Edith / Patronen

Das zweiundzwanzigste Tor.

Edith Hübsch konnte es nicht fassen. Irgendjemand war über Nacht in das Museum eingedrungen, hatte nach Kräften randaliert und die antiken Patronen umgeworfen. Und sie einfach liegenlassen. Nicht einmal mitgenommen. Wahrscheinlich waren sie zu schwer oder unverkäuflich auf dem Schwarzmarkt oder so was. Purer Vandalismus. Ohne Worte.

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Das war ja jetzt nicht nur wegen der Tinte gefährlich, die womöglich auslaufen konnte… Auch wenn jemand darüber fiele… nicht auszudenken…

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… da konnte man sich ja schwer verletzen oder sich was brechen womöglich… Jedenfalls musste sie die Ausstellung heute schließen. Sofort. Besucher sollten und durften dieses Durcheinander nicht sehen.

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Aber die Presseleute hatten es natürlich bereits mitbekommen. Hilmar Stampf und Olaf Schmundt waren zur Stelle.

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Ob sie glaube, dass da ein terroristischer Hintergrund vorliege, fragten sie Frau Hübsch voller Andeutungen und investigativer Absicht. Frau Hübsch fand das ziemlich daneben und gab ein „ach quatsch, woher denn, doch nicht hier. Mit diesen Dingern kann man doch nichts anfangen, die können ja nicht mehr explodieren oder so,“ von sich.

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Jedenfalls wollte sie keinen öffentlichen Skandal. Sie wollte das Drama ohne viel Trara wieder in Ordnung bringen und schnellstmöglich das Haus wieder für die Besucher öffnen.

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Frau Tybbke war schon zur Stelle. Edith hatte sie alarmiert, als sie den Schlamassel entdeckt hatte und sie um schnelle Hilfe gebeten. Und Frau Tybbke, (Adelheit mit Vornamen und die Gattin von Hans Tybbke, dem Arbeitskollegen von Francesco, der (Francesco) im Sommer von der Brücke gestürzt war – ein tragischer Arbeitsunfall, man erinnert sich?) war anstandslos und umstandslos zur Stelle.

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Es war ja auch alles nicht so dramatisch, die Hälfte der Installation stand ja noch ziemlich stabil und aufrecht da. Die, die umgefallen waren – so schwer sie auch aussahen – mit vereinten Kräften sollten sie die doch wieder in die Senkrechte wuchten können.

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Sie überlegten kurz, in welcher Reihenfolge die schweren Dinger nebeneinander gestanden hatten und ob das von irgendeiner Relevanz war, da sie doch eigentlich alle ähnlich aussahen… Aber dann fingen sie einfach links an und hörten rechts auf und hatten es bald auch geschafft.

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Edith Hübsch fiel noch ein cleverer Schachzug ein: „Tue Gutes und rede darüber“, dachte sie und rief kurzerhand Olaf Schmundt und Hilmar Stampf an, ob sie nicht auf ein paar Fotos und ein Stück Käsekuchen vorbeikommen wollten, sie hätte Neuigkeiten, die Geschichte sei ja sonst nicht zu Ende erzählt. Und sie waren neugierig, wollten und kamen.

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Stolz präsentierte sie ihnen das fertige Werk. Sie hatte den Eindruck als sähen die Patronen jetzt sogar etwas stattlicher und auch bedrohlicher aus als vorher – aber das konnte täuschen.

Und die beiden Tagblatt-Reporter schossen Fotos ohne Ende.

Das hatte sie prima hingekriegt. Sie war jetzt die Heldin.

(Adelheit Tybbke hatte sich schon früher zurückgezogen, als sie hörte, dass Edith die Presse anrief. Sie wolle nicht „in die Zeitung,“ sagte sie und ging zu ihrem Gatten, der mit Grippe zuhause im Bett lag und gepflegt werden wollte.)

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