Highsmith – Leute

Das ist trotz allem ein tolles Buch:

Patricia Highsmith „Leute, die an die Tür klopfen“. Roman, Diogenes 2006, 522 Seiten mit Nachwort und Erläuterungen, 22,90 oder mittlerweile als TB erhältlich für € 11,90.

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Als seine Gebete erhört werden und sein jüngerer Sohn eine schwere Krankheit übersteht, wird Versicherungsagent Alderman plötzlich erleuchtet und tritt einer christlichen Sekte bei. Er beginnt, die Familie mit Moralpredigten, Kirchenbesuchen und Gebeten zu quälen. Als die Freundin seines siebzehnjährigen Sohnes Arthur schwanger wird, kommt es zur Konfrontation.

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Es geht um religiösen Fanatismus zur Reagan-Zeit in den USA und um die familiäre Gewalt, die daraus erwächst.

Die Geschichte liegt gewissermaßen auf der Lauer. Alles scheint eine Bedeutung zu haben, die man nur noch nicht versteht. Man wartet förmlich auf einen „Ausbruch“.

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Und dann passiert so gegen Seite 400 doch noch die Eruption. Man ist fast erleichtert.

Da erschießt ihr Sohn ihren Ehemann und am nächsten Tag geht sie wie gewöhnlich zur Arbeit.

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Das ist eine Besonderheit des Buches: Diskussionen werden nicht geführt. Nur Scheingespräche. Die falsche Form wird gewahrt. Nach dem Rauswurf des Sohnes gibt es keinen Aufstand, keine Reibereien. Keinen Widerstand. Kein Generationskonflikt wird dargestellt, den man eigentlich erwarten würde. Das ist sehr spannend, manchmal unerträglich.

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