Walser – Kristlein 1

Damit konnte ich leider gar nichts anfangen: Martin Walser „Die Anselm Kristlein Trilogie“ erster Band „Halbzeit“. Frankfurt (Suhrkamp) TB 1960 / 1981, 890 Seiten. Für wenig Geld noch antiquarisch zu bekommen.

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Ich lasse mal die Fachleute sprechen:

Harenberg:

„Der rund 900 Seiten lange Roman Halbzeit ist der erste Teil der sog. Anselm-Kristlein-Trilogie von Martin Walser (Das Einhorn, 1966; Der Sturz, 1973).

In der Geschichte um den gesellschaftlichen Auf- und Abstieg des Ich-Erzählers Anselm Kristlein spiegelt sich die Entwicklung der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren. Halbzeit konzentriert sich auf die Zeit des Wirtschaftswunders und bietet ein kritisches Panorama der Konsumgesellschaft.
Inhalt: Der 35-jährige Anselm Kristlein, verheiratet und Vater dreier Kinder, versucht sich seit dem Abbruch seines Studiums als Vertreter. Als ihm ein Bekannter das Abgebot unterbreitet, als Werbetexter zu arbeiten, steigt er innerhalb eines Jahres zum gefragten Experten auf. Diesen Karrieresprung verdankt Anselm seiner ausgeprägten Fähigkeit zur Anpassung. Er ist ein virtuoser Rollenspieler, dem es allerdings aufgrund der beständigen Ausrichtung an gesellschaftlichen Vorgaben an einer fest umrissenen Identität mangelt.
Doch obwohl Anselm unter dieser steten Außenorientierung leidet, ist er ein ausgesprochenes Gesellschaftstier. Da er seine Familie als Einschränkung seiner Freiheit erfährt, verbringt er die meiste Zeit im Kreis seiner Freunde oder bei einer seiner Geliebten. Mit dem Einstieg in die Werbeindustrie erhält er überdies Zugang zur höheren Gesellschaft, in der er mittels seines Talents zur »Mimikry« ebenfalls brillieren kann. Diese Fähigkeit erweist sich als unerlässlich, denn ob im privaten oder öffentlichen Bereich – überall stellt sich das Leben als Konkurrenzkampf dar. Auch die Gesetze der Konsumwelt, mit der Anselm in seinem neuen Beruf intensiv konfrontiert wird, beanspruchen universelle Geltung.

Als Anselm die Verlobte eines Freundes für sich zu gewinnen versucht, arbeitet er mit den Mitteln des Werbefachmanns, der sich selbst als Produkt anpreist. Die deformierenden Auswirkungen der dauerhaften Konfrontation einer auf Konkurrenz und Konsum abgestellten Gesellschaft werden offenbar, als Anselm von einem Seminar in den USA krank zurückkehrt und sich einer Operation unterziehen muss. Ob er, wie am Ende des Romans angedeutet, seine Familie als Alternative zum gesellschaftlichen Treiben verstehen kann, bleibt offen.
Aufbau: Der Roman ist nicht nach traditionellem Handlungsmuster aufgebaut; Wirklichkeit wird hier durch das Bewusstsein des Ich-Erzählers konstruiert, der seine eigene Geschichte aus der Rückschau berichtet. Darstellungen des äußeren Geschehens, Reflexionen und Rückblenden fließen ineinander; assoziative Sprünge treten an die Stelle einer linearen Abfolge.
Der erste Teil des Romans beschreibt auf 366 Seiten einen einzigen Tag im Leben Kristleins. Hier wird der Leser mit dessen engerem Lebensumfeld – Familie, Freunde, Geliebte – sowie seinem bisherigen Werdegang vertraut gemacht. Die folgenden zwei Teile zeichnen den beruflichen Aufstieg des Protagonisten nach. Dem privaten Umfeld Kristleins im ersten Teil korrespondiert hier die berufliche Welt und die höhere Gesellschaft um den Fabrikanten Frantzke. Sowohl der Erzähler als auch das entworfene Panorama der Wirtschaftswunderwelt der 1950er Jahre sind als typisch gezeichnet.
Obwohl Anselm in das berichtete Geschehen involviert ist, besitzt er doch als rückschauender Erzähler eine gewisse Distanz, die einen ironischen Blick auf das Erzählte ermöglicht und dem Leser so ein kritisches Bild der Konsumgesellschaft eröffnet.
Wirkung: Die Meinungen zu diesem umfangreichen Werk waren direkt nach seinem Erscheinen geteilt. Viele Kritiker vermissten eine traditionelle Handlungsfolge und bemängelten die ungebremste Redewut des Ich-Erzählers sowie den Detailreichtum. Positiv vermerkt wurde hingegen die hohe Sprachvirtuosität des Autors. Mit zunehmender Distanz erfuhr Halbzeit eine freundlichere Bewertung. Der Roman gilt heute als eines der wichtigsten Werke von Walser und bedeutendes Zeugnis der Zeit des Wirtschaftswunders. S. D.

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Na also. Jetzt weiß ich auch, was in dem Roman vorkommt. Beim Lesen war mir das nicht so deutlich.

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