Heinerblog

21.3.2008

Philip Bethge - Die Knoblauchprobe 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:03

Teil des jährlichen Frühlingsfestes in der Stadt W. war die Eroberung der Knoblauchknolle.

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Jahrzehntelang hatte dieser Brauch schon gegolten und sollte auch noch weiterhin gelten, weil er so beliebt bei den Bürgern der Stadt W. war.

Wer es schaffte, den Strunk der Knolle zu erobern und heil wieder nach Hause zurückkehrte, wurde in den Orden der Knoblauch-Brüder aufgenommen.

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Und viele Privilegien der Stadt W., wie zum Beispiel das kostenlose Fahrradmieten, wurden ihm zur Verfügung gestellt und konnte er nutzen. Ganz wichtig: Er durfte die schönste Frau aus dem Model-Wettbewerb, der immer an Ostern herum ausgetragen wurde, heiraten.

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Die Knolle Knoblauch war dieses Jahr besonders aktiv. Schon seit Tagen war sie unruhig gewesen. Man sah und hörte förmlich die Zehen unter der pergamentartigen Haut kratzen und scharren. Das würde kein leichter Gang für Herrn Bethge werden.

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Dieses Jahr hatte sich Philip Bethge, ein Journalist aus dem Technikresort des örtlichen Nachrichtenmagazins für die gefährliche Eroberung beworben und sich aufgrund seiner literarischen Kenntnisse über Eroberungsfahrten, Kreuzzüge und Seeabenteuer gegen starke Konkurrenz durchgesetzt.

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Sorgfältig sondierte er das Gelände und suchte nach dem besten Einstieg. Er hatte keinerlei Hilfsmittel mitgebracht. Nicht einmal einen Spieß oder dergleichen Waffe, um sich gegebenenfalls gegen eine Attacke der Knolle zur Wehr setzen zu können.

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Jetzt sah er seine Chance und wusste, wie er es anstellen sollte. Über die Südflanke. Und das klappte auch ganz hervorragend.

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Zufrieden schaute er hinunter und sah in der Ferne die jubelnden Bürger der Stadt W. Unter ihnen glaubte er auch Rafaela Hackenbroch zu erkennen, die Gewinnerin des diesjährigen Model-Wettbewerbs und – sollte das hier klappen – seine zukünftige Ehefrau.

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Doch noch war er nicht am Ziel. Der Strunk hatte es in sich.

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Er war nicht nur steiler und glatter als die normale Knollenoberfläche, sodass man leicht ausrutschen und abstürzen konnte.

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Er war auch das sensibelste Organ der Knolle. Wenn sie schlecht drauf war und spürte, dass sie von einem Fremdling belästigt wurde, konnte sie kräftig stinkende Säfte absondern, die in der Lage waren, Eindringlinge in kurzer Zeit bei lebendigem Leibe zu verdauen.

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Doch dieses Mal schien alles gut zu gehen. Philip hörte von Ferne das Geschrei und den Jubel der Freunde und der Verwandten aus der Stadt.

(Fortsetzung und Ende folgen bald.)

20.3.2008

Martel - Schiffbruch

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:22

Und dann habe ich auf Empfehlung eines Kollegen dieses hier gelesen:

Yann Martell „Schiffbruch mit Tiger“, Roman, Frankfurt (Fischer) 2003. 527 Seiten (in der kleinen Sonderausgabe), € 10,-

Das Buch hat 193 Rezensionen bei Amazon!

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Es ist die Geschichte von dem merkwürdigen Abenteuer des hinduistischen Zoodirektorensohns Pi, der nicht nur mit dem Titel-gebenden Tiger namens Richard Parker, sondern auch mit einer Hyäne und einem veritablen Orang Utan (und einem Zebra ebenfalls, liebe Amazon Redaktion!) nach dem Schiffbruch des Tiertransporters in einem Rettungsboot überlebt.

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Bald hat der Tiger alle, außer Pi natürlich, erledigt, dann kann die Odyssee, die Revierkämpfe und die permanente Nahrungsbeschaffung beginnen.

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Es gibt schon ganz mitreißende Stellen in dem Buch. Gerade die ganz archaischen Revierkämpfe, die Futterzuteilung, Fragen der Unter- und Überordnung beim Tiger sind hochinteressant. Auch, wie sich das Revierverhalten aus dem Gleichgewicht bringen lässt, als Tiger und Pi am Ende auf der „Algeninsel“ landen.

Das ist dann natürlich auch ein bisschen blutrünstig und horrormäßig. Klar.

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Den Zusammenhang zu dem ersten Teil des Buches, wo Pi hinduistischen, moslemischen und christlichen Glauben nacheinander lernt und gleichzeitig praktiziert, habe ich nicht mehr herstellen können. Aber vielleicht habe ich das übersehen oder nicht richtig gedeutet…?

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Zum Ende gibt es dann noch eine alternative, noch blutigere Interpretation und Kurzversion der Geschichte, die Pi gegenüber den ungläubigen japanischen Versicherungs-Spezialisten erzählt. Die kann man annehmen oder ablehnen, wie man möchte.

Jedenfalls: Ein Buch zum Zeitvertreiben. Nicht übel.

19.3.2008

Engelhart und die Aussichtskugeln 2

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:36

Engelhart wusste, er lief langsam Gefahr, sich zu verzetteln. Es war schon  wieder so weit. Er war völlig unschlüssig. Noch vor kurzem hatte er genau gewusst, was er brauchte. Jetzt wusste er nur noch, was er wollte - und nicht einmal darin war er so eindeutig.

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Die große, grünlich-braun gefleckte Kugel war das Optimum schlechthin. Da fragte auch niemand mehr nach dem Preis. Sie war unbezahlbar.

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Daran gab es nichts zu rütteln. Die besten aus seiner Jahrgangsstufe besaßen dieses Modell. Schon seit Jahren. Und erzielten damit immer Spitzen-Voraussagen.

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Und – was soll man sagen – die Aussichten waren nicht nur wochen- sondern sogar monatsweise sichtbar. Und das in einer Klarheit, die seine Verkündigungen zukünftig zu einem Kinderspiel machen würde. Zu einem sicheren Kinderspiel. Nicht mehr dieses peinliche Um-den-Brei-herum-Reden. Mit diesem Werkzeug würde man ihn schätzen und ehren und immer willkommen heißen. Zu jeder Zeit.

Doch da sah er…

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…den heißen Super-Aussichtsboliden: Den GTI. Den hatte er sich immer gewünscht, als er noch jünger war. Ein Traum. Power pur. Scharf, schnell, heiß. Nichts für den großen Überblick, aber…

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…der machte so viel Spaß! Man sah damit natürlich nicht alles, aber man erkannte das Wesentliche. Das, worauf es ankam. Das Besondere, das Aufregende, das Spannende. Es machte den, der ihn besaß, zum Retter, zum Schreckenverkünder, zum Held, zum Feind, je nachdem. Aber er ließ keinen einfach so kalt und unberührt. Er war Emotion pur.

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Jetzt hatte er die Wahl und damit das Problem.
Exklusivität durch feinste Materialien? Qualität durch zuverlässige Aussichten? Spaß und „Thrill“ durch heiße Kurven?

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Halt: Einer fehlte doch noch: Genau, die Salzkugel aus dem Ausseerland. Also Tradition und Erfahrung.

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Und damit hatte es sich. Er entschied sich nicht. Noch nicht. Er wollte Rat einholen. Bei Edelgart. Oder Edeltraut. Oder Engelbert. Das konnte dauern.

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18.3.2008

Zwiebel

Abgelegt unter: Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

Ganz kommentarlos: eine schöne Zwiebel.

1.

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Prima Leica Objektiv.

17.3.2008

Engelhart und die Aussichtskugeln 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:29

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Engelhart musste sich eine neue Aussichtskugel beschaffen. Seine alte war einerseits schon ganz verrostet (die erste noch, aus Eisen!), uralt schon, und andererseits rollte sie nicht mehr anständig. Und sehen konnte man auch fast nichts mehr mit ihr.

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Er hatte sich schon in eine klare, wässrige Kugel verguckt, als er ein anderes, bernsteinfarbenes Modell entdeckte, eine Farbe, die gerade sehr in Mode war.

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Diese Kugeln, das hatte er schon von Bekannten gehört, gehörten zu den Spitzenprodukten im Aussichts- und Vorherschau-Markt.

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Nicht nur, dass sie eine hervorragende Bequemlichkeit besaßen. Sie vermittelten auch Eleganz und Stilbewusstsein des Benutzers, gekoppelt mit dem Luxus und der Exklusivität ganz seltener Stoffe und Materialien.

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„Kann ich mir wahrscheinlich sowieso nicht leisten“, dachte Engelhardt, „aber ausprobieren kann ja nicht schaden.“

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Und er sprang hinauf und war sofort begeistert. Die Sicht war gewaltig. Klarheit und Weite wie nie zuvor gesehen.

Aber er sah leider auch noch andere Modelle, die ihn interessierten.

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Zum Beispiel die Aussichtskugel aus Salz, die im österreichischen Ausseerland hergestellt wurde. Der Name sagte es ja schon.

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Man sah damit nicht nur gut aus - obwohl das Design sehr reduziert war - die Aussicht war einfach grandios. Wochenlang war das „Vorausschaun“ möglich, das würde ihm in seinem Job als Verkündigungsengel natürlich besonders helfen. Je weiter, desto besser würden seine Auskünfte sein.

Doch daneben lag ein Riesenteil, das sehr „klassisch“ aussah.

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(Fortsetzung folgt demnächst.)

16.3.2008

Irving - Die vierte Hand

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:07

Ich habe gelesen: John Irving „Die vierte Hand“ Zürich (Diogenes) 2002, 437 Seiten, als TB € 11,90.

Das ist die Geschichte, um die es geht:

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Was ist mir im Gedächtnis geblieben?

Ein abgemagerter Handchirurg, der die Köttel seines Hundes „Medea“ aufsammelt und sie auf die Eichhörnchen in Nachbars Garten schleudert (S. 67). Sehr lustig.

Eine sehr sympathische Beschreibung der Reise des Fernsehjournalisten Patrick zum „Frauenkongress“ nach Japan.

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Ein Türsteher (Concierge) in dem Appartementhaus, wo er früher gewohnt hat, der offensichtlich 3 unterschiedliche Namen hat, von denen abwechselnd immer 2 falsch sind. Er hält den Fernsehreporter Patrick, der die Hand verloren hat, für einen bekannten Footballspieler und lässt sich auch durch offensichtliche Logik nicht davon abbringen. („Ich sag keinem was!“) Sehr skurril.

Es macht richtig Spaß, wie er die Spannung seitenlang aufbauen kann, z.B. vor dem zu erwartenden Tod Ottos, des Handspenders, der immer wieder durch Banalitäten (naja “Banalitäten” - es ist die Nacht des Superbowl) unterbrochen wird.

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Da ist ganz klar und deutlich, was ein großartiger Geschichtenerzähler Irving ist.

Dann wird aber die Situation mit Doris Clausen schwierig. Sie hat dem Journalisten die Hand ihres Mannes Otto verschafft und macht ihn jetzt zum Erzeuger ihres Kindes. Sie hat aber nur immer eine Beziehung zu der Hand, nicht zu dem Menschen Patrick Wellingford. Daher kommt das Problem…

Und so wird es langsam unruhig und unbestimmt, etwas ziellos und undurchschaubar.

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Patrick trennt sich von Doris, bekommt daraufhin Phantomschmerzen. Eine eifersüchtige Kollegin vom Fernsehstudio macht ihm zu schaffen (dafür wird sie später seine Chefin, ganz intrigant). Er reist nach Boston zum Chirurg. John F Kennedy Junior stürzt vor Martha’s Vineyard mit dem Flugzeug ins Meer und Patrick hat eine Beziehung zu einer 51-jährigen Frau.

Aus der Diskussion um den richtigen Tonfall bei der Berichterstattung über das Kennedy Unglück entwickelt sich der Rauswurf aus dem Studio. Patrick verliert seinen Job.

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Er unternimmt eigentlich nichts mehr aktiv. Er lässt sich treiben, profitiert davon, dass ihn alle Frauen haben wollen, auch seine neue Chefin bekommt er ins Bett (oder sie ihn). Auch sie will ein Kind von ihm, endlich. Und dann klappt es auch noch mit der 20-jährigen Maskenbildnerin.

„Was war eigentlich gegen sexuelle Anarchie einzuwenden?“ fragt er sich auf Seite 313. Nichts. Aber als Leser fragt man sich „Was hat das mit der vierten Hand zu tun?“

Schließlich endet die Geschichte in einer Familienidylle mit Klein-Otto und der Mutter, der Exfrau des Handspenders, in Wisconsin. Als Leser wartet man dringend darauf, dass noch etwas Aufregendes passiert, das tut es aber nicht. Idyllen sind langfristig nicht interessant und nicht lustig.

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Das plätschert also dann so dahin. Händchenhaltendes Glück der Familie.

Aber egal. Ein toller Erzähler.

15.3.2008

Frank Doll - Die Verhöre 8

Abgelegt unter: Das Orakel, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:13

„Orakel, kommen Sie heraus, wie wissen, wer Sie sind. Sie stehen im Verdacht, Edith Hübsch ermordet zu haben, um an ihren Gewinn aus der Lotterie zu kommen. Gestehen Sie und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“

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Ganz langsam und leise quietschend ging die Tür auf.
Doch dann waren sie erschüttert.

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In dem Häuschen saß nicht das nach Myrrhe und Weihrauch duftende Orakel mit Hut und Zeitung, wie von allen beschrieben, sondern ein eng umschlungenes Pärchen.

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„He, was soll’n das? Kann man nicht mal in Ruhe aufs Klo?“
„Na, das sieht mir ja aber anders aus, was Sie da machen!“ konterte Grolle. „Wohin haben Sie denn das Orakel verscheucht?“
„Orakel? Was ist denn das für ein Quatsch, bei Ihnen piept es wohl! Orakel! So was gibt es doch gar nicht!“

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„Vielleicht schauen Sie mal weiter bei dem Buch, das da liegt, vielleicht ist das ihr Orakel, der Spinner, der die Hosen nicht mehr hochkriegt!“

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Und tatsächlich: Auf dem teuren Ledereinband saß das „Orakel“, Sabses Ehemann, in wohl vertrauter Haltung. Er hatte es weder für notwendig erachtet, die Hose hochzuziehen, noch den Hut oder die Zeitung abzulegen.

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„Herr Schabulsky“, wir wollen mit Ihnen reden!“ riefen sie etwas nervös nach oben. Wie immer, wenn sie der Aufklärung eines Falles so nahe waren.

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„Und warum? Können Sie Ihre Anfrage nicht schriftlich einreichen, wie alle anderen auch?“
„Nein, das können wir nicht. Wir wollen auch nicht das Orakel befragen, sondern Herrn Schabulsky verhaften, Sabse Schabulskys untergetauchten Ehemann, verdächtig der Tötung Edith Hübschs aus ganz niedrigen Beweggründen.“

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„Na gut, ich komme mit Ihnen. Ich gestehe alles, wenn Sie mir nur einen Orthopäden beschaffen, der mir aus dieser verkrampften Position hilft.“

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„Ich kann nämlich nur in dieser Haltung sitzen, kann mich nicht mehr richtig aufrichten, der Hexenschuss, wissen Sie! Das Leben im Orakelhäuschen hat mir ganz schön zugesetzt. Was bin ich froh, dass das vorbei ist.“

„Das kriegen wir hin, keine Sorge!“ versicherte Doll wieder ganz beruhigt, und sie nahmen ihn von beiden Seiten unter die Arme und führten ihn ab.

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Und Pablo, der Leierkastenmann, versuchte, eine Moral der Geschichte zusammenzudichten. Aber außer dem alten „Verbrechen lohnt sich meist nicht“ oder „Wir werden alle mal erwischt“ fiel ihm nichts Wesentliches ein.

Damit wäre also diese lange Geschichte endlich auch beendet. Spektakulär nicht?

14.3.2008

Küche

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:02

Ganz kommentarlos.

Küchenfotos.

1.

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13.3.2008

Frank Doll - Die Verhöre 7

Abgelegt unter: Das Orakel, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:59

Der letzte, aber auch heftigste Lichtblick für Kommissar Doll war der ständig wiederkehrende Hinweis auf das „Orakel“.

Und so machte er sich auf, um das Häuschen zu finden, das einstmals am Stadtrand, in der Schrebergartensiedlung und dann hinter dem Bahnhof stand.

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Der letzte, aber auch heftigste Lichtblick für Kommissar Doll war der ständig wiederkehrende Hinweis auf das „Orakel“.

Und so machte er sich auf, um das Häuschen zu finden, das einstmals am Stadtrand, in der Schrebergartensiedlung und dann hinter dem Bahnhof stand.

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„Ja, Sie sind völlig richtig, immer der Nase nach, da lang, ja, da können Sie gar nichts falsch machen. Es riecht halt etwas streng, aber so ist das nun mal.“

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Und so langsam verstand Doll auch, warum.

„Sag mal, sind wir hier eigentlich auf einem öffentlichen Örtchen oder was?“

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In etwas großer Hektik versuchte ein Pinkler, sein Geschäft zu beenden, als er so heftig von Doll angesprochen  wurde.

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„Aber so lange Du einpackst, kannst Du mir auch noch gleich sagen, wo denn dieses ominöse Orakel sein soll? Oder?“

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Und er bekam sogar eine einigermaßen zuverlässige Antwort, denn nach kurzer Zeit traf er auf Grolle, der sich bei Manfred schlau gemacht hatte und den Weg über die Felder genommen hatte, statt durch den verpinkelten Lindenblütenwald.

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„Also: Das Orakel ist Sabse Schabulskys Mann, der vor einigen Monaten untergetaucht ist. Das ist wohl sicher. Er weiß von allem, weil ihm alle ihre Geheimnisse mitteilen, um einen Rat oder eine Offenbarung von ihm zu bekommen.

Er hatte genügend Anlass und Möglichkeiten, den Mord an Edith Hübsch begangen zu haben.“

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„Und dazu hat Edith ihn noch in der Hand gehabt!“ Pablo, der Leierkastenspieler war Doll gefolgt und hatte noch eine interessante Neuigkeit dabei:

„Das Orakel hat mir beim Bier mal erzählt, die Edith hätte als Einzige sein Geheimnis herausgefunden und gedroht, es an die Öffentlichkeit zu bringen. Das Orakel hatte eine Heidenangst. Vor einer Aufdeckung und vor allem auch vor seiner Frau, der Sabse.“

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„Na also, das ist doch alles rund“, freuten sich Doll und Grolle. „Lass und das Orakelnest ausheben!“

Ihr Jagdinstinkt war wieder aktiv da. Und nach wenigen Minuten hatten sie das Häuschen erreicht.

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Es stank erbärmlich.

(Jetzt folgt noch eine Fortsetzung, dann ist der Fall erledigt. Versprochen.)

12.3.2008

Schmidt - Dialoge 1

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:26

Wieder- neu- nochmal- und endlich fertiggelesen: Arno Schmidt - Dialoge 1. Aus der Werkgruppe 2 der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts ist das der Teilband 1/1 der Studienausgabe. Zürich (Haffmans) 1990, 233 Seiten. Die gesamte Werkgruppe der Dialoge in 6 Bänden (Broschur) gibt es noch in der Haffmanschen Ausgabe, in der Kasette zur Zeit z.B. auch bei Zweitausendeins.

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Darin enthalten sind die Radioprogramme Arno Schmidts zu de la Motte-Fouquè “Massenbach - Historische Revue”, James Fenimore Cooper “Siebzehn sind einer zuviel !”, Barthold Heinrich Brockes “Nichts ist mir zu klein”, nochmal “Zum Gedächtnis an Friedrich Baron de la Motte-Fouquè: Anachronismus als Vollendung”, zu Samuel Christian Pape “Vergessene Dichtung aus Moor und Heide” und zu Karl May natürlich: “Vom neuen Grossmystiker”.

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Die Werkgruppen der Bargfelder Ausgabe waren von Anfang an immer nur geschlossen beziehbar, deshalb gibt es auch diese “Kasetten”, in denen die Studienausgaben verkauft werden. (Die teure Standardausgabe - soweit ich weiß - ist ebenfalls nur in ganzen Gruppen erhältlich, obwohl der Buchhandel da wahrscheinlich etwas großzügiger verfahren wird.)

So war der Deal mit dem Fischer Verlag damals, als Haffmans begann, die Werke Arno Schmidts im Geheimen neu herauszugeben, zu drucken, und sie in einer Nacht- und Nebelaktion nach Deutschland in den Buchhandel zu bringen. Davor und danach wurde dann die gerichtliche Auseinandersetzung mit Fischer ausgefochten, der die Rechte auf das Werk Arno Schmidts hatte.

Der Vorwurf Gert Haffmans und der Arno Schmidt Stiftung in Bargfeld, die sich als Rechte-Nachfolgerin sah: Fischer hat kein Interesse, lässt zuwenig Sorgfalt walten und kümmert sich nicht standesgemäß um das Werk, das der Allgemeinheit in einer guten Form (Vollständigkeit, Fehlerfreiheit) endlich / erstmals zugänglich gemacht werden muss.

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Das war schon aufregend damals. Mittlerweile ist Haffmans in Konkurs gegangen, macht aber seit einigen Jahren bei Zweitausendeins wieder Bücher, und die Arno-Schmidt Stiftung verlegt die Werke bei Suhrkamp. Fischer hat nach wie vor die “normalen” Rechte an den Einzel-Ausgaben, aber die kann man auch getrost vernachlässigen. Sie haben nur historischen Wert, sind textlich nicht gesichert.

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Was nach wie vor aussteht und seit Jahren in Arbeit ist, ist eine gesetzte Fassung von “Zettels Traum”. Ich meine, sie war von Haffmans mal für 2004 angekündigt (!). Da arbeitet wohl immer noch eine kleine Schar von Typesettern sich die Finger wund und die Korrektoren und die Leute aus dem Lektorat bekommen reihenweise Krämpfe und ständig müssen rote Filzstifte nachbestellt werden.

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Soll ich was zum Buch sagen?

Naja, Arno Schmidt eben. Einige Themen sind vielleicht etwas abseitig… Ich habe immer Schwierigkeiten mit den historischen Sachen: Massenbach, Napoleon, Fouquè, Preussen usw. sind für mich ganz weit weg. Dafür komme ich mit den Romantikern und den englisch / amerikanischen Sachen (da meine ich jetzt nicht Karl May damit) immer ganz gut zurecht.

Nur: Es sind ja wirklich die Texte, die Dialoge, der Witz und die Sprache, die diese Radioprogramme ausmachen (wurden für den Hessischen Rundfunk gemacht, soweit ich weiß.) Und das ist ganz großartig. Die Sprecher und die Dramaturgie der Dialoge sind so lebendig und saftig geschrieben, man sieht die Herren förmlich im Studio vor sich sitzen. Das macht einfach unglaublich Spass.

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Und mit der Interpunktion und den seltsamen Abständen etc. kommt man sehr schnell klar und merkt, dass sie helfen, den Tonfall des Textes zu “hören” und Betonungen herauslesen zu können. Das stört in keinem Falle. Im Gegenteil. Es macht klarer.

Wenn man Spaß hat, sich auf was Neues einzulassen und dabei zuhören möchte, wie reichlich gebildete Leute sich über Bücher und Literatur unterhalten, dann ist das sehr empfehlenswert.

Noch was Schönes: Das Buch hat keine Tippfehler.

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Also los. Nur Mut.

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