Rosenlöcher – Wandern

Und gleich das nächste von Herrn Rosenlöcher, dann hätten wir den erledigt:

Thomas Rosenlöcher „Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern – Harzreise“. Frankfurt (edition suhrkamp) 199. 90 Seiten, € 6,50.

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Hierzu eine lobende Kritik aus dem Hause Amazon (Oliver Hotopp):

Ausgerechnet in den Wirren der D-Markierung der End-DDR beschließt der Dresdner Dichter mit dem lyrisch-prosaischen Namen Rosenlöcher, sich in des Harzes Gründen zu ergehen, „um wenigstens andeutungsweise wieder Gedichte schreiben zu können“.
Doch auch in beschaulichen Fachwerkstädtchen ist die Welt aus den Fugen, und der wandernde Poet erlebt allerlei Unbill, denn schon durch Bart- und Haupthaar dem Hauptvertreter des Marxismus‘ nicht unähnlich, gilt er Einheimischen wie Touristen als Abbild einer gerade überwundnen Epoche.
Von Quedlinburg aus wendet sich der Dichter thalewärts, das Bodetal hinauf, über Treseburg immer weiter in den tiefen Tann, überlebt eine Gewitternacht im Freien, wandelt hie und da von Waldeinsamkeit zu Brockenüberfülltheit, um letztendlich seine Harzreise in Goslar zu beschließen.
Fleißig notiert er seine Beobachtungen, erkundet west-östliche Mentalitäten, inauguriert als Archetypen des Jammerossis den Kohlehändler, als den des Besserwessis den Apotheker und teilt letztendlich in jede Richtung seine Spitzen aus. Insbesondere seinen Collegen Goethe nimmt er aufs Korn, argwöhnt er doch eine Wesensverwandtschaft zwischen dem Olympier und den allzu selbstzufriedenen Westapothekern.
Reich an Metaphern ist seine Reisebeschreibung, die nicht selten ins Groteske streift, voll der Ironie und Selbstironie. Seine Sprache ist geschliffen, seine Analogien sind brillant und erfrischend unabgegriffen. Die Dinge gewinnen an Eigenleben, sieht man sie mit seinen Augen: so gilt ihm der Gewerkschaftsgulasch eines Ferienheims als Handlanger des just vergangnen Regimes, der sich nun als Freiheitskämpfer ausgibt. „Du Unglückspampe“, ruft er ihm zu, „Du Arbeiterverräter. Fehlt noch, daß du behauptest, auch nur betrogen worden zu sein.“ Wie selbstverständlich nickt der Gulasch:“ Und wie.“
Namentlich aus diesen Anthropomorphismen, die ins Weltanschauliche spielen, schöpft das Bändchen seinen abgründigen Witz. Manche Stelle muß man ein zweites Mal lesen, manche bleibt dunkel, verworrene Schöpfung eines Dichterhirns. Köstlich ist das Buch allemal !

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Also ganz so arg schwärmen würde ich nicht, aber ich hatte auch viel Freude daran.

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