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Archiv der Kategorie Bücher
Giono - Provence
14.1.2010 von Heiner.Eberle.
Wenn man sich für die Provence interessiert, dann ist das genau das Richtige:
Jean Giono “Provence” Texte gesammelt und herausgegeben von Henri Godard. Übersetzt von Siglind Schüle-Ehrenthal. München (Matthes und Seitz) 2002. 325 Seiten bei amazon nur noch antiquarisch für € 12,80.

Die Wegbeschreibungen haben mir weniger gesagt. Aber die Geschichten der Dörfler, die Ölbauern und die alte Kunst der Olivenölherstellung geben guten Stoff für ein gutes Verstündnis der Landschaft und der Menschen.

Zumal man sich an den Besuch einer Ölmühle und an manche Dörfer auch noch erinnern kann. War das Sylvester 2000?

Das Haus in St Remy? Wo Vincent van Gogh gemalt hat?

Das Licht!
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Cendrars - Dan Yack
10.1.2010 von Heiner.Eberle.
Wo wir gerade bei Arche waren:
Blaise Cendrars “Dan Yack”. Zürich (Verlag der Arche) 1927 / 1960. 365 Seiten, für ein paar € antiquarisch.

Ein Besessener.

Dan Yack, ein Millionär und Geschäftsmann, der immer wieder alles aufs Spiel setzt und verliert und gewinnt.

Rücksichtslos Leben riskiert, um irgendwie die Welt zu verändern. Der “Roman” spielt in St. Petersburg, dann in der Antarktis, dann in Paris, dann in den Bergen, wo er die Geschichten in ein Diktaphon spricht.

Wer das Buch noch irgendwo auftreiben kann: Bitte kaufen und lesen. Es lohnt sich unbedingt.

Da schreibt und lebt einer mit Leidenschaft.
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Raabe - Klabund
6.1.2010 von Heiner.Eberle.
“Klabund in Davos” Texte, Bilder, Dokumente. Zusammengestellt von Paul Raabe. Zürich (arche) 1990. Noch erhältlich für € 17,00 oder antiquarisch.

Es sind alle Geschichten drin, die den Dichter mit der schweizer Stadt verbunden haben.

Jede Menge name-dropping (wobei ich die meisten nicht kannte). Und wie in Sils ist auch in Davos die Kultur-Boheme ein und ausgegangen.

Man muss sich das nicht antun.
Aber die Bilder sind schön.

Was Herr Raabe alles so an Liebhaber-Verlegerleistungen gemacht hat… Wirklich erstaunlich.

Also gut: Muss man nicht mehr lesen.
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Hochhuth - Stellvertreter
2.1.2010 von Heiner.Eberle.
Irgendwann musste ich das einfach lesen, und jetzt gab es das auch noch mit Macken, also billig:
Rolf Hochhuth “Der Stellvertreter” Reinbeck (rororo) 1963 / 2006, 522 Seiten € 9,90. In dieser Ausgabe mit Vorwort von Erwin Piscator, Essays von Golo Mann, Walter Muschg und Karl Jaspers.

Jajaja: Das ist sehr gut. Das ist wichtig, da gibt es nichts zu deuten.

Gerade jetzt, wo unser Ratzinger den damaligen Papst Pius heilig sprechen möchte, sollte dieses Buch wieder in den Bestsellerlisten auftauchen. Warum denkt eigentlich keiner mehr so richtig nach? Und warum nehmen alle so einfach hin, was Ratzinger an Frechheiten sich erlauben?

Warum weist nicht endlich mal jemand die katholische Kirche in die Schranken? Mattusek!

Zurück zum Buch.
“Durfte der Vorgänger Papst Johannes XXIII. schweigen zur planmäßigen Ausrottung der europäischen Juden durch Hitlerdeutschland ? Zu Auschwitz ? Seit Rolf Hochhuth zum erstenmal diese Frage aufwarf, kam sie nie mehr zur Ruhe. Sein Drama, 1963 durch Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt, wurde seither in über 25 Ländern gespielt.” Schreibt amazon.
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Achternbusch - Atlantikschwimmer
29.12.2009 von Heiner.Eberle.
Achgott: Das Buch steht seit 1986 bei mir im Regal und will gelesen werden. Es sieht aber auch zu schön aus. War damals eines der ersten bei stb, die mit neuem Layoutumschlag daherkamen. Also nach 24 Jahren endlich habe ich gelesen:
Herbert Achternbusch “Der Atlantikschwimmer” (”Du hast keine Chance aber nutze sie” Teil 3. Schriften 1973 - 79). Frankfurt (Suhrkamp) 1986. 540 Seiten, bei amazon antiquarisch € 1,80.

Das ist voll von Erzählungen und Geschichten “Der Tag wird kommen”, ein Roman über Herby, “Herz aus Glas”, “Die Stunde des Todes” und Drehbücher.

Drehbücher: “Das Andechser Gefühl”, “Der Atlantikschwimmer”, und so weiter: “Land in Sicht”, “Bierkampf”, “Servus Bayern”.

“Ella”, “Der junge Mönch”, “Der Komantsche”, “Gust”, “1979″, “Der Neger Erwin”, Filme, die damals als Skandale in den Kinos liefen. Bayern, die die Filme verbieten wollten. Die katholische Kirche, die das als Gotteslästerung ansah (gekreuzigte Frösche) und was ist uns sonst noch in der Erinnerung geblieben?

Man muss sich die Texte von einem langsamen Bayern gelesen vorstellen, dann werden sie unglaublich komisch. Da ist er, der bayrische Anarchist. Immer noch großartig.
Bitte beschaffen und wieder auflegen und lesen.
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Pastior - Unding
25.12.2009 von Heiner.Eberle.
Das ist ein sehr tolles Buch:
Oskar Pastior “Das Unding an sich” Frankfurter Poetikvorlesungen. Frankfurt (edition suhrkamp) 1994. 124 Seiten, € 7,50.

Man muss sich wirklich auf die verschlungene Sprache einlassen, aber dann eröffnen sich einem wirklich neue Horizonte. Was er in der Sprache an Gedanken entdeckt, ist schon verblüffend. Und wie er denkt, wenn er dichtet, und dass er uns das so eröffnet, bringt einem den Respekt vor dem Gedicht zurück.

Unschätzbar, was in so ein paar Versen und Strophen an Intelligenz und Einsicht steckt.

Die NZZ schreibt:
“Rahmengeplänkel und Wuselpunkte
Oskar Pastiors Frankfurter Poetik-Vorlesungen
Der Gastlehrstuhl für Poetik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität sorgt glücklicherweise dafür, dass wir regelmässig mit der Selbstreflexion bekannter Autoren vertraut gemacht werden. Längst nicht immer sind Stil, Gedankenführung, Sprach- und Denkkraft so stimulierend, so elegant-souverän und konzentriert wie in Oskar Pastiors Frankfurter Poetik-Vorlesungen.
Der aus Rumänien gebürtige, mit stimmhaftem Akzent begabte Autor beginnt und schliesst seine Ausführungen mit der Verpflichtung von Text und Leser auf Wörtlichkeit statt «Nämlichkeit»: «wo das wie und das was einander so lesen, dass es sie gibt». Wir sollen sehen und vernehmen, was da steht, und nicht gleich in die Frage nach der «Bedeutung» flüchten. Das von Pastior so souverän gehandhabte Palindrom – ein Text, der sich auch rückwärts lesen lässt – ist ein Kronbeispiel für die These «Sachverhalt ist Sprachverhalt». Einverleibung und Entäusserung werden in dieser Form identisch: in einem Text, «der mit sich hadert, nicht metaphysisch, sondern tatsächlich, also vom Anfang, der schon sein Ende ist».
Oskar Pastiors Überlegungen tragen sich als Sprachspiele vor: «Als könnte Sprache, indem sie mich erfindet, dem ‹Wort vor dem Ding vor dem Wort vor dem Ding vor dem Wort› auf die Spur kommen.» Immerhin kam Pastiors Wörtlichnehmen vielen Formen auf die Spur, die er aufs neue in die deutsche Dichtung eingeschrieben hat: Anagramme, Vokalisen, Palindrome, Rösselsprünge und Sestinen; viele andere liessen sich nennen.
Rahmengeplänkel nennt er seine Vorlesungen, die sich an keiner Stelle bei zuhandenen Diskursen ausruhen. «Poetisch konstitutive Wuselpunkte» sucht er zu benennen: «in allem was mich schreibt indem ich schreibe, also nicht das übliche Stöhnen über Schwierigkeiten überm weissen Papier».
Der Text «das Unding» – wie wenig andere Dichter setzt Pastior den «linguistic turn» voraus, die Anerkennung der Frage, «wer da wen denkt». Seine Formen, etwa das «Leitartikelgedicht», gewinnt er gutteils aus dem spielerischen Ernstnehmen dieser Frage. «Um überhaupt zu reden, schneidet und klebt die Sprache ‹mich› unentwegt vorsintflutlich aus und auf.»
Immer wieder gelingt es Pastiors Vorlesungen, die Unsinnigkeit aller Dichotomien, etwa der von Sprache und Wirklichkeit, darzutun, und zwar am Leitfaden des eigenen Schaffens, der Versuchsanordnung Oskar Pastior. Dabei zeigt der Sprach- und Sprechkünstler aus Siebenbürgen, wie Sprache haltmacht und manches möglich macht, «das ungefragt nicht wäre». Zugleich trägt er, nur ein wenig parodistisch übertreibend, Unordnungen in gut geregelt erscheinende Diskurse hinein. Etwa den der Wissenschaft, eine ironische Verbeugung vor der Sprechgelegenheit Universität:
«Selbst die Spontangenese eines Blinddarms am Leib der Falsifikation im Zuge allgemeinen Ideologieabbaus mit Hilfe ungeahnter Katachresen im Auseinanderdriften ebensolcher Chancen zur Hinterfragung des Einwegs der sprachentropischen Entkrausung angesichts des Protokollcharakters jeder Entropie ist oder hat zur Folge, bei uns zumindest, die Satzaussage.» Ein «kognitives Blinzeln» genügt Pastior als Wirkung. Das Sprachungetüm trägt immerhin nichts weniger als den Methodenweg der Philologie in den letzten zwanzig Jahren vor.
Pastiors Sprachbiographie beglaubigt den Versuch, die «Schiene der Einsprachigkeit» zu «durchbrechen». Folgende Sprachen kann Pastior für sich in Anspruch nehmen: «die siebenbürgisch-sächsische Mundart der Grosseltern; das leicht archaische Neuhochdeutsch der Eltern; das Rumänisch der Strasse und der Behörden; ein bissel Ungarisch; primitives Lagerrussisch; Reste von Schullatein, Pharmagriechisch, Uni-Mittel- und -Althochdeutsch; angelesenes Französisch, Englisch . . . alles vor einem mittleren indoeuropäischen Ohr . . . und, alles in allem, ein mich mitausmachendes Randphänomen».”
Alexander von Bormann

Also: Zeit nehmen und lesen!
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Hacker - Morpheus
21.12.2009 von Heiner.Eberle.
Katharina Hacker “Morpheus oder der Schnabelschuh” Erzählungen. Frankfurt (Suhrkamp edition) 1998. 126 Seiten, € 7,50.

amazon:
Katharina Hacker nimmt in diesen sieben Geschichten Motive der griechischen Antike auf und stellt sie in unerwartete Zusammenhänge. So fühlt sich etwa ein Hotelier durch seltsame Geräusche eines rollenden Steines beunruhigt, die aus dem Zimmer eines geheimnisvollen Gastes dringen.

Sisyphos im Hotel, Ariadne am Strand, Morpheus, Sohn Hypnos’, des Schlafes, bilden die Personage der Erzählungen, ebenso Minotaurus, Elpenor, Mnemon und Charon, der den Fahrrädern und Autos nachsieht.

Etwas angestrengt.

Kann man lesen.
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Peace - 1983
17.12.2009 von Heiner.Eberle.
Und um das auch zuende zu bringen: Hier ist der vierte und letzte Band:
David Peace “1983″ München (Heyne) 2009. 510 Seiten, € 9,95.

Man hält es ja fast nicht aus.
Brutale, faschistische Verhörmethoden der Polizei, in dem zerhackten, repetitiven Rythmus geschrieben. Folterereignisse duplizieren sich 1969 (S. 157) und 1983 (S. 83). Dieselben Polizisten, ähnliche Fälle. Man verwechselt hin und wieder die Jahre oder die Personen, es ist schon ganz schwer, dem Fall zu folgen.

Schön sind immer wieder die wechselnden Geschwindigkeiten im Erzählfluss. Es ist wirklich gut komponiert.

Aber er sollte nicht 3 handelnde Personen mit “Bob” anreden lassen (Bob Craven, Bob Douglas, Bob Frazer): Das hilft dem Leser nicht.

Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass es rum ist. Zum Schluss war es eine Qual. Und die permanente Beschreibung von Unsäglichkeiten wird dann auch irgendwann langweilig. Wenn es keinen Ausweg und keine Entwicklung gibt, ist es auch irgendwie egal.
Also: Der Vollständigkeit lesen und dann zurück zu Thomas Mann.
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Peace - 1980
13.12.2009 von Heiner.Eberle.
Das ist der Band 3 der vierbändigen Horror-Krimi Geschichte:
David Peace “1980″ München (Heyne), 2001 / 2008. 460 Seiten, € 8,95

Der Yorkshire Ripper, der mindestens 13 ermordete Frauen / Mädchen auf dem Gewissen hat, ist noch unterwegs. Die Verwicklungen der Polizei mit den Zuhältern und der Pornoindustrie sind noch nicht gelöst.

Es ist dunkel schlammig und regnet immer noch ununterbrochen.

Keiner kann helfen. Alles ist vergeblich. Kein Lichtblick.

Schwer zu folgen.
Aber trotzdem: Muss man gelesen haben.
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Augustin - Mahmut
9.12.2009 von Heiner.Eberle.
Das ist ein gewaltiges Buch:
Ernst Augustin “Mahmut der Schlächter oder Der feine Weg”. Roman, Frankfurt (suhrkamp) 1992 /1995, 330 Seiten, nur noch antiquarisch oder bei Beck: € 1,95 bei amazon.

Da geht es wild zu. Mahmut wird mit Löwenmilch aufgezogen, heiratet eine Frau, die es gar nicht gibt, zweimal.

Seine Rüstung ist vergrünt und auf seinem Schild ist eine vertrocknete Feindeshand montiert, als er über den Khyberpass ins Halbdunkel Indiens hinabzieht.

“Wer dieses Buch liest und dem “feinen Weg” folgt, der wird in einen Rausch geraten, nicht aufhören können.” (Harald Eggebrecht)

Was sagt amazon?
“Der Roman erzählt die Geschichte Mahmuds von Ghanzi, der im Jahr 1000 nach Indien zog, um ein großes Reich zu zerstören und ein neues zu errichten. ‘Die wahre Geschichte der Wunder, Grausamkeiten, guten und bösen Lüste und der knietiefen roten Schatzhalden, in denen König Mahmud laut Überlieferung watete. Es ist auch der Streit des Autors mit seinem Geschöpf, das ein Eigenleben gewinnt, sich dem festgeschriebenen Geschichtsbild entzieht, so daß wir am Ende den Autor dem Geschöpf hinterherlaufen sehen.”

Auch richtig.
Bitte lesen. Lohnt sich.
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