Highsmith – Ein Spiel für die Liebenden

Ich habe gelesen:

Patricia Highsmith „Ein Spiel für die Lebenden“, Roman, übersetzt von Bernhard Robben (neu 2005) und mit einem Nachwort von Paul Ingendaay, Zürich (Diogenes) 2005 in der P. Highsmith Werkausgabe, 400 Seiten. Gab es in Leinen, gebunden, mittlerweile sicherlich als Diogenes Taschenbuch.

Ich hätte die Zitate von P. Highsmith im Nachwort vielleicht zuerst lesen sollen, dann hätte ich mich nicht gewundert. Sie hält „Ein Spiel für die Lebenden“, ihren sechsten Roman, geschrieben zwischen 1955 und 1958, sie war damals knapp 35 Jahre alt, für ihr „schlechtestes Buch“ (laut ihrem Werkstattbericht): Ihr „einzig wirklich langweiliges“, das im Ergebnis nur „Mittelmaߓ ist.

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P. Highsmith hat meist eine ganz besondere Art, „Figuren in den Untergang zu geleiten“ oder, wie bei Ripley, knapp daran vorbei. Hier ist diese Art ganz schwer erträglich.

Dieses Buch ist aber trotzdem und deshalb ein gutes, weil mit dem Nachwort von Paul Ingendaay und seiner ziemlich schonungslosen Kritik der Krimi erst rund wird. Das Umfeld wird beschrieben, in dem das Buch entstanden ist, die richtigen Probleme des Romans angesprochen und eigentlich wird das Thema gedreht in: „Warum  ist das ein verkorkster Roman?“ und „Wie konnte PH so etwa passieren?“

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Worum geht es?

Eine Frau, die (mindestens) 3 Geliebte hatte, wird ermordet, übel zugerichtet, aufgefunden. Theo, der eine Liebhaber, ist überzeugt, dass Ramon, der andere Liebhaber, der Mörder ist.

Irgendwann gesteht Ramon den Mord, die Polizei lässt ihn aber laufen. Ramon besteht darauf, dass er es war, während Theodor jetzt von seiner Unschuld überzeugt ist.

Warum Theo an Ramon hängen bleibt, als der den Mord gesteht, ist nicht zu verstehen. Es führt zu endlos bedrückenden Gesprächen über Schuld und Gott und so weiter und treibt die beiden zusammen in ziemlich depressive Situationen.

PH erzählt aus großer Distanz. Alles läuft schematisch wie ein Uhrwerk ab. Zwangsläufig. Sehr konstruiert. Mit den Figuren kommt keine Nähe oder Sympathie auf (wie bei Ripley z.B., den hatten wir ja schon einmal). Man beobachtet ihre seltsamen Aktionen mit Verwunderung.

Theodor verkrampft sich an fixen Ideen und inneren Zusammenhängen auf der Suche nach dem Mörder. Den will und muss er finden, um Ramon zu überzeugen, dass er (Ramon) nicht der Mörder sein kann. Ramon sind all diese Anstrengungen egal. Und auch der Kommissar schaut Theos Bemühungen nur uninteressiert zu.

Ramon andererseits sucht einen Mordverdächtigen, um ihn vor der Polizei zu schützen, weil er sich selber ja als Mörder sieht. Theo sucht den vermeintlichen Mörder, um ihn der Polizei auszuliefern, und damit Ramons Unschuld zu belegen (die aber von der Polizei gar nicht mehr angezweifelt wird.)

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Man vermutet, dass die Geschichte irgendwann und unaufhaltsam in einer Katastrophe endet.  Und das tut sie dann auch.

Als die Deprimiertheit und Hoffnungslosigkeit und Verbohrtheit sie nach Acapulco führt, um dort den Mörder zu finden, kommt es zum Eklat, zu einem Showdown, bei dem in einem blutigen brutalen Gewaltausbruch auch ein Opfer ermordet wird, das allerdings nicht notwendigerweise der Mörder der geliebten Frau gewesen ist.

So. Das Ende verrate ich natürlich nicht. Es ist schließlich auch ein „Whodunnit“ Krimi. Im  Nachhinein also, wenn man noch einmal darüber nachdenkt, ist es dann doch noch ein ganz gutes Buch. Ich empfehle es hiermit.

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