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Archive für März 2008
Kurts Bananenprüfung 2
31.3.2008 von Heiner.Eberle.
Und der Prüfer rückte ganz nah an Kurt heran, was diesem sehr seltsam vorkam, aber wenigstens konnte er die Piepsstimme dann besser verstehen.

„Die Gattung der Musa, also der Banane, umfasst 50 – 100 Arten je nach Zählung, die nach aktuellem Stand in 3 Sektionen unterteilt werden. Wie heißen die Sektionen und wie heißt wenigstens eine Art pro Sektion?“
„Na? Na?“
Der Prüfer wurde fast zudringlich und schubste Kurt von unten, als wolle er ihn von der Banane herunterdrängen.
„Sektion „Musa“, mit der „musa aurantiaca“; Sektion „Callimusa“, mit z.B. der „musa bukensis“; und die Sektion „Ingentimusa“ – lassen Sie mich bitte los! – mit der „musa ingens“ aus – He! Lassen Sie das! – Papua Neuguinea…“

Und mit einem reflexartigen Fußtritt befreite er sich von dem Angriff des Prüfers. So etwas hatte er ja noch nie erlebt. Wie lächerlich war das denn? Er war völlig außer sich. Was war dem denn eigentlich eingefallen!?

Er hatte seine Prüfungen für dieses Jahr erledigt und jetzt auch wirklich den Hals voll.

Sie sollten ihm bloß mit so einem Blödsinn nicht noch einmal kommen.

Er würde sich beschweren beim Prüfungsamt. Soviel war sicher. Das war ja eine Zumutung.
Er sah nicht, dass der Prüfer nach wie vor ohnmächtig am Boden lag. Es wäre ihm auch egal gewesen.

Aber gottseidank kam ihm der andere, der erste, freundlichere, Prüfer zu Hilfe.

Kurt beeilte sich, nach Hause zu kommen. Seine Frau hatte heute ebenfalls ihre jährliche Prüfung, im Fachgebiet Steuern und Abgaben. Sie arbeitete auf dem Finanzamt. Hoffentlich waren bei ihr die Prüfer nicht auch so zudringlich gewesen. Er befürchtete das schlimmste.
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Die Zange
30.3.2008 von Heiner.Eberle.
Heute gibt es nur kommentarlos ganz hervorragende Bilder einer Zange. (Muss mich mal selber loben.)
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Das wars.
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Kurts Bananenprüfung 1
29.3.2008 von Heiner.Eberle.
Einmal im Jahr musste sie seit neuestem jede/r über sich ergehen lassen; es war eine neue Regel, die galt für alle im Land: Die zweistufige Befähigungsprüfung, in Kurts Fall also die Befähigung zum Obst- und Gemüsefachverkäufer, denn das war sein Beruf und auf den war er stolz.

Dieses Mal war das Thema „Banane“ dran, das hatte man ihm vorher schon gesagt, damit er sich vorbereiten konnte. Kurt – mit vollem Namen – Kurt-Stefan Lakotta – ging der Herausforderung gelassen entgegen.

Was sollte schon passieren? Mit Südfrüchten kannte er sich aus. Das war schon seit Jahren sein Spezialgebiet.

Und schon stand er der ersten Prüfungsinstanz gegenüber, die auch sofort loslegte. „Frage Nummer 1 für 100 Punkte: Wie hieß der erste Präsident von Simbabwe?“
Kurt musste nicht lange überlegen. “Canaan Banana, starb 2003.“

„Sehr gut. Zweite Frage, diesmal schwerer, denke ich: Wie heißt die bestimmte Hafenstadt in der Republik Kongo, die wir suchen?“
„Ihr meint nicht zufällig die Stadt „Banana“, Eure Exzellenz, oder?“
„Doch… Doch… Genau die haben wir gesucht. Gratuliere. Volle Punktzahl. Du hast den ersten Teil bestanden. Bitte geh jetzt zur zweiten Prüfung!“

Kurt fand diese Prüferei lästig. Hätten sie ihn wenigstens zum Thema „Preiselastizität bei Südfrüchten im Lebensmitteleinzelhandel“ oder etwas ähnlichem befragt, da hätte er wenigstens länger überlegen müssen. Aber Bananen…!

Vielleicht wurde es beim zweiten Prüfungsposten etwas spannender.
Ach Gott, was war denn das für eine Nummer, die da auf ihn wartete?

Aufgeregt piepste es ihm schon von weitem entgegen:
„Bei mir kommst Du nicht durch! Ich habe schon ganz andere erledigt. Ich kann Fragen stellen, da hat niemand eine Antwort drauf. Niemand. Auch Du nicht. Ich lass durchfallen, wen und wie es mir passt!“

„Das ist ja toll, hochverehrter Prüfer, ich liebe Herausforderungen. Dann bitte ich Euch, Eure Exzellenz und Hochgeboren, doch mit der Prüfung schnell zu beginnen.“
(Fortsetzung folgt demnächst.)
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Dos Passos - Manhatten Transfer
28.3.2008 von Heiner.Eberle.
Ich habe gelesen und leider nicht folgen können:
John Dos Passos “Manhatten Transfer”, Reinbek (Rowohlt TB) 1959 / 1966 / 2003, 333 Seiten, € 7,90

1925 in den USA erschienen, 1927 erstmals auf deutsch, hatte das Buch, so sagt man, viel Einfluss auf Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz” und folgende Großstadtromane.

Es ist eine Sammlung vieler unterschiedlichster Figuren, von denen erzählt wird, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickeln, die soziale Leiter - nach ihrer Einwanderung in New York - auf- und manche auch wieder absteigen.

Den Figuren begegnet man im Laufe des Buches immer mal wieder, teilweise überschneiden sich ihre Lebenswege, das ist schon sehr intelligent gestrickt. (Ich dachte oft an Robert Altmans “Short Cuts”, als moderne Version - formal, nicht inhaltlich - davon).

Es spielen Politiker, Künstler, Geschäftsleute, Intellektuelle, Journalisten, normale Arbeiter, Kriminelle, usw mit. Das ganze Spektrum unterschiedlichster sozialer Schichten.

Weil es keine wirklich durchgehende Handlung gibt, sondern nur eine Fülle paralleler Handlungsstränge, ist viel Aufmerksamkeit verlangt, um nicht den einen oder anderen Faden zu verlieren.

Ich habe leider etliche so gegen Mitte des Buches verloren. Und nicht mehr wiedergefunden. Aber es ist ein großartiges Buch. Ganz sicher.

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Charles Wüst ist wütend.
27.3.2008 von Heiner.Eberle.
Charles hatte sich mit Frau von Tümmler verabredet.

Sie war seine langjährige Kollegin in der Trikotagenfabrik gewesen - und wenn wir ehrlich sind, auch seine langjährig angebetete platonische Liebe. Sein großer Schwarm.

Darum ging es heute auch am Rande. Allerdings eher von der anderen Seite. Sie hatte ihm nämlich einen Brief geschrieben und ihn in beleidigtem Ton gebeten, dass er ihr zukünftig nicht mehr nachstellen solle.

“Nachstellen!” Was sollte denn das bedeuten?! Er war doch kein Triebtäter oder so. Er hatte denselben Weg zur Arbeit wie sie. Das ja. Und wieder zurück. Aber das war auch alles. Schließlich war er glücklich verheiratet.

Mit 3 fast erwachsenen Töchtern. Was bildetet sich die hohe Frau von Tümmler eigentlich ein!?
Und da sah er sie von weitem auch schon stehen. Die schöne Frau von Tümmler. In ihrer ganzen Pracht. Wie konnte er ihr da widerstehen? Gar nicht.

Wie wenn ein Schalter umgelegt würde, änderte sich sein Gemütszustand. Er ging langsamer, aufrechter, sortierte Hemd, Jackett und Hose neu, fuhr sich kurz und energisch durch die Haare und merkte, wie sein Herz klopfte.
“Bin auch nicht mehr der Jüngste”, redete er sich ein. “Muss in Zukunft etwas langsamer machen.”

Sie begrüßten sich freundlich, etwas distanziert, abwartend, fast wie Fremde, unterhielten sich über die Firma und die blöden Kollegen. Erst allmählich kreisten sie den Anlass ihres Treffens ein. Und gaben ihm eine ganz andere Richtung.

“Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen, liebe Frau von Tümmler?”
“Danke, das dürfen Sie, Herr Wüst. Ich sehe, Sie sind ja ein echter Gentleman. Hätte ich eigentlich gleich merken müssen, jetzt kennen wir uns ja schon so lange, nicht wahr?”
“Ja, aber es ist doch immer schön, dass es noch Überraschungen gibt, finden Sie nicht auch, liebe Frau von Tümmler? Oder darf ich Veronika zu Ihnen sagen?”

“Sie dürfen, Sie dürfen, Herr Wüst. Wenn ich Sie dafür Charlie nennen darf!”
“Aber sicher doch, Veronika!” (Er hätte sich ohrfeigen müssen, wenn er sich solche peinlichen Sätze selbst hätte sagen hören.) “Lassen Sie uns doch zu Ihnen in Ihr Penthouse gehen, da ist es sicherlich viel gemütlicher als in einem langweiligen Cafè, oder was meinen Sie?
“Aber gerne, Charlie. Darauf habe ich schon so lange gewartet…!”
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Osterhühner 2
26.3.2008 von Heiner.Eberle.
Das gelbe Huhn war glücklich und euphorisch, die erste Aufgabe war geschafft.

“Alles ok mit den Sendern.” rief es zum blauen Huhn hinüber.
“Alles klar. Jetzt zur nächsten Aufgabe. Am besten mit viel Anlauf, damit Du es auf die Uhr schaffst.”

Und ohne Probleme ging auch das. Aber dann tauchte die Frage auf. Wieviel Uhr war es denn?

“He, blaues Huhn! Wieviel Uhr ist es denn gerade? Wie soll ich denn die Uhr stellen, wenn ich nicht weiß, wieviel Uhr es ist?”

“Du musst warten, bis die das im Radio sagen”, rief das blaue Huhn nach oben, ganz verzückt und mitgerissen von der schmissigen Musik.
“Dann kannst Du die Uhr nach der Zeitansage stellen. Die ist meistens ganz genau.”
Und mit einem kräftigen Flügelschlag war das Blaue Huhn oben auf dem Radio.

Es schwenkte die Antenne vor und zurück und nudelte sich durch alle Sender, bis es dann doch wieder bei dem heimatlichen SWR 4 hängenblieb. Da kam noch Musik, die es mitsingen konnte. Das fand das Huhn ganz prima.
(Ende.)
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Hilmar und Gottlob
25.3.2008 von Heiner.Eberle.
Hilmar Stampf musste Gottlob Friedrich unter 4 Augen sprechen. Dringend.

Er hatte einen sehr abgelegenen Ort für die Verabredung mit ihm ausgesucht, wo selten andere Spaziergänger vorbei kamen.

Es war zwar etwas schwierig für Leute, die nicht schwindelfrei waren, aber Hilmar wusste, dass Gottlob Friedrich in seiner Freizeit begeisterter Kletterer war und deshalb wohl kein Problem mit der Höhe haben dürfte.

“Hallo Herr Stampf, da sind Sie ja! Was gibt’s denn so Geheimnisvolles, dass wir uns hier oben treffen müssen?”

“Es geht nochmal um die Geschichte und dem Mord an Frau Hübsch. Danke, dass Sie kommen konnten, Herr Friedrich. Ich habe nur 1 Frage und Sie müssten mir die eigentlich beantworten können: Hat das Orakel, bevor man es als Herr Schabulsky identifiziert hat, den Lotteriegewinn von Frau Hübsch vorausgesagt? Wissen Sie etwas darüber? Haben Sie davon etwas gehört?”

“Ja, nicht nur das. Es hat auch gewusst, wann sie mit ihrem Los etwas gewinnen würde und wieviel. Das hat ihm die Frau Hübsch zwar nicht geglaubt, aber dann ist es ja doch genau so eingetroffen”.

Hilmar wurde es jetzt doch etwas schwindlig.

“Wissen Sie, Herr Friedrich, ob das Orakel das auch anderen Leuten gesagt hat? Ich meine: Hat es auch anderen Personen richtige Vorhersagen gemacht?”

“Nein, soweit ich weiß, nicht. Ich habe das Orakel auch einmal wegen meiner Karriere bei der Stadtreinigung befragt. Sie wissen schon, Gehaltserhöhung, mehr Verantwortung, weniger Schmutz und so. Aber außer einem unverständlichen Kochrezept habe ich keine klaren Informationen bekommen, das war ziemlich bescheuert, und dann habe ich es gelassen.”

“Na, trotzdem danke, Herr Friedrich. Sie haben mir sehr geholfen. Darf ich noch ein Bild von Ihnen machen?
Gottlob Friedrich erlaubte es natürlich. Er fühlte sich etwas geschmeichelt, wusste aber nicht so richtig, ob er jetzt etwas zuviel ausgeplaudert hatte. Schließlich war Stampf ja Reporter, vielleicht kam er jetzt in der Zeitung?
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Irving - Witwe
24.3.2008 von Heiner.Eberle.
Und also gleich das nächste Irving Buch hinterher:
John Irving „Witwe für ein Jahr“ Roman. Zürich (Diogenes)1999, von Irene Rumler ganz hervorragend übersetzt. Ganze 761 Seiten, als Taschenbuch € 12,90.
Ja, es wimmelt von Schriftstellern in dem Roman. Damit muss man sich abfinden oder anfreunden. Auch mit dem amerikanischen Verständnis der Schriftstellerei als „Beruf“ mit Karriere- und Erfolgsaussichten, den man auf Akademien und in Seminaren oder aus Büchern lernen kann. Nichts mit Romantik und so.

Und bei Irving muss man sich natürlich daran gewöhnen, dass es immer wieder Unfälle, Verletzungen, Wunden gibt, die wehtun (Abgerissene Hände, üble Autounfälle, etc.)
Irving lässt sich auf den 760 Seiten sehr viel Zeit (die hat er ja auch), auch mit nebensächlichen Dingen, die er toll beobachten und grandios beschreiben kann.
Er hat viel Sinn für langsame Details, kann aber genauso gut die schnell geschnittenen Verfolgungsjagden (Mrs Vaughn und ihre Pornozeichnungen!) durch die Gärten der Vorstadtvillen. Das ist schon sehr filmreif.
Auch schön sind Begegnungen, die eigentlich zwangsläufig „zufällig“ passieren müssten und dann doch nicht zustande kommen. Um Haaresbreite z.B. in den Szenen „Bilderrahmenhandlung“ und parallel „Signierstunde“ in unmittelbarer Nähe, aber ohne Überschneidung.

Ganz groß ist der Beginn des zweiten Teils. Rasant erzählt: Der Weg Eds, des Hauptakteurs, von der Kneipe in Manhattan durch den Regen, auf der Suche nach einem Taxi, dann nach einem Bus, dann nach dem Kleingeld, unter ziemlichen Zeitdruck, in den Saal, wo er seine Rede auf die erwachsene erfolgreiche Ruth halten muss. Das ist toll.
Und sehr intelligent konstruiert. Über 42 Seiten, während Ed seine Rede hält, beobachtet ihn Ruth aus der Kulisse und Schritt für Schritt anhand ihrer Bücher und der Anstöße des Schreibens wird ihr Leben der letzten 36 Jahre erzählt.

Das Leben und Treiben der Schriftsteller muss man halt ertragen. Obwohl es eigentlich nicht interessant ist. Und dann werden immer wieder Beziehungen hergestellt zwischen dem, was die Autoren erlebt haben und dem, was sie geschrieben haben und natürlich sind auch alle Hauptfiguren in ihren Büchern wiederum Schriftsteller. Als ob es nichts anderes gäbe. Tankwart zum Beispiel, oder Beamter. (S. 315)
Themen ,die dann seitenlang bearbeitet werden: Das Signieren von Büchern, das Finden des Buchtitels, der Umgang mit Journalisten und Pressekonferenzen, Termine, die der Verlag veranstaltet, etc.
Hannah, die Freundin Ruths, ist übrigens auch Schriftstellerin.

Irving hat immer wieder sehr starke Szenen. Z. B. als Ruth ihre Freundin im Bett mit ihrem (Ruths) Vater erwischt. Oder die Erinnerung an Ruths erste Autofahrt, bei der ihr ihr Vater erzählt, wie ihre beiden Brüder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Das ist sehr dicht geschrieben.
Und ab Seite 449 geht es wieder um Schriftsteller. Die Autorin Ruth beschreibt in ihrem Tagebuch – während ihrer Vortragsreise durch Deutschland und Holland – die Idee ihres neuen Buches, in dem eine Schriftstellerin (die Hautfigur des Buches) mit ihrem Freund in einem Versteck dem Beischlaf eines Freiers mit einer Prostituierten beiwohnt.
Warum? Sagt er nicht. Ist nur eine Buch-Idee, die irgendwie „prickelt“. Dazu unternimmt Ruth in Amsterdam dann „Recherchen“.

Aber dann wird es doch etwas absurd. Der Verehrer, der ihr in Amsterdam hilft und der neben ihr eine Nacht lang im Bett liegt, will was? Genau: Schriftsteller werden. Aber er hat ein Problem: Ich fallen keine Geschichten ein. (S. 506 ff). Hallo!? Kann das wahr sein?
Die Recherche im Rotlichtviertel in Amsterdam ist ziemlich naiv, ziemlich trottelig, tollpatschig, rücksichtslos, unverfroren, wie Amerikaner im Zoo oder so. Peinlich.
Ruth filtert dann alles, was sie sieht und erlebt, durch die Brille der Verwertbarkeit für ihr nächstes Buch. Daher kommen ihre Penetranz und die Scheuklappen. Realität kommt nicht an sie heran. Alles ist für sie nur „Material“ (S. 514)
Die Ausbrüche von Brutalität in dem Roman sind für meinen Geschmack vielleicht auch etwas zu überzogen, Ruth schlägt z.B. ihren Beinahe-Geliebten Scott mit dem Squash-Schläger krankenhausreif. Und die Beobachtung der Ermordung der Prostituierten aus unmittelbarer Nähe (Aus einem Schrank heraus) wirken sehr übertrieben brutal, wie völlig unberechenbare Gewaltausbrüche. (S. 530)

Und im 3. Kapitel beginnt in einem ganz großen Erzählbogen die Geschichte um den Amsterdamer Polizisten, auf der Suche nach der Zeugin des Prostituiertenmordes.
Aber wie es der „Zufall“ und die Romankonstruktion wollen: Die „Lieblingsautorin“ des Polizisten ist Ruth Cole und nach der Lektüre ihres neuesten Buches kennt er die Geschichte des im Prostituiertenschrank versteckten Paares.
Dann, im Bett in Zürich liest der Polizist auch noch das Buch, das Ruths Mutter unter Pseudonym in Kanada geschrieben hat, ohne ihre Identität zu kennen. Zufälle gibt’s dann doch wieder sehr viele.
Ja also: ein ziemlich tolles Buch. Kann man gerne mal so weglesen. Wen diese Schriftsteller-inzestuösen Sachen nicht stören, nichts wie los und lesen!
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Philip Bethge - Die Knoblauchprobe 2
23.3.2008 von Heiner.Eberle.

Er konnte sich wirklich als Held des Jahres fühlen. Und Rafaela von Heckenbroch, seine Rafaela, war ihm sicher.

Was würde das für eine Feier heute Abend und welch eine rauschende Nacht geben: Rafaela! So lange hatte er diesem Tag entgegengefiebert. Rafae…!?

Da hörte er plötzlich und spürte es auch: Direkt unter seinen Füßen bewegte sich etwas im Innern der Knolle. Sollte sie jetzt doch noch aufgewacht sein? Auf den letzten Schritten?

Dann hieß es jetzt: Nichts wie weg. Runter von dem Ding und außer Schussweite ihrer tödlichen Säfte.

Und schon war er wieder unten angekommen. Er wähnte sich sicher. Halbwegs zumindest. Doch er hatte nicht mit der enormen Beweglichkeit und Schnelligkeit der Knolle gerechnet.

Riesenhaft bäumte sie sich hinter ihm auf und bebte geradezu vor Wut. Philip wollte weglaufen, aber irgendetwas hielt ihn fest. Und dann passierte es.

Mit einem Riesenknall, der sogar bis nach W. zu hören war, donnerte die Knoblauchknolle auf Philip hinab und begrub ihn unter sich.

Philip Bethge rang nach Luft und versuchte freizukommen, doch beides war schwierig. Er sah, wie die Bürger aus der Stadt W. mit Spießen bewaffnet zu ihm und zu der Unglückstelle eilten, um noch zu helfen. Aber er spürte den Druck auf sich immer größer werden und er hörte schon das Glucksen und das Schmatzen der austretenden Säfte, die ihn langsam umspülten. Er hatte das Gefühl, den Verstand zu verlieren.

„Rafaela“ war sein letzter Gedanke. „Es hätte so gut werden können mit uns zwei.“
Und dann fragte er sich noch kurz, warum er eigentlich keinen Silberdolch oder einen Bund Rosmarin mitgebracht hatte, um sich gegen so einen heimtückischen Angriff wehren zu können. Aber wirklich nur kurz.
Denn dann zog noch einmal sein ganzes Leben, das hatte er erwartet, an ihm vorüber, bis sein letzter Gedanke wieder bei Rafaela hängen blieb.
Und dann war von Philip Bethge nichts mehr zu sehen. Die Knolle hatte dieses mal klar nach Punkten gewonnen. Und Rafaela musste mit einem Anderen vorlieb nehmen. Aber da würde sich schon ein geeigneter Anwärter finden, da war sie sich sicher.
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Osterhühner 1
22.3.2008 von Heiner.Eberle.
“Huhu”… Das blaue Huhn war ganz aufgeregt.

“Was ist denn?” Das gelbe Huhn hatte gottseidank noch nichts bemerkt. Wie meistens in letzter Zeit übrigens.

“Ich habe eine Überraschung für Dich: Eine Wäscheklammer in gelb. Ganz neu. Fast noch nie benutzt.”

Das blaue Huhn war ganz hibbelig. Das gelbe konnte sein Glück noch gar nicht begreifen.
“Wo? Für mich? eine Wäscheklammer?”

“Ja, aber du musst dafür auch etwas tun. Du bekommst sie nicht einfach so.”

Das gelbe Huhn war fast nicht mehr zu halten, total gierig auf die Klammer.
“Ok, einverstanden. Egal was, ich mach es. Sag schnell, was soll ich tun?”
Du musst erst auf das alte Radio rauf und ausprobieren, ob die Sender alle noch kommen, und dann rüber auf die alte, geschmackvolle Junghanns Uhr und die Zeit mal wieder richtig einstellen. Schaffts Du das?”
“Kein Problem, das geht klar.”

“Also dann, auf geht’s!”

Und mit einem großen Sprung landete das gelbe Huhn auf dem alten Radio, drehte am Lautstärkeregler zum Hochfahren und schon kam die schönste Musik aus dem Lande vom Sender SWR 4 aus dem Lautsprecher heraus.
(Fortsetzung in 4 Tagen.)
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