Heinerblog

21.1.2008

Marquardts 10 / Wunschperle 2

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:39

Herr Marquardt (5) konnte es kaum glauben. „Wo? Wo haben Sie sie gesehen? Der Teufel soll mich holen, wenn ich über sie hinweggestolpert bin, und ich habe sie übersehen…!“

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„Pschschschscht!“ machte ganz aufgeregt Herr Marquardt (1). Sie sollen doch nicht solche Sachen sagen. Wenn  die Wunschperle das als Ihren Wunsch versteht, dann sorgt sie dafür, dass genau das geschieht. Und das wollen Sie nicht, oder?“

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Aber ganz unbemerkt, ganz leise und vorsichtig schob sich da in einiger Entfernung die Wunschperle aus dem grünen Untergrund.

Herr Marquardt (2) kam aus der anderen Richtung dazu und bemerkte sie als Erster.

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Dann stapfte natürlich als nächster Herr Marquardt (4) auf die Wunschperle zu und hielt ihr einen Vortrag über gute Sitten und was sich gehörte und was nicht, sie dürfte sich doch nicht einfach so verstecken, wo käme man denn da hin, sie hätten doch ihre Zeit nicht gestohlen uswusw…

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Man wolle sie ja nicht kaputtmachen, sondern bloß ausgraben und sie an einen Ort bringen, wo sie schön geschützt wäre, in eine wärmere und trockenere Gegend mit mehr Besuchern und mit einer etwas besserer Gesellschaft als hier.

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Herr Marquardt (5) und Herr Marquardt (4) riefen die anderen dazu, die noch in den ganz falschen Gefilden suchten.

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Und Herr Marquardt (4), der schon früher eine Wunschperle gekannt hatte, bestätigte, dass das die richtige wäre. „Auf geht’s: Ausgraben, vorsichtig einpacken und ab nach Hause damit. Ihr soll es bald besser gehen, und Frau von Tümmler auch.“

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20.1.2008

Chappaz - Rinder Kinder….

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:05

Mal wieder ein seltsames Buch aus der Schweiz:

Maurice Chappaz: „Rinder, Kinder und Propheten. Zweitausend Jahre in den Bergen in 36 Bildern (Miniaturen zum Jubiläum der katholischen Religion)“. CH-Frauenfeld (Verlag Der Bärenhüter im Waldgut) 1990. Mit Illustrationen von Ruedi Baumann, deutsch von Pierre Imhasly. 200 Seiten, zur Zeit vergriffen, im ZVAB 8 mal angeboten, um € 10,–.

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Es lohnt sich auf alle Fälle, die Geschichte der Walliser etwas zu kennen (Grundzüge), sonst versteht man gar nichts. Im Anhang sind Stichworte und historische Personen erklärt, das hilft aber nicht viel weiter.

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Es kämpfen um das Wallis in und um die Stadt Sion / Sitten Propheten gegen Apostel, Professoren, Staatsräte, Gott, Teufel und viele andere mehr gegeneinander.

Im Kampf tauchen auch maßgeblich auf die Figuren Schiner, Theodul (der vom Theodul-Pass) und Supersaxo (der Bischoff mit den vielen Kindern), neben den „Typen“, den Standesvertretern der Gesellschaft und der Bürgerschichten.

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Alles ist erzählt in einem gedrängten, expressionistischen, gehetzten Text. Deftig und „wortgewaltig“. Figuren aus unterschiedlichen Zeiten treffen aufeinander (z.B. Supersaxo und Rilke, der dort begraben ist).

Im zweiten Teil gibt es eine dicke Lobeshymne auf das gottgelobte Land, die kulinarischen Genüsse und Gottes Zorn, als der sieht, dass die Walliser ihr Land nicht hoch genug schätzen, wie die Kirche alles vereinnahmt hat und die Freiheiten der Menschen beschränkt. Wie die Industrie alles verschmutzt und verschandelt und Gottes Rache ist vorprogrammiert.

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Im dritten Teil staunt dann auch der Teufel, wie fortschrittlich die Walliser schon ihre Natur und Einwohner zugrunde gerichtet haben.

Die Übersetzung war sicherlich sehr schwer. Im Nachwort sagt der Übersetzer, er habe versucht, den Sinn zu übertragen, anstatt die Bilder zu übersetzen. (So verstehe ich das Nachwort wenigstens.) Das Ergebnis ist immer noch sehr schwere Kost. Man fragt sich oft: Was meint er denn umhimmelswillen?

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Kurz und gut: Bis zum Schluss bleibt nur eine grobe Ahnung, was eigentlich passiert. Es passiert entsetzlich viel und Dramatisches, alles auch sehr ausdrucksstark beschrieben, aber was genau? und warum? Zum Schluss ist das Wallis auf jeden Fall gerettet. Der Teufel liegt in Ketten (S. 188)

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Also bitte obacht: Nur für geübte Leser, oder solche, die sich viel Zeit nehmen wollen.

19.1.2008

Gehscha 17 / Aufklärung 2

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:41

Gehscha hatte in verzweifelter Ruhe die Anschuldigungen von Adelheit und Edit angehört. So sehr sie innerlich brodelte, wollte sie darüber sachlich mit Lully reden. Sie vertraute ihm immer noch mehr als den beiden Damen.

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Der Verdacht - die Frauen, die bei Lully ein- und ausgingen und Frau Schabulsky als damals quasi von ihm bezahlte “Beschafferin” - war so ungeheuerlich, dass sie ihn erstmal nicht akzeptieren wollte.

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“Hallo, Frau Gehscha!” Sie drehte sich um und sah Manfred auf sie zukommen. “Bitte, falls Sie jetzt etwas von Adelheit und Edith gehört haben, verstehen Sie das bitte richtig. Es ist nicht alles so, wie Sie annehmen!” “Na das ist ja prima”, dachte Gehscha. “Die ganze Stadt weiß wohl schon über den Fall Bescheid und alle wollen mir jetzt ihre Version der Geschichte erzählen. Lach!”

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“Oooooh, doch, das war alles genau so schlimm, wie Sie sich das jetzt vorstellen, Frau Gehscha!” Und das war eindeutig Sabses Stimme, die da von hinter Manfred hervordröhnte.

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“Ich habe das ja damals alles gemanagt. Ich weiß doch, was für ein Loddel der Lully war und immer noch ist. Ich meine, jetzt natürlich nicht mehr so aktiv, aber damals, aber hallooo!”

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Sabse war nichts peinlich. Sie genoss ihren Triumph gnadenlos. Ein Glück zu zerstören, das fand sie prima. “Aber glauben Sie nur nicht, dass alle, die jetzt plötzlich ihre Freundinnen sind, damals so ganz unschuldig waren. Die beiden Damen hier waren ja auch mal jung und schnuckelig. Und “hübsch” sage ich nur!” polterte Sabse und lachte heißer.

“Ich möchte jetzt nicht mit Ihen reden. Bitte gehen Sie weg!” brachte Undine Gehscha zitternd hervor. “Bitte lassen Sie mich jetzt in Frieden!” “Gut, wenn Sie unbedingt wollen, dann lasse ich Sie. Ich wollte Ihnen ja nur helfen. Wissen Sie, in Japan könnte sowas ja nicht passieren. Ich bin gespannt was Lully Ihnen dazu sagen wird.”

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Undine wandt sich an Edith Hübsch: “Was war das für eine Anspielung eben von Sabse? Betraf die Sie, Frau Hübsch?” “Ich habe keine Ahnung”, wimmelte Edith ab. “Aber die Frau ist so niederträchtig, die geht ja über Leichen! Der würde ich kein Wort glauben. ” Adelheit kam auch dazu.

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“Ich muss jetzt gehen. Für Hans was kochen, der kommt bald nach Hause. Bin jetzt völlig geschafft. Wo kamen denn Manfred und Sabse jetzt so plötzlich her? Woher kennen die sich eigentlich? Und woher weiß denn Manfred, was bei Lully und den Damenkränzchen damals geschehen ist?” Aber weder Edith noch Gehscha hatten darauf eine Antwort.

18.1.2008

Pforzheim - Eis

Abgelegt unter: Reisen, Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:38

Ein vereister Sonntag Morgen in der alten Heimat.

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Ein paar Tage lang (auf der Nordseite), war keine Sonne an die Stelle gekommen und die Temperatur immer schön unter Null Grad gelegen.

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Deshalb konnten die Eisblumen immer schön weiterwachsen.

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Spinnennetze waren auch nicht mehr zu gebrauchen.

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Da blieb kein Käfer mehr hängen.

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Ein kleines Zelt aus vereisten Spinnenfäden.

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Wie schon mal gesagt: Ich könnte jetzt mal wieder etwas Wärme vertragen.

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17.1.2008

Marquardts 9 / Wunschperle 1

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

Frau von Tümmler hatte davon schon läuten hören und auch ihre Frauenzeitschriften hatten darüber berichtet: Es gäbe einen geheimnisvolle Gegend im Amazonasdelta, die relativ gefährlich war, weil sie voller aggressiver Grünpflanzen wäre.

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Aber dort, quasi mitten im unzugänglichen Urwald, konnte man sie finden: Die Wunschperle. Dort sollte sie manchmal auftauchen. Dort sei sie schon gesehen worden.

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Und wenn man ganz viel Glück hätte, dann würde sie einem einen ausgesprochenen Wunsch erfüllen. Nur welchen, das musste man ihr überlassen. Manchmal geschah es ganz spontan.

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Ja oft war es sogar so, dass man ganz in Gedanken einen Wunsch äußerte und ohne weiteres wurde der Wunsch plötzlich erfüllt. Auch wenn man es gar nicht so gemeint hatte.

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Man musste also höllisch aufpassen, was man von sich gab, wenn man in ihre Nähe kam.

Die Herren Marquardt (3), (2), (4) und (5) hatten schon fast alles abgesucht. Vergeblich bisher. Es war ein sehr geheimnisvolles Licht da im Urwald, wo alles feucht glänzte und leicht vermodert roch. Sie ahnten, wie schnell man hier zum Opfer der Flora werden konnte und womöglich bei lebendigem Leib verdaut würde… Es gärte überall um sie herum. Ekelhaft.

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Herr Marquardt (2) zitierte aus seinem schlauen Buch: „Die Wunschperle ist gemeinhin in einen goldenen Kragen gefasst und steht auf einem teleskopartig ausfahrbaren Fuß. In der Regel ist sie am Boden liegend anzutreffen. Bei Gefahr oder bei gesteigerter Neugier jedoch kann sie bis zur 5-fachen Perlenhöhe ausfahren.

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„Ich seh’ nix!“ meinte Herr Marquardt (4) „Außer, dass Kollege Marquardt (1) auch schon angekommen ist. Er hat mal wieder etwas länger gebraucht, ist halt auch nicht mehr der Jüngste.“

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„Ich habe sie gesehen“,  flüsterte der. „Da hinten. Also Vorsicht! Was wir jetzt sagen, sollte keinen  Wunsch enthalten, den wir nicht wirklich wollen. Sonst wird der wahr!“

(Fortsetzung folgt.)

16.1.2008

Maeda - Simplicitiy

Abgelegt unter: Das Orakel, Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:03

Ich wollte eigentlich keine so langen Buchbesprechungen mehr schreiben, aber das hier wird voraussichtlich wieder so etwas ausführliches.

Es ist ein Buch, auf das mich die lieben Kollegen hingewiesen haben (und schon wieder was Japanisch-Verwandtes. Seltsam…):

John Maeda: „Simplicity – Die 10 Gebote der Einfachheit“, aus dem Englischen von Sebastian Vogel. München (elsevier, Spektrum Akademischer Verlag) 2007. Nur 102 Seiten, gebunden, € 16,–.

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Von dem Buch sind alle begeistert. Der Rückseitentext zitiert begeistert Herrn Tessenow, einen Architekten, arte, die SAP Design Guild (was ist denn das?) und „Phlow“, das „Magazin für Musik und Netzkultur“.

Und der Verlag sagt „ „Simplicity“ ist der Rettungsanker in einem Meer immer komplexer werdender Prozesse und zunehmend unüberschaubarer Funktionalitäten.“ Große Worte.

„Wie soll man einen klaren Kopf behalten in einer Welt, die immer komplexer wird?“ fragt der Klappentext. Und damit rennt er natürlich offene Türen ein. Obwohl ich das MIT Media Lab und andere technisch fortgeschrittene Institutionen verdächtige, dass ihnen bisher ein „Mehr“ an Funktionalität immer besser erschien als ein „Weniger“. Aber die „Reduktion von Komplexität“ beschäftigt natürlich Universitätsprofessoren, Verhaltenswissenschaftler, Soziologen, Psychologen, Ergonomen und Industriedesigner seit zig Jahren.

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Es gab immer schon die unterschiedlichen Auffassungen und Philosophien: aus Japan (mehr ist besser: Meine alte Mitsubishi Fernbedienung, sag ich bloß!) und z. B. Deutschland (aufs knappste reduziertes Design bei Fernseher und Fernbedienung von Loewe, die ganze Tradition aus Dessau, Dieter Rams und so weiter), von BMW (mehr Technik / Funktionen und Bedienelemente sind besser) und Mercedes (weniger sichtbare Technik ist besser).

Und es gab schon in den 80er Jahren von Frogdesign den Ansatz, vom Benutzer und von der Verwendung her die Form eines Produktes zu entwickeln und dann die Ingenieure die Technik dort hinein konstruieren zu lassen, anstatt umgekehrt, wie es immer und bis heute geschieht, um ein technisches Ingenieurs-Konstrukt herum eine möglichst handhabbare Hülle zu designen.

Aber all diese Gedanken werden nicht so ausführlich diskutiert in dem Buch von Maeda.

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Sein Text kommt eher wie eine freundliche Plauderei daher. Gerne würde man mit ihm darüber diskutieren. Ihm recht geben, ihm andere Beispiel zeigen (s.o.), weil einen das Thema natürlich auch beschäftigt. Jeder hat seine eigenen Anekdoten zu den komplizierten Dingen des Lebens.

Aber warum ist das Buch selber so kompliziert?
Warum braucht es so viele Regeln und „Schlüssel“?
Und warum nimmt Maeda ab Seite 83 wieder manche von den Regeln zurück, die er zuvor aufgestellt hat?
Weil sie doch nicht so einfach und eindeutig sind? Weil sie Einschränkungen brauchen?
Maeda selbst spricht von „ungelösten Schwächen“ (S. 84), die das Buch hat, die ihn aber nicht hindern, es „jetzt herauszubringen“.
Nun gut. Das sind sein Eingeständnis und seine Entscheidung.
Was aber sind „ungelöste Schwächen“? Meint er Fehler? Offene Fragen? Zu wenig Zeit, um das Thema tiefer anzugehen?
Hätte das Buch vielleicht doch ein paar Seiten mehr haben sollen?
Oder einen Lektor, der es noch mal auf Verständlichkeit prüft?
Jedenfalls macht es das alles etwas kompliziert.

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Das Buch bräuchte neben dem Lektor übrigens auch einen Korrektor, der die Tippfehler beseitigt. (Bitte meine eigenen Fehler großzügig überlesen. Danke.)

Und dann stellt sich die Frage: Warum benötigt ein 100 Seiten starkes Büchlein einen 8-seitigen Einleitungstext, der dazu noch erklärt „Wie man dieses Buch lesen sollte“ (S. XIV).

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Das Buch ist leider nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Auf Seite 5 handelt er gleich über das Problem der vielen Knöpfe auf einer Fernbedienung oder einem anderen technischen Gerät. Darüber hat sich schon jeder mal aufgeregt. Und: Steve Jobs hat es jetzt kategorisch gelöst. Er hat die Tastatur abgeschafft. Jede Applikation bringt einfach eigene virtuelle Funktions-“Tasten“ mit. Eine physische Tastatur als Eingabemedium entfällt. Stattdessen gibt es das “multi-touch panel” als Interphase.

Beides kannte Maeda noch nicht, als er sein Buch schrieb. Das iPhone war noch nicht auf dem Markt. Aber das sollte die Lösung zu dem Problem sein, das er beschreibt. (Er redet stattdessen noch von „Klapphandys“, als „heute das am weitesten entwickelte Beispiel dafür, wie man Funktionalitäten verstecken kann, bis sie gebraucht werden.“ Schöne alte Zeit.)

(Dass Tasten als Schnittstelle die Möglichkeiten des Users eher behindern als unterstützen und zudem ein zu enges Korsett für die Entwickler von Applikationen sind, hat übrigens auch schon Hartmut Esslinger vor einigen Jahren gesagt und eine intelligentere Form der Bedienung von Computern gefordert. Intelligenter als eine Schreibmaschinentastatur, die davor nur Sekretärinnen als Arbeitsmittel diente. Damit soll nichts gegen Sekretärinnen gesagt sein.)

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Auf Seite 96 beschreibt Maeda ein grandioses Beispiel einer einfachen Mechanik (Elektrik), von der Art man gerne mehr lesen würde, weil sie zukunftsweisend ist und neue Möglichkeiten ahnen lässt. (Obwohl das Beispiel natürlich doof ist: Kein Mensch hat mehr einen separaten „Schlüsselanhänger“, der das Alarmsystem im Auto aktiviert. Das macht schon der Schlüssel selber. Oder ist das in USA anders?)

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Maeda benutzt übrigens auch Google. (S. 15) Und berichtet dann, dass, wenn er einen Begriff eingibt, „mehrere Millionen Treffer“ angezeigt werden. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen und Informationen. Und bei weiterer Suche ganz komplizierte Informationen herauskommen. Aber wirklich…! Ich meine, das kann man ja mal machen, wenn man keine andere Möglichkeit der Recherche hat. Aber das schreibt man doch nicht mit Erstaunen in ein solches Buch! Das will man nicht lesen. Nicht von einem „Director of Research“ am MIT Media Lab!

Und es folgt kein Wort zu eben der Evidenz, dass das Ergebnis ein unüberschaubarer Haufen Verwirrung und Komplexität ist, aus dem man nur herauskommt, wenn man ausreichend über die Materie Bescheid weiß. Und auch kein Kommentar zu der an Einfachheit nicht zu überbietenden Eingabeseite von Google. Das wäre doch eigentlich ein Thema zu “Simplicity” gewesen.

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Komplex ist das Buch auch, weil der Übersetzer, Herr Vogel, ein paar Slapsticks vollführt, die schwer nachzuvollziehen sind. Witzig ist z.B. auf S. 17: „…Diese Frage stellt man mir häufig in Zusammenhang mit den Dias, mit denen ich meine Arbeit präsentiere.“ Nach kurzem Seufzen erkenne ich, dass er wohl Powerpoint „Slides“ meint, also Präsentationsfolien, Charts oder wie man das auf Deutsch nennt. Mein lieber Herr Übersetzer, mit dem Diaprojektor haben wir vor 10 Jahren aufgehört zu präsentieren.

Und das ist mir ebenfalls etwas zu kompliziert: „VVV (Das „Gesetz“ von „Verkleinern“, „Verstecken“, Verbinden“) besagt, dass wir die Wahrnehmung der Zeitverkürzung durch Verkleinern und Verstecken herstellen können, und den Verlust können wir ausgleichen, indem wir die wichtigsten Dinge auf raffinierte Weise zum Ausdruck bringen“. Welche „Dinge“? Welcher „Verlust“? Ich ahne ja, was Maeda sagen will, aber hat das Herr Vogel auch so verstanden? (S. 24)

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Noch ein Satz, den man dem Übersetzer gerne wieder zurückgeben wollte, völlig aus dem Zusammenhang gerissen: „Die erkennbare Beziehung zu einem physischen Arbeitsplatz begünstigte die sofortige kognitive Verinnerlichung, die durch ebenfalls übersetzte Konzepte noch verstärkt wurde“. (S. 40) Das müsste doch auch einfacher gehen. Oder?

Schluss mit der Nörgelei. Maeda meint natürlich alles ganz richtig. Da kann mancher sich etwas davon abschneiden.

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S. 100: „In meinem Büro am MIT bekomme ich jeden Tag Besuch von einigen der klügsten jungen Leute der Welt.“ Na dann. Das steht da einfach so.

Und dann bringe ich das einfach nicht richtig zusammen: Dieser oberflächliche Plauderton. Die plausiblen, teilweise banalen, teilweise genialen Einsichten. Die richtigen, aber komplizierten Regeln. Die verkomplizierende Sprache. Seine scheinbar mangelnde Ahnung oder seine Interesselosigkeit über / an internationaler Designgeschichte oder Formphilosophie, Ergonomie und so weiter. Zusammen mit seiner Direktoren- und Professorenstellung am MIT Media Lab… So kommt das hier alles gemischt an. Und passt irgendwie nicht. Vielleicht weckt seine Position und sein Ruf Erwartungen auf mehr Substanz? Ich weiß nicht.

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Maeda ist mittlerweile Präsident der Rhode Island School of Design. Ist das ein Aufstieg?

Hier ist ein Link zu einem Maeda Artikel über das iPod Touch und seine Ansichten über multi touch panels als “update”:

http://www.businessweek.com/innovate/content/sep2007/id20070919_820841.htm

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Und hier ist die Website zum Thema „Simplicity“, die aktuelle Beispiele bringt. und wo man die Regeln zur Einfachheit im englischen Original findet:

www.lawsofsimplicity.com

Weitere Bücher zum Thema sind aus seiner Fakultät angekündigt. Z.B. von der „unglaublich kenntnisreichen“ Jessie Scanlon „The value of simplicity“, in dessen Mittelpunkt die „moderne Geschäftswelt“ stehen wird. Da sind wir mal gespannt.

15.1.2008

Gehscha 16 / Aufklärung 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:11

Adelheit Tybbke und Edith Hübsch hatten sich mit Undine Gehscha auf der orangeroten Sitzecke zu ihrem Geheimtreffen verabredet.

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Undine kam und war sichtlich erwartungsvoll nervös.

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“Können Sie mir bitte ganz ohne Umschweife sagen, worum es geht?” brach Undine sofort los. Sie wollte keinen Small Talk, sie wollte Fakten.

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“Also gut”, begann Adelheit etwas erschrocken, aber sie wollte ihr bestes tun, um in einfachen Worten die komplizierte Lage der Dinge zu beschreiben. “Wir wollen Sie nicht weiter im Dunkeln lassen, sondern Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, Undine. Sie wissen vielleicht, dass Frau Sabine Schabulsky, Ihre Nachbarin, die ehemalige Haushälterin von Pater Lully ist?”

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“Ja, darüber haben wir uns schon auseinandergesetzt”, seufzte Undine. “Ich weiß auch, was in diesem Zusammenhang eine “Haushälterin” ist und macht. ” “Dann ist das ja schon einmal erledigt”, machte Edith Hübsch weiter. “Sabse hatte aber noch eine andere Aufgabe. Denn außer ihr gab es noch andere weibliche Personen, die bei Lully ein- und ausgingen.” Sie wartete kurz auf eine Reaktion von Undine, die kam aber nicht.

“Ja”, machte Adelheit weiter, “Sabse war das Organisationsbüro von Lullys Hobbykeller sozusagen. Sie stellte die Kontakte her, auf Basis von Lullys Wunschliste und wählte entsprechende Personen für ihn aus. Und er scheint sich auf ihre Dienste und ihren Geschmack verlassen zu haben. Denn er hat sie gut dafür bezahlt. Und…”

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“Hören Sie auf! Ich kann es nicht mehr hören!” Undine war den Tränen nahe. “Nur das noch, liebes Fräulein Gehscha: Sabse bekommt wohl heute noch monatliche Beträge für ihre Dienste von damals…” “Oder”, fiel Edith ihr ins Wort, “dafür, dass sie nichts darüber erzählt…?!”

“Das ist ganz und gar widerlich, was Sie mir da erzählen, und es verletzt mich tief. Ich möchte Ihnen nicht glauben, aber ich muss es wohl tun. Was treibt Sie dazu, mir das zu sagen? Ihre Abneigung gegen Frau Schabulsky? Denken Sie, ich sollte etwas gegen diese Person unternehmen? Ich denke, das hat noch Zeit. Ich will jetzt sofort und zuerst mit Lully reden, das ist mir wichtiger. Deshalb möchte ich Sie auch jetzt verlassen. Und keine weiteren Details von Ihnen hören. Ich kann kein Wort mehr verdauen.”

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Sprach’s und wandte sich um und ging. “Aber warten Sie doch”, rief Adelheit ihr nach. “Wir müssen doch eine gemeinsame Strategie aushecken!” Aber Undine drehte sich nicht mehr um.

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“Strategie? Gegen wen? Nein, das müssen wir überhaupt nicht. Ich muss mit Lully reden, sonst nichts.!”

14.1.2008

FFM Balkonschnee 2

Abgelegt unter: Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:51

Wie versprochen: Noch ein paar grobkörnige Balkonbilder:

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Na wenn das nicht der Ahorn von Frau von Tümmler ist, den sie hier nach dem Sommer einfach so hingeworfen hat?

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Bin mal gespannt, ob daraus im Frühjahr ein Ros’ entspringt.

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Das ist der Bambus, aus dem mein Vogelhausdach gebaut ist.

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Ich habe mal wieder Lust auf wärmere Zeiten.

13.1.2008

Manfred 3 / Alte Bekannte Sabse

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:10

Manfred hatte Sabse alarmiert. Er musste sich unbedingt und schnellstmöglich mit ihr treffen. Wie er aus zuverlässigen Quellen gehört hatte (Hans), würde es brenzlig werden.

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Sie hatten sich in der Leder-Stahlrohr-Sitzecke verabredet. Manfred war als erster da. Er musste sie warnen. Es war kurz davor, dass man ihr auf die Schliche kam.

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„So, Manfred, worum geht’s denn so dringend“ rief sie spöttisch, als sie ihn so ängstlich da stehen sah.

„Sabse, du musst aufpassen, Deine Machenschaften fliegen demnächst auf.“

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„Was meinst Du denn mit „Machenschaften“?“ tat sie unschuldig.
„Sabse, es gibt jetzt Leute, die wissen offensichtlich genau, was damals war, weswegen Du die Flucht ergriffen hast.“ „Ich? Flucht? Keinesfalls! Ich habe woanders einen besseren Job bekommen, das war alles.“ „Egal Sabse, es muss jetzt Schluss sein. Ich weiß, dass du von Lully bezahlt wirst, damit du Deinen Mund hältst und nichts ausplauderst. Du erpresst ihn, damit nicht rauskommt, was da die letzte 10 Jahre oder so mit Unterbrechung gelaufen ist.

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„Ja, aber jetzt mach mal bitte langsam. Erstens ist das schon so lange her, und Lully hat sich das zweitens alles alleine zuzuschreiben. Edith und die anderen Mädels, die er liebte und benutzte, von denen er abhängig war… Es waren ja nicht die Ladies, die unbedingt zu ihm wollten. Er war ja süchtig geradezu, machte sie mit Messwein betrunken, versprach ihnen den Erlass von Fegefeuer und Vorhölle usw. und ich war nur die Verwalterin, die das alles koordinieren musste, damit er seinen normalen Job nebenher weitermachen konnte und keine etwas von den anderen erfuhr. Lass mich nur damit zufrieden…. Das war jede Menge Stress! Wenn er jetzt was von mir will, soll er es mir sagen.“ Und damit drehte sie ihm den Rücken zu und stapfte davon.

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„Halt halt, Sabse!” rief er ihr nach. “So einfach ist das nicht mehr. Es gibt jetzt Menschen, die davon wissen und es gibt Undine Gehscha.“

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„Ja, das schöne Mädchen Gehscha. Die hat die längste Zeit ihr Glück genossen. Sie wird bald wieder ganz brav nach Hause fahren. Darauf kannst du Gift nehmen. Entweder sie oder ich. Was weißt du denn eigentlich genau? Was für eine Verschwörung ist denn da im Gange gegen mich? Und warum ausgerechnet jetzt“

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„Was ich weiß, ist, dass sie sich gegen Dich zusammentun. Und das wollte ich Dir sagen. Rechtzeitig, der alten Zeiten wegen.“

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„Alte Zeiten? Wie süß! Was war denn da? Hatten wir auch mal was miteinander? War da was in Deinen Augen? Kannst Du Dich überhaupt noch daran erinnern? Hast Du da womöglich etwas erwartet? Das war doch nur ein Spaß, nur ein Zeitvertreib. Das kannst Du doch nicht ernst gemeint haben!“

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„Ach so, so war das also“, resignierte Manfred, „nur Spaß?“ „Ja, ein Spaß!“ „Na gut: Dann lassen wir das lieber. Reden wir nicht mehr davon. Ich habe Dir gesagt, was ich Dir sagen wollte. Edith Hübsch und Adelheit haben Dich demnächst in der Mangel. Alles weitere ist jetzt Deine Sache. Machs gut.“

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„Meine und Lullys Sache, denke ich“, rief ihm Sabse nach. Sie wusste schon lange, wie niederträchtig die ganze ehrenwerte Gesellschaft um Frau Hübsch und Frau Tybbke war. So aufrecht und sauber, die beiden. Unschuldig und naiv. Ihre Männer hielten sie im Gesangverein und unter der Küchenarmatur. Nett und freundlich unter einander, gegen andere aber, die nicht so waren wie sie, intrigant und bösartig. Solche Leute hatte sie satt.

Manfred ließ sie stehen. Er fluchte innerlich. „Dieses Stück!“ Wie konnte er mal so verschossen in sie gewesen sein? Unglaublich! Sollte sie sich doch jetzt das Hirn einrennen! Er konnte sie nicht mehr aufhalten. Er hatte sein Möglichstes getan. Ihr Mann war ja auch verschollen.

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Er war stinksauer.

12.1.2008

Murakami - Aufziehvogel

Abgelegt unter: Das Orakel, Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:38

Auf mehrfache Empfehlung hin habe ich gelesen:

765 Seiten Haruki Murakami „Mister Aufziehvogel“. Aus dem Englischen übersetzt von G. und D. Bandini, Köln (DuMont Buchverlag) 1998 bzw. als Taschenbuch bei btb (randomhouse, vulgo Bertelsmann) 2000, € 12.50. Ein schöner Wälzer. Man ist ganz stolz, wenn man ihn dann geschafft hat.

Wenn man die Kritiken und Lesermeinungen liest, gehen die Ansichten über dieses Werk ja ganz schön auseinander. Es fängt schon mit der Frage an, worum es in dem Buch eigentlich geht. Auf die „spirituellen“ oder esoterischen Anspielungen und Deutungen gehe ich hier lieber nicht ein. Dafür bin ich nicht zuständig.

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Ich beschränke mich auf einige „Fakten“: Es ist die Geschichte eines freiwillig arbeitslosen Rechtsanwaltsbüroangestellten. Den verlässt seine Frau. Er trifft in seiner Freizeit, von der er reichlich hat, eine überaus nette Nachbarin mit tiefsinnigen Gedanken. (Überhaupt haben immer alle, auch sein Onkel, kaum sitzt er am Tisch, tiefsinnige Gedanken und verfallen in bedeutungsschwangere Sätze.)

Er trifft in einer „fremden Stadt“ die Modedesignerin / Therapeutin Muskat mit ihrem schweigsamen Sohn Zimt. Es begegnen ihm die Wahrsagerinnen Malta und Kreta (Ja, die haben solche Pseudo-Namen) und alle begegnen ihm häufig auch in seinen Träumen.

Es spielt auch sein einflussreicher Schwager mit, der einmal die eine der Wahrsagerinnenschwestern, Kreta, vergewaltigt haben soll. (Achtung, eventuell symbolisch gemeint: Der medien- und politik-getriebene Schwager hat denselben Namen wie der Kater, der zusammen mit der Ehefrau des Erzählers verschwunden ist.)

In einem weiteren Nachbarhaus, das verlassen ist, steht ein trockener Brunnen, der sich als Zufluchtsort, Meditationsloch und Schnittstelle zu parallelen Welten erweist.

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Und da beginnen für mich die Probleme. Ich kann mit Parallelwelten und Traumerzählungen nicht viel anfangen. Es sind zu viele Träume und Verwandlungen und Aufhebungen von Körperlichkeiten und Übertritte in andere Welten (im Traum oder in der realen Welt?) als dass man das noch nachvollziehen könnte. Ich habe aus Interesse und Neugier verfolgt, was der Autor noch mit dem Leser vor hat, aber inhaltlich folgen konnte ich nicht mehr. Ich habe es auch mittlerweile vergessen.

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Die Träume sind unfair. Wenn der Autor etwas sagen will oder die Geschichte voranbringen will, dann soll er das tun. Wenn ein konfuser Traum „deutungswürdig“ ist, warum deutet er ihn dann nicht? Er erfindet ihn als Autor doch sowieso. Warum erfindet er etwas Erfundenes? Das ist doch unnötig doppelbödig. Also interessiert mich doch die Deutung des Autors / der Romanfigur. Sonst bin ich als unerfahrener Traumdeuter doch völlig lost. Andererseits: Wenn der Traum nicht gedeutet werden soll, warum steht er dann da? Weil es nett ist, ihn zu lesen? Naja. Verschlüsselte Botschaften, die für das Verständnis wichtig sind, in Träume zu verkleiden, finde ich jedenfalls nicht zielführend.

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Ganz speziell und wirklich großartig sind aber die konkreten Figuren, z.B. der jungen Nachbarin mit ihren Zigaretten und der Limonaden im Sonnenstuhl, der Modedesignerin, und natürlich die heftig brutalen Szenen aus dem japanisch-chinesischen Krieg, die Folterberichte über die Häutung, die man eigentlich lieber nicht lesen möchte, die Brutalität aus dem Straflager unter dem System Berias („eine japanische Form des Gulags“) und die bedrängendste Erzählung überhaupt: Die Beseitigung der nutzlosen Tiere im Zoo. Da merkt man, was ein großer Erzähler Murakami ist.

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Aber der Leser kriegt den einen ja nicht ohne den anderen. Also muss man das auch so zusammen sehen. Und hier ergibt sich die spannende Frage: Was haben die realistischen Grausamkeiten des letzten Krieges und die alten „Mächte“ (noch) zu tun mit den Lebensumständen der heute lebenden Japaner, mit ihrer Gesellschaft, ihren „Träumen“ und ihrer Politik? Darüber lohnte es sich sicherlich mal nachzudenken (wenn man sich beim Thema Japan etwas besser auskännte). Absichtslos stehen diese unterschiedlichen Texte ja nicht in einer gemeinsamen Geschichte.

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Da gibt es auch einen chronologischen Fehler – hat den außer mir auch schon jemand bemerkt? Oder liege ich falsch? Das dritte Buch ist überschrieben mit „Oktober bis Dezember 1985“. Da das zweite Buch nur bis „Oktober 1984“ geht, müsste es richtig heißen „Oktober 1984 bis März 1985“, denn das ist der in der Erzählung beschriebene Zeitraum. (Im Text bestätigt z.B. auf S. 447 oder 449). Marukami gibt die Verwirrung auch selber zu (S. 469): „Der Ablauf der Zeit wird immer unklarer.“

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Die handelnden Personen haben selber auch immer sehr viel Zeit. Das nur als Warnung. Man muss beim Lesen sehr viel Zeit mitbringen. Die nimmt sich die Erzählung nämlich auch. Es braucht immer sehr lang, bis man an einem Erzählfaden entlang zum eigentlichen Kern durch kommt.

Bei amazon kann man auch die NZZ Kritik von Ludger Lüdkehaus nachlesen, in der er einen kurzen Textvergleich zu den ersten Sätzen des Buches, die schon mal in einer früheren Version aus dem Japanischen direkt ins Deutsche übertragen worden sind, mit dem hier vorliegenden Übersetzungstext aus dem Englischen macht. Das Ergebnis: Der alte Text ist besser.

Also bitte. Einfach mal ausprobieren und lesen. Sich selber die Meinung bilden. Schadet nichts.

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