Steinfest – Tortengräber

Das dreiundzwanzigste Türchen.

Heißa, bald ist Weihnachtstag!

Es geht um dieses sehr zu empfehlende Buch: Heinrich Steinfest, „Tortengräber. Ein rabenschwarzer Roman“, München (Piper), 2007. 284 Seiten, TB € 7,95.

Frau Lilli Steinbeck taucht hier zum ersten mal auf, die dann später in „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ groß rauskommen wird. Es ist ein „früher Steinfest“, aus dem Jahr 2000, also noch nicht ganz so voll der Spitzfindigkeiten der späteren Bücher.

Aber schon mit den schönen Beobachtungen: S. 134: „Sie legte ihre Hand auf seine Schulter als drehe sie ein Bügeleisen auf Null.“

l1030730-steinfest-1-15.jpg

Steinfest wettert auch hier schon ganz gerne, wenn es um die grassierende Verlogenheit und das Böse im Gewöhnlichen und im Alltäglichen geht. Das ist sehr amüsant.

Man hat beim Lesen auch den Eindruck, die Lösung des Falles und der zahlreichen Morde, die hier begangen werden, sei ihm gar nicht so wichtig, als eher das Ausspinnen von absurden Situationen und das Herumfabulieren, um die Geschichte in immer anderen Varianten darzustellen. Es ist ihm manchmal so scheint’s nicht ganz ernst mit seiner Story, Hauptsache, ihr Ablauf wird überraschend und gut.

l1030733-steinfest-2-15.jpg

Sehr toll ist die Konstruktion, in der er aus unterschiedlichen Blickwinkeln und durch unterschiedliche Berichte die prekären Vorgänge beschreiben lässt, wo sich Personen und Orte zeitlich überschneiden, sich aber nicht berühren. Man sieht quasi aus verschiedenen Richtungen denselben Vorgang und weiß immer schon ein bisschen mehr als die handelnden Personen in der Geschichte.

Dann gibt es eine sehr abseits dastehende, dazwischen geschobene Erzählung von Frau Resele, einer sehr sympathischen und anhänglichen Porschefahrerin, eine in die Krimigeschichte hinein geplumpste Patientin des ermordeten Psychoanalytikers.

l1030734-steinfest-3-20.jpg

Und durch die radikale Wendung auf S. 237 wird das allgemeine Verhängnis ein für allemal beendet bzw. in eine neue Richtung gestoßen. Steinfest hat einfach Spaß daran, völlig unwahrscheinliche Situationen herzustellen und Ereignisse auf sehr drastische Art zu kombinieren, die irgendwie dann doch zwangsläufig so sein müssen.

l1030735-steinfest-4-15.jpg

Ein Zitat über Österreich muss ich jetzt doch noch bringen:

S. 230: „…aber in einem Land, dessen Bürokratie trotz mahnender Worte der Experten sich internationalen Standards versperrte, also in der Hauptsache weder von Computern gesteuert noch von Interessengruppen dominiert, sondern schlichtweg von den göttlichen Größen Zufall und Irrtum bestimmt wurde, waren auch die Mächtigen und Einflussreichen nicht davor gefeit, ein Opfer des Rechtsstaates zu werden. Was sie in Verkennung der Tatsachen dann als Verschwörung begriffen. In einem solchen Land also war es angeraten, sich weniger auf die allgemeine Schlamperei zu verlassen. Als sie zu fürchten.“

Das Buch ist gut. Bitte lesen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, B veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar