Sie befinden sich aktuell in den Heinerblog Blog-Archiven für den folgenden Tag 17.2.2008.
- Adelheit Tybbke (23)
- Allgemein (1092)
- Bücher (261)
- Bruder Lully (47)
- Das Orakel (8)
- Edith Hübsch (15)
- Engels (13)
- Franz (5)
- Frau von Tümmler (19)
- Frau Weichbrodt (31)
- Gottlob (4)
- Hans (55)
- Herr Mindernickel (24)
- Hilmar Stampf (20)
- Inspektor Doll (20)
- Joe (30)
- Kunst (24)
- Manfred (21)
- Marquardts (15)
- Mähchen (25)
- Mrs Johnes (1)
- Olaf Schmundt (5)
- Pflanzen (92)
- Platten (12)
- Prof. Bongartz (22)
- Reisen (354)
- Sabine Schabulsky (9)
- Tiere (28)
- Undine Gehscha (34)
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Januar 2007
Archive für 17.2.2008
Eichendorff - Ahnung und Gegenwart
17.2.2008 von Heiner.Eberle.
Heute wird ein Klassiker gelobt:
Joseph von Eichendorff “Ahnung und Gegenwart. Sämtliche Erzählungen 1″ Herausgegeben von Wolfgang Frühwald und Brigitte Schillbach. Frankfurt, Deutscher Klassikerverlag im Taschenbuch (Suhrkamp) Band 18. 2007, 840 Seiten, davon 560 Seiten Text und 180 Seiten Anmerkungen und Kommentar, € 15.- (viel gutes Buch fürs Geld).

Da ist drin: “Die Zauberei im Herbste”, “Märchen”, Das Marmorbild”, “Das Wiedersehen”, “Aus dem Leben eines Taugenichts” und “Ahnung und Gegenwart.”
In der Erzählung “Ahnung und Gegenwart” sind alle ständig am Aufbrechen, Reisen und beim Betrachten der Natur aus Fenstern von Burgen auf Bergen heraus. Und es passiert allerhand:
Graf Friedrich, ein entlassener Student, wird überfallen, entkommt einigen Räubern, wird im Wald niedergeschlagen, von einem Kind gerettet, auf das Schloss des Herrn Leontin gebracht, in dessen Schwester er sich zunächst schnell verliebt. Auf einem Jagdausflug verlieren sie die Schwester, die in die “Residenz” entführt wird, bei der halbherzigen Verfolgung bleiben sie jedoch in einem Dorf hängen, wo sie sich in eine schöne Frau verlieben, ihr in ihr Schloss folgen und dort monatelang bleiben, ihre Schwester und Geliebte Rosa haben sie in der Zwischenzeit völlig vergessen.
Mit der Familie des Schlossherren ziehen sie fort zur nahen Verwandschaft des Grafen A und gehen gemeinsam auf die Jagd. Das Anwesen des Grafen A brennt plötzlich. Eine Frau in weiß erscheint, der sie ohne Erfolg nachgehen.

Zurück beim Grafen A halten sie es nicht lange aus. Sie ziehen weiter in die “Residenz”, wo sie von Leontins Schwester Rosa erwartet werden. Ihr ist es nicht gar so schlecht ergangen, sie wurde von “Bekannten” entführt und gut versorgt. Friedrich fühlt sich aber jetzt zu Frau Romana hingezogen, was Rosa schwer erzürnt. Er folgt Romana auf deren Landgut. Auf dem Weg dahin verirrt er sich im Gebirge, trifft aber glücklicherweise dort wieder auf Leontin und eine Schauspielertruppe, die ihm weiterhelfen. Das Schloss der Gräfin Romana hat eine beeindruckende Dachterasse, keine Türen an den Zimmern und nachts kommt es schließlich zum Äußersten. Friedrich flieht am nächsten Morgen. Romana lädt alle zur Jagd in die Alpen ein. Dort gesteht sie Friedrich verzweifelt ihre Liebe.
Rosa wird in der Zwischenzeit vom “Erbprinz” auf dessen Jagdschloss entführt und er gesteht ihr ebenfalls seine Liebe.
Weil Friederich die Liebesbezeugung Romanas allerdings nicht erwidern kann, erschießt sie sich vor seinen Augen und brennt dabei noch das Schloss nieder.
Friedrich trifft am Ende der Kriegswirren Leontin, Juliane und den Knaben Erwin wieder, der sich als das “Mädchen” entpuppt, das ihn am Anfang der Geschichte vor den Räubern gerettet hatte.

Leontin und Friedrich gehen auf die Suche nach dem Einsiedler, den Erwin erwähnt hatte, lassen Juliane und Erwin auf das Schloss des Grafen A zurückreiten. Die beiden machen dabei einen Abstecher in die “Residenz”, wo sie miterleben, wie der Erbprinz endliche Leontins Schwester Rosa heiratet und unter anderem Friedrich als “tot” bezeichnet wird.
Leontin und Friedrich finden den alten Einsiedler zunächst nicht, stattdessen einen griechisch-chinesischen Tempel auf einem Berg und dahinter das väterliche Schloss von Friedrich, als Ruine mit einem Grabmal darinnen.
Nach einiger Zeit treffen sie den “alten Mann” dann doch. Er stellt sich als der verlorene Bruder von Friedrich heraus und als eine Person, die Leontin schon mehrfach zuvor begegnet war. Dieser Rudolph hat als klassischer Aussteiger hier in der Bergnatur, seine eigene Kommune gegründet, in heiliger Anarchie und mit vielen Spinnern und Verrückten.

Rudolphs Vergangenheit ist ein Roman für sich: Eine Wahrsagerin hatte ihm schon eine mörderische Geschichte als Zukunft vorausgesagt, und er war stets bemüht, diese Zukunft zu verhindern. Mit Angelina, seiner Freundin und Geliebten, war er geflohen (Erwin hatte Angelinas Portrait als Medaillon um den Hals getragen…). Rudolph wurde Soldat und Maler. Angelina ging ins Kloster. Sie treffen sich und fliehen zusammen. Angelina bekommt ein Kind, geht verloren, verschwindet mit dem geheimnisvollen “Fremden”, der schon vor langer Zeit eine Bedrohung für die Liebe Rudolphens gewesen war.

Rudolph schließt sich irgendwann Zigeunern an, die ein Kind aufgezogen haben, das sich selbstverständlich als Rudolphs Tochter herausstellt. Mit den Zigeunern spürt er Angelina auf, es beginnt eine Verwechlungsgeschichte auf einem Ball: Angelina meint, ihr Gatte sei unter der Maske verborgen, der “Fremde” bemerkt den Schwindel, fordert Rudoph zum Duell und stirbt natürlich, wie das die Weissagung vorhergesagt hat, aus Rudolphs Hand.
Rudoph flieht sofort in voller Verzweiflung in die Berge, zu dem Einsiedler, dessen Schloss und Geld er nach dessen Tod erbt. Dann gründet er die Kommune, die eigentlich ein Sanatorium ist, wo die “Narren” aus der Stadt therapiert werden und danach wieder als gesund in die Zivilisation entlassen werden.

Friedrich trägt sich schließlich mit dem Gedanken, ins Kloster zu gehen.
Zum Schluss ist Hochzeit. Leontin vertritt noch einmal seinen Standpunkt der “Freiheit” der Menschen. Friedrich den der “Religion” als die Basis von überhaupt allem. Faber hält die “Poesie” hoch, die zwecklos sein müsse und Rudolph, der sein Geld wegwirft, ohne “Glauben”, sucht die “Magie” und zieht nach Ägypten.
Es wird noch viel gesungen und dann ist Schluss. Langweilig war es jedenfalls nie.
Geschrieben in Joe, Bücher, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »