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Archive für 22.1.2008
Uri Caine - Wagner e Venezia
22.1.2008 von Heiner.Eberle.
Eine schnelle und ganz tolle Kaufempfehlung aus dem CD Regal. Der Tipp dazu stammt von Maria. Danke dafür. Hat sehr viel Spaß gemacht.
Die CD heißt “Wagner in Venezia” und enthält Stücke aus Wagneropern. Ohne Gesang, sondern gespielt von Uri Caine und seinem Ensemble. Live gespielt und digital augfgenommen im “Gran Caffè Quadri”, auf der Piazza San Marco und im “Hotel Metropole”, an der Riva Schiavoni in Venedig, zwischen dem 6. und 9. Juni 1997.

Erschienen ist die CD, handwerklich und haptisch exzellent gemacht, wie alles aus diesem Musik-Verlag, bei der “Music Edition Winter & Winter” in der Schweiz. Sie gibt es im guten CD Handel, z.B. beim Plattenladen am Goethehaus. Dort steht links, wenn man reinkommt eine Kiste, wo alle “Winter & Winter” CDs gesammelt zu finden sind. (Viele Schätze zu entdecken.)
Warum ist die CD so toll?

Weil sie erstens einen Eindruck davon gibt, wie Wagner selber in Venedig seine eigene Musik auf dem Markusplatz hörte (einige Wagner-Zitate von 1858 stehen im Booklet: “… Nun hörte ich aber abends von ihm (dem Kapellmeister) den Tannhäusermarsch, und mich ärgerte das schleppende Tempo; da ließ ich ihm sagen, wenn er wieder was von mir machte, sollte er mir’s doch sagen, damit ich ihm das richtige Tempo usw. weisen könnte.”)

Zweitens, weil sie die Wagner-Musik so greifbar macht und von ihrem hehren Podest herunterholt. Das Kaffeehaus-Ensemble von Uri Caine ist nicht ein Riesenorchester, sondern besteht aus 2 Geigen, 1 Cello, einem Kontrabass, einem Klavier und ja: einem Akkordeon. Das macht so Spaß, ihnen zuzuhören, wie sie alles daransetzen, eine Orchesteraufführung nachzuspielen. Aber manchmal denkt man, sie sind auch ein bisschen eigensinnig, weil sie wissen, dass sie genauer und sensibler spielen können, als ein so großer Apparat.

Drittens haben es die Herren Winter & Winter mal wieder geschafft, die Aufnahme einer ganzen CD in eine gemeinsam Athmosphäre zu packen. Die Musik taucht auf aus den Geräuschen auf dem Markusplatz, dem Geklapper im Cafè, man hört die Plaudereien der Gäste, nach den Stücken ihr artiges Geklatsch, man hört die Kirchturmuhr schlagen und alle Nebengeräusche, als würde man direkt neben dem Ensemble sitzen und einen Tee schlürfen. Ganz prima.

WAGNERS KUNST IST KRANK (F. Nietzsche)
Natürlich ist der Liebestod (und das Präludium) aus dem Tristan das Highlight, aber auch die Lohengrin Overtüren sind klasse. der Ritt der Walküre ist sehr witzig, aber halt schon ein Stimmungs-Reißer.

Egal. eine wirklich tolle CD. Da stimmt alles. Von der Verpackung bis zum letzten Geräusch im Hintergrund. sollte man sich selber schenken oder auch mal anderen. Könnte auch Menschen gefallen, die bisher noch keinen Zugang zu Wagner hatten. Wie gesagt: Es wird nicht gesungen.
Jetzt ist doch wieder viel text geworden.
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