zeitung und hinter den suppig-dampfenden Myrrheschwaden nicht oder nur verzerrt sehen kann - man sollte ja eigentlich das Orakel sowieso gar nicht mit den Augen ansehen, weil man riskierte, seine Sehnervern dadurch zu beschädigen und ähnliches - und ansonsten nur geheimnisvolle Worte aus dem Häuschen dringen, verstummen die Gerüchte nicht, die besagen, dass sich Herr Schabulsky, der Mann von Sabse, der sich ja schon eine geraume Zeit von ihr getrennt hat und urplötzlich vom Erdboden verschwunden war, hinter dem Orakel versteckt.

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Diese Gerüchte stammen aus den Kreisen des katholischen Gesangvereins, in dem Herr Schabulsky und natürlich seit langen Jahren auch die Arbeitskollegen Hans und Manfred Mitglied sind. Von daher hätte diese Geschichte schon einige Glaubwürdigkeit.

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Aber ob Herr Schabulsky in der Lage ist, in dem Klohäuschen so lange auszuhalten, ohne dass ihm jemand morgens seinen Kaffe macht und abends sein Wurstbrot schmiert, das steht als Frage noch offen im Raum.

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Dass er damals einfach so verschwunden ist, erklären die Kollegen und Chorsänger sich damit, dass Herr Schabulsky – und davon hatte er wohl mehrfach gesprochen und auch in letzter Zeit schon hin und wieder mit dem Flugticket gewunken – nach Kanada auswandern wollte, für immer „ganz weit weg, dahin, wo die Bären hausen“, das sei immer noch angenehmer auszuhalten als hier bei der Sabse…

Wahrscheinlich sei er auf der Flucht via Bahn und Flug im Klohäuschen in der Schrebergartenkolonie (siehe „Steinfest – Tortengräber“) förmlich hängen geblieben und würde seit damals das Orakel verkörpern.

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„Aber das ist wirklich nur ein Gerücht und wird schon lange nicht mehr offen ausgesprochen, denn Herr Schabulsky könne niemals das göttliche Orakel verkörpern. Was für ein Frevel, so etwas zu behaupten…“ soweit mein üblicherweise gut informierter Informant.

Die Frage stellt sich also umso schärfer und drängender: Was ist mit dem richtigen Orakel passiert, wenn es jetzt von Herrn Schabulsky „vertreten“ wird. Wo ist es? Und wie sollte man es wiederzurückbekommen? Und warum hat bisher niemand gemerkt, dass das Orakel nicht mehr richtig orakelt?

Frau W. und Herr B. / Orakel 2

Das vierte Türchen…:

Die alles entscheidenden Frage „Kann man aus Erdbeeren Wurst machen und wen ja, wie?“ stand auf einem Blatt Papier, das Herr Professor Bongartz und Frau Weichbrodt jetzt mit viel Gefühl aber auch mit Nachdruck durch das Herz in der Orakeltür drückten.

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Und es passierte, was passieren sollte. Herr Manfred drückte es später in der Wirtschaft gegenüber Hans und den anderen Mittrinkern so aus: „Dann hörte man einen verzwickten, unterdrückten und verstohlenen, perfiden Pubs. Nicht laut, aber trotzdem nicht überhörbar. Wir überhörten den Brummer natürlich verschämt, aber dennoch kichernd. Dann… endlich, die Tür öffnet sich – trotz guter Ölung – knarrend und ausladend. Wir wichen alle zurück und warteten gespannt auf die Prophezeiung des allmächtigen Orakels“

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„Jeder wünschte das Abbild des Orakels zu erblicken,“ fuhr Manfred geschwollen fort, „doch durch den suppigen und schweren Myrrhe- und Weihrauchnebel…“ (hier übertrieb Manfred maßlos) „…war nur ein unscharfes Bild des wundersamen Orakels zu erkennen… Das Orakel ist uneinsehbar und unerreichbar hinter dem gepanzerten Feuilleton eines Tageblattes verborgen. Dahinter muss ja normalerweise ein schlauer oder ein aufgeweckter Kopf stecken, der den Bürgern den Weg weisen kann.“

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„Wieder war ein Pubs zu vernehmen, alle horchten wir auf. Oh ja, das Orakel hatte gesprochen! Alle wussten nun den Weg, das Ziel, den Sinn und alles andere, was wir anstreben sollen und müssen. Vor allem natürlich die beiden Amerikafahrer“

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In Wirklichkeit hatte das Orakel natürlich mehr als „einen Pubs“ von sich gegeben. Das war Manfreds Version der Geschichte, wobei Manfred die eigentliche Antwort des Orakels gar nicht richtig hören konnte. Das Orakel sagte in etwa folgendes (oder flüsterte es eher):

„Frühstück: Grottenschlecht. 1 x Rote „Erdbeerwurst“, 1 x andere Wurst (rollte sich nach wenigen Tagen selbstständig zusammen), 1 x immer den gleichen Käse, Eier waren mittlerweile blau gekocht, Spiegeleier, Speck, Schmalzringe, Tomaten, Würste (würgh).
Größtenteils 1 ! Sorte (Fertig)Marmelade, übersüßte wässrige Fruchtsaftgetränke aus Automat
4 Sorten Müslibestandteile, Kaffee Teebeutel, hier und da Schüssel Joghurt, Toast, „Aldi“Brötchen, hier und da mal Crossaints …..
Mittagessen: Kantinenfutter. Pommes (matschig), Nudeln (geschmacklos) lieblos zurechtgehackter Salat, Fleisch, das man irgendwann nicht mehr sehen konnte.
Abendessen: Die ersten 4 Tage (Vor Anreise vieler Gäste) annehmbar gut, dann täglich schlechter werdend. Resteverwertung = Bsp: Tag 1 Hühnchen – Tag 2 Hühnchenspieße (Trocken) – Tag 3 Hirtentopf o. „Paela“ mit Hühnchen (gleiches Fleisch) – Tag 4 gleicher Hirtentopf/“Paela“ mit Spiegeleier vom Morgen. Die Wurst und andere Bestandteile fand man immer im Mittag, bzw Abendessen wieder. Hier und da gabs auch mal ein Highlight, das waren aber eher die Ausnahmen. Viel Fertig-Parniertes für die Friteuse
Gut: Eis für Kinder, Annanas (bis auf die alte braune), Melonen gabs immer, Wackelpudding in allen Spektralfarben, Kuchen, Pudding.
Vegetarier, Zuckerkranke … besser in ein anderes Hotel !
Auswahl: Bescheiden.
Getränke: Gut bis wässrig. Longdrinkzutaten wurden immer weniger, Bier absolut ok !, Wein mal gut mal undefinierbar (metallischer Geschmack). Cocktails und Sangria nur gegen Bezahlung
Empfehlenswert: Rose-Wein, Bier. Whiskey allemal.“

Damit war dann wohl alles gesagt! „Bier absolut ok !“ „Whiskey allemal.“

„War das denn jetzt die Antwort auf unsere Frage?“ Frau Weichbrodt war unsicher. Sie meinte, aus den Sätzen des Orakels ein „Nein“ herausgehört zu haben, man könne keine Wurst aus Erdbeeren machen. Herr Bongartz glaubte, ein klares „Ja“ verstanden zu haben, aber mit einem großen „Aber“ dahinter. Der kritische Ton der Speise gegenüber war unüberhörbar.

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Wie dem auch sei. Schließlich war für sie alle die Befragung erfolgreich. Beide nahmen es als gutes Zeichen, dass das Orakel so ausführlich geantwortet hatte. Und beide hatten sich die Worte des Orakels ganz genau eingeprägt. Nicht eine Silbe davon würden sie jemals vergessen. Die Türe quietschte wieder zu und mit einem lauten „klack“ wurde sie wieder von innen verriegelt. Das Orakel wollte wieder alleine sein.

Edith Hübsch eilte wieder nach Hause, von wo sie mitten aus einem Großputz aufgebrochen war, um dem Orakelspektakel zuzugucken. Manfred machte sich auch auf in die Kneipe, wo Hans schon auf ihn wartete, der Depressive.

Frau W. und Herr Professor B. zogen ebenfalls von dannen. Arm in Arm. Sie hatten eine große Zukunft vor sich. „Auf nach Texas,“ dachte sie,  „der Sonne entgegen.“

Frau W. und Herr B. / Orakel 1

Das zweite Türchen:

Draußen vor der Stadt, an einem stillen Örtchen in einem kleinen Wäldchen hauste das „Orakel”. Viele aus dem Bekanntenkreis von Frau Weichbrodt wussten davon, niemand kannte jedoch das tatsächliche Alter des Orakels und nur selten wurde es noch von den Bürgern befragt.

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Frau Weichbrodt hatte sich hier mit zwei alten Freunden als Beistand verabredet, um sich Klarheit über ihre und Herrn Bongartz’ Zukunft zu verschaffen. Das Orakel funktionierte so, dass man seine Frage auf einem Stück Papier durch das Guckloch des Orakel-Häuschens warf, um danach „erhört zu werden und die Prophezeiung und allmächtige Segnung zu höheren Weihen zu erfahren,“ wie es umständlich in den alten Schriften hieß.

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Manfred war als erster angekommen, auch er ein überzeugter Anhänger und Gläubiger des Orakels. Er wusste von früher, dass das heute ein ganz besonderer Moment werden würde. Er hatte schon einigen Befragungen beigewohnt.

Edith Hübsch kam als nächste. Sie war eine entfernte Bekannte von Manfred, ehemalige Kollegin und vertraute Kaffeeklatschtante von Frau Weichbrodt.

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„Haben Sie so was schon mal mitgemacht?“ fragte sie Manfred. „Ja, ein paar Mal schon,“ sagte er. „Es ist manchmal richtig unheimlich. Manchmal wartet man lange. Meist passiert nicht viel… Manchmal rumpelt es, manchmal raschelt es… ab und zu schnarcht es… allen stockt dann der Atem, vor allem wenn’s mal lauter rumpelt. Durch das Herzchen sieht es dunkel aus, aber trotzdem regt sich immer wieder was, bzw. schillert immer wieder etwas durch.“

„Ach, hören Sie auf, das glaub’ ich nicht!“ lachte Frau Hübsch nervös. Aber da kamen auch schon der Professor und ihre alte Freundin.

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Beide wollten die Orakelbefragung schnell hinter sich bringen. Frau Weichbrodt hatte zuhause noch alle Hände voll zu tun, Herr Bongartz fand die Befragung eigentlich – und das hatte er auch ausdrücklich betont – „so unnötig wie einen Zweitkropf.“ Aber Sesimi wollte sich einfach sicher fühlen.

Sie hatten sich gemeinsam eine Frage überlegt, die für ihre gemeinsame Zukunft ausschlaggebend sein sollte. Sie lautete: „Kann man aus Erdbeeren Wurst machen und wenn ja, wie?“

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Mit dieser Frage, die natürlich auch auf das Ende von Herrn Mindernickel anspielte, sollte entschieden werden, ob sie zusammen eine lange und gemeinsame Zukunft haben und ob sie miteinander glücklich werden würden oder nicht.

Auf ein Blatt Papier, das entsprechend den altertümlichen Vorgaben aus dem großen Buch „Origami“ des Orakels gefaltet war, hatten sie die Frage in deutlicher Handschrift gemalt. Das würden sie jetzt dem Orakel unterbreiten.

(Fortsetzung folgt in ca. 2 Tagen.)

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