Charles Wüst ist wütend.

Charles hatte sich mit Frau von Tümmler verabredet.

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Sie war seine langjährige Kollegin in der Trikotagenfabrik gewesen – und wenn wir ehrlich sind, auch seine langjährig angebetete platonische Liebe. Sein großer Schwarm.

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Darum ging es heute auch am Rande. Allerdings eher von der anderen Seite. Sie hatte ihm nämlich einen Brief geschrieben und ihn in beleidigtem Ton gebeten, dass er ihr zukünftig nicht mehr nachstellen solle.

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„Nachstellen!“ Was sollte denn das bedeuten?! Er war doch kein Triebtäter oder so. Er hatte denselben Weg zur Arbeit wie sie. Das ja. Und wieder zurück. Aber das war auch alles. Schließlich war er glücklich verheiratet.

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Mit 3 fast erwachsenen Töchtern. Was bildetet sich die hohe Frau von Tümmler eigentlich ein!?

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Und da sah er sie von weitem auch schon stehen. Die schöne Frau von Tümmler. In ihrer ganzen Pracht. Wie konnte er ihr da widerstehen? Gar nicht.

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Wie wenn ein Schalter umgelegt würde, änderte sich sein Gemütszustand. Er ging langsamer, aufrechter, sortierte Hemd, Jackett und Hose neu, fuhr sich kurz und energisch durch die Haare und merkte, wie sein Herz klopfte.

„Bin auch nicht mehr der Jüngste“, redete er sich ein. „Muss in Zukunft etwas langsamer machen.“

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Sie begrüßten sich freundlich, etwas distanziert, abwartend, fast wie Fremde, unterhielten sich über die Firma und die blöden Kollegen. Erst allmählich kreisten sie den Anlass ihres Treffens ein. Und gaben ihm eine ganz andere Richtung.

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„Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen, liebe Frau von Tümmler?“

„Danke, das dürfen Sie, Herr Wüst. Ich sehe, Sie sind ja ein echter Gentleman. Hätte ich eigentlich gleich merken müssen, jetzt kennen wir uns ja schon so lange, nicht wahr?“

„Ja, aber es ist doch immer schön, dass es noch Überraschungen gibt, finden Sie nicht auch, liebe Frau von Tümmler? Oder darf ich Veronika zu Ihnen sagen?“

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„Sie dürfen, Sie dürfen, Herr Wüst. Wenn ich Sie dafür Charlie nennen darf!“

„Aber sicher doch, Veronika!“ (Er hätte sich ohrfeigen müssen, wenn er sich solche peinlichen Sätze selbst hätte sagen hören.) „Lassen Sie uns doch zu Ihnen in Ihr Penthouse gehen, da ist es sicherlich viel gemütlicher als in einem langweiligen Cafè, oder was meinen Sie?

„Aber gerne, Charlie. Darauf habe ich schon so lange gewartet…!“

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