Heinerblog

21.10.2007

Bongartz 3 / Salami 2

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:58

Hans’ Problem war, dass große Stücke in den groben Salamisorten ihm zwischen den Zähnen stecken blieben. Er rief Undine, um sie nach ihrer Meinung zu fragen.

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„Vom kulinarischen Standpunkt aus betrachtet würde ich ebenfalls die feinere der gröberen vorziehen. Vom ästhetischen Gesichtspunkt her hat die gröbere Wurst natürlich viel mehr Aussagekraft.“

Hans ließ das mal ohne weiteren Kommentar auf sich beruhen und nickte zustimmend.

Professor Bongartz hatte inzwischen noch andere Wurstteile herangerollt, die begutachtet werden sollten.

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Neu im Programm dieses Jahr habe er die TexMex Chili Salami vom Zwergesel, für die er hoffe, zum ersten Mal eine der Auszeichnungen zu gewinnen.

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Undine hatte dazu keine Meinung (bzw. behielt sie bei sich: “die armen Zwegesel”), war noch etwas konsterniert, drückte aber trotz allem ihre Bewunderung aus und wünschte dem Salamizüchter viel Erfolg mit seinem neuen Gewächs.

Hans grummelte, was denn jetzt mit Essen sei, er habe immer noch Hunger und vom Angucken werde man ja nicht satt. Und dunkel würde es auch langsam.

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Da kippte Herr Bongartz die Scheibe vom Zwergesel um, und begann, sie von oben in handliche Stücke zu zerlegen.

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Undine musste gehen. Sie wollte das Feld den beiden Herren überlassen, die ohne sie sicherlich prima klar kämen. Das Thema war ihr dann doch irgendwie völlig wurst. Für sie war das gegessen.

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Zurück blieben fachsimpelnde, tratschende Wurstfreunde, die sich Happen um Happen besser verstanden. Die nervigen Fragen von Herrn Bongartz nach dem Privatleben von Frau Gehscha beantwortete Hans zurückhaltend. Das ging ihn ja schließlich nichts an, was da laufe zwischen der Dame und dem Bruder Lully…

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„Bruder Lully? Ein Mönch?“ Herr Bongartz konnte es nicht fassen. Durfte so etwas denn möglich sein? Musste man da nicht eigentlich einschreiten?

Hans zuckte mit den Schultern und guckte ihn erwartungsvoll an.

20.10.2007

Perutz - St. Petri Schnee

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:32

Ich habe anzubieten: Leo Perutz „St. Petri Schnee“. Roman, Wien 1933, erschienen bei Zsolnay und wiederaufgelegt 1960 ebendort. Als dtv Taschenbuch in der ungekürzten Ausgabe 2006, mit einem Nachwort von Hans-Harald Müller, 201 Seiten, € 9,–.

Hier ist der Plot (Ich schreibe aus dem Nachwort ab, denn es ist etwas komplizierter. S. 194: „Mit Mitteln der modernen Chemie soll der rauscherzeugende Muttergottesbrand (ein Pilz im Getreide), auch St.-Petri-Schnee genannt, synthetisiert werden, um ihn dann den Menschen zu verabreichen. Diese würden daraufhin – so die Überzeugung des Barons – in einem religiösen Massenwahn zum „Gottesglauben“ zurückkehren und das Kaisertum der Staufer restituieren.“

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Der Baron glaubt, den Getreidepilz, das Gift, überall dort geschichtlich nachweisen zu können, wo heftige religiöse Bewegungen und Glaubensexzesse ausgebrochen sind. Z.B. auch bei den Wiedertäufern in Münster (siehe Blogeintrag vom 12.09.07).

Die Geschichte spielt auch wieder im Westfälischen (eine interessante Gegend). Bei Rheda und Osnabrück. In den 30er Jahren des 20sten Jahrhunderts. Dort soll der Baron Malchin ein quasi mittelalterliches Gemeinwesen unterdrücken, den Bauern Landmaschinen verbieten, Öllampen elektrischem Strom vorziehen usw.

Sein Größenwahn ist, Nachfolger des Stauferkönigs Friedrich II. würden noch leben (er glaubt, er hätte einen solchen adoptiert) und mit seiner Hilfe – von Gottesgnaden – würde er die Herrschaft (worüber?) übernehmen können. Dieser „Übermensch“ von „echtem Blute“ würde „die Zeit verwandeln und ihre Gesetze ändern“. (S. 165)

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Nur der Pfarrer des Dorfes wehrt sich gegen die Glaubensdroge. Natürlich, weil sie an den Baron gekoppelt ist, der die Dorfbewohner von ihm statt von IHM abhängig und hörig machen könnte.

Andererseits auch, weil er als Hüter des kirchlichen Glaubens dem Wildwuchs von Schwärmern und Fanatikern Einhalt gebieten muss und sie in die rechten Schranken zu weisen hat. Außerdem- und das sagt er ausdrücklich – ist die freie Entscheidung maßgeblich. Und unter Drogen geht gar nichts.

Letztlich geht der Plan des Barons Malchin nicht auf.

Es geht hier natürlich auch um eine Liebesgeschichte zwischen dem Dr. Amberg, der als Arzt ins Dorf kommt, und „Bibiche“, der einzig deutlich dargestellten Frau im Buch. Sie kennen sich schon aus Studienzeiten in Osnabrück. Mit ihr beginnt er eine Affaire, die aber vom Baron baldigst und schwerstens gestört wird.

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(Das ist übrigens Max Ernst, und die Technik heißt “Frottage”!)

Dr. Amberg, der Ich-Erzähler, der am Anfang des Buches aus einem Koma erwacht, schildert alles so, als ob es nicht unbedingt reale Erlebnisse wären. Er sieht sich selbst als Spiegelung, hat häufig Deja vus (?), hellseherische Momente, nimmt die Umwelt und die Vergangenheit oft anders wahr als alle anderen, usw. Er hat Momente mit Gedächtnislücken (Absenzen) und schildert ein Gespräch z.B. mit wechselnden Orten und wechselnden teilnehmenden Personen.

Es geht also um Träume, in denen man leben kann und in denen einem keiner etwas wegnehmen kann. Und um die Realisierung der Träume, die dann in Verwirrung, Chaos und Unverstand endet. Wenn sie mit den Wirklichkeiten der anderen zusammenprallt.

Erzählt Dr. Amberg auf dem Krankenbett also einen Traum, den er immer weiterspinnt und weiterführt? (Ein Indiz: der permanente Geruch von Chloroform in seinem Zimmer) oder ist es doch eine schlau versteckte, geheime Wirklichkeit, von der nur wenige der teilnehmenden Personen wissen? Diese Frage bleibt am Ende offen.

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Leo Perutz, der diesen Roman über einen Fanatiker und Tyrannen 1933 schrieb, starb 1957 in Bad Ischl. Wie dann doch wieder eins zum anderen kommt…. (siehe Blogeintrag vom 20.07.07)

19.10.2007

Bongartz 2 / Salami 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:50

Herr Professor Bongartz war nicht nur einer der charmantesten und großherzigsten amerikanischen Staatsbürger, sondern, wie gesagt, in seinem Hauptberuf anerkannter Metzger- und Fleischermeister.

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Zur diesjährigen internationalen Wurstmesse in Frankfurt (Interfleisch 2007) hatte er seine Spezialität mitgebracht: Die grobe texanische Wildschwein-Salami. Eine Kreation seines Großvaters. Mit ihr hatte seine Familie schon viele internationale Preise einheimsen können. Sie war extrem selten, weil das texanische Wildschwein so selten zu finden war. Eigentlich stand es unter Naturschutz, (Familie Bongartz züchtete sie in einem eigenen großen Revier), war aber in Fachkreisen und bei Kennern als das schlichtweg „Beste“ anerkannt.

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Undine Gehscha bemerkte das Riesenstück, das Herr Bongartz zum Trocknen (es war noch zu frisch) in der frischen Luft aufgestellt hatte und fragte interessiert, was er denn mit dem widerlich fettigen Ding vorhabe.

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Für Herrn Bongartz war das ein willkommener Anlass, über die texanische Metzgertradition und die Kultur der Fleisch- und Wurstzubereitung in seiner wundervollen Heimat zu erzählen. Nicht zuletzt die 8 Generationen von Fleischern, auf die seine Familie zurückblicken konnte, erfüllten ihn mit besonderem Stolz.

Undine, die heute nichts wichtigeres vorhatte, begann, sich tatsächlich ein wenig für dieses abseitige Thema zu interessieren.

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Letztlich kamen sie dann auch auf die ethischen Fragen rund um die Tierhaltung, Schlachtung und den Fleischgenuss im Prinzipiellen zu sprechen, aber da ließ Herr Bongartz dann erwartungsgemäß den autoritären und sturen Lümmel raushängen.

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Wer Wurst und Fleisch aus so blöden ethischen Gründen ablehne, versündige sich an der Schöpfung und der Welt! Das Wertvollste und Gesündeste stecke doch in gerade den eiweißreichen Lebensmitteln, die die kräftigen Tiere aus Gottes weiter Natur den Menschen in Form von Steaks, Bouletten, Burgern, Bratwürsten, Cordon Bleu und Wildpferdsalami zur Verfügung stellen würden. Jemand, der das ablehne, sei ein Weltverächter und Umstürzler!

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Und gesund sei es obendrein. Er selbst sei seit 10 Jahren nicht mehr beim Arzt gewesen, so gut ginge es ihm. Und das würde man ihm doch auch ansehen, oder nicht?

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Undine war im Laufe dieser Rede etwas kleiner geworden und fühlte sich heftig angegriffen und in die Ecke gedrängt. Hans, der ebenfalls von Herrn Bongartz Salami-Trocknerei angelockt worden war und die letzten lauten Worte von Herrn Bongartz gehört hatte, fragte mal nach, ob er irgendwie helfen könne bzw. ob jemand wüsste, wo man hier etwas zu essen und „ein Bier“ bekommen könnte.

Herr Bongartz versprach, für Hans ein Stück Salami und ein Bier zu besorgen. Nein, Undine wollte nichts davon haben. Sie sei nicht hungrig.

Hans fand großen Gefallen an der etwas feineren Art von Riesensalami.

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Davon demnächst mehr.

18.10.2007

iaa / bmw

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:37

BMW hatte wie immer eine eigene Halle auf dem Messegelände. Thema: EfficientDynamics.

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Man wurde über eine (kaputte) Rolltreppe ins obere Stockwerk „transportiert“ (fast wie bei Mercedes) und staunte zuerst über die Menge von Scheinwerfern an der Hallen-Decke. Das war wirklich der erste Eindruck. (Wo waren die eigentlich bei Mercedes?)

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Beim Blick nach unten erkannte man die – fast wie bei Mercedes – hintereinander ausgerichteten Themen Fahrzeuge (zum Thema „EfficientDynamics“).

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Von der anderen Seite aus ging es über die Treppe / Tribüne nach unten. Es fand zu der Zeit gleichzeitig eine TV-Reportage / Aufzeichnung mit Interviews statt, die die Halle akustisch dominierten. Ein ziemliches Chaos.

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Die Tribüne selbst war voll von Menschen,…

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…von denen manche sich trotz der Lautstärke die Gelegenheit zum Dösen genommen hatten.

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(Mercedes hatte auch Ruheräume für Besucher (da gab es Hot Towels), aber die waren in der zweiten Reihe versteckt. Nicht so prominent.)

Im Erdgeschoss erwischte man dann doch noch den einen oder anderen Blick auf eine Motorhaube aus der Nähe, wenn man Glück hatte.

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Oder die BMW Technologie-Demopunkte.

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Das war BMW 2007.

17.10.2007

Marquardts 5 / Perlenkugel

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:45

Herr Marquardt (2) war der erste, der die Perlenkugel bestieg. Sie gab leicht sphärisches Geräusch und Geklingel von sich, wenn die Drähte und die Perlen sich im Wind bewegten, sich drehten und sich aneinander rieben. Sphärenklänge eben.

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Herr Marquardt (5) brauchte etwas länger. Seine Kelle war ihm wie immer im Weg.

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Aber er schaffte es dann doch und konnte den Blick in die Ferne und auf das Meer genießen.

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Als völligen Fehlschlag schätzte Herr Marquardt (4) seine Situation ein. Er war quasi in dem Drahtgeflecht gefangen und kam da unten nicht mehr raus.

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Doch dann dirigierte ihn von oben Frau von Tümmler, die den geeigneten Ausweg aus dem Irrgarten erkennen konnte, und geleitete ihn rufend zu sich hinauf.

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Und das klappte. Auf diese Weise kamen sie sich ziemlich nahe. Was Herrn Marquardt (4) sehr gefiel.

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Sie kamen sich näher…

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…und wollten am liebsten gar nicht mehr hinuntersteigen.

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Wenn da nicht das ungeduldige Rufen von Herrn Marquardt (3) gewesen wäre, der Frau von Tümmler suchte, weil er sie schon die ganze Zeit vermisst hatte. (Er meinte, er müsse sie permanent vor etwas schützen…)

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Das blöde Perlendrahtding war Herrn Marquardt (3) ziemlich egal. Er wollte lieber ein Bier trinken. Und dass Frau von Tümmler mitkommen würde, davon ging er einfach aus.

Schließlich kam sie auch, von der Kugel herunter, etwas außer Atem, herbeigehetzt, entschuldigte sich bei ihm, obwohl sie sich eigentlich nicht richtig klar war, wofür…

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Die anderen, Herr Marquardt (1) und (2), blieben lieber noch etwas auf der schwankenden Kugel und hatten ihren Spaß dabei.

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Dann kam doch noch Herr Marquardt (3) kurz dazu. Und sogar Herr Marquardt (5) machte sich noch einmal and den Aufstieg.

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Da oben sangen sie dann ihre Hymne: Das schöne alte vierstimmige Lied von der Arbeit im Waggong:

„Wir sind die Schaffner von der Bahn,
wir machen auf, wir lassen an.
Uns zieht die Lok, uns treibt der Wahn,
wir sind die Helden von der Bahn.“

„Wir sind die Schaffner rot und blau,
wir kennen jeden Zug genau.
Der Fahrplan ist unser Gebot,
wir sind die Schaffner blau und rot.“

Usw. usw.

16.10.2007

Ratzinger Funktion

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:59

Ich habe gelesen: „Ratzinger Funktion“. Texte von Thomas Meinecke, Barbara Vinken, Bettine Menke, Slavoj Zizek, Jochen Hörisch, Dietmar Dath und Felix Ensslin. Originalausgabe, Frankfurt (edition suhrkamp) 2006, 152 Seiten, € 8,50.

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„Es geht um den (damals) neuen Papst, den Katholizismus heute, es geht um GENDER Fragen. Warum bewegt die katholische Kirche immer noch?“

Ratzinger soll zwischen Popstar als Bravoposter und Dogmatiker erkundet werden. In Thomas Meineckes Monolog sind Ratzinger Zitate nebeneinander gestellt, die etwas Licht ins Dunkle bringen können. Man erkennt darin z.B., warum in Ratzingers Augen ökumenische Gottesdienste nicht möglich sind.

Zuweilen kommt einem die alte Frage wieder hoch, ob es vielleicht klüger wäre, über dieses Thema nicht mehr weiter zu reden oder zu schreiben. Jedes weitere Wort macht ja alles nur noch schlimmer. Warum verschwenden wir immer noch unsere Energie an so etwas? Wegen ihrer Macht?

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Barbara Vinken analysiert Ratzingers Marianismus (sehr spannend) und kommt zu dem Ergebnis, dass er damit alle strukturelle Frauenfeindlichkeit und allen Antisemitismus ad acta legt. Das neue weibliche Ideal der katholischen Kirche stellt Barbara Vinken als nach-modern positiv dar. Aber dann wird am Ende auch deutlich – nachdem sie vorauf gegangenen frauenfeindlichen Traditionen nachgegangen ist – dass die katholische Kirche in der Realisierung des Anspruchs zu zögerlich ist. Das ist ihr Vorwurf an Ratzinger und seine Mannschaft. (Vielleicht wunschdenkt Frau Vinken auch zuviel in den Marianismus hinein.)

Bettine Menkes Beitrag verstehe ich nicht. (Seltsam ist es, oberflächlich, den Faden verloren, zu lesen, ohne Hoffnung, dann aber mit neuem Mut den nächsten Satz und Absatz anzugehen, darauf bauend, dass darin Verständliches sich zeige: Z.B. S. 67 „Ohne die durch den Namen „das Messianische“ bezeichnete Dimension – „aus der Erfahrung, die sich von dem affizieren lässt, der (das) kommt, also vom KOMMENDEN ANDEREN“ – „gäbe (es) keinen Bezug zur Besonderheit des anderen“, d.i. jenen Bezug, der Gerechtigkeit erst und alleine ermöglicht UND je schon zur paradoxalen Anforderung macht.“ Ich verstehe gar nicht, um welche Fragestellung, um welches Problem es hier geht…

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Zweimal wird in dem Buch auf die „Orthodoxie“ von G.K. Chesterton (ja, genau der mit den Kriminalgeschichten von Father Brown) hingewiesen. Vielleicht sollte ich darüber auch einmal berichten.

Slavoj Zizek geht es unter anderem um „Glauben“, und „so tun als ob man glauben würde“. Einen schönen Satz von ihm habe ich mir notiert: „Ist die ultimative Form der Ideologiekritik heut daher nicht die Ironie? Ironie im genauen MOZARTSCHEN Sinne, nämlich die Behauptungen ernster zu nehmen, als die Subjekte, die sie äußern?“

Und dann kommt er zum Fundamentalismus. Seine These: S. 106: Skeptische Zyniker und Fundamentalisten akzeptieren nicht, dass authentischer Glaube durch einen absurden Akt der Entscheidung entsteht. Für Fundamentalisten sind religiöse Akte und Äußerungen positives WISSEN. Demnach ist der Fundamentalismus in erster Linie eine Gefahr für den authentischen Glauben.

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Aber am Schluss gibt es noch eine Lutherische Pointe über die „Excrementale Identität des Menschen“. Macht Lust, mal wieder Luther zu lesen. Deftig. (S. 117)

Jochen Hörisch beschäftigt sich mit der Medienwirksamkeit des Papstes generell und bringt spektakulär den originalen vollständigen Wortlaut des Dekrets vom „vollkommenen Ablass“ für alle Teilnehmer des Weltjugendtages 2006 in Köln. Unglaublich.

Dietmar Dath lässt in seinem Versepos „Die Auslöschung der europäischen Moderne“ in schönen Hexametern noch einmal die gesammelte Wut an der katholischen Institution aus.

Und im Monolog von Felix Ensslin geht es um die Lust an festen Werten, um die Attraktivität des Gehorchens (nicht so groß) und um den Konflikt, der darin besteht, dass man alles in Kauf nehmen muss, wenn man den katholischen festen und starken Halt haben will. Alles. Auch die Beichte.

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Und jetzt?

Einige neue Ansichten und Einsichten. Man sieht etwas klarer. Alte Befürchtungen haben sich bestätigt. Vieles ist dramatischer und schlimmer geworden. Das Kapitel ist noch lange nicht beendet. Das ist sicher.

15.10.2007

Marquardts 4 / Ankunft

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:37

Als der Zug in W. ankam, hatten sie alle Hände voll zu tun, um die schrägen Fahrgäste auszuladen. Da war zum Beispiel der Flachsteinbrocken, den sie nur mit größter Mühe von seinem Sitz herunter bekamen und auf den Bahnsteig ziehen konnten.

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Dann hatten sie natürlich den edlen alten Herr Knoblauch, gut ausgeruht aus dem Gepäckwagen, der von Herrn Marquardt (1) persönlich durch den Zoll begleitet wurde. (Lebensmittel sollte man ja hier nicht einführen.) Auf dem letzten Teil der Reise hatte Herr Marquardt (1) von dem Fahrgast einige tolle Rezepte und großartige Küchentricks bekommen, das war für ihn sehr beeindruckend gewesen.

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Und Frau Bilsom, die Geplagte, wurde von Herrn Marquardt (3) umgehend zu einem Krankenwagen geführt.

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Aber sie trafen nun auch auf ein völlig außergewöhnliches und noch fremdartigeres Ding. Mit dem wollten sich Herr Marquardt (1) und die anderen dann doch etwas länger auseinander setzen. Sie hatten ja jetzt etwas Aufenthalt, bevor es wieder zurückging.

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14.10.2007

Wolkenstein Samstag 2

Abgelegt unter: Reisen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

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Die Familie behauptet ja, es gäbe Beweise dafür, dass ich schon als Kind (Bub) schon mal hier oben gewesen (ja hier auch) und von einem wilden Tier angegriffen worden wäre.

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Bewusst jedenfalls war ich noch nie hier oben. Oder ich habe alles und alle Bilder verdrängt aber das kann ich mir fast nicht vorstellen.

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Man denkt sich oft, Helmuth Kohl könnte um die nächste Ecke kommen, so gemütlich und „typisch“ ist das hier. Einige der Wandersleute sehen auch schon sehr prominent aus. Prominente als Wanderer verkleidet. Aber gekannt habe ich natürlich niemand. Und nur weil doofe Leute etwas gut finden, muss es ja noch lange nicht schlecht sein.

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Möchte man mit so einem Blick ins Tal morgens aufwachen? Möchte man das? Ja. Man möchte das. Und warum macht man es dann nicht?

Schwierig.

(Obacht an alle, die einen falschen Wanderführer gekauft haben: Mit dem Auto kann man nur noch zu ganz bestimmten, sehr ungemütlichen Tageszeiten auf die Alm hoch fahren. Prinzipiell ist nur die Gondelbahn ab Seis (6,- € einfach) möglich. Es sei denn, man hat ein Hotelzimmer oben auf der Alm.)

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Zum Schluss gab es noch ein Wiedersehen mit dem Alm-Markt, der so langsam abgebaut wurde.

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Auf der Rückfahrt musste ich im unsäglichen Kastelruth kurz anhalten, um ein paar Geranienfotos zu machen für eine ältere Dame, die es damals, als sie mit der Familie mal dort war, so schön fand, wie die Häuser mit Geranien geschmückt waren….

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Aber da muss man wirklich nicht gewesen sein.

Und morgen geht es wieder nach Hause.

War ein Superurlaub.

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13.10.2007

Marquardts 3 / Knoblauch

Abgelegt unter: Marquardts, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:27

„Schon wieder so ein seltsamer Fahrgast hier auf dem Bahnsteig“, dachte Herr Marquardt (2). Wie sollte er den denn in das Abteil bekommen? War der auch wieder aufpreispflichtig? Oder gar schwanger?

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Herr Marquardt (5) sah ebenfalls völlig ratlos aus. Es handelte sich wohl um eine Art Knoblauchgewächs. Das war schon mal eine Erkenntnis, die weiterhalf. Aber nicht sehr viel.

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Es blieb ihm nichts anderes übrig. Er brauchte Hilfe.

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Frau von Tümmler hatte die Idee: Eine Knoblauchpresse sollte helfen. Doch das lehnten alle Schaffner von vornherein und rigoros ab. Die Sauerei auf den Sitzen und der Geruch! Den würden sie ja nie mehr aus dem Abteil bekommen! Den Waggon könnten sie ja anschließend wegwerfen! Ganz zu schweigen von dem Zustand des Fahrgastes bei der Ankunft! Das würde ja Schmerzensgeld- und Schadensersatzklagen in nie gekanntem Ausmaß bedeuten. Niemals. So konnte das Problem nicht gelöst werden.

Aber die Aufregung legte sich genau so rasch wieder, wie sie aufgebraust war.

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Nur eine Lösung blieb: Der Gepäckwagen. Und das versuchten sie dann auch. Mit vereinter Kraft schoben sie den Gast in das Gepäckabteil, neben die Fahrräder und die Windkraftrotorenblätter. Dort hatte er genügend Platz, um sich hinzulegen und sich etwas auszuruhen.

Gottseidank…

12.10.2007

Wolkenstein Samstag 1

Abgelegt unter: Reisen, Tiere, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:11

Sagen wir mal so: Heute hat alles so geklappt, wie es sein sollte, wie ich mir das vorgestellt habe. Kommt ja nicht so oft vor. Ich habe mir alle Optionen offen gelassen. Völlig stressfrei. Und siehe da: Der schönste Samstag, den ich seit langem erlebt habe.

Mehrere Wanderungen / Spaziergänge hatte ich schon gestern Abend ausgesucht und entschied mich erstmal für den Ausgangspunkt Kastelruth statt St. Ulrich. (Man kommt von beiden Seiten auf die Seiser Alm hoch.)

Die Kabinenbahn habe ich dann doch relativ schnell gefunden (die geht von Seis ab, nicht von Kastelruth!), den leichten Panikanfall schnell  mit zügigem „Nicht-Dran-Denken“ niedergekämpft, rein in die Gondel und hinauf auf die Alm. Eine lange Fahrt. Nicht schwindel erregend hoch, sogar Runtergucken war nach einer Weile überhaupt kein Problem. Selbst die Pfeiler, an denen es immer rumpelt, machten heute keinen Eindruck.

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Oben dann: Alm-Markt.

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Sehr klasse. Fliegende Händler mit Jeans für € 10,-,

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Ledertaschen, Unterwäsche und bunte Landmaschinen, um die sich die Fachbesucher drängten. Sehr engagiert und offensichtlich kenntnisreich ihre Erfahrungen austauschten und Leistungen würdigten.

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Der Wanderweg sollte starten auf der Bergstation des Puflatsch-Liftes. Ein Sessellift mit 1er Sitzen! Mit so etwas bin ich seit 30 Jahren nicht mehr gefahren. Aber irgendwie hatte mich der Mut gepackt. Das Wetter und die Stimmung waren gut, ich stellte mir vor, dass das lustig ist und schwang mich mit leichter Hilfe der Liftführerin in den Sessel, klappte den Bügel vor…

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…und los ging es.

Natürlich so, dass es am Anfang heftigst vor- und zurückschwang. Aber da war es auch noch nicht sehr hoch.

Später dann hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich abzulenken. Pfosten, an denen das Sesselgestänge über die Rollen rumpelte, unter mir 10-20 m Fallhöhe, waren das übelste. Besser wurde es, als ich den Bügel weiter einrastete (der war nur ganz wackelig und notdürftig reingedrückt!) und mich an der Stange festhielt.

Permanent plagte mich die Angst, mein Rucksack oder der Fotoapparat würden runterfallen. Oder ich. Aus dem Sessel rutschen. Oder samt Sessel runterfallen. Völliger Quatsch, aber so war es eben.

Die Sicht in die Ferne war extrem. Nichts über mir, nichts neben mir, nichts unter mir. Man hatte wirklich das Gefühl, völlig losgelöst in der Luft zu hängen oder zu schweben. (Aber ohne Antrieb, also wieder kurz vor dem Absturz!). Es war auch völlig ruhig da oben. Kein Geräusch.

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Mir war mulmig. Obwohl ja nichts passieren konnte, wie ich mir immer wieder sagte.

Ich kam oben gesund an, alles war noch an mir dran, ich klappte souverän den Bügel hoch, schwang mich aus dem Sessel und tat so, als ob ich diese Fahrt täglich 20 mal machen würde.

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Hier oben: Schönste Aussicht auf den Langkofel, Plattkofel von der anderen Seite als gestern. Und ein Rundum-Panorama, das sehr beeindruckt.

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Dann: Überall auf dem Weg zum Puflatsch Gipfel, zu den Hexenbänken, zur Arnika Hütte, zur AVS Hütte „Puflatsch“ und zurück zum Alm-Markt: Traumhafte Landschaft, unglaubliche Panoramen. Jede Ecke bietet hier neue Aussichten auf die Welt von oben wie man sie vorher noch nicht gesehen hat. Kitschig? Schon. Aber halt auch schön. Heimelig.

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Den zweiten Teil des Samstags hebe ich mir für in  2 Tagen auf. Sonst werden das noch zu viel Bilder hier.

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