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Archive für 21.4.2008
Sinclair - Der Dschungel etc.
21.4.2008 von Heiner.Eberle.
Das Buch war vor mindestens 20 Jahren ein absolutes Muss, wurde bei Zweitausendeins in Riesenauflagen verkauft und alle sprachen darüber. Vor einiger Zeit hat der Reprint Verlag “area” aus Erftstadt den Klassiker aus dem alten März-Verlag nachgedruckt:

Upton Sinclair “Der Dschungel” und “Am Fleißband. Mr Ford und sein Knecht Shut” (2 Romane in 1 Band), aus dem Amerikanischen übersetzt von Otto Wilck und Walter Paul, 2004 (neu), 736 Seiten, muss man antiquarisch besorgen: www.ZVAB.de oder so.
Die Buchbeschreibung bei amazon ist gut und richtig, deshalb übernehme ich daraus ein paar Sätze.

Nur so viel vorab: Man will alles manchmal gar nicht so genau wissen, wie das so in “nicht-sozialen” Marktwirtschaften (Kapitalismus at its best) zu geht. Zumal in der Lebensmittelindustrie, also z.B. in den Schlachthöfen, um die es hier geht. Öffentliche und politische Kontrolle (von außen!) sind überlebenswichtig. Man darf den Unternehmen niemals die Kontrolle ihrer eigenen Methoden oder die Kontrolle der Einhaltung von Regeln überlassen.

Es ekelt einen immer mal wieder richtig an. Das beschriebene Elend in Chicago um 1910 unerträglich, die gesundheitlichen, hygienischen Zustände schauderhaft. Die Sprache der Romane ist einfach, drastisch und schnörkellos. Die handelnden Personen sind ebenfalls einfach (naiv?) gezeichnet, brave Einwanderergeschichten, böse Kapitalisten, ein bisschen schwarz-weiß. Aber es ist ein politisches Buch, das auf Wirkung hin geschrieben ist. Man kann das also gelten lassen.

Die Geschichte: Der litauische Einwanderer Jurgis Rudkus kommt mit seiner Braut Ona samt einer im Grunde bäuerlichen Familie um 1900 nach Chicago. Alle finden Arbeit in den Schlachthäusern, aber die hygienischen und Sicherheitsstandards sind so niedrig, die Anforderungen so hoch, die Bedingungen so inhuman, die Bezahlung so erbärmlich, dass die gutwilligen, aber vertrauensseligen Immigranten keine Chance haben.

Jurgis’ Vater stirbt, er selbst verliert durch einen Unfall seine Arbeit, später auch seine Frau, die von einem Vorarbeiter vergewaltigt wurde. Ihr Kind stirbt, aus dem Haus, dessen Abzahlung von vornherein kaum möglich war, wird die Familie exmittiert. Auf illegalen Wegen ist er gezwungen, Geld zu verdienen.
Als er sich sogar als Streikbrecher prostituiert hat, erkennt er die Notwendigkeit, systematisch für Reformen zu arbeiten und engagiert sich fortan für die Sache des Sozialismus.

In 31 Kapiteln wird, beginnend mit der Hochzeitsfeier, beschrieben, wie die Familie Rudkus Schritt für Schritt versklavt und z. T. vernichtet wird. Drastisch werden die Ekel erregenden Details der Massenschlachtung und der Düngerherstellung geschildert. Dabei liegt dem Autor daran, die melodramatisch zugespitzte Handlung mit dokumentarischer Sachlichkeit zu fundieren.

Die skandalösen Verhältnisse in den Schlachthöfen sollten das gesamte ausbeuterische System des Kapitalismus repräsentieren. Tatsächlich hatte der Sensationserfolg des Buchs konkrete Folgen; hauptsächlich für die monopolistische Produktion des Fleischtrusts. Sinclair wurde von Präsident Theodore Roosevelt (1858–1919) nach Washington eingeladen; die Branche sah sich aufgrund der Enthüllungen mit juristischen Konsequenzen der Regierung konfrontiert, die erhebliche merkantile Einbußen nach sich zogen.

Ich empfehle den Dschungel unbedingt. Man muss es mal gelesen haben. Es ist ein Klassiker.
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