Perutz – Der Marques von Bolibar

Ein wundersames Buch:

Leo Perutz „Der Marques von Bolibar“, Ein Roman. Veröffentlicht 1960 bei Zsolnay in Wien, jetzt neu am gleichen Ort und bei dtv als TB, 2006, 250 Seiten, mit einem Nachwort herausgegeben von Hans Harald Müller, € 9,50.

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Ich hätte schwören können, dass ich die Geschichte entweder schon einmal gelesen habe oder sie woanders her kenne.

„Der Marques de Bolibar wird vorgestellt als ein vornehmer, friedliebender Herr von adligem Geblüt. Er greift in den Krieg ein, weil er die Ehre seines Geschlechts gegen die von hessischen Truppen unterstützten Franzosen verteidigen will, denn sein Neffe war auf die Seite der Franzosen übergelaufen. Um die Besatzungstruppen aus seiner Heimatstadt La Bisbal zu vertreiben, will er, von den Guerilleros unterstützt, die Einwohner des Städtchens mit 3 Signalen zum Kampf gegen das nassauische Regiment aufwiegeln. Doch schon vor der Realisierung dieses Plans treten gravierende Hindernisse auf: Ein tödlich verwundeter Leutnant wird Zeuge des Plans der Insurgenten und berichtet den nassauischen Offizieren, bevor er stirbt, um welche Signale es sich handelt. Und noch dazu wird der Marques de Bolibar von den nassauischen Offizieren erschossen, bevor er auch nur ein Signal geben kann. Weshalb er erschossen wird und warum die 3 Signale dennoch gegeben werden – das weiß Herr von Jochberg nun auf höchst spannende Weise zu berichten“ (Nachwort).

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Es sind also Voraussagen, die allen bekannt sind und die alle vesuchen, zu verhindern. Aber Eigensinnigkeiten und Triebe sind es, die dann doch dazu führen, dass sich die Prophezeihungen erfüllen.

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Und sie haben alle das unheimliche Gefühl,  dass sie von irgend jemand benutzt werden, dass sie gelenkt werden, damit das prophezeihte Schicksal erfüllt wird und auch wirklich eintritt.

„…und dann bekommt man auf der vorletzten Seite des Buches, wie mit einem Eisbeutel, einen so merkwürdigen Schlag auf den Magen, dass man die unendliche Geschicklichkeit des Geschichtsschreibers Perutz wieder bewundern muss“, schrieb Kurt Tucholsky 1921 über den Roman.

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Wirklich ein wundersames Buch.

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