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Archive für 1.2.2008

Schneider: Hunkeler und der Fall Livius

Ein toller Krimi:

Hansjörg Schneider “Hunkeler und der Fall Livius”, in Zürich beim Ammann Verlag erst 2007 erschienen, noch nicht als Taschenbuch (normalerweise bei Bastei Lübbe (brrrrr, ich weiß, aber was will man machen…?) erhältlich), 267 Seiten, € 29,–.

In einer Schrebergartenanlage am Stadtrand von Basel, deren Boden auf französischem Hoheitsgebiet liegt, wird am Neujahrsmorgen eine männliche Leiche gefunden. Der Tote wurde erschossen, man fand ihn jedoch aufgehängt an einem Fleischerhaken am First seines Gartenhäuschens, so, wie Schlachter die Kadaver ihrer toten Tiere aufhängen. Die Basler Polizei kann vor Ort nicht ermitteln, dafür sind die Franzosen aus Colmar zuständig. Bald stellt sich heraus, wer der Tote ist. Er ist Schweizer und wohnhaft in Basel. Spuren führen ins Elsaß aber auch in die behäbige Landschaft des bernischen Emmentals und unvermittelt tauchen Ereignisse aus den letzten Wochen des letzten Weltkrieges auf, dessen Wunden im Elsaß nicht verheilt sind.

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Geht es um die Rache der Kleinbürger in ihren Kleingärten untereinander? Ist es der Kampf der Kulturen in den Schrebergärten? Oder geht es um die Schmuggelei? Spielen die Kleinkriminellen eine Rolle, die über den Hintereingang aus Frankreich oft mal schon ein großes Rinderfilet zum günstigen Prise einführen und durch den Vorderausgang in die Schweiz  zu hohen Preisen verkaufen…?

Es gibt grobe stilvolle deftige Szenen beim Essen und Trinken in den Wirtschaften. Überhaupt wird viel verzehrt in dem Roman und es bekommt der Kommissar am meisten beim Essen aus seinen Verdächtigen heraus. Und wenn es dann noch Austern und Weisswein im Überfluss sind, Kutteln, “bitterer Salat”, “stinkender Camembert”, schwarzer Kaffe und der südbadische Dialekt, dann ist das schon sehr heimelig.

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Das schönste Gespräch findet aber im  Schweinestall statt. Im Emmental. Eine alte Bäuerin erzählt von den Deserteuren am Ende des 2. Weltkrieges und klärt damit die Geschichte (vorläufig) halbwegs auf. Das ist aber so malerisch beschrieben, dass man sich wundert, was man da für ein Buch liest. Es könnte auch etwas ganz anderes als ein Kriminalroman sein.

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Hunkeler geht zu den Leuten hin, lässt sie reden und hält das Ohr offen. Mehr macht er in der Regel nicht. Er ist einer von ihnen. Er leidet mit und kümmert sich. Er ist kein kalter Technokrat oder sturer Beamter. Und leider verpasst er deshalb oft den Anschluss. Die anderen sind häufig schneller. Und effizienter. Und darüber ist Hunkeler dann traurig.

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Ein  ganz großartigens Buch, das beste von Schneider, wenn ich das mal so abschätzen darf.

Bitte lesen.

Danke

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