Hartmann von Aue – Erec

Es geht um dieses hier:

Hartmann von Aue: „Erec“, herausgegeben von Manfred Günter Scholz, übersetzt von Susanne Held. Frankfurt (Deutscher Klassiker Verlag) im Taschenbuch Band 20, 2007. 1070 Seiten. € 16,– (!)

l1070333-aue-1-15.jpg

Das sagt der Klappentext:

„Hartmanns Erec ist der erste Artusroman in Deutschland. Diese Gattung hatte sich erst kurz zuvor in Frankreich etabliert: der Großmeister der arthurischen Literatur, Chrétien de Troyes, lieferte mit seinem Roman Erec et Enide hierfür das Modell. Hartmann hat diese Vorlage nicht einfach übersetzt, sondern sie interpretierend neu gestaltet: Es ist die Geschichte einer großen Liebe und ein Meisterwerk der Erzählkunst, das souverän mit narrativen Innovationen spielt.

Diese Ausgabe bietet einen zuverlässigen Text nach jener Vorlage, in der allein der ganz überwiegende Teil des Romans überliefert ist: der Ambraser Handschrift von Hans Ried. Die synoptisch dargebotene Übersetzung des Herausgebers überträgt das Original mit größtmöglicher Genauigkeit in ein direktes und zupackendes Neuhochdeutsch. Der Kommentar bietet alle zum sprachlichen und sachlichen Verständnis nötigen Informationen und setzt sich eingehend mit dem Stand der Forschung auseinander.“

l1070336-aue-2-15.jpg

Einige Sachen, die wichtig sind:  Den Stellenkommentar muss man nicht unbedingt Zeile für Zeile mitlesen, wenn man kein Literaturwissenschaftler ist.

Die Beschreibung des Pferdes (Z. 7285) und vor allem des Sattels (Z. 7462), den Enite, die Frau von Eric, von den Schwestern Filledamur und Genteflur (Z. 7786) bekommt, verbraucht im Text ca. 500 Verse, entspricht also schon unglaublichen ca. 13 Seiten.

Die Anmerkungen dazu umfassen dazu noch weitere unglaubliche 32 Seiten (S. 898 – 930). Soviel Aufmerksamkeit hat noch kein Sattel in der Literaturwissenschaft bekommen.

Jeweils auf der linken Seite kann man den mittelhochdeutschen gereimten Text lesen (da kommt man auch nach einer Weile rein), während immer auf den rechten Seiten die (etwas langweiligere) verständliche hochdeutsche Übersetzung zu lesen ist.

Damit erstreckt sich der Text der 10135 Verse auf ca. 280 Seiten. Ab Seite 567, bis 1070 kommen dann die Kommentare und Anmerkungen.

l1070334-aue-3-20.jpg

Ein wichtiger Punkt der ganzen Geschichte bleibt ungeklärt: Was hat es mit dem „Sich verliegen“ aufs sich, das Erec so schuldbewusst quält und das er wieder gutmachen will?

l1070335-aue-4-20.jpg

Sehr lustig. Die Literaturwissenschaftler streiten sich noch.

Also: Nicht nur ein wichtiges Textdokument, sondern auch sehr lesenswert. Macht Spass.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, B veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar