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Dahl - Rosenrot

Und das ist schon wieder ein sehr guter Krimi:

Arne Dahl “Rosenrot”, aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt, 2002 geschrieben, 2006 bei Piper in München auf deutsch erschienen, jetzt, 2007, ebenda als TB. 400 Seiten € 8,95. Lohnt sich.

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Worum geht es?

Zunächst um illegale Einwanderer, von denen einer bei einer Polizeirazzia auf der Flucht erschossen wird. Der Polizist steht danach unter Verdacht, den Afrikaner vorsätzlich getötet zu haben, was einen Haufen anderer Fragen und Verbrechen nach sich zieht…

Der Fall kommt langsam in Schwung. Die Fragen rund um die Ausländerbehörden und den Asyl-Mordfall erscheinen erstmal nebensächlich. Aber nach 100 Seiten geht es richtig los. Unterschiedliche Erzählstränge breiten sich immer weiter aus und zwingen zum Weiterlesen und Dranbleiben.

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Ein paar seltsame Stellen im Text fallen auf, wenn man herummäkeln möchte. (Ich rechne sie mal wieder dem Übersetzer zu.) Wörter wie “Zielbewusstsein” (S. 55) oder “Kapitalexplosion” (S. 210) oder “überlebensgeneigt” (112).

Seltsam ist auch das Verhältnis der Schweden zu “Europa”. Es ist die Rede von “Geschichten in Europa”, als ob Schweden (geographisch) nicht dazugehören würde. Dahl schreibt von der “europäischen Aussprache” eines Mannes, die es ja so nicht gibt. Es gibt englische, französische oder italienische Aussprache.

Und auf Seite 344 ist eine Anrufer am Telefon, der nicht nur “autoritär” auftritt, sondern sogar “autoritativ”!

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Schön spielt der ganze Krimi immer wieder mit der Idee, dass Tatsachen und Handlungen des Falles nur gespielt oder vorgestellt sind, um den Blick auf das Wesentliche zu verdecken bzw. die Aufmerksamkeit von dem wirklich Wichtigen wegzulenken. Die Ermittlertruppe wird immer wieder vor die Frage gestellt: Was wäre, wenn alles nur eine Täuschung wäre; eine Fehl-Leitung von jemandem, der sie glauben lassen möchte, sie würden die Entscheidung selber treffen: Der Aktive auf der Spur des Verbrechers erkennt sich plötzlich als der Gelockte und Verführte. Das Terrain wird plötzlich mit anderen Vorzeichen versehen und immer mal wieder umgedeutet.

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So ab S. 256 etwa beginnt Dahl dann, die einzelnen Erzählstränge zu verknüpfen: Der mordende Polizist auf Alkoholentzug. Der Auftragseinbrecher, der einem Mord knapp entgangen ist. Das Drama der abgeschobenen Asylbewerber. Die von Würmern zerfressene Selbstmordleiche. Die auf freiem Feld vergrabenen Leichen des Bauernpärchens. Die Sache mit dem Pharmakonzern und dem Aids-Medikament. Und dann läuft der Krimi wie geschmiert.

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Wie gesagt, ein sehr guter Krimi. Ein kleiner Einwand: Für das Thema, um das es letztlich geht, ist der Plot womöglich etwas zu großspurig angelegt. Mit Pharma, Asyl, Aids, Rassismus, Sexualverbrechen, vermodernden Leichen, abgehackten Köpfen, Unmengen rätselhafter Bibeltzitate, dem 11. September 2001 usw. fragt man sich, ob das alles unbedingt hätte sein müssen. Aber egal: Ein gutes Buch.

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