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Archive für Oktober 2007

Bongartz 5 / Haken

Herr Bongartz hatte hinter seinem Haus eine Entdeckung gemacht: Einen großen alten Haken aus einer ganz besonderen Metalllegierung und wunderbar verarbeitet.

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Den musste er sich unbedingt unter den Nagel reißen. So ein Exemplar hatte er in Texas noch nie gesehen. Es war äußert sorgfältig geschmiedet, zwar schon leicht korrodiert, aber das sollte kein größeres Problem sein.

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Die Spitze hatte es ihm in ihrer Eleganz ganz besonders angetan.

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Hier war jedes Detail mit größter Könnerschaft gearbeitet. Welche Tradition und Handwerkskunst wurde hier sichtbar…!

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Die Schwingung und Beugung hier an diesem Endstück faszinierten ihn beosnders und brachten ihn vor Bewunderung und Andacht fast an den Rand der Tränen. Das Teil musste er zuhause unbedingt in der nächsten Fleischerzunftversammlung vorführen. An solchen Spießen konnte man ja ganze texanische Wildschweine am Stück räuchern!

Er versuchte, sich den Haken unter den Arm zu klemmen um ihn nach Hause zu ziehen.

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Aber leider vergeblich. Das war gar nicht so einfach. Im Gegenteil. Ganz schön schwer.

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Herr Bongartz zog und zog und wäre fast gefallen, so hatte er sich angestrengt. Aber nichts hatte sich bewegt.

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Doch dann ging es langsam. Schritt für Schritt. Die Sonne kam auch wieder heraus, der Abend sollte noch richtig schön werden. Er freute sich schon auf ein Belohnungs-Bier auf seiner Terrasse.

Und dann kam sogar noch Herr Mindernickel dazu und half ihm, das dreckige Stück (er erkannte den wirklichen Wert des Hakens natürlich nicht…) nach Hause zu schaffen.

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Und dort stellt Herr Bongartz dann alle Fragen über Frau Weichbrodt, die ihm seit ihrer ersten Begegnung vor ein paar Tagen im Kopf herumgegangen waren. Herr Mindernickel antwortete so gut er konnte, aber wurde zunehmend misstrauisch. Was hatte dieser Kerl denn mit seiner Frau Weichbrodt vor…?

iaa / mini

Ganz anders ging es bei Mini zu.

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Der Mini Clubman war dieses Jahr der absolute Hero. Und deshalb hat Mini einfach einen Club gestaltet. Zielgruppe war damit klar. Mit Musich und DJ und Licht und toller guter Laune.

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Für Alte und Junge zum Auto-Anfassen, Auto-Auf- und -Zumachen, Reinsitzen, etc.

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Oder um sich damit fotografieren zu lassen:

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Nebenan im Merchandise Shop wurde gekauft, was das Portemonnaie hergab.

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Und draußen warteten natürlich auch noch die anderen Minis auf gnädige Besucherbeachtung.

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Supi.

Lully, Hans und die Pins 2

Lully und Hans erinnerten sich auch noch sehr genau an die allererste Consumer Computer Messe in Hannover, die „CeBIT Home“. Und daran wie das IBM Signet und das Motto entstanden waren.

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Dann war die große Zeit des „network computing“ ausgebrochen, also noch vor der „e-business“ Ära. Die Pins waren aufregender und aufwändiger gearbeitet als vorher.

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Eine schöne Zeit. Dann kam das große Fragezeichen: „Kann Ihre Software das auch?“ war die Frage, die dahinter stand. „Ein Fehler, sich so was ohne Erläuterung ans Revers zu heften…“, wandte Hans wichtig ein.

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„Ich habe erfahren, dass jede Rezeption auf Missverständnissen beruht, die positive wie die negative. Man kann die Missverständnisse nicht beeinflussen oder vermeiden. Es muss sich einfach eine gewisse Menge von Missverständnissen ansammeln. Und das heißt dann Erfolg“. „Auch ein Mosebach-Zitat, was?“ „Ja, genau. Auch aus dem Spiegel Interview.“ „Ist aber nicht immer richtig. Hier: Die CeBIT Home noch mal“:

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„War ein Versuch, hat keine Missverständnisse hervorgerufen, war eindeutig nicht erfolgreich, wurde geschlossen.“ Hans war richtig in Fahrt gekommen.

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„Aber schön war sie doch. Die Zeit damals…,“ murmelte Lully ganz gedankenverloren und sentimental. „On demand und so. Die schönen Maschinen…“

Hans ließ plötzlich auch einen Laut der Verzückung hören. „Guck mal, Lully, Das hier hat auch Klasse. So was kleines, feines gefällt mir. Ohne Schnörkel.

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Und so endete dann ihr Museumsbesuch an diesem Sonntag. Den Katalog wollten sie nicht mitnehmen, der war ihnen wie meistens etwas zu teuer. Sie freuten sich auf den nächsten verregneten Sonntag.

Dahl - Tiefer Schmerz

Also wenn ich mal einen wirklich guten Krimi empfehlen darf: Arne Dahl „Tiefer Schmerz“, München (Pieper) 2006, übersetzt (an einigen Stellen knirscht es, und vom Schwedischen Umgangston ist man auch zuweilen überrascht…) von Wolfgang Butt. 410 Seiten (könnte auch länger sein), € 8,95.

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(Zu Wolfgang Butt nur ein Beispiel von S. 203: „Professionalismus“ würde ich einfach durch „Professionalität“ ersetzen.)

Arne Dahl ist ja bei seinen Mordfällen nie zimperlich, wenn es um außergewöhnliche Tötungsmethoden und Grausamkeiten geht. In diesem Buch auch nicht. Aber es hat alles seine Logik. Alles stimmt zusammen. Es ist gut gebaut und alle Themenstränge führen rechtzeitig und richtig auch wieder zusammen. Er verliert keinen Faden.

Es geht letztlich um Vergeltung, um eine Rache-Geschichte. (Man kann also auch auf der Seite der Verbrecher stehen. Zumindest ertappt man sich zuweilen dabei.) Und selten hat mich eine Geschichte in den letzten Monaten so gefesselt wie diese hier.

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Es ist nebenbei auch die Geschichte der Zerstörung eines persönlichen Paradieses, nämlich des Glückes einer der Kommissare und seiner Familie, die in den „Fall“ verstrickt sind. Unbeabsichtigt. „Alles war wunderbar und alles war falsch“, heißt es am Ende auf S. 410. Und das ist vielleicht die Quintessenz daraus. Es geht beides zusammen.

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1 Problem habe ich allerdings: Beim ersten Mord finden sie ein Wort, das die Polizei als „Epivu“ identifiziert (S. 36). Ein Professor, 90 Jahre alt, aus einem zunächst noch anderen Erzählstrang, verliert sich in der Stockholmer U-Bahn und stellt irgendwann fest, dass das Muster seiner Fahrten jeden Tag die Form eines Buchstabens nachbildet. (S. 79, 108, 110, 112) Und er setzt das Wort „Epivu“ zusammen. „Sinnlos“ (S. 112) Und genau das ist es! Später stellt sich nämlich heraus, dass das Wort gar keinen Sinn macht, sondern von den Kommissaren falsch verstanden wurde, ein Lesefehler war.

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Wie kann also der Herr Professor das Muster eines Wortes abfahren, das nur das falsche Leseergebnis der Stockholmer Polizei war? Solche Scherze macht das „Schicksal“ ja nicht, das ist Quatsch. Und außerdem ist das eine Idee von Paul Auster (in einem Teil der Manhattan Trilogie sammelt ein Mann Dinge vom Boden auf und legt dabei bestimmte Strecken in Manhattan zurück, die danach als Muster eines Wortes gelesen werden können… sehr mysteriös.) Oder womöglich von jemand ganz anderem.

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Und noch was, dann ist aber genug genörgelt: Der Herr Professor verwendet für sein zweigeteiltes Leben die Metapher eines Blatt Papieres, bei dem auf beiden Seiten ein Text steht. Dieses Bild wird später (S. 76) – für meine Begriffe unzulässig – vom Autor übernommen, auf andere Personen angewendet und von denselben für sich in Anspruch genommen. Das ist etwas komisch, fühlt sich nicht gut an. Hätte ich nicht gemacht. Na egal.

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Alles in allem ein tolles Buch. Bitte lesen. Ist rundherum empfehlenswert. Wie die anderen Krimis von Herrn Dahl. Bis auf “Rosenrot”. Wurde zwar viel gelobt, konnte ich aber noch nicht lesen und beurteilen. Ich schätze, dass es trotzdem gut ist.

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Lully Hans und die Pins

Es gab im Museum die Ausstellung über „Pins des ausgehenden 20. Jahrhunderts“.  Lully und Hans hatten sich an einem verregneten Sonntag Nachmittag aufgerafft und waren hingegangen. Lully war ein alter Sammler von Pins.

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Das abgewrackte Feuerzeug gefiel Lully ganz außerordentlich. Auch die alte französische Lilie, obwohl er nicht genau wusste, was sie bedeutete.

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Hans murmelte etwas von altmodisch und reaktionär – überlebt. Es wäre ja nichts Neues, hätte ja keine Aussage, sondern sei nur ein Abklatsch von alten Symbolen, also auch nichts wert. Was das hier in der Ausstellung solle, verstünde er überhaupt nicht.

Lully konterte: “Der Gedanke, dass Kunst ausschließlich in Erneuerung bestehe, ist Wahnsinn. Es gibt große Kunst, die gar nicht innovativ sein will und dennoch auf eine ganz schwer wägbare Weise Neues bringt.“

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„Das Neue in der Kunst ist stets das Temperament des einzelnen Künstlers. Jeder Mensch ist neu. Und was er tut, wird von sich aus, notgedrungen, unvermeidbar einen neuen Ton erzeugen.“ „Das ist aber auch nicht von dir, Lully, oder?“ fragte Hans etwas ängstlich-respektvoll. „Nein, Martin Mosebach hat das vor ein paar Tagen im Spiegelinterview gesagt. Aber hab ich mir gemerkt.“

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„Trifft das auch auf so was zu?“ fragte Hans, als sie zur Abteilung für „Gebrauchspins“ kamen.

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Der Indianer gefiel ihm dort besonders. 1996 schätzte er spontan. Der Pin war wegen seines Alters auch schon leicht angegilbt.

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„Hatten die damals kein anständiges Email, das nicht schon nach 10 Jahren vergilbt?“ fragte er sich. Andererseits gefiel ihm auch die Alters-Patina ganz gut. War auch was Besonderes.

Und dann fand er auch den Beweis für die Jahresangabe (Schätzung): Olympia 1996.

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Fortsetzung folgt in ein paar Tagen.

iaa / porsche

Bisschen abgehoben, klar. Aber ein Porsche ist halt kein Mini.

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Die brandneuen Modelle waren alle in knallrot lackiert, standen auf Drehtellern und konnten nur mit persönlicher Hilfe eines Porsche Mitarbeiters näher betrachtet werden. Einzeln natürlich.

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Er natürlich im Anzug mit roter Krawatte.

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Die anderen Modelle standen abgeschlossen etwas verschämt dazwischen.

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Extrem beeindruckend hier natürlich auch die Darstellung der Maschinen und die Frage, wie so viel Material und Technik in ein so „kleines“ Auto passt.

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Mindestens 20 edle festgeklebte MacBooks gaben alle Detailinformationen, die man wollte, wenn man wollte.

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Ich habe gehört, dass auf dem Porsche Stand Kunden mit Kartoffelsalat bewirtet werden, der aus Kartoffeln gemacht wird, die von Herrn Wiedekings eigenem Acker stammen. Das ist mir dieses Jahr entgangen. Vielleicht war er auch aus. Der Salat. Und ein Kunde bin ich leider nicht.

Das wars zur IAA 2007.

Hans / Lands’ End

Hans bekam eines Tages die neueste Anzeige von Lands’ End zu Gesicht. Und konnte es nicht fassen.

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Da hatten sich doch seine alten Wanderfreunde zum Affen machen lassen und waren für ein Fotoshooting als Models auf einen Schuh gestiegen!

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Er erkannte Erika in der gelben Jacke und Dietmar, der sich da auf einem Wanderstiefel nieder gelassen hatte.
Fesch sahen sie ja schon aus mit den schicken Kniebundhosen und den bunten Pullovern. Aber gleich mit Wanderstock – das war dann doch etwas aufgesetzt und übertrieben.

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Naja, er gönnte ihnen ihr Glück. Vielleicht würden sie ja einmal berühmt. Wie Claudia Schiffer…

Zumindest hatte der Fotograf es geschafft, sie ohne den bescheuerten Tesafilm abzulichten, der bei ihm in diesem Blog hier immer zu sehen war…

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Walser - Meßmers Reise

Ich bespreche heute: Martin Walser „Meßmers Reise“ (Roman?), Frankfurt (Suhrkamp) 2003, 191 Seiten. Die fadengebundene Leinenausgabe mit Lesebändchen wird derzeit für ein paar Euro verramscht und sollte im gut sortierten Antiquariat noch zu haben sein.

Nach ein paar Mal auf- und zuklappen habe ich festgestellt, dass die Illustrationen auf dem Schutzumschlag fast genau so aussehen wie die Notizen, die ich mir neben dem Lesen her vollkritzle. So entstehen also Bücher.

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Und so fängt das Buch also an: Einzelne Gedanken ohne Zusammenhänge, die teilweise banal sind (S. 38: „Unterwegs weiß er oft nicht, fährt er hin oder zurück.“) oder grob Meinungen oder diskutierfähige Erkenntnisse wiedergeben (S. 51: „Der Unterlegene muss dem, dem er unterlegen ist, zustimmen. Das ist der Tribut. Das ist der Grund aller Geschichtsschreibung.“), oder interessante Vorstellungen (S. 56: „Irgendwo stehen, wo Caspar David Friedrich ihn gemalt hätte.“)

Teilweise erscheint es wie dumpf-arrogantes Kokketieren mit Sachen, die er offensichtlich nicht versteht oder verstehen will (S. 89: „Vielleicht bin ich vorsteuerabzugsberechtigt?“)

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Die Geschichte baut sich aus Einzelsplittern nur ganz mühsam auf. Weil es auf S. 39 um die ehemalige DDR geht, spielt es also vor 1989. Der Schauplatz wechselt von Textblock zu Textblock. Mal in der Bahn, dann im Restaurant, mal spricht „er“, dann „wir“, dann ein „ich“. Auf S. 44 entdecken wir endlich, dass er (Meßmer) auf einer Vortragsreise ist.

Die Sprache und Formulierungen kommen  mir oft sehr angestrengt vor. Auf Teufel komm raus drechselt er Sätze, sucht die ungewöhnlichste Art, etwas auszudrücken, das vielleicht in ein Aphorismenbuch passen würde.

Das ist ganz alte Schule. Richtige Dichtung. Vom Schwaben Walser. Man muss sich ihn am Bodensee vorstellen, mit Hut, Brille und buschigen Augenbrauen, wie er um jedes Wort ringt. Eine Mischung aus Qual und Ironie. Man hat etwas Mitleid mit ihm. Alles kommt überlegt und langsam, gut gewogen und abgestimmt. Ernst und wichtig. Sätze für die Ewigkeit. Bedeutungsvoll. Wie Millionen anderer Sätze eben auch (S. 76: „Die unbeliebte Depression. Halbirre Paare nisten in ihren Zimmern, und Einzelne, dreiviertelirr, stehen auf Stühlen und ragen in die Einsamkeit“.) Bin ich nur einfach nicht empfänglich für so was?

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Das zweite Kapitel handelt von seiner Kalifornienreise. Dass es sich um eine Gastprofessur an der UCLA handelt, erfährt man glücklicherweise auf Seite 148. (Warum dieses Nicht-Informieren des Lesers? Aus welchem Grund?) Schöne und witzige Beschreibung des universitären Literatur- und Professorenbetriebes. Da wird der Erzählfluss weitaus konsistenter und lockerer.

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Weil ich 2 Lesezeichen habe, passierte es mir einmal, dass ich an der falschen (späteren) Stelle weiter gelesen habe. Versehentlich. Und es fiel mir zuerst gar nicht auf. Ich habe nichts vermisst. In der Erzählung hat nichts gefehlt. Ein gutes Zeichen? Ein schlechtes?

In Teil 3 gehen dann alle depressiv dem Abgrund zu. S. 179: „Was nützt es denn, wenn man in einem abstürzenden Flugzeug sitzt, sich einzugestehen, dass man in einem abstürzenden Flugzeug sitzt?“ Oder auf S. 181: „Das größte Glück ist, wenn ich jemanden anrufe und ich erreiche ihn nicht.“

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In der Konsequenz hat das Buch dann wieder etwas Großes. Aber so ganz klar ist das alles mir nicht geworden.

Bongartz 4 / Bildchen

Herr Bongartz liebte Sammelbildchen.

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Er hatte sein ganzes Haus und seine ganze Terrasse mit Sammelbildchen verziert, ja geradezu zutapeziert.

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Er konnte lange die schönen alten handgemalten Motive betrachten und von Zeiten träumen, als in seiner Heimat Texas noch alles in Ordnung war und die alten Werte noch galten.

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Von weitem näherte sich unsicher Frau Weichbrodt, auch sie völlig in Gedanken und fasziniert von der Sammlung.

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Wie viel Leidenschaft und Zeit wohl da hinein gesteckt worden war…? Und warum?

Sie kamen ins Gespräch. Er stellte sich als Fleischer- und Metzgermeister aus Texas, USA vor, sie war hochgradig entzückt von seiner Freundlichkeit und seinen höflichen Umgangsformen.

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Das Thema heile Welt und Werte und die 50er Jahre in Texas interessierten sie zwar überhaupt nicht. Aber die Bilder hatte sie irgendwo schon einmal gesehen. Herr Bongartz behauptete steif und fest, er habe sie teils von seinem Vater geerbt (in einer Zigarrenkiste), teils eigenhändig gesammelt.

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Na egal. Frau Weichbrodt kannte eine alte Schallplatte, dessen Cover auch mit solchen Bildchen gestaltet war. Sie verabschiedete sich höflich, nicht wirklich sicher, was sie von Herrn Bongartz halten sollte. Sie konnte ihn noch nicht richtig einschätzen.

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Herr Bongartz blieb alleine zurück. Nachdenklich.

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Und blickte sehnsuchtsvoll in die Ferne, als ob er dort eine bessere Welt erahnen würde. Der alte Romantiker. Jaja, es war schon richtig. Das war –  auch –  ein altes Plattencover. Aber eigentlich war es noch viel mehr…

Worms

Beim Dom muss man schon genau hingucken.

Er hat viel Ähnlichkeit mit Speyer, ist beeindruckend, aber natürlich nicht so groß.

Ein Chor im Westen und einer im Osten machen das Bauwerk aus.
Vom Osten nähert man sich dem Klotz und den beiden Türmen, die ziemlich dicht hinter einer Häusereihe stehen.

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Von den Osttürmen – believe me or not – hat der nördliche (das ist der rechte hier) 6 Stockwerke, der südliche (links) nur 5. Man bemerkt es nicht, wenn man davor steht, so groß sind sie. aber es stimmt. Bei gleicher Gesamthöhe. Warum? Weiß keiner.

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Das sind die Säulenfundamente auf denen die Türme ruhen. Elefantenfüße.

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Tiere gucken von den „Sohlbänken“ herunter: Widder und Bären und Löwen usw.

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Innen ist erst mal alles sehr romanisch und dunkel mysteriös.

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Und dann kommen die Glasfenster ins Blickfeld.

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Richtung Osten blicken wir auf den sehr schönen Hochaltar, den Balthasar Neumann „als offenes Ziborium in die Apsis hineinkomponiert“ hat.

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Im Westen macht die Apsis einen ganz besonderen Eindruck, weil sie etwas breiter ist als das Mittelschiff und sich erst beim Näherkommen vollständig öffnet.

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Ganz außergewöhnlich darin ist das Rundfenster, das von den „Gewölbediensten“ überschnitten wird, also irgendwie zu groß für das Wandstück ist. Wodurch diese „Fehlkonstruktion“ zustande kam, kann niemand richtig sagen.

Auch von außen bemerkt man das.

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Hier fällt auch auf, dass die „Zwerggalerie“ des hinten liegenden Mittelturmes oben von den beiden äußeren Türmen übernommen wird und die drei Teile so optisch zusammengehalten werden. Auch das ist etwas besonderes an Worms. Überhaupt verschwindet das gesamte Langhaus hinter diesem Turm-Ensemble. Ich zitiere mal: „Der Westchor stellt wiederum einen Höhepunkt der romanischen Architektur des Oberrheins, ja ganz Deutschlands dar.“ (Dethard von Winterfeld „Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umland“ Regensburg (Schnell + Steiner), 2000, S. 178)

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Innen standen Heiligen-Statuen.

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Da hingen die Kommunionsuniformen.

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Und natürlich fand man auch einige Reliquien im Kasten.

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Draußen wurde man dann durch die schöne moderne Architektur wieder erfrischt und auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht.

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