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Archive für 20.9.2007

Steinfest - Cheng

Ich lobe hiermit ausdrücklich und empfehle zur Beschaffung:

Heinrich Steinfest „Cheng (sein erster Fall)“, München (Piper) 2007, TB 4874; 264 Seiten, € 7,95.

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Ein Krimi eines österreichischen Autors. Österreichische Krimis sind meist was Besonderes. Deshalb bitte auch beachten: Wolf Haas (alles), Alfred Komarek (dito).

Steinfest schweift gerne ab. Die „launischen Exkurse“ nennt sie der Spiegel (19.08.07), die immer gern vom Fall ablenken und aber eigentlich das sind, um das es dem Autor wirklich geht.

Diese Exkurse sind manchmal etwas gestelzt, aber nie langweilig. Der Plot auch nicht. Es gibt schöne Geschichten um die Katze Batman und den tauben Hund Lauscher, die den Fortgang der Mordaufklärung immer wieder gekonnt aufhalten und behindern.

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In diesem Band erfährt man endlich, wie Kommissar Cheng, der ein waschechter Wiener ist und kein Wort chinesisch spricht, seinen rechten Unterarm verloren hat (ein Mordanschlag im Gebirge – ein Absturz – und wie es zu seiner Schwerhörigkeit kam (ein Sturz von einer Toilettentür herunter.) Cheng muss hier viel leiden.

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Steinfests Exkurse, die sich wie zufällig aus dem Plot ergeben, sind zuweilen einfach Wutausbrüche, niedlich oder heftig, z.B. auf S. 133 zu den Charity Events der Wiener Oberschicht: „…der Höhepunkt der Barbarei, nicht der Kolonialismus, nicht die Diktatur, sondern eine Gesellschaft, die ihre Opfer zwingt, sich von ihr beschenken zu lassen…“ (Nur so als Kostprobe. Man sollte sich das auch alles mal in wienerisch erzählt vorstellen…)

Auch interessant sind andere Ausflüge, zum Beispiel zum Sinn der „Wartens“ überhaupt oder zu Behindertenolympiaden. (Die kann er gar nicht ausstehen: S. 140)

Steinfest vermeidet konsequent tunlichst alles Banale (Im Gegensatz zu mir.) Seine Todesfälle sind durchweg skurril, extravagant, stilistisch überzeugend und überraschend neu.

Neben der Beinahe-Vergewaltigung Chengs durch eine dicke Wirtin kommt auf S. 230 ein „Dr. Eberle“ vor, Menschenrechtsvertreter, mit hervorragenden Kontakten zu einschlägigen Militärregimen. (Der aber kurz darauf erschossen in seiner Jagdhütte aufgefunden wird).

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Ganz groß sind die kleinen Beobachtungen zu Lauscher, dem tauben Hund, der unter anderem „Abenteuerlust für einen menschlichen Defekt“ und ansonsten gerne die Stellung hält (liegen bleibt); oder auch zu Chengs Durchfall, der „aussieht wie die Flagge Großbritanniens“. (!?)

Insgesamt ein tolles Buch, ein komplizierter Plot mit einer gehörigen Anzahl Leichen, der aber gegen Ende in einem Rutsch erklärt wird. Und ganz zum Schluss gibt es noch eine überraschende Wendung ins chinesische.

Und man freut sich auf den nächsten Steinfest, der schon im Regal liegt: „Tortengräber“. Und den Krimi (ohne Cheng), der erst jetzt neu erschienen ist: „Die feine Nase der Lilli Steinbeck (in oben genanntem Spiegel Artikel besprochen.)

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Ich möchte etwas warnen vor „Der Umfang der Hölle“: dem konnte ich nicht richtig folgen. Alle anderen: top.

Ach ja, was ich zu Ritzel und Bertelsmanns „btb“ gesagt habe (16.08.07), gilt auch für Piper: Warum habt Ihr denn die Typo vor ein paar Monaten bei den Taschenbüchern geändert? Weil Serifen besser verkaufen? Und warum ist plötzlich ein Bildchen auf dem Rücken? Ich verstehe es nicht. Bitte: schaut doch mal, wie es die bei Diogenes machen (oder besser: was die nicht machen). Da geht es doch auch…

Danke

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