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Archive für Oktober 2008
Tour de Regal 16
31.10.2008 von Heiner.Eberle.
Ihr seid vereinigt, Fürsten! Frankreich steigt ein neu verjüngter Phönix aus der Asche, uns lächelt eine schöne Zukunft an.

Des Landes tiefe Wunden werden heilen, die Dörfer, die verwüsteten, die Städte aus ihrem Schutt sich prangend erheben, die Felder decken sich mit neuem Grün -

Doch, die das Opfer eures Zwists gefallen, die Toten stehen nicht mehr auf, die Tränen, die Eurem Streit geflossen, sind und bleiben geweint!

Das kommende Geschlecht wird blühen, doch das vergangne war des Elends Raub, der Enkel Glück erweckt nicht mehr die Väter. Das sind die Früchte Eures Bruderzwists!

Lasst’s euch zur Lehre dienen! Fürchtet die Gottheit des Schwerts, eh Ihr’s der Scheid entreißt.
Loslassen kann der Gewaltige den Krieg, doch nicht gelehrig wie edler Falk’ sich aus den Lüften zurückschwingt auf des Jägers Hand, gehorcht der wilde Gott dem Ruf der Menschenstimme.
Nicht zweimal kommt im rechten Augenblick wie heut die Hand des Retters aus den Wolken.
(Schluss. F. Schiller: Die Jungfrau von Orleans, 3. Aufzug, 2. und 3. Auftritt.)
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Pamuk - Das neue Leben
30.10.2008 von Heiner.Eberle.
Damit kam ich gar nicht klar: Orhan Pamuk “Das neue Leben” Roma. Aus dem Türkischen von Ingrid Iren. Frankfurt (Fischer) 1998 / 2004. In der kleinen TB Ausgabe € 10,00. 470 Seiten.

Schon als es um ein “Buch” ging, das das Leben von allen verändert, hatte ich ein schlechtes Gefühl. Dann aber geht das übliche Durcheinander von Schlaf und Wach und Träumen und Realität los, dem ich nie folgen kann.
Es sind endlose Busfahren und Busunglücke, die das Buch prägen. Liebes- und Sterbeszenen im Bus.

Die NZZ schreibt dazu:
Neue Zürcher Zeitung
Illusionen vom neuen Leben
Ein Roman von Orhan Pamuk
Orhan Pamuk ist ein Gratwanderer, der nicht nur den eigenen türkisch-islamisch-orientalischen Blickwinkel genau kennt, sondern auch den westlich-amerikanisch-europäischen, und als Schriftsteller den einen für den anderen zum Massstab nimmt. Er beherrscht die Kunst der Anspielung, wie seine Kollegen zur Zeit der Hochblüte osmanischer Dichtkunst, und gleichzeitig ist er mit allen Wassern moderner Erzähltechnik gewaschen, ohne sie aber so in Anspruch zu nehmen, dass das zu Erzählende darin ertrinkt.
Geboren 1952 und aufgewachsen in Istanbul, wo Pamuk nach einem mehrjährigen Amerika-Aufenthalt wieder lebt, gilt er als einer der bedeutendsten Prosa-Autoren der zeitgenössischen Türkei. Im Gegensatz zu Yasar Kemal, dem Dichter Anatoliens und der Anatolier – auch wenn sie nach Istanbul gezogen sind –, spricht Pamuk in seinen Romanen mit der Stimme der Grossstadt, auch wenn diese in «Das neue Leben» bis weit nach Anatolien hinein zu hören ist.
Entseelte Dinge
«Eines Tages las ich ein Buch, und mein ganzes Leben veränderte sich.» Mit diesem lapidaren Satz, einer Art Erleuchtung, beginnt der neue Roman, übrigens nach «Die weisse Festung» und «Das schwarze Buch» das dritte auf deutsch erschienene Werk Pamuks. Osman, der Protagonist und Ich-Erzähler, macht sich auf den Weg und folgt der Spur des «Buches», die ihn zunächst zur engelsgleichen Mitstudentin Canan und zu deren Freund Mehmet führt, die das «Buch» ebenfalls gelesen haben. Es folgen Autobusreisen durch ganz Anatolien, bei denen erst Canan Mehmet folgt, dann Osman Canan; nachdem er sie gefunden hat, folgt er wiederum Mehmet, den er tötet, worauf er Canan endgültig verliert.
Osman kehrt schliesslich, aller Illusionen beraubt, in ein bürgerlich-städtisches Leben zurück, bis er dann noch einmal aufbricht, um den Mann zu suchen, der einst Bonbons mit dem Aufdruck «Das neue Leben» und dem Abbild eines Engels herstellte. Er findet ihn in einem utopisch anmutenden, abgelegenen Dorf, wo er der alles überschwemmenden Warenflut der «entseelten Dinge» entkommen ist. Allerdings ist er erblindet und offensichtlich nur als Blinder imstande, sich dem Terror des Konsums in einer immer stärker entfremdeten Welt zu entziehen.
Auf der Rückreise begegnet Osman dem Engel des «Buches». Die Begegnung ist tödlich, der «Unfall», je nach Lesart, eine Art unio mystica – ein «Entwerden», wie der entsprechende Terminus in der islamischen Mystik heisst – oder aber auch Symptom jener hoffnungslos dem Unfall zustrebenden Übermotorisierung und Technisierung, die auch vor den hintersten Winkeln Anatoliens nicht haltmacht.
Pamuks Roman kann auf verschiedenen Ebenen gelesen werden: zum Beispiel auf derjenigen der mystischen Reise, eines gängigen Motivs der spirituellen türkischen Literatur, auf der er formal den Stufen des Weges der Gottesliebe folgt (der Name Canan steht nicht nur für die Geliebte, sondern auch für Gott), aber genausogut auf derjenigen der sozialen Realität des Landes. «Das neue Leben» steht darüber hinaus für eine Variante des Orient-Okzident-Themas, das sich durch alle Romane Pamuks zieht und um die Schwachstellen der heutigen Lebensform kreist, zu deren Komponenten Gewalt und Paranoia zählen: eine Gewalt, die auf Unterdrückung, Reglementierung und den Entzug demokratischer Rechte reagiert, und eine Paranoia, die aus einem Bruch in der Entwicklung resultiert. So glaubt Mehmets Vater, Dr. Narin, an eine «Grosse Verschwörung» des Westens zur «Entseelung der Dinge», der er mit einer «Grossen Gegenverschwörung» die Stirn bieten will, wobei er auch vor terroristischen Handlungen nicht zurückschreckt. Denn – wie eine der Figuren es gegen Schluss des Romans als Fazit formuliert –:
Heute sind wir die Verlierer. Der Westen hat uns geschluckt, zertreten, überfahren. Bis in unsere Suppe, unser Zuckerzeug, unsere Unterhose sind sie eingedrungen, haben uns fertiggemacht. Aber eines Tages, eines Tages nach tausend Jahren werden wir diesem Komplott ein Ende bereiten und sie aus unserer Suppe, unserem Kaugummi, unserer Seele herauszerren und Rache nehmen.
Solche Lesarten bilden jedoch stets nur einzelne Aspekte dieses vielschichtigen Buches ab, dessen Ebenen erst in ihrem ständigen Ineinandergreifen das ungemein dichte Gewebe erzeugen, das diesen Roman auszeichnet.
Vieldeutigkeit und Detailtreue
Denn gerade Pamuk weiss um die Unentflechtbarkeit der Dinge. Er ist ein genauer und äusserst zuverlässiger Beobachter der Alltagskultur und ihrer Manifestationen, was er schon in seinem grossen Istanbul-Roman «Das schwarze Buch» mit Bravour bewiesen hat. Wie kaum ein anderer kennt er die Geschichte gegenseitiger Beeinflussung von Orient und Okzident und versteht es, sie zu deuten. So gesehen können die Züge des Engels aus dem «Buch», über dessen tatsächlichen Inhalt der Leser nie etwas erfährt, nicht nur vom «Blauen Engel» der Marlene Dietrich oder aus Rilkes Duineser Elegien, von persischen Miniaturen, dem Werk des Dichters Ibn Arabi und aus dem Koran hergeleitet werden, sondern auch vom Wunschengel einer Zirkus-Tombola, aber natürlich auch vom Aufdruck jenes Bonbonpapiers, das Osman aus seiner Kindheit kennt. Sogar «Das neue Leben» erscheint in changierenden Bezügen, die sowohl auf Dante als auch auf türkische Comics und Zuckerzeug von gestern verweisen.
Die Aufmerksamkeit, mit der Osman der Spur des «Buches» folgt, lässt ihn eine Chronik der Gegenstände des täglichen Lebens erstellen, die mehr über die Gegenwart der Türkei aussagt als alle Spekulationen über das Wesen und den Inhalt des «Buches», das immer mehr zum Synonym für das Leben selbst wird. Auch dass Osman das Buch als für ihn geschrieben empfindet, ist nicht von ungefähr. Sein Autor war ein Freund seines Vaters, ein Eisenbahninspektor, aus zwielichtigen Gründen Opfer eines nie aufgeklärten Mordes, und – im Gegensatz zu Dr. Narin – Atatürk-Anhänger, also ein laizistischer Fortschrittsgläubiger, der die Entwicklung Anatoliens mit der Errichtung eines Eisenbahnnetzes gleichsetzte und keine Bildergeschichten für Kinder schreiben wollte, in denen nicht wenigstens eine Eisenbahn vorkam.
Auch dieses Detail ist nur ein weiterer Stein im Mosaik einer von allen Orientalismen entkleideten Türkei, wie sie dem westlichen Leser, der bestimmte Vorstellungen hegt, nicht unvertrauter entgegentreten könnte. Gerade darin besteht aber der Reiz dieses Romans: dass er allen gängigen Erwartungen widerspricht, keine erschöpfenden Erklärungen bietet und die Vieldeutigkeit nicht zum Selbstzweck erhebt beim Versuch, über das Leben zu reden, das alte und das neue: auch wenn er sich – im Gegensatz zu dem «Buch», von dem so oft die Rede ist – nicht mit dem Leben gleichsetzen lässt.

Und dabei lassen wir es bewenden.
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Tour de Regal 15
29.10.2008 von Heiner.Eberle.
Wir sind vereint. Ich fürchte keinen Feind mehr.

Glaubt mir, ich führte nicht mit frohem Herzen die Waffen wider Euch. O wüsstet Ihr - warum habt Ihr mir diese nicht geschickt?

Nicht widerstanden hätt ich ihren Tränen! - Nun soll uns keine Macht der Hölle mehr entzweien, da wir Brust an Brust geschlossen!

Jetzt hab ich meinen wahren Ort gefunden, an diesem Herzen endet meine Irrfahrt.
(Fortsetzung folgt noch ein mal.)
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Galerien in FFM 2
28.10.2008 von Heiner.Eberle.
Fortsetzung.
6.

7.

8.

9.

10.

Fortsetzung folgt.
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Tour de Regal 14
27.10.2008 von Heiner.Eberle.
Still! Still! Nicht weiter!

Diesen Engelländer konnt ich krönen! Diesem Fremdling Treue schwören! Euch meinen König ins Verderben stürzen!

Vergesst es! Alles ist verziehen. Alles tilgt dieser einz’ge Augenblick. Es war ein Schicksal, ein unglückliches Gestirn!

Ich will gutmachen. Glaubet mir, ich wills. Alle Leiden sollen Euch erstattet werden, Euer ganzes Königreich sollt Ihr zurück empfangen - nicht ein Dorf soll daran fehlen!
(Fortsetzung folgt.)
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Bennett - Handauflegen
26.10.2008 von Heiner.Eberle.
Jeder kennt das Buch von der Queen, die plötzlich das Lesen entdeckt. Das hier ist ein Vorgänger von Alan Bennett: “Handauflegen”. Berlin (Wagenbach) 2005, 94 Seiten, schön gebunden, € 13,90.

Ein gar köstliches Buch: Bei einer Trauerfeier stellt sich eine illustre Gesellschaft von Menschen ein, die alle auf die eine oder andere Art mit dem verstorbenen Mann “intim” waren. Und es entwickelt sich eine geradezu befreiende Atmosphäre, die nur von einem Menschen argwöhnisch beäugt wird, der den Priester im Auftrag der Diözese zu beurteilen hat. Wie der Pastor aus der verhängnisvollen Situation sich rettet, ist schon ganz prima erzählt.

Amazon beschreibt das so: Unter den Augen eines unbestechlichen Gesandten der übergeordneten Kirchenbehörde zelebriert Pater Jolliffe einen Gedenkgottesdienst für den Bettgefährten der ‘beautiful people’ von London, einen auch ihm selbst wohlbekannten Mann. Unerwartete Enthüllungen der versammelten Hinterbliebenen sorgen dafür, dass die traurige Zeremonie einen rasanten Wandel durchläuft. Die weihevolle Andacht wird zum nervenzerrenden Schreckensspektakel, um dann unversehens in einem überaus sinnenfrohen Dankgottesdienst zu enden, als herauskommt, woran dieser Mann nicht gestorben ist.

Und damit wollen wir es auch lassen: Ein sehr schönes schmales Büchlein.

Lesen!
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Tour de Regal 13
25.10.2008 von Heiner.Eberle.
Warum ist es nicht Frankreichs Königskrone?

Ich würde sie mit gleich geneigtem Herzen auf diesem schönen Haupt befestigen.

Und - zählt auf mich, wenn Ihr dereinst des Freundes bedürfen solltet!

O mein König! Euch konnt ich hassen! Euch konnt ich entsagen!
(Fortsetzung folgt.)
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Neue Kelle 2
24.10.2008 von Heiner.Eberle.
Fortsetzung und Schluss:
4.
5.

6.

Das wars.
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Tour de Regal 12
23.10.2008 von Heiner.Eberle.
Mein Meister rufe, wenn er will, dies Herz ist freudensatt, und ich kann fröhlich scheiden, da meine Augen diesen Tag geseh’n!

Man spricht, Ihr habt euch Eurer edlen Steine beraubt, um Waffen gegen mich daraus zu schmieden? Wie? Seid Ihr so kriegerisch gesinnt?

Wars Euch so ernst mich zu verderben? Doch unser Streit ist nun vorbei, es findet sich alles wieder, was verloren war, auch Eure Schmuck hat sich zurückgefunden, zum Kriege wider mich ward er bestimmt, nehmt ihn aus meiner Hand zum Friedenszeichen.

Nimm das Geschenk, es ist ein zweifach teures Pfand der schönen Liebe mir und der Versöhnug.
(Fortsetzung folgt.)
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Lodge - Autor Autor
22.10.2008 von Heiner.Eberle.
David Lodge “Autor Autor”, Frankfurt (Zweitausendeins) 2006, 542 Seiten. Muss man sich nicht antun.

Es geht über Henry James und die Risiken, Schriftsteller zu sein.
„Wir arbeiten im Dunklen - wir tun, was wir können - wir geben, was wir haben. Unser Zweifel ist unsere Leidenschaft, und unsere Leidenschaft ist unsere Aufgabe. Der Rest ist der Wahnsinn der Kunst.“ Henry James
Amazon Text: “Der Roman kreist um Henry James‘ Freundschaft mit dem genialen „Punch“-Cartoonisten und Illustrator George Du Maurier, um die enge Beziehung von James zur amerikanischen Autorin Constance Fenimore Woolson. Obwohl früh erfolgreich und anerkannt, gerät James 1880 in eine Krise. Seine Bücher verkaufen sich immer schleppender, da wechselt er das Fach und wird Dramatiker, während sich sein Freund Du Maurier, dessen Augen immer schlechter werden, als Romancier versucht. Die Folgen sind für beide völlig verblüffend: Du Maurier landet mit „Trilby“ den Bestsellererfolg des Jahrhunderts; der Bühnenautor Henry James fiebert ängstlich der Premiere seines Stücks „Guy Domville“ entgegen …

Mit einer Fülle farbiger Gestalten - darunter Flaubert, Edmond de Goncourt, Wilde, Stevenson, Kipling, Rider Haggard, H.G. Wells, G. B. Shaw, Stephen Crane, Joseph Conrad, Guy de Maupassant, Agatha Christie - entsteht ein Panorama der literarischen, künstlerischen und gesellschaftlichen spätviktorianischen Ära in England wie in Europa, als der Kultur-Mix aus Kommerz, Skandal, Erfolgsanbetung und Publicity beginnt, das nächste Jahrhundert zu prägen.
Ein Roman über die Berufung zum Schriftsteller, über den Autor als Sinnstifter in einer entgötterten Welt, über artistische Besessenheit, die Hoffungen, Träume, Triumphe und Enttäuschungen all derer, die sich entschlossen haben, von der Kraft ihrer Einbildung ihr Leben zu gestalten und zu verdienen.
Und es ist das einmalig einfühlsames Porträt eines großen Autors, der zu seinen Lebzeiten zwar Anerkennung unter Kennern, aber keine Popularität erreicht, der nicht das Geringste von seinem Liebesleben preisgeben und doch einige der kenntnisreichsten Romane über die Liebe geschrieben hat.”

Wen das interessiert… bitteschön.
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