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Das ist die Basis: “Sefer Jezira - Buch der Schöpfung”. Aus dem Hebräischen übersetzt und herausgegeben von Klaus Herrmann. Frankfurt (Verlag der Weltreligionen / Suhrkamp) 2008. 316 Seiten, schön gebunden, € 26,00.
Der Text passt (amazon):
“Das Buch der Schöpfung entstand im frühen Mittelalter und stellt die erste systematische Zusammenfassung kosmologischer Spekulationen auf der Basis einer ausgeprägten Buchstaben- und Zahlenmystik in hebräischer Sprache dar. Es beschreibt den Aufbau der Welt aus den “32 verborgenen Pfaden der Weisheit”, die sich aus den 10 Sefirot, den Urzahlen oder Potenzen, und den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets zusammensetzen. Entsprechend der antiken Vorstellung vom Makro- und Mikrokosmos werden bestimmte Buchstabengruppen auf den Raum, auf die Zeit und auf die menschliche Welt bezogen.

Die Betonung der Dimensionen des Raumes und der Zeit erinnert an neuzeitliche Theorien über die Entstehung des Kosmos, wobei für den Autor des Sefer Jezira zudem der ethische Aspekt des Schöpfungswerkes (Gut und Böse, Unschuld und Schuld) wichtig ist. Die theologische Mitte des Buches ist das Bekenntnis zur “Einheit in Vielheit”; die Vielgestaltigkeit des Universums hängt letztlich an dem einen und einzigen Schöpfergott.

Heute sind mehr als 80 mittelalterliche und frühneuzeitliche Kommentare zum Buch der Schöpfung bekannt, die teils philosophisch-naturwissenschaftlich, teils mystisch-magisch orientiert sind, hier findet sich auch die berühmte Idee der Golemschöpfung, der Erschaffung eines künstlichen Menschen auf der Basis von Buchstabenspekulation. Die neue deutsche Übersetzung beruht auf den ältesten hebräischen Handschriften und Textfragmenten aus der Kairoer Geniza und präsentiert erstmals die verschiedenen Textfassungen in einer synoptischen Übersetzung. Der Leser wird damit unmittelbar in den lebendigen Überlieferungs- und Auslegungsprozeß des Sefer Jezira einbezogen. Das Buch der Schöpfung (Sefer Jezira) ist das älteste und grundlegende Werk der Kabbala und hat mit seinen kosmologischen Vorstellungen die jüdische Philosophie und Mystik, später auch die christliche Schulen, wesentlich beeinflußt.”

Allerdings: Ich trau es mich ja fast nicht zu schreiben: Es ist ein Fehler drin. auf Seite 127. “Mit zajin werden gebildet diese: Zwilling, Siwan, Leber, Riechen und Wettstreit” müsste heißen: “…Zwilling, Siwan, Milz, Riechen und Wettstreit”. Sorry lieber Verlag. Ist leider so.
Trotzdem sehr empfehlensewert. Der Urtext von so vielem esoterischem Quatsch.
Ein wieder mal schwieriges Buch von dem besessenen Winkler:
Josel Winkler “Natura morta”, Eine römische Novelle. Frankfurt (Suhrkamp) 2001. 101 Seiten, € 14,95 oder als TB € 7,00.

Amazon schreibt:
“Ein Begriff aus der Malerei steht programmatisch über der römischen Novelle von Josef Winkler. In Natura morta malt der Autor mit Worten den Triumphzug des Todes.
Schauplatz ist der Markt auf der Piazza Vittorio Emmanuele. Ein opulentes Augenmahl aus Fleisch und Blut bietet sich dar, Farben und Gerüche sind betäubend: ausgeweidete schwarze Ziegen, gespaltene Schafsköpfe, Gehirne auf rosarotem Fettpapier, violette Fliegen in silberglänzenden Augenhöhlen, dunkelrote Hühnerkämme. Frische grüne Rosmarinzweige übertünchen den Blutgeruch. Scherzend, schreiend, feilschend bewegen sich Verkäufer, Bettler, Zigeunerinnen, Nonnen, Kinder. Der Blick des Autors bleibt hängen an einem Jüngling, den Fische verkaufenden Piccoletto. “Ein schwarzhaariger, ungefähr sechzehnjähriger Junge, der lange, fast seine mit Sommersprossen übersäten Wangen berührende Wimpern hatte…” Sanft und begehrlich streift der Blick seine Bewegungen. Etwas kindhaft Unschuldiges haftet ihm an, die Szenerie der Schlacht- und Blutorgie im Hintergrund lässt Piccolettos Schönheit und Lebendigkeit nur stärker strahlen.”

Die NZZ schreibt:
“Man muss schon sehr gläubig sein, um ein katholisches Hochamt in seinen Ritualen der Wiederholung nur geniessen zu können. Josef Winklers römische Novelle «Natura morta» stellt den Leser vor vergleichbare Probleme. Nicht dass es der 48-jährige Österreicher auf einen Gottesdienst im herkömmlichen Sinn abgesehen hätte, doch eine grosse Konfession stellt sein mittlerweile elf Prosabände umfassendes Werk allemal dar. Seit 1979 hat sich Winkler mit geballter Schreibwut von der Erniedrigung seiner Herkunft als Bergbauernsohn befreit, der in seiner Homosexualität am ländlich-armen, katholisch-konservativen repressiven Milieu zu ersticken drohte. In einem Akt radikaler Anklage und Selbstentblössung hat er der Öffentlichkeit seine Kindheit sozusagen vor die Füsse gekotzt – um zu Hause prompt als Nestbeschmutzer ausgegrenzt zu werden.”

Und weiter:
“Serialität ist ein Geheimnis von Winklers auratischer Prosa, Hyperrealismus ein anderes. Hier die schwindelerregende Reihung von Adjektiven, das Staccato kurzer, untereinander logisch nicht verkoppelter Feststellungssätze (die sich mitunter auch zu komplizierten Relativsatzgebilden auswuchern können); hier die Wiederholung stehender Wendungen und fixer Bilder – und da der Kult des Indikativs, der Fanatismus des Details, das besessene Protokoll disparater Eindrücke, die dann im «Labor» zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt werden. «Expressiven Impressionismus» hat man dieses poetische Verfahren genannt, und in der Tat stellt die Natürlichkeit in «Natura morta» eine radikale Künstlichkeit dar. Die Dinge leuchten noch einmal in ihrer ganzen Sinnlichkeit auf, bevor sie zur Allegorie gerinnen. Winkler evoziert das Entsetzen – und versiegelt es gleichzeitig in der Artifizialität seiner Bilder.”
Irgendwie schon beeindruckend. Nach 100 Seiten ist man ziemlich verstört.
Also bitte mal lesen.
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