Chopin / complete

Das neunte Tor.

Ich muss über eine CD-Kiste schreiben, weil ja jetzt Weihnachten kommt und diese Musik-Box ein sehr schönes Geschenk sein kann.

Es geht um Chopin, „Sämtliche Werke“, diverse Künstler, Aufnahmen 1949 (1-2) bis 2006. Brilliant Classic, 17 CDs. Kann man kaufen im normalen Plattenladen oder bei Zweitausendeins für € 16,99. Kein Witz. Ist so günstig. In einer stabilen Pappkiste mit einem Booklet, das ein Minimum an Informationen gibt. Aber was heißt das schon bei dem Preis.

Und weil die Kiste im „Fonoforum“ vom September (S. 91) schon ausreichend besprochen worden ist und ich dem auch nichts anfügen kann, zitiere ich einfach mal daraus:

„Rund die Hälfte der Aufnahmen sind gegen neues, von Firmen wie Philipps, Chandos und anderen übernommenes Material eingetauscht.“

(Dazu sollte man einerseits wissen, dass „Brilliant“ vor einiger Zeit schon einmal eine umfassende Chopin-Box vorlegte (die gibt es ebenfalls bei Zweitausendeins, 30 CDs für € 29,99), und andererseits, dass das Label „Brilliant Classics“ vorzüglich Back-Katalog-Aufnahmen anderer großer Plattenfirmen wiederverwertet und zusammen mit eigenproduzierten Aufnahmen zu dicken Paketen schnürt wie bei diesem hier.)

„So musste Martijn van den Hoek in den Etüden dem brilliant und flüssig agierenden Louis Lortie und bei den Walzern dem klaren, hochvirtuosen Zoltan Kocsis weichen, für die Nocturnes steht jetzt die bekannte alte Harasiewicz-Einspielung.

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Anstelle der Konzerte mit Paul Giacometti ist das sensationelle, nach wie vor umwerfend präsente und prägnante Diskusdebut des zwölfjährigen Evgeny Kissin zu hören, und die beiden großen Sonaten musste Fred Oldenburg zugunsten der fesselnd druckreichen Gilels-Aufzeichnung von 1949 und der hochrangig ausgeglichenen Darstellung aus Sergiu Fiorentinos später Berliner APR Serie (?) abgeben.

Van Winkel schließlich, selbst aktiver Pianist“ (und Produzent der Brilliant Classic Aufnahmen) „ließ Bella Davidovich den Vortritt, deren durchdachte, ausgeglichene und bis ins letzte ausgefeilte Gestaltung der Balladen und Impromptus nach wie vor ein erstrangiges Zeugnis ihrer imponierenden Kunst ist.

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Aus „Brilliants“ erstem Chopin-Gipfelsturm geblieben ist die pianistisch absolut überzeugende, aber etwas unpersönliche Einspielung der Scherzi durch Alwin Bär. Ebenso die Einspielung der Mazurken durch Cor de Groot.

Für die ergänzenden Neuproduktionen holte van Winkel sich seine Interpreten aus Italien: Alessandra Ammara präsentiert sich mit den frühen Polonaisen und den kleinen Einzelstücken Chopins – von seiner Variation zu Liszts „Hexameron“ bis zum Unikum seiner Fuge – vorteilhaft als eine auffallend klangschön und sensibel vorgehende Interpretin.

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Alles in allem also eine qualitativ sehr akzeptable Einsteigerserie mit Ausreißern nach oben und unten. Sie gibt auch einen ersten Eindruck von der Breite des interpretatorischen Spektrums, dem die Musik Chopins unterworfen ist.“

Und wenn ich das noch sagen darf: Für € 16,99 bekommt man einfach kein besseres Angebot.

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Schöne Weihnachten!

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