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Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Heinerblog für Januar, 2008.

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Archive für Januar 2008

Gehscha 20 / Schluss des Dramas 1

Adelheit und Hans Tybbke waren sich nicht sicher, ob das der richtige Ort war, um eine so delikate Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

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“Sie wird die Wahrheit schon ertragen”, meinte Adelheit.

“Lully ist doch gar nicht so, das kann doch keiner ernst nehmen, diese Geschichten glaubt doch keiner. Das löst sich doch alles in Luft auf!” brummte Hans, der völlig auf der Seite seines alten Skatbruders stand.

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Undine näherte sich langsam. Sie hatte alle zusammengerufen um ihnen zu sagen, wie sie sich entschlossen hatte, was sie herausgefunden hatte und wie das jetzt weitergehen sollte. Damit das öffentliche Gerede über sie und ihren “Gefährten” endlich aufhörte.

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Hans versuchte, Lully noch einmal Mut zuzusprechen. “Du brauchst keine Sorgen haben, Lully, wir halten alle zu Dir!”

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“Ich mache mir keine Sorgen, Hans. Für mich ist alles geklärt.”

“Wirklich? Was hast Du denn geklärt? Hast Du die Sabse endlich mal zusammengestaucht? Das hatte sie ja wirklich mal verdient, das Stück!”

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Edith Hübsch war mittlerweile ebenfalls eingetroffen und versuchte, aus Adelheit die letzten Neuigkeiten herauszuholen.

Lully antwortete: “Nein, mein lieber Hans, mit Sabse habe ich gottseidank nicht gesprochen und ich werde auch vorziehen, das weiterhin nicht zu tun.”

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“Mir geht es um Undine, glaub mir das bitte. Für sie tue ich alles. Sabse ist mir schnurzegal.”

“Weisst Du, wo Manfred geblieben ist?” erkundigte sich Adelheit bei Edith.

“Manfred? Nein, warum?”

“Weil der heute morgen wieder mit Sabse zusammen gesehen worden ist. Ich will bloß wissen, was die beiden miteinander aushecken…”

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Edith ahnte, dass Manfred noch ein anderes Süppchen am Kochen hatte, das womöglich noch schwerer wog als die Frauengeschichten des Bruders Lully.

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Fortsetzung folgt in 2 Tagen.

Tübingen 1

Heute ein paar Bilder von meinem letzten Besuch in Tübingen, meiner alten Studenten-Heimat.

Tübingen ist eine Stadt, in der sich nichts ändert. Zumindest nichts, was auf den ersten Blick von außen zu erkennen ist. Höchstens, dass wieder ein Fachwerkhaus frisch renoviert wurde.

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Das ist der Blick von unten die Neckargasse hinauf. An der Ecke zur Hafengasse. Oben am Ende sieht man die Stiftskirche. Links davon geht die Gasse runter zum Neckar.

Davor war links in dem alten Eckhaus früher die Buchhandlung Gastl untergebracht, in der zu der damaligen Zeit noch die alte Frau Gastl im ersten Stock, im Ledersessel, zwischen den Büchertürmen saß, (unten bollerte der Holzofen neben der Kasse) und Reval rauchte (ohne Filter), während sie mit den Professoren und den Studenten über die laufenden Seminare stritt.

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Das ist der Blick nach rechts in die Hafengasse. Im Hintergrund das katholoisch-theologische Stift. (Ja, auch die katholische Kirche hat in Tübigen einen besonderen, guten Stand. Muss sie ja haben: Küng, Moltmann, usw.)

Und links hinter dem Apothekenschild: Der “Prinz Karl”, die beliebteste Mensa der Tübinger Uni, weil sie mitten in der Altstadt liegt. Sie war immer brechend voll, aber einfach sehr gemütlich. Das Essen war überall gleich miserabel.

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Die Tübinger Stiftskirche war immer schon irgendwo eine Baustelle. Davor sind auch immer ein paar Marktstände, die zu “Johannis” und zu “Martini” ganz spektakulär werden. In Art und Form und Anzahl.

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Von da aus ein Blick nach links (in dem grünen Haus war früher wie gesagt der “Gastl”) zeigt den “Pfleghof”, heute eine Mischung aus Polizeistation und Studentenwohnheim (ein Bau aus dem 15. JH. übrigens).

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Wenn man sich wieder nach rechts wendet, an der Stiftskirche entlang,…

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…guckt man auf das Cottahaus, wo früher Goethe und Schiller verlegt wurden.

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Und von dort aus werfen wir den Blick wieder zurück über den Holzmarkt und sehen links in dem roten Haus die Buchhandlung Heckenauer,…

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…in der Hermann Hesse seine Ausbildung zum Buchhändler angefangen und nie zuende gebracht hat.

Soviel für heute aus Tübingen.

Fortsetzung folgt bald.

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Hans etc. / Wunschperle 2

Der Schmerz von Olaf musste unerträglich sein.

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Und dann sahen sie es:

“Meine Arme sind fort, weg, abgefallen! Helft mir! Ruft einen Arzt! Schnell! Um Gottes Willen!”

Olaf Schmundt hatte beide Arme verloren. Zusammen mit dem Photoapparat, den seine Arme immer noch festhielten. Er konnte sich kaum noch aufrecht halten. Es war unfassbar.

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Einfach abgefallen. Ohne Fremdeinwirkung. Was war es denn gewesen, was er gesagt oder getan hatte? War es sein einfach schnodderig und empört fallengelassener Satz von vorhin gewesen, der sich so schnell in die Realität umgesetzt hatte?

War das die unvorhersehbare Kraft der Wunschperle?

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Hans und Adelheit hatten noch nicht richtig begriffen, was da vor ihren Augen vorgefallen war. Die Wunschperle hatte nach eigenem Gutdünken einen Wunsch erfüllt und sich dann - nach getaner Arbeit - in den Erdboden zurückgezogen. Stolz, müde und eigensinnig.

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Hilmar Stampf hatte einen Notarzt alarmiert. “Der wird gleich hier sein.” Adelheit und Hans standen entsetzt um Olaf herum, unfähig, irgendwie zu helfen. Sie versuchten ihn zu beruhigen, damit er nicht womöglich auch noch den Verstand verlöre.

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Aber vor allem in Hilmar Stampf war plötzlich ein professionelles Interesse wieder erwacht. Er machte seinen Photoapparat scharf und schoss aufsehenerregende Bilder von Olafs abgefallenem Armpaar und dokumentierte den sensatioellen Vorfall für die Nachwelt.

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“Das wird eine Hammergeschichte”, sagte er. “Das glaubt uns keiner! Die Pflanze muss hinter Gittern oder gar Mauern, die ist ja richtig gefährlich!” Hans und Adelheit staunten vor so viel Kaltblütigket und Jagdinstinkt des Reporters, aber er hatte ja recht. Darüber musste man schreiben. Und dann fühlten sie sich auch wieder geschmeichelt und wichtig, weil er ihre Beobachtungen des Vorfalles als Zeugenaussagen notierte und sie freuten sich, dass sie bald in der Zeitung zitiert werden würden.

Ein wenig Ruhm hat ja noch niemandem geschadet.

Perutz - Der Marques von Bolibar

Ein wundersames Buch:

Leo Perutz “Der Marques von Bolibar”, Ein Roman. Veröffentlicht 1960 bei Zsolnay in Wien, jetzt neu am gleichen Ort und bei dtv als TB, 2006, 250 Seiten, mit einem Nachwort herausgegeben von Hans Harald Müller, € 9,50.

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Ich hätte schwören können, dass ich die Geschichte entweder schon einmal gelesen habe oder sie woanders her kenne.

“Der Marques de Bolibar wird vorgestellt als ein vornehmer, friedliebender Herr von adligem Geblüt. Er greift in den Krieg ein, weil er die Ehre seines Geschlechts gegen die von hessischen Truppen unterstützten Franzosen verteidigen will, denn sein Neffe war auf die Seite der Franzosen übergelaufen. Um die Besatzungstruppen aus seiner Heimatstadt La Bisbal zu vertreiben, will er, von den Guerilleros unterstützt, die Einwohner des Städtchens mit 3 Signalen zum Kampf gegen das nassauische Regiment aufwiegeln. Doch schon vor der Realisierung dieses Plans treten gravierende Hindernisse auf: Ein tödlich verwundeter Leutnant wird Zeuge des Plans der Insurgenten und berichtet den nassauischen Offizieren, bevor er stirbt, um welche Signale es sich handelt. Und noch dazu wird der Marques de Bolibar von den nassauischen Offizieren erschossen, bevor er auch nur ein Signal geben kann. Weshalb er erschossen wird und warum die 3 Signale dennoch gegeben werden - das weiß Herr von Jochberg nun auf höchst spannende Weise zu berichten” (Nachwort).

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Es sind also Voraussagen, die allen bekannt sind und die alle vesuchen, zu verhindern. Aber Eigensinnigkeiten und Triebe sind es, die dann doch dazu führen, dass sich die Prophezeihungen erfüllen.

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Und sie haben alle das unheimliche Gefühl,  dass sie von irgend jemand benutzt werden, dass sie gelenkt werden, damit das prophezeihte Schicksal erfüllt wird und auch wirklich eintritt.

“…und dann bekommt man auf der vorletzten Seite des Buches, wie mit einem Eisbeutel, einen so merkwürdigen Schlag auf den Magen, dass man die unendliche Geschicklichkeit des Geschichtsschreibers Perutz wieder bewundern muss”, schrieb Kurt Tucholsky 1921 über den Roman.

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Wirklich ein wundersames Buch.

Hans etc. / Wunschperle 1

Die Marquardts hatten die Wunschperle in den großen Park der Frau von Tümler gebracht und eingepflanzt. Da stand sie nun. Stolz und demütig. Und sondierte die Welt um sie herum.

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Hans war natürlich einer der ersten, der sich neugiereig um sie herumtastete.

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Aber gleich war auch das Reporterduo Hilmar Stampf und Olaf Schmundt mit ihren neuen Kameras zur Stelle, um die Story um das seltsame Lebewesen als erste und exklusiv für ihr Lokalblatt zu bekommen.

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So etwas sah man ja nicht alle Tage. “Und ich habe das richtig verstanden? Sie erfüllt nur die Wünsche, die sie will? Sie entscheidet, wer welche Wünsche erfüllt bekommt und wer nicht? Sehr seltsam!”

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“Ja!” Adelheit war jetzt auch dazugestoßen. “So habe ich das auch gehört. Deshalb muss man auch höllisch aufpassen, was man so sagt!”

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“Hans, was meinst Du: Sollen wir uns ein neues Sofa für das Wohnzimmer wünschen? Oder lieber eine neue Einbauküche?”

“Ach lass mal!” Hans war heute tief melancholisch. Was sollte er denn noch für Wünsche haben? Es half ja alles doch nichts. “Wenn nur die Geschichte mit Lully und Undine wieder ins Reine kommen würde…”

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“Jetzt sollen mir doch die Arme abfallen!” rief wütend und empört von hinten der junge Reporter Schmundt aus dem Ressort Technik. “Schnell! Sie zieht sich zurück und haut einfach ab… AAAAhhhhh!” Man hörte nur noch einen unerträglichen Schmerzensschrei.

Fortsetzung folgt.

Der neue Mac

Hier sind ein paar Bilder von meinem neuen Mac, auf dem seit ein paar Tagen diese Blogeinträge entstehen. Ich bin noch ganz stolz auf ihn. Er ist wirklich klasse.

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Es ist ein iMac mit 2,4 GHertz Prozessor, 2 GB Hauptspeicher und 500 GB Platz auf der Festplatte. Das schnurzt ganz hervorragend.

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Und Leopard macht richtig Spass. Ich sage nur: Coverflow. Hat das eigentlich Bill Gates schon mal gesehen? Wie man durch Filme und Dateien durchflippen kann, ohne die Programme dafür aufrufen zu müssen?

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Der alte iMac hatte zwar noch was “Lebendiges”, wenn er einen immer so zutraulich von unten herauf angesehen hatte… (hier im Hintergrund)

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…dafür ist der neue richtig space-ig.

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Vor allem, weil er fast völlig ohne Verkabelung auskommt. Die Maus ist “wireless”:

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Und das obertolle Keyboard auch:

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Das ist eine schöne Erleichterung beim Arbeiten.

Außerdem habe ich entdeckt, dass ich Wireless Lan habe, obwohl ich das gar nicht haben sollte. Ich habe nämlich keine Funk-Basisstation, kann aber trotzdem ohne Kabel ins Internet. Wahrschienlich sind es die W-Lan Einrichtungen vom Main Plaza Hotel, die bis hier herüberstrahlen, aber auch egal, ich hab ja eh Flatrate. Nur der Elektrosmog ist wohl bedenklich. Mein “AirPort” meldet augenblicklich 14 (!) W-Lan Netze, die erreichbar wären, davon 12 gesichert mit Password.

Gehscha 19 / Beichte 2

“Du musst”, hatte Edeltraut gesagt. “Es kann nur besser werden.”

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(Endlich war auch dieser Farbstich weg.)

“Und sie wird es verstehen!”

“Aber”, wollte Lully sich wehren,

“Kein Aber!” Edeltraut war zwar weinerlich, aber hartnäckig: “Ich bin doch da!”

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“Lully, ich warte auf Deine Erklärung!? Was ist denn los?”

Undine Gehscha, die in der Zwischenzeit ihren Meditationsring verlassen hatte, war kurz vor der Hysterie. Sie konnte Edeltraut nicht sehen - er war ja Lullys Schutzengel - und verstand deshalb überhaupt nicht, warum er sie warten ließ.

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“Also gut, Undine. Die Wahrheit ist: Ich habe die Frauen gebraucht,…”

“Also doch!”

“Nein, als Vorlage habe ich sie gebraucht…”

“Als was?”

“Als Modell!”

“Als Modell? Zu was?”

“Zum Malen! Ich habe sie gemalt. In Öl. Und dafür habe ich ihnen auch Geld gegeben, weil das ja anstrengend ist, wenn sie so lange so rumstehen müssen.”

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Undine spürte den leichten Hauch einer möglicherweise nahestehenden Erlösung. “Du hast sie gemalt? Und sonst? Was hast du sonst mir ihnen gemacht? Wie hast Du sie denn gemalt? Als Akt? Angezogen? Oder nackt?”

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“Na beides. Klar. Auch nackt. Das war sehr schön. Aber für sie im Winter manchmal etwas kalt. Die Heizung im Keller funktioniert ja nicht richtig, Du weißt…”

“Lenk jetzt nicht ab, mein lieber Bruder Lully! Du sagst, Du hast sie als Modelle bezahlt und sonst war da nichts zwischen ihnen und Dir. Bist Du Dir da ganz sicher? Überleg Dir bitte gut, was Du jetzt sagst, Lully. Es hängt sehr viel davon ab!”

Augustin - Die Schule der Nackten

Entwicklungsroman, Reisebericht und Beschreibung eines heimlichen Soziotops, folgt der Roman „Die Schule der Nackten“ territorialen Eroberungen auf der Liegewiese in der Größenordnung von Alexanderzügen, entrollt ein Drama auf Leben und Tod um die schönhüftige Juliane, die ebensogut im frühen Ninife wie in altindischen Tantrakulturen ihren Platz gefunden hätte. Und letzthin findet. Ein leidenschaftlich grimmiges Epos voller Heiterkeit, und das Ganze auf höchst begrenztem Raum unter dem sommerlichen Glockengeläut Münchens.” (amazon)

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Wer ist Ernst Augustin?

Ernst Augustin, geboren 1927 in Hirschberg/Riesengebirge, Arzt, Neurologe und Psychiater, jahrelang in Afghanistan tätig, später als psychiatrischer Gutachter in München. Autor einer Reihe von Romanen, u. a. »Der Kopf« (1962), »Raumlicht« (1976), »Der amerikanische Traum« (1989) und »Mahmud der Bastard« (1992). Zuletzt erschienen: »Der Künzler am Werk« (2004). Ernst Augustin wurde für sein literarisches Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. (ebenfalls amazon)

Es geht also um dieses Buch hier:

Ernst Augustin: „Die Schule der Nackten“, Roman. München (C.H. Beck) 2003 oder als Taschenbuch bei dtv, 2005. 255 Seiten, € 9,–.

Jetzt ist ja schon fast alles gesagt: Ein alter Mann am Münchener FKK Badestrand.

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Im 1. Kapitel schafft es der alte Mann, Historiker von Beruf, schon ins Becken.
Im 2. Kapitel behandelt er die Unterschiede der Geschlechtsorgane zwischen Männern und Frauen. Zwangsläufig.
Im 3. Kapitel erkämpft er sich einen Platz in der ersten Reihe am Becken.
Im 4. Kapitel betrachtet er nahe liegende Frauen und deren Geschlechtsteile. Seine Handtuchnachbarin Margot ist empört.
Im 5. Kapitel beobachtet er fasziniert nackte Leiber, vorzüglich die älterer Damen mit ihren Millionen Falten, bei Einölen. Ein Zirkusartist („Untermann“) taucht auf, der gewohnheitsmäßig „Spanner“ erkennen will und sie lauthals diffamiert. Ein Konflikt ist vorprogrammiert und das wird auch überraschend enden
Im 6. Kapitel gibt es Fön in München und ein morgendlicher Badegast mit einer Erektion.
Im 7. Kapitel begegnet er der dünnen beglückenden Schönheit Juliaana (mit 2 a).
Von ihr wird er im 8. Kapitel in ihre Tantra Gruppe eingeführt.
Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

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Ab dem 9. Kapitel wird es lustig aber auch etwas einfach komisch. Es geht um die verschrobenen Tantra Jünger, über die man sich leicht lustig machen kann, um ein „Schwanzduell“ mit einem der Tantra-Kollegen Juliaanes, und um die Teilnahme an einem Tantrakurs, von dem der 60jährige Historiker von vornherein weiß, dass der in die Hose gehen wird, aber er muss natürlich wegen seiner Angebeteten teilnehmen.

Um ihr oder seinem Rivalen (der aus dem „Schwanzduell“) zu beweisen, dass das ganze Tantragetue entweder Blödsinn ist oder er damit gar kein Problem hat. Oder beides. Vielleicht erwartet er sogar, er könne noch etwas Neues lernen. Jedenfalls muss der Versuch zwangsläufig schief gehen. Und das tut er dann auch. Lustig ist das schon. Vielleicht etwas platt, aber es geht schon.

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Eine ähnliche – schärfere – Situation hat Augustin in „Eastend“ eingebaut, dort geht es um eine Männergruppe, vor der der Erzähler zügig die Flucht ergreift und nach England verschwindet. Der klassische Psychiater Augustin hat mit solchen „Psychosachen“ wohl ein grundsätzliches Problem.

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Aber außer dem Klamauk und den aufkommenden Mordgedanken im Tantralager: Man liest sehr schöne Einsichten z.B. über die Äußerungen und Ausprägungen von Drama und Tragik eines Lebens in ihrer Nacktheit. (Frau Fettner auf Seite 211 z.B.) Und vieles anderes mehr.

Und zum Schluss kommt es noch zu einem relativ extravaganten Mordversuch. Der natürlich schief geht.

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Das schreibt Perlentaucher dazu (zitiert nach amazon):

Buchnotiz zu : Die Zeit, 09.10.2003
Warum gab es bisher noch keinen Roman über die Freikörperkultur?, fragt Jan Bürger, und er gibt die Antwort gleich selbst. Weil, damit es nicht “peinlich” wird, erst jemand wie Ernst Augustin kommen musste, um sich des “heiklen Themas der Nacktheit” anzunehmen. Unser Rezensent kann dieses “moralferne Lehrstück über die Haut, die Vergänglichkeit und die Leidenschaft alter Männer” gar nicht genug loben. Für ihn ist Augustin ein Autor mit unverwechselbarem Tonfall, eine Mischung aus Gottfried Benns “anatomischem Blick” und dem “Humor” Loriots. Augustin erzählt in seinem Roman die Geschichte eines alten Mannes, der in seiner Nachbarschaft ein Schwimmbad mit FKK-Abteilung entdeckt und sich dort in eine junge Frau verliebt, fasst Bürger die Handlung zusammen. Er rühmt das Buch für seine gelungenen Dialoge, seine kühne, formal und stilistisch grandiose Erzählweise und preist es hingerissen als einen literarischen “Glücksfall”
.

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Ein schönes Buch. Bitte lesen.

Gehscha 18 / Beichte 1

Undine brauchte dringend Klärung von Lully: Welche Rolle spielte Sabse, seine “Haushälterin”? Was geschah in seinem “Hobbykeller”, wo er die Frauen empfing, die ihm Sabse - nach seiner Wunschliste - zuführte? Und warum mussten solche Enttäuschungen immer ihr passieren?

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Sie hatte ihn nicht zuhause angetroffen, was sie schon wieder in Rage brachte, stattdessen einen Zettel hinterlassen, wo sie zu finden wäre und war zuhause in ihren Meditationsring gestiegen.

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Dort konnte sie am besten nachdenken, ohne ständig wütend werden zu müssen.

Lully kam. “Hallo Undine, …!?” grüßte er zögernd, “Ich habe gehört, Du hast gehört…, man hat Dir erzählt,…”

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“Ja, genau. Das hat man”, antwortete sie. “Und jetzt sag mir bitte ganz genau, was Du mir seit Monaten verschwiegen hast. Was war mit den vielen Frauen? Was tut Sabse für Dich? Warum bezahlst Du sie? Wofür? Ich muss das von Dir jetzt wissen, Lully. Von den anderen weiß ich schon genug…!”

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Lully hatte währen dieser Rede ein stilles aber heftiges Stoßgebet richtung Himmel geschickt und um schnellen Beistand gebeten, wo doch jetzt alles rauskommen sollte. Und er spürte auch schon seinen Schutzengel hinter sich. Gottseidank, das funkionierte noch.

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“Alle wird sich aufklären!” fing Lully an, doch dann verließ ihn der Mut wieder. Undine war mittlerweile ganz in Gedanken versunken, Lully hastete schnell zu Edeltraut, der aber auch keinen besseren Rat hatte, sondern nur leise vor sich hin seufzte.

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“Doch, Lully, Du musst! Und es wird nicht schlimm sein!” sagte er.

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Fortsetzung in 2 Tagen.

Uri Caine - Wagner e Venezia

Eine schnelle und ganz tolle Kaufempfehlung aus dem CD Regal. Der Tipp dazu stammt von Maria. Danke dafür. Hat sehr viel Spaß gemacht.

Die CD heißt “Wagner in Venezia” und enthält Stücke aus Wagneropern. Ohne Gesang, sondern gespielt von Uri Caine und seinem Ensemble. Live gespielt und digital augfgenommen im “Gran Caffè Quadri”, auf der Piazza San Marco und im “Hotel Metropole”, an der Riva Schiavoni in Venedig, zwischen dem 6. und 9. Juni 1997.

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Erschienen ist die CD, handwerklich und haptisch exzellent gemacht, wie alles aus diesem Musik-Verlag, bei der “Music Edition Winter & Winter” in der Schweiz. Sie gibt es im guten CD Handel, z.B. beim Plattenladen am Goethehaus. Dort steht links, wenn man reinkommt eine Kiste, wo alle “Winter & Winter” CDs gesammelt zu finden sind. (Viele Schätze zu entdecken.)
Warum ist die CD so toll?

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Weil sie erstens einen Eindruck davon gibt, wie Wagner selber in Venedig seine eigene Musik auf dem Markusplatz hörte (einige Wagner-Zitate von 1858 stehen im Booklet: “… Nun hörte ich aber abends von ihm (dem Kapellmeister) den Tannhäusermarsch, und mich ärgerte das schleppende Tempo; da ließ ich ihm sagen, wenn er wieder was von mir machte, sollte er mir’s doch sagen, damit ich ihm das richtige Tempo usw. weisen könnte.”)

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Zweitens, weil sie die Wagner-Musik so greifbar macht und von ihrem hehren Podest herunterholt. Das Kaffeehaus-Ensemble von Uri Caine ist nicht ein Riesenorchester, sondern besteht aus 2 Geigen, 1 Cello, einem Kontrabass, einem Klavier und ja: einem Akkordeon. Das macht so Spaß, ihnen zuzuhören, wie sie alles daransetzen, eine Orchesteraufführung nachzuspielen. Aber manchmal denkt man, sie sind auch ein bisschen eigensinnig, weil sie wissen, dass sie genauer und sensibler spielen können, als ein so großer Apparat.

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Drittens haben es die Herren Winter & Winter mal wieder geschafft, die Aufnahme einer ganzen CD in eine gemeinsam Athmosphäre zu packen. Die Musik taucht auf aus den Geräuschen auf dem Markusplatz, dem Geklapper im Cafè, man hört die Plaudereien der Gäste, nach den Stücken ihr artiges Geklatsch, man hört die Kirchturmuhr schlagen und alle Nebengeräusche, als würde man direkt neben dem Ensemble sitzen und einen Tee schlürfen. Ganz prima.

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WAGNERS KUNST IST KRANK (F. Nietzsche)

Natürlich ist der Liebestod (und das Präludium) aus dem Tristan das Highlight, aber auch die Lohengrin Overtüren sind klasse. der Ritt der Walküre ist sehr witzig, aber halt schon ein Stimmungs-Reißer.

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Egal. eine wirklich tolle CD. Da stimmt alles. Von der Verpackung bis zum letzten Geräusch im Hintergrund. sollte man sich selber schenken oder auch mal anderen. Könnte auch Menschen gefallen, die bisher noch keinen Zugang zu Wagner hatten. Wie gesagt: Es wird nicht gesungen.

Jetzt ist doch wieder viel text geworden.