Messiaen / Orgelwerke

Man muss nur abwarten können.

Die Box liegt schon seit ein-zwei Wochen hier auf dem Schreibtisch und wartet darauf, dass ich etwas über sie schreibe. Und jetzt lese ich im neuen Fonoforum (Nov 2007, S. 89) eine mehr oder weniger lobende Kritik darüber und kann mich also etwas darauf stützen. Alle Zitate in dem Text hier stammen aus diesem Artikel von Christoph Vratz.

Es geht um Folgendes:
Oliver Messiaen, sämtliche Orgelwerke („Organ Works complete“), gespielt von Willem Tanke, veröffentlicht bei Brilliant Classics. 8 CDs zum mal wieder wunderbaren Preis von € 15,99 (bei Zweitausendeins).

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Messiaen stammt aus der Tradition der seriellen Komponisten (Schoenberg, Boulez, etc). Man darf also keine barocken Schnörkel oder verspielte Kirchenmelodien zum Mitsingen oder so erwarten. Was zu hören ist, ist getragen, flächig, meditativ, stellenweise monumental, Klangereignisse, die immer noch neu und ungewöhnlich anzuhören sind.

Der Organist, Willem Tanke, ist nebenbei auch Komponist und „Improvisator“. „Erst im letzten Jahr gründete er zwei Ensembles: Das Trio Terra Volcania und ein Quartett mit dem originellen Namen „The Rotterdam Art of doing Nothing Ensemble“.“

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Tanke spielt sehr langsam, „wie ein Schleicher“, aber „Tanke besticht durch stimmige Proportionen, durch einen klaren Sinn für die Strukturen dieser Werke. Natürlich ist seinem Spiel eine gewisse Affektgeladenheit nicht abzusprechen, doch steht diese immer in einem durch das jeweilige Werk vorgegebenen Kontext.“

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Ein Problem der Aufnahme sehen die Kritiker in den leisen Stellen mancher Stücke, führen es auf die technische Leistungsfähigkeit der Orgel in Haarlem zurück. Manche leise Stellen erschienen etwas zu vorlaut, zu präsent, was ich selbst nicht nachvollziehen konnte. „Wirkliches Pianissimo, ein ruhiges ätherisches Schweben scheint auf jeden Fall kaum möglich.“ Dann jedoch: „In den lauten Passagen ist eine umso größere Unmittelbarkeit garantiert. Das Dröhnen und Rauschen der Bässe fliegt ihm (dem Hörer) geradezu um die Ohren.“

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Zu der Box gibt es ein Brilliant-typisch mageres Booklet, das ein paar Fakten zu jedem einzelnen Stück bietet aber eben auch den niedrigen Preis ausmacht.

Alles in allem: Für wenig Geld eine tolle Möglichkeit, Messiaen kennen zu lernen. Lohn sich auch. Sagt auch professor Bongartz aus Texas.

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