Frau W. und Herr B. / Verzaubert 1

Die beiden hatten sich gefunden und ließen sich nicht mehr voneinander trennen.

Alles unternahmen sie gemeinsam. Herr Professor Bongartz hatte noch einige Wochen Zeit, bevor er wieder in das heimatliche Texas zurückfliegen musste (natürlich mit Frau Weichbrodt zusammen) und das genossen sie ausgiebig.

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Frau Weichbrodt zeigte ihrem Lebensgefährten ihren ganzen Stolz, einen alten Zauberwürfel, den sie sich noch aus der Zeit, als sie Mathematik unterrichtete, im Garten aufbewahrt hatte.

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Herr Bongartz kannte so ein Ding zwar auch – er hatte zuhause etwas ganz ähnliches stehen – wusste aber nicht wirklich etwas damit anzufangen. Er hatte sich noch nie ernsthaft damit beschäftigt.

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Frau Weichbrodt erklärte ihm die Grundbegriffe, die man brauchte, wenn man eine Lösung auf logisch-mathematischem Wege dafür suchte: „Es gibt Ecksteine: Die acht Ecksteine verbinden je drei angrenzende Flächen in den Ecken. Dann gibt es 12 Kantensteine, die je zwei angrenzende Flächen in den Kantenmitten verbinden. Und schließlich kennen wir Mittelsteine: Die sechs Steine in der Mitte der Würfelflächen besitzen zueinander konstruktionsbedingt immer dieselbe relative Lage und bestimmen so, welche Farben aneinandergrenzen müssen.“

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Davon war Herr Bongartz zwar hoch beeindruckt, aber es war für sein Gemüt dann doch etwas zuviel. Er war eher der Praktiker, der so ein Problem nicht im Kopf, sondern durch Ausprobieren lösen wollte. Glücklicherweise kam Hans dazu, der früher immer den Würfel ölen musste, wenn er mal wieder zu sehr quietschte.

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„Die erste theoretische optimale Lösung stammt von Richard Korf, der 1997 zeigte, dass die durchschnittliche optimale Lösung 18 Züge benötigt“, fuhr Frau Weichbrodt fort. „Er ging außerdem davon aus, dass nie mehr als 20 Züge erforderlich sind, jedoch konnte er das nicht beweisen. Mitte 2007 gelang es Computerforschern, eine Software zu programmieren, die den Würfel in maximal 26 Zügen löst (der bisherige Rekord lag bei 27 Zügen). Durch immer schnellere Computer mit größerer Rechenleistung ist zu erwarten, dass auch dieser Rekord gebrochen wird. Ob man jedoch jemals an die 20 Züge heran kommt – sofern die Theorie der 20 Züge, die man bis heute nicht beweisen konnte, überhaupt der Wahrheit entspricht – ist damit nicht gesagt.“ Herr Bongartz bewunderte das Wissen seiner geliebten Sesimi, aber viel mehr reizte es ihn, das gute Stück von oben in Augenschein zu nehmen.

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Und so bestieg er die rechts außen liegende Flanke. „Der Würfel kann als mathematische Gruppe aufgefasst werden,“ rief Frau Weichbrodt zu ihm hinauf. „Hierfür wird jede Stellung als eine Verknüpfung der sechs möglichen Basis-Permutationen B = \{V, H, R, L, O, U\} betrachtet.“

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Die Fortsetzung hiervon folgt in etwa 2 Tagen.

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