Heinerblog

20.11.2007

Gehscha 12 / krank 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:39

Undinchen war krank. Ihr war sterbenselend zumute. Sie brachte keine Ton mehr heraus und ihre Nase tropfte unentwegt.

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Nachdem ihr die Tabletten gegen Erkältungen nichts geholfen hatten, probierte sie die altbewährten, die ihr ab einer bestimmten Mange auch einfach den Kopf betäubten. Das war ihr sehr recht.

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Die Papiertaschentücher waren ihr natürlich zu groß. Und zu fest. Sie nahm meist eines davon und trennte die Lagen voneinander. Dann konnte sie sich zwar immer noch darin einwickeln, so groß waren die Teile, aber nicht mehr so störrisch und so grob zu ihrer kleinen Nase.

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Hustentropfen konnte sie gar nicht leiden. Vor allem auch deshalb nicht, weil sie in einem einzigen Tropfen schon hätte ertrinken können.

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Dasselbe galt für dieses „japanische“ „Heilmittel“, das ihr sofort alles weggeätzt hätte. Der Geruch tat ihr zwar gut, aber jegliche Berührung damit war absolut lethal.

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Was ihr half, war das Nasenspray. Das ließ sie sich auf eine Lage Papiertaschentuch sprühen und atmete es dann nach und nach ein. So gut es eben ging.

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Fortsetzung folgt. Mit hoffentlich guter Besserung.

19.11.2007

Gardiner - Bach Kantaten 1

Abgelegt unter: Platten, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:53

Als 1987 von John Eliot Gardiner das Bachsche Weihnachtsoratorium erschien, bei der Archiv Produktion der Deutschen Grammophon, schrieb Heinz-Josef Herbort in der „Zeit“, es sei jetzt an der Zeit, dass „mancher hoch gelobte Kantor, Kirchen- oder Generalmusikdirektor seine vorsintflutliche Partitur verbrennen und mit einer neuen ganz von vorne anfangen“ müsste.

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Gardiner und der Monteverdi Choir und seine English Baroque Soloists stammen aus der Dritten Generation der historischen Aufführungspraxis (neben Trevor Pinnock und Christopher Hogwood oder Reinhard Göbel und seine Musica Antiqua aus Köln – inzwischen gibt es die vierte Generation, aber dazu irgendwann einmal…)

Er traut sich also schon mehr als seine Vorgänger, ist nicht mehr ganz so dogmatisch.

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Und darum schafft er auch dieses hier: Die Aufnahme sämtlicher Bachkantaten. Und das nicht irgendwann, sondern innerhalb eines einzigen Jahres. Was daran besonders ist? Er macht die Aufnahmen an unterschiedlichen Orten. Nicht im Studio, sondern in Kirchen. Und zwar in ständig wechselnden Kirchen. Und das Woche für Woche. Mit ständig neuem Programm. Immer live. So wie Bach seine Kantaten komponiert hat.

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Also der Reihe nach. Man muss den Prozess verstehen, dann versteht man auch die Leistung der Künstler und nicht zuletzt die logistische Herausforderung:

Mittenrausgegriffen:

Für den Sonntag „Quinquagesima“ (laut Booklet am 5. März 2000) hat Bach 4 Kantaten geschrieben: BWV 22 von 1723, BWV 23 von 1723, BWV 127 von 1725 und BWV159 von 1729. Die werden samstags von Gardiner und seiner Truppe in der Kings College Chapel in Cambridge generalgeprobt und sonntags aufgeführt. Daraus entsteht die erste CD.
Dann packen sie alles ein, reisen mit Instrumenten und Technik weiter nach Walpole St. Peter in Norfolk und proben und führen am Palmsonntag 26. März 2000 die Kantaten BWV 182 von 1714/24, BWV 54 von 1714 und BWV 1 (Wie schön leuchtet der Morgenstern) von 1725 auf. Das gibt CD 2 für die Kantatenlieferung Nr. 21.

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Am 23. April (Ostersonntag) nehmen sie BWV 4 (Christ lag in Todesbanden) und BWV 31 auf, am Montag nach Ostern, 24. April 2000, BWV 66 (Erfreut euch, Ihr Herzen) und BWV 6 in der Georgenkirche in Eisenach. Am Dienstag nach Ostern, 25. April 2000, folgen noch die Aufnahmen von BWV 134 und BWV 145, ebenfalls in Eisenach. Das ergibt die 2 CDs der Kantatenlieferung Nr. 22.

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An Quasimodogeniti, dem ersten Sonntag nach Ostern, also am 29./30. April 2000, nehmen sie die Kantaten BWV 150, BWV 67, BWV 42 und BWV 158 auf, wegen der kurzen Frist von 4/5 Tagen nicht weit davon entfernt in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche in Arnstadt. Die Kantaten für den nächsten Sonntag, den 7. Mai 2000, nehmen sie an eben diesem Tag in der Basilisque St. Willibrord in Echternach auf: Kantaten BWV 104, BWV 85, BWV 112. Damit wäre Kantatenlieferung Nr. 23 fertig.

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Und so geht es weiter: Eine Woche später, am 14. Mai 2000, folgen die Live Aufnahmen von BWV 12 (überhaupt das tröstlichste: „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“), BWV 103 und BWV 146 in der Schlosskirche in Altenburg. Wieder eine Woche später, am 21. Mai 2000 spielen die Sänger und Musiker BWV 166, BWV 108 und BWV 117, komponiert für den vierten Sonntag nach Ostern, ein. Damit ist Kantatenlieferung Nr. 24 erledigt.

Und so geht das auf der Pilgerfahrt fort.

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Technisch sind die Aufnahmen erste Sahne. Von der künstlerischen Umsetzung her schlagen sie anderes um Längen (Tom Koopmann, Helmut Rilling). Die Energie, die hinter dem gesamten Unternehmen steht, ist unfassbar. Die jahrzentelange Begleiterin von Gardiner, die ehrwürdige Deutsche Grammophon, hat während der Produktion das Handtuch geschmissen. Ich zitiere mal die FAZ vom 16. Juli 2005 (S. 40):

„Der Dirigent sah sich zu einer radikalen Reaktion gezwungen, um die während der Generalproben zu den Konzerten aufgenommenen Kantaten wie geplant veröffentlichen zu können. Die Bänder immerhin wurden ihm vom Label überlassen. Durch den eigenen Chor und das eigene Orchester längst als Entrepreneur erfahren, gründete Gardiner daraufhin die „Monteverdi Productions“, schuf sich sein eigenes Label, taufte es, ganz Bach-Fanatiker, „Soli Deo Gloria“ (SDG), suchte sich die Firma Harmonia Mundi als Vertriebspartner und gewann hochkarätige Mäzene, darunter den britischen Kronprinzen Charles als Schirmherren.“

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Die Fortsetzung dieser Einlassungen kommt hier in ca. 4 Tagen.

18.11.2007

Marquardts 8 / Seagull 3

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:06

Herr Marquardt (4) stieg den Dingen ganz tief auf den Grund. Er kam erst nach langer Zeit wieder aus dem Schacht heraus, der ins tiefste Innere der „Seagull“ führte und signalisierte trocken „Alles roger!“

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Aber wo war denn jetzt der schwerste Schaden? Warum wollte das Ding keine rechten Bilder mehr machen? Herr Marquardt (5) gab zu Protokoll, dass der Filmtransporthebel sich nicht mehr bewegen ließ. Also lag hier ein ernstzunehmender Defekt.

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Herr Marquardt (1) war am Einstell-Leserad der Tiefenschärfe angekommen, hier war aber alles in Ordnung. Es dauerte eine Weile, bis er das abenteuerliche Design des Ziffernblattes richtig deuten konnte und er musste danach leise grinsen.

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Letztlich hatte der Mängelsammler, Herr Marquardt (2), einige Fehler notiert, aber eigentlich konnten die nicht ausreichen, eine Kamera völlig außer Gefecht zu setzen. Den Filmtransport müsste man wieder in Gang setzen, und dann mal probieren, ob das Licht, das eindrang, großen Schaden anrichtete…Jeder andere hätte gesagt, „das alte Ding ist unreparierbar kaputt und es gehört auf den Sperrmüll.“

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Wie verabredet trafen sie sich hier an der HAIOU Optik alle wieder und nahmen jeder erstmal einen großen Schluck Mirabellen-Schnaps zu sich. Zur Belohnung. Und weil es Abend wurde und schon ein wenig kühl. Einer der Marquardts – es war (1) – hatte in seiner Schaffnertasche immer einen Flachmann dabei. Für besondere Fälle. Und das war ja einer.

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Und wahrscheinlich sangen sie auch zum Abschied noch ein Lied, aber wie das ging, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

Sie machten sich an den Abstieg, vorsichtig wegen des Alkohols, dass nicht noch jemand abstürzte! Ihr Auftrag war ausgeführt. Sie hatten ihre Aufgabe erfüllt und jetzt ihren verdienten Feierabend.

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17.11.2007

Genazino - Regenschirm

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:27

Vor kurzem fertig gelesen, nicht mehr ganz druckfrisch das Werk, aber nach wie vor erwähnens- und lobenswert:

Wilhelm Genazino „Ein Regenschirm für diesen Tag“, Roman, München (Hanser) 2001, oder als Taschenbuch bei dtv, € 8,–, 170 Seiten.

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Berichtet wird von einem Mann im „Stadium der Existenzlosigkeit“, so heißt es einmal, von einem „Schuhtester“, dem man die Existenzgrundlage halbiert. Aber das ganze Buch ist ein sehr freud- und lustvolles, eigentlich.

Es enthält die nettesten Beobachtungen: „Wahrscheinlich liebt die Mutter den Staubsauger, weil das Gerät ihr vortrefflich dabei hilft, unerreichbar zu sein“ (S. 26). Oder: „Ich fühle die Zerbröckelung beziehungsweise Verflusung in mir, amüsiere mich gleichzeitig über sie und kann mir nicht recht böse sein.“ (S. 50)

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Der Autor geht ganz liebevoll mit sich und seinen Figuren um. Das Buch ist voll leichter, verspielter oder ernster Gedanken (z.B: über die vergleichende Schuldwissenschaft auf S. 103 ff), in einer ganz sorgfältigen, bedächtigen und unaufgeregten Sprache geschrieben.

In der Geschichte begegnet er Frauen, die er früher einmal näher oder entfernter gekannt hat. Irgendwann einmal. Und er begegnet Menschen die fast durchweg einen Defekt haben, irgendwie behindert sind.

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Das scheint er aber lustigerweise selber zu merken, denn auf S. 158 „…schwimmt eine Ente vorüber; sie hat ein Bein eigentümlich hochgestellt. Und obwohl ich mich gerade ermahnt habe, nicht mehr bedeutungsvoll zu sehen, fällt mir doch der Satz ein: Guter Gott, jetzt sind auch noch die Enten behindert.“

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Nach und nach findet er neue Begriffe für die Merkwürdigkeiten des Lebens und er erklärt sie dann auch ausführlich: Das „Gestrüpp“, das „Gewöll“, das „Geraschel“, das „Geschleppe“…Das ist alles sehr lesens- und bedenkenswert. Sehr klug.

Genazino nennt das Buch selbst eine „innere Erörterung“ (S. 133). Es ist von völliger Offenheit, die niemals peinlich ist. (S. 155 z.B.)

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Man traut sich gar nicht, großspurig von diesem kleinen Buch zu schwärmen. Es ist sehr empfindlich.

Also bitte lesen. Leise. Danke.

16.11.2007

Marquardts 7 / Seagull 2

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:02

Der glückliche Herr Marquardt (2) hatte die beste Stelle zur Beobachtung gefunden. Wovon alle geschwärmt hatten, als Belohnung für den beschwerlichen Aufstieg, wie er seinem klugen Reiseführer entnommen hatte. Von hier oben gab es die beste Aussicht auf die Kamera und die umliegende Landschaft. Und direkt unter ihm war die Mattscheibe, auf der das Bild, das durch die Linse, das Objektiv, hereinkam, hingespiegelt wurde.

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Da unten war Herr Marquardt (3) auch bereits angekommen und war völlig fasziniert von den optischen Vorgängen im Innern des Fotoapparates. Auch wenn er krebserregend war.

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Die empfindlichen Stellen und das ganze Gehäuse waren zwar ziemlich verschmutzt, es schien aber alles noch gut zu funktionieren. Das Licht und das Bild sahen ganz gut aus.

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Auf der linken Seite oben hatte Herr Marquardt (1) die Rückseite untersucht aber dort keinen gravierenden Schaden feststellen können.

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Herr Marquardt (2) ließ sich per Zuruf von allen Seiten über die gefundenen Mängel unterrichten und notierte alles akribisch in sein tolles neues Notizbuch. Er war ein Pedant und deshalb hatte man ihn für diese Art von Arbeit ausgesucht.

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Herr Marquardt (5), von dem man bisher noch gar nichts gehört hatte, meldete ein unverhältnismäßig großes Spaltmaß oberhalb der Linse, sowie unbekannte chinesische Schriftzeichen. Aber die hatte Herr Marquardt (2) natürlich bereits notiert. („Bekannte“ chinesische Schriftzeichen gab es natürlich sowieso nicht.)

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Das Ende der Geschichte folgt in ungefähr 2 Tagen.

15.11.2007

Alle zusammen

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:14

Noch einmal Dankeschön für alle Glückwünsche und Geschenke.

Weil einige der Geschenke mich für die nächsten Jahre blogtechnisch auslasten werden, muss ich jetzt mal anfangen, alles zu sortieren und Inventur zu machen.

Ich habe die schöne Waldarbeiterszene hier nicht mitgebracht, auch die Bäume, die Vespa und die John Deere Traktoren nicht.

Aber ich habe mal alle Personen, die in diesen Bloggeschichten eine Rolle gespielt haben oder noch eine Rolle spielen können, zusammengestellt.

Damit man sie besser erkennen kann, sind sie als „Thumbnails“ hier drin. Also die kleinen Bilder bitte anklicken, dann werden sie größer. (Die großen werden beim Anklicken nicht noch größer. Aber auch nicht kleiner.)

Bekannt sind natürlich diese: Ex-Cable Joe und Mähchen. Mit ihnen fing ja alles an. Damals.

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Auch mit denen hier gab es schon Beziehungs- und andere Dramen: Frau Weichbrodt (Sesemi), jetzt ohne den verflossenen Herrn Mindernickel, dafür mit ihrem neuen Schwarm, Herrn Bongartz aus Texas, Bruder Lully und seine verehrte Geliebte Undine Gehscha. Und auch Frau von Tümmler, die von ihrem Herrn Marquardt mal wieder sitzen gelassen wurde.

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Die Marquardts (1) bis (5) kennen wir mittlerweile auch schon ganz gut, vor allem ihre Spezialaufträge.

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Und bei denen hier, die schon mal bei der verblichenen Fliege aufgetaucht sind, handelt es sich um alte Arbeitskollegen von Hans aus der Fabrik. Bisher noch namenlos. Francesco, der Brückenarbeiter, der Lieblingskollege von Hans, stürzte ja in Ausübung seiner Berufspflichten im Sommer diesen Jahres ab und gilt seit dem als verschollen.

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Und hier betreten die noch nicht erweckten Figuren die Bühne: Sogenannte “Passanten”, die einfach nur herumgehen oder stehen und eine Szene dekorieren. Jede einzelne Figur hat natürlich und braucht natürlich erstmal eine Geschichte.

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Hier sind noch weitere 6 „Passanten“, aus denen sich schon mal locker 3 Pärchen ergeben würden, wenn man sie ließe.

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Diese Gruppe wird als „Stadtbesichtigung“ bezeichnet. Die Figur rechts ist wohl die Haupt-Agitatorin der Gruppe, mit Mikrophon (?).

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Und das ist eine Sammlung von „Berufen“. Was wohl die Berufe der beiden Faruenfiguren sind? Irgendwie undurchsichtig.

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Daneben bin ich jetzt auch stolzer Besitzer einiger Kloszenen. Hier ist der Flegel, der Stehendpinkler, der nicht einmal das Häuschen benutzt:

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Die anderen sind schamloserweise nur zu erkennen, wenn sie die Tür nicht zu machen. Scheint aber niemand hier zu stören. Der Zeitungsleser:

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Eine weibliche Person, die ich – glaube ich –  Frau Kuttner taufen werde:

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Und ein verliebtes Paar, das es sich hier trotz viel Gestank gemütlich gemacht hat.

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Zur Weihnachtszeit wird es verstärkt Bewegungen und Austausch mit den himmlischen Heerscharen geben, deshalb zeige ich hier schon die Jahresendfiguren, die demnächst den Blog bevölkern werden. Ihre Namen muss ich noch herausbekommen. Eine/r der Engel wird sicherlich Sophia heißen. Vielleicht die kleine putzige Figur ganz links.

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Wie gesagt: Die anderen Sachen, aus denen man Bilder und Geschichten machen kann, sind heute nicht dabei. Nur die Straßenwalze musste ich unbedingt unter die Lupe nehmen, deshalb also: Der Henschel.

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Wem zu irgendeiner der neuen Figuren etwas einfällt, wer eine Idee hat, ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit kennt oder eine Geschichte, die sich zwischen zwei Figuren abspielen könnte, bzw abgespielt hat, wie eine Figur mit einer anderen bekannt oder verwandt sein könnte, wo sie sich einmal begegnet sind usw. usw., oder auch nur einfach weiß, wie sie heißen, der möge doch bitte einen Kommentar hinterlassen.

Ich werde mein möglichstes tun, die Vorschläge einzubauen, oder sie mit meinem Wissen und meinen Vorstellungen kombinieren, wenn das geht. Und es winken natürlich für die Ideen, die dann in den Blog Eingang finden werden, „wertvolle Sachpreise“. Versprochen.

Ansonsten werden die Figuren Schritt für Schritt die Geschichte selber weiterspinnen. Mal sehen, was da noch rauskommt.

14.11.2007

Marquardts 6 / Seagull 1

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:55

Die Marquardts hatten sich schon lange einmal vorgenommen, die Seagull zu besteigen. Zudem war jetzt auch der Auftrag an sie herangetragen worden, die Seagull auf Herz und Nieren zu prüfen, weil es hieß, sie würde nicht mehr richtig funktionieren.

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Die Seagull war ein antiker Fotoapparat, Spiegelreflex, Mittelformat, wahrscheinlich noch reparabel, aber niemand hatte sich in den letzten Jahren um sie gekümmert.

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Herr Marquardt (1) wählte den Aufstieg über den linken Druckknopf. Das fette dicke Leder war mit Druckknöpfen zusammengehalten an die Kamera drangeflanscht.

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Auf diesem Weg sollte er am schnellsten zu den empfindlichen Stellen der Feinmechanik vordringen können. In der Gegend der unteren Linse wollten sie sich dann am Ende wieder treffen, um ihre Ergebnisse zusammen zu tragen und einen Bericht zu verfassen.

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Herr Marquardt (3) hatte sich bereits nach wenigen Metern den Fuß eingeklemmt, genau an der Stelle, wo man die Blende einstellen konnte. Das Rädchen ging verdammt schwer. Er vermutete, dass dahinter die Mechanik auch schwer in Mitleidenschaft gezogen war. Er erkannte auch, dass es sehr gefährlich war, sich mit solchen technischen Geräten ohne Vorkenntnis einzulassen. Sein Knöchel tat enorm weh. Wer war eigentlich auf diese dumme Idee gekommen?

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Dagegen war Herr Marquardt (4) derjenige, der als erster einen gravierenden Defekt entdeckt hatte. An einer Stelle war das Gehäuse etwas verzogen und es drang Licht nach innen, wo eigentlich kein Licht eindringen sollte. Das musste er sofort melden. Denn das war bei einer Kamera ein böser Fehler.

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Herr Marquardt (3) war inzwischen von dem festgebackenen Blendeneinstellrädchen losgekommen und stolperte Richtung Drahtauslöser-Einschraubloch. Er wollte schnellstmöglich wieder festen Boden unter die Füße bekommen. Ihm war dieser Ausflug etwas zu gewagt und zu gefährlich. Vor diesen chinesischen Produkten hatte er sowieso einen ziemlichen Respekt. Das war ja alles wahrscheinlich krebserregend, oder?

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Die Fortsetzung kommt in 2 Tagen. Etwa.

13.11.2007

Cooper - Die Roten

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:39

Jetzt habe ich das also auch hinter mir:

James Fenimore Cooper „Die Roten – Bilder aus der amerikanischen Vergangenheit Teil 3“, Roman, Deutsch von Arno Schmidt, Frankfurt (Fischer) 1978, als Taschenbuch noch erhältlich, 631 Seiten.

Die beiden ersten Bände der „Bilder“ – „Tausendmorgen“ und „Satanstoe“ – habe ich vor ca. 10 Jahren gelesen. Entsprechend schwer fiel mir das Hineinfinden in den dritten Teil.

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Die Urenkel der ersten Siedler der Familie Littlepage haben hier zu kämpfen gegen die Pächter ihrer Ländereien, des Anwesens „Ravensnest“ und der benachbarten Gebiete.

Die Pächter wüten wegen sinkender Erträge der Länder gegen die „ewigen Pachtverträge“ und damit gegen die Großgrundbesitzer und wollen das Land als ihr Eigentum haben. Sie organisieren sich, streiken, verweigern die Zahlungen, werden aggressiv und terrorisieren als „Vermummte und Bewaffnete“ die Pachteintreiber und die Grundbesitzer.

Die Eigentümer von Littlepage, unterwegs in Europa, besprechen das Problem, über das sie aus Zeitungen und aus der Post von zuhause erfahren haben, auf den ersten 80 Seiten, während ihres Frühstücks in einem Pariser Hotel. Ja damals ließ man sich noch Zeit.

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Incognito – sie geben sich als „Teutsche“ aus – versuchen sie, von New York aus unbemerkt auf ihre Ländereien zu kommen.

Auf S. 300 ungefähr eröffnet der junge Littlepage Miss Warren, seiner angehimmelten Pastorentochter, seine wahre Identität. Aber der Liebesgeschichte sind noch viele Steine in den Weg gelegt.

Die Familie Littlepage wird Zeuge von „Brandreden“ und „Gerichtsverfahren“ der „Injins“, der kämpfenden Abteilung der „Antirenter“, also der Pachtzahlungsverweigerer, die endlich die Enteignung der Grundbesitzer durchsetzen wollen. Die Spannung steigt, die Bedrohung wird immer greifbarer.

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Noch was zur Übersetzung: Arno Schmidt halt. Ganz großartig. Bis auf ein paar störende grundsätzliche Sachen: die “Binnenmajuskeln” zum Beispiel. Die waren 1978 revolutionär. Heute nicht mehr. Aber auch wenn Arno Schmidt sie womöglich als orthographisches Hilfsmittel “erfunden” hat, sind sie doch hier zu aufdringlich konsequent eingesetzt. „FortschrittsPartei“ muss nicht sein. „RotHäute“ und „PrärieFeuer“ auch nicht.

Dialekt schreiben ist auf Dauer auch nicht einfach. Und lesen erst recht nicht. Vor allem dann, wenn Amerikaner einen deutschen Akzent nachahmen wollen. Das geht gar nicht.

Und die Indianerberatschlagungen der Onondango mit Susquesus, dem alten weisen Häuptling auf dem „Ravensnest“ Anwesen ist dann wieder Cooper-tyisch sehr pathetisch bilderreich langatmig. Das muss man ertragen. Oder darüberhinweglesen.

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Es kommt dann, wie es kommen muss, letztlich zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung und zu richtigen Übergriffen auf die Grundbesitzer. Indianer stehen auf ihrer Seite und viel Diplomatie ist gefordert. Den Ursprung dieses Vorfalles hat Cooper in einer tatsächlichen Begebenheit gefunden, die hinten im Buch auch dokumentiert ist.

So ist das also: Das Buch hat großen historischen Wert. Erzählte Geschichte. Zum kurzweiligen Zeitvertreib taugt es nicht. Ein gutes und wichtiges Buch ist es, verfasst in der guten alten ausschweifenden Art des 19. Jahrhunderts. Man braucht Zeit dazu. Oder wirkliches Interesse an dem Thema. Dann ist es toll.

12.11.2007

Frau von Tuemmler 1 / Ahorn

Abgelegt unter: Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:53

Frau von Tümmler war alleine. Gelangweilt. Sie war nicht gern alleine. Sie war gern unterwegs, vor allem in Gegenden, wo es warm und sonnig war.

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Heute fühlte sie sich sogar einsam. Sehr. Herr Marquardt hatte seit damals, als sie sich auf der Perlenkugel begegnet waren und er sich so verantwortungsvoll um sie gekümmert hatte, auch nichts mehr von sich hören lassen. Typisch.

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Irgendwie hatte sie bisher noch nicht so richtige Glück gehabt, was ihre Beziehungen und Männer im allgemeinen betraf. Sie sehnte sich langsam nach stabilen Verhältnissen. Oder wenigstens einem. Zur Zeit war da aber nichts in Sicht. Herr Marquardt? Ja. Schon, irgendwo. Aber nicht wirklich.

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Es war alles sehr deprimierend. Es war auch noch Herbst und abends schon früh dunkel…

Auf ihrem Weg kam sie an einem ihr bislang unbekannten Objekt vorbei, mit dem sie zunächst gar nichts anfangen konnte. Sie wusste nicht, was es war. Es lebte offensichtlich nicht mehr oder hatte nie gelebt… Sie untersuchte es von allen Seiten.

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Es hatte wohl aber einen organischen Ursprung. Etwas vertrocknet, blattähnlich, offensichtlich vom Himmel gefallen. (Oder von jemand da hin gelegt? Für sie?) Es hatte eine geheimnisvolle dicke Kapsel am einen Ende, am anderen eine fast durchsichtige, von hölzernen Stegen und Adern durchzogene Flügelform.

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“Das könnte ich doch prima zu einem Segel für mein neues Böötchen umbauen”, dachte sie sich. “Das Material ist ideal. Sieht aus wie Ahorn.”

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Sofort entschieden, hatte sie nichts anderes mehr im Sinn. Sie freute sich schon auf ihren nächsten Urlaub am Meer, mit ihrem neuen Boot, mit dem neuen Segel. Alle düsteren Gedanken waren auf einen Rutsch verschwunden.

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Sie klemmte sich ihre Beute unter den Arm…

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…und machte sich auf den Heimweg. Sie war eine begnadete Heimwerkerin. Und sie freute sich darauf, das neue Segel Herrn Marquardt zu zeigen. Er wäre sicherlich auch begeistert.

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11.11.2007

Messiaen / Orgelwerke

Abgelegt unter: Platten, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

Man muss nur abwarten können.

Die Box liegt schon seit ein-zwei Wochen hier auf dem Schreibtisch und wartet darauf, dass ich etwas über sie schreibe. Und jetzt lese ich im neuen Fonoforum (Nov 2007, S. 89) eine mehr oder weniger lobende Kritik darüber und kann mich also etwas darauf stützen. Alle Zitate in dem Text hier stammen aus diesem Artikel von Christoph Vratz.

Es geht um Folgendes:
Oliver Messiaen, sämtliche Orgelwerke („Organ Works complete“), gespielt von Willem Tanke, veröffentlicht bei Brilliant Classics. 8 CDs zum mal wieder wunderbaren Preis von € 15,99 (bei Zweitausendeins).

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Messiaen stammt aus der Tradition der seriellen Komponisten (Schoenberg, Boulez, etc). Man darf also keine barocken Schnörkel oder verspielte Kirchenmelodien zum Mitsingen oder so erwarten. Was zu hören ist, ist getragen, flächig, meditativ, stellenweise monumental, Klangereignisse, die immer noch neu und ungewöhnlich anzuhören sind.

Der Organist, Willem Tanke, ist nebenbei auch Komponist und „Improvisator“. „Erst im letzten Jahr gründete er zwei Ensembles: Das Trio Terra Volcania und ein Quartett mit dem originellen Namen „The Rotterdam Art of doing Nothing Ensemble“.“

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Tanke spielt sehr langsam, „wie ein Schleicher“, aber „Tanke besticht durch stimmige Proportionen, durch einen klaren Sinn für die Strukturen dieser Werke. Natürlich ist seinem Spiel eine gewisse Affektgeladenheit nicht abzusprechen, doch steht diese immer in einem durch das jeweilige Werk vorgegebenen Kontext.“

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Ein Problem der Aufnahme sehen die Kritiker in den leisen Stellen mancher Stücke, führen es auf die technische Leistungsfähigkeit der Orgel in Haarlem zurück. Manche leise Stellen erschienen etwas zu vorlaut, zu präsent, was ich selbst nicht nachvollziehen konnte. „Wirkliches Pianissimo, ein ruhiges ätherisches Schweben scheint auf jeden Fall kaum möglich.“ Dann jedoch: „In den lauten Passagen ist eine umso größere Unmittelbarkeit garantiert. Das Dröhnen und Rauschen der Bässe fliegt ihm (dem Hörer) geradezu um die Ohren.“

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Zu der Box gibt es ein Brilliant-typisch mageres Booklet, das ein paar Fakten zu jedem einzelnen Stück bietet aber eben auch den niedrigen Preis ausmacht.

Alles in allem: Für wenig Geld eine tolle Möglichkeit, Messiaen kennen zu lernen. Lohn sich auch. Sagt auch professor Bongartz aus Texas.

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