Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Heinerblog für August, 2007.
- Adelheit Tybbke (23)
- Allgemein (1092)
- Bücher (261)
- Bruder Lully (47)
- Das Orakel (8)
- Edith Hübsch (15)
- Engels (13)
- Franz (5)
- Frau von Tümmler (19)
- Frau Weichbrodt (31)
- Gottlob (4)
- Hans (55)
- Herr Mindernickel (24)
- Hilmar Stampf (20)
- Inspektor Doll (20)
- Joe (30)
- Kunst (24)
- Manfred (21)
- Marquardts (15)
- Mähchen (25)
- Mrs Johnes (1)
- Olaf Schmundt (5)
- Pflanzen (92)
- Platten (12)
- Prof. Bongartz (22)
- Reisen (354)
- Sabine Schabulsky (9)
- Tiere (28)
- Undine Gehscha (34)
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Januar 2007
Archive für August 2007
Nilpferd und Nashorn
31.8.2007 von Heiner.Eberle.
Ein Nachtrag aus dem Zoo.
An diesem heißen, verschlafenen Sonntagnachmittag, als tausende von kinderreichen Familien versuchten, die Tiere nach bestem Wissen und Gewissen auf die Palme zu bringen, war vor allem der Langmut und Gleichmut der Nilpferde zu bestaunen.

Zwei davon lagen nebeneinander und versuchten, sich nicht in ihrer Mittagsruhe stören zu lassen.

Nilpferde sehen von vorne und von hinten aus, als ob sie ständig vor guter Laune schmunzeln würden. Ist aber nicht so. Man kommt häufig um durch Nilpferde. In Afrika. Wenn man nicht aufpasst. Habe ich gehört. Mehr als durch Spinnen oder Löwen.

Nashörner dagegen sehen immer gefährlich aus. Hier kommt eines um die Kurve:

Sein Horn ist schon sehr abgeschliffen, er hatte wohl einmal einen Unfall oder eine Begegnung mit einem Jäger…Deshalb guckt er auch ganz traurig.

Hier ist Nashorn Nr. 2, vermutlich die Nashörnin. Auch sie hat ein beschädigtes Horn.
Beide leben sonst im Nashornhaus, das aussieht wie eine Pathologie oder eine Folterkammer oder ein Schwimmbad ohne Wasser.


Aber wie ein Nashorn ins Publikum pinkelt, das hätte ich schon sehr gerne mal gesehen. Ist doch sicher ein Witz, oder?
Mir fällt noch ein Zookapitel ein: Die Pelikane.
Die sind das nächste mal dran.
Geschrieben in Tiere, Allgemein | Drucken | 1 Kommentar »
Marquardts 1 / Gummibär
30.8.2007 von Heiner.Eberle.
Frau von Tümmler, eine Urlaubsreisende, hatte sich mit Herrn Marquardt (1) verquasselt, wollte aber auf keinen Fall ihren Zug verpassen.

Sie beeilte sich wie noch nie, auf das richtige Gleis zu kommen (wie oft hatte sie schon auf dem falschen Gleis gestanden und ihr Zug war irgendwo ganz anders abgefahren!), wo auch alle ihre Koffer schon auf sie warteten.

Auf dem Weg dahin wäre sie beinahe über einen Bären gefallen, der da hilflos auf dem Boden lag. (Sie wäre weich gefallen.)

Herr Marquardt (1) kam dazu und sagte nur: “Er schon wieder. Betrunken? Hoffentlich will er nicht schon wieder bei uns mitfahren!”

Allerdings: Er wollte. Und zwar an den Strand. Zum Urlaub machen. Hans, der auf dem Heimweg von der Arbeit (am Band) war, kam dazu, um mitzuhelfen, den Bären aufzurichten (er konnte sich ja kaum selbst bewegen), während Herr Marquardt (2) sich um die beste Zugverbindung zum Meer kümmerte und ihm zeigte, von welchem Gleis aus er abfahren sollte.

Als sie ihn endlich auch noch mit weiterer Hilfe von Herrn Marquardt (3) aufgerichtet hatten,…

…besprach Frau von Tümmler alles im Detail mit dem Bären und dem Zugschaffner, Herrn Marquardt (4).

Endlich kam noch Herr Marquardt (2) dazu, um die Pässe zu kontrollieren. Der Bär hatte seinen Pass heute gottseidank dabei.

Und dann konnte es eigentlich losgehen. Herr Marquardt (5) gab letzte Anweisungen, wie sich der Bär auf der langen Fahrt zu verhalten hatte…

…(der Bär hörte ganz genau zu und merkte sich jedes einzelne Wort)…
…und warnte ein letztes mal Frau von Tümmler vor den Gefahren und Risiken, denen sie sich dabei aussetzte, wenn sie ihn in ihre Obhut nehmen sollte. So ein Gummibär war unberechenbar. Allerdings war sie nicht mehr von ihrer Entscheidung abzubringen. Sie wollte auf den Bären aufpassen, dass ihm nichts geschieht.

Hans, der in der Zwischenzeit ein Bier trinken war (sein Zug hatte sowieso Verspätung), ließ sich die Situation von Herrn Marquardt (2) in allen Einzelheiten wieder und wieder erklären und wollte es nicht glauben. So eine Verantwortung zu übernehmen, hätte er der leichtherzigen und sprunghaften Frau von Tümmler nie zugetraut.

Zusammen mit Herrn Marquardt (5) beobachteten sie den Zug, wie er langsam aus dem Bahnhof fuhr und wünschten den beiden alles Gute und eine gute Erholung, am Meer.
Hoffentlich wusste der Gummibär sich zu benehmen….

Geschrieben in Frau von Tümmler, Marquardts, Hans, Tiere, Allgemein | Drucken | 2 Kommentare »
Mozart Klavierkonzerte
29.8.2007 von Heiner.Eberle.
Hier kommt eine schnelle Plattenkritik.
Weniger Kritik als schnelle Kaufempfehlung, solange der Preis noch so ist, wie er ist.
Wir sprechen von:
Wolfgang Amadeus Mozart: DIE KLAVIERKONZERTE
Gesamtaufnahme. Derek Han, András Schiff, Zoltán Kocsis, Dezsö Ranki/Klavier, P.-J. Belder/Cembalo, Philharmonia Orchestra, Musica Amphion, Hungarian State Orchestra/Paul Freeman, János Ferencsik. DDD. Brilliant Classics. 11 Hybrid-SACDs.
Gibts überall und auch bei Zweitausendeins unter der Nummer Nr. 690349 zum Preis von Achtung: € 8,99 laut Internet.
Das sollte man wahrnehmen. Ich meine, ich hätte noch was um die € 15 bezahlt, aber egal.

Beim Reinhören in die erste CD bitte nicht abschrecken lassen, da spielt Pieter-Jan Belder auf einem nachgebauten, “alten” Spinnett, das klanglich nicht ganz mit dem Orchester mithalten kann. Ab der 2. CD klingt dann aber wieder alles wie gewohnt.
Oder besser: Besser als gewohnt. Die Aufnahmetechnik ist obergut. Ich habe nur einen sehr guten “normalen” CD Spieler, ohne Stereo-Multi-Channel und ohne Möglichkeit, Hybrid CDs (”super audio CDs”) abzuspielen bzw. zu hören. Trotzdem sind es schon enorme klangliche Unterschiede zu althergebrachten Aufnahmen. Hätte ich nicht gedacht.
Von den Klavierspielern kannte ich nur Andràs Schiff; der spielt aber nur auf der letzten CD im Konzert für 3 Klaviere und Orchester. Die anderen, Pieter-Jan Belder (auf dem “Harpsichord”) und Derek Han, der die CDs Nr. 2-10 bestreitet, waren mit nicht bekannt, aber sie können das schon auch gut.

Ich gestehe an dieser Stelle, ich bin weder der Mozart-Kenner noch Mozart-Liebhaber. Steinigt mich, wenn Ihr wollt, aber die meisten Sachen sind mir oft zu lieb und nett und “richtig” und süß und vorausschaubar, kindlich, ausgewogen, usw. Eigentlich langweilig, um es auf den Punkt zu bringen. Davon nehme ich ausdrücklich aus (und ich kenne natürlich nur vergleichsweise wenig von WAM) z.B. das G-Moll Streichquintett (spannend), das Requiem und ein paar andere Sachen (Einzelnes aus Opern).
Aber ich will bitteschön nicht mehr ein Jahr lang von Klaus Maria Brandauer täglich auf SWR 2 und anderen Sendern einen von gefühlt 5.000 Briefen von “Wolferl” an sein “Stanzerl” oder den “Herrn Papa” oder Wenauchimmer vorgelesen bekommen. Nein. Bitte nicht mehr.

Zurück zum Päckchen: Jede CD hat zwischen 60 und 80 Minuten Spielzeit, macht rund 13 Stunden Mozart Klavierkonzerte. Man hat sie endlich alle komplett. In einer schönen Box. Mit jeweils kurzem Brilliant-Classics-typischen Einführungstext.

Für den, der Komplettaufnahmen liebt, weil er gerne alles komplett haben will, wie Bruder Lully z.B., ist das ein prima Angeot. 11 Multi-Channel SACDs für € 8,99 (wenns noch stimmt). einfach kaufen!
Geschrieben in Hans, Franz, Bruder Lully, Mähchen, Platten, Allgemein | Drucken | 1 Kommentar »
Lully nealy lost
28.8.2007 von Heiner.Eberle.
Bruder Lully liebte es, im Wald umher zu wandern und im Dickicht nach Überresten von Menschen oder Tieren zu suchen, die er dann als Pseudoreliquien in seinem kleinen Schrein ausstellen und für diese Heiltumsschau Eintritt verlangen konnte. Er war schon ein ziemlich geschäftstüchtiger Mönch.

Einmal geschah es, dass Bruder Lully sich völlig vergessen hatte und immer weiter in das Dickicht hineingeriet. Er war in Gedanken. In frommen und unfrommen.

Und er verhaspelte sich in den scharfen und harten Dornen der alten Rosen mit seiner weiten und weichen Soutane.

Wie es der Zufall wollte, sollte Mowing Girl heute mal wieder seine Retterin werden. Das Mähchen war (natürlich nicht ganz zufällig) zur Stelle und wurde auf des Bruders Wimmern aufmerksam.

Jedoch war Lully im Gestrüpp so fest verknotet, dass sie ihn nicht alleine befreien konnte.
Francesco, auf dem Weg zur Arbeit (oder von der Arbeit), kam gerade am Rosenwaldrand vorbei…

…und wurde umgehend von Mähchen für die Hilfsakton abkommandiert.

Francesco rief erst kurz zuhause an, dass es mal wieder später werden würde. Dann holte er Hans zum Helfen. Denn der war ebenfalls in der Gegend unterwegs, auf dem Weg nach Hause. Er hatte sich gerade auf einem alten Lenden-Stütz-Blatt ein Weilchen ausgeruht. Er war ja auch nicht mehr der Jüngste…

Um Buder Lully zu befreien, mussten sie sich mühsam von hinten durch das Rosenunterholz annähern. Das war ganz schön stupfig.

Das war schwierig und kostete sie viel Zeit. Wie Bruder Lully mit seiner arthritischen Hüfte das geschafft hatte, konnten sie überhaupt nicht begreifen. Hans und Franz hatten sich übrigens rechtzeitig Schutzcreme auf die Nasen geschmiert, um vor den gefährlichen Sonnenstrahlen zu dieser Jahreszeit (August) in dieser Höhe einigermaßen sicher zu sein. Daran hatte Lully mit Sicherheit auch nicht gedacht. Hatte sich sicherlich schon einen dicken Sonnenbrand geholt.
Schließlich kamen sie bei ihm an. Mein Gott, war Bruder Lully das wieder peinlich. Immer kam er in solche Situationen und musste sich retten lassen.
Hans war es schließlich, der Lully zuerst entdeckte. Mähchen war die andere Strecke, von vorne, gekommen, um ihnen die Unfall-Stelle zu zeigen.

Zum Schluss, wie vermutet, waren alle wieder glücklich beieinander. Die obligatorischen Ermahnungen des strengen Mähchens (der “Wärterin”) ertrug Lully mit Engelsgeduld.

Es war ihm peinlich, vor allen anderen so zurecht gewiesen zu werden. Er hatte sich ja nicht absichtlich verheddert. Sondern für einen guten Zweck.

Jetzt brauchten sie aber alle erst einmal ein schönes Bier, schlug Hans vor. Und etwas Ruhe für Lullys Hüfte.
Geschrieben in Hans, Franz, Bruder Lully, Pflanzen, Mähchen, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
Spiegel das Kätzchen
27.8.2007 von Heiner.Eberle.
Aus aktuellem Anlass empfehle ich eine Erzählung aus Gottfried Keller „Die Leute von Seldwyla“.
(Es ist wohltuend und beruhigend, wenn aus mehreren Richtungen Hinweise auf einen Text kommen, denen man dringend nachgehen muss und die betreffende Textstelle dann tatsächlich im Regal findet….)

Aber erst mal langsam und der Reihe nach:
Das Buch, das die Erzählung (es ist ein Mähchen) enthält, ist das hier: Gottfried Keller „Die Leute von Seldwyla“ (womit man uns in der Schule schon geärgert hat); Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, Band 10, Frankfurt 2006, € 15,–; entspricht Band 4 der Edition von Gottfried Keller „Sämtliche Werke in 7 Bänden“, hrsg. Thomas Böning, FFM 1989; 600 Seiten Text und 270 Seiten Kommentar und Anmerkungen, so ziemlich das beste was es an Edition zu Gottfried Keller gibt, Suhrkamp sei Dank. Zu einem Hundertseitenpreis von 1,72, dagegen kann man nichts sagen.

Um was geht es? Um Spiegel, ein Kätzchen, das seine Besitzerin verliert, verlassen ist, verkommt, nahe am Verhungern ist, und dann einen Deal eingeht mit dem Stadthexenmeister Pineiß, der ihm seinen „Schmer abkaufen möchte“, weiß Gott, wofür er den braucht. Jedenfalls schlägt Spiegel ein, denn es hat einfach Hunger. Und Essen ist das wichtigste für ihn.
„Herr Pineiß war ein Kann-Alles, welcher Hundert Ämtchen versah, Leute kurierte, Wanzen vertilgte, Zähne auszog und Geld auf Zinsen lieh; er war der Vormünder aller Waisen und Witwen, schnitt in seinen Musestunden Federn, das Dutzend für einen Pfennig, und machte schöne schwarze Dinte; er handelte mit Ingwer und Pfeffer, mit Wagenschmiere und Rosoli, mit Heftlein und Schuhnägeln, er renovierte die Turmuhr und machte jährlich den Kalender mit der Witterung, den Bauernregeln, und dem Aderlassmännchen. (…) Überdies machte er das Wetter in schwierigen Zeiten, überwachte mit seiner Kunst die Hexen und wenn sie reif waren, ließ er sie verbrennen; für sich trieb er die Hexerei nur als wissenschaftlichen Versuch und zum Hausgebrauch, so wie er auch die Stadtgesetze, die er redigierte und ins Reine schrieb, unter der Hand probierte und verdrehte, um ihre Dauerhaftigkeit zu ergründen.“ (S. 245 f)
Spiegel schafft es einmal, durch eine „Abmagerungskur“ dem sicheren Tod (durch Abkochen?) zu entgehen, worauf er von Pineiß verärgert verschärfte Mästung aufgezwungen bekommt.
Beim zweiten Mal geht er es intelligenter an. Er lässt sich eine halbwahre Geschichte einfallen, die seinen Unterdrücker und Vertragspartner an seiner Ehre, seiner Eitelkeit und Geldgier packt und schafft es, frei zu kommen, mithilfe einer Eule, ganz besonderem Schnepfengarn und einer Hexe, die nachts mit dem Besen ausreitet, tagsüber eine strenge und fromme Begine ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Beginen_und_Begarden

Sehr lieb, sehr schön, und eine schöne Sprache. Liest man nicht schnell, dafür aber mit viel Genuss. Kann abhängig machen.
Das war dieser Teil der Geschichte. Der aktuelle Anlass dazu ist dieser hier:

„Der Schrecksenmeister“, ein kulinarisches Märchen aus Zamonien von Gofid Letterkerl (wie albern). Neu erzählt von Hildegunst von Mythenmetz. Aus dem Zamonischen übersetzt und illustriert von Walter Moers. München, Piper seit letzten Freitag endlich erhältlich; 382 Seiten, Hardcover, € 22,90.

Wer das Interview mit Hildegunst von Mythenmetz aus der FAZ vom 18. August 2007 lesen möchte oder die Erwiderung von Walter Moers in der “ZEIT” vom letzten Donnerstag auf die Vorwürfe und Beschimpfungen von Mythenmetz’, er, Moers, habe geistigen Diebstahl begangen, miserabel übersetzt und willkürlich gekürzt, möge sich bitte bei mir melden.
Ich hoffe, dass das öffentliche Waschen der schmutzigen Wäsche der beiden Streithähne damit ein Ende hat. Schließlich geht es ja auch um andere Bücher, die noch einer Übersetzung und Veröffentlichung harren…
Geschrieben in Bruder Lully, Tiere, Mähchen, Bücher, Allgemein | Drucken | 1 Kommentar »
Lully im Pilz
26.8.2007 von Heiner.Eberle.
Wie das angefangen hat, weiß Bruder Lully selbst nicht mehr so richtig. Er übte die Pose des Caspar David Friedrichschen “Mönch am Meer”, allerdings “mit Pilz” und bei besserem Wetter (bei Regen ging er ja nicht mehr raus - das tat seiner Hüfte gar nicht gut. Er ging ja auch schon ganz schief und stehen konnte er auch kaum noch aufrecht. Kam alles von den kalten Mönchszellen…)

Er meinte in seiner Andacht auf einmal eine leise, wimmernde Stimme zu hören. Sie schien aus dem Innern des Pilzes zu kommen. Es waren sehr betörende Laute, die ihn um Hife zu rufen schienen. Er glaubte, er sollte hier dringend etwas unternehmen.
Lully kannte die Geschichten von jungen Mädchen und Frauen sehr wohl, die nachts, völlig unerwartet und völlig wehrlos wie sie waren, sich von dem Pilz überwältigen ließen und danach von ihm gefangen gehalten wurden. An solchen Grausamkeiten hatte der Pilz offensichtlich großes Vergnügen. Und niemand hatte ihm bisher Einhalt gebieten können.
Bruder Lully reagierte auf die Hilferufe, wie es seine Art war: Mutig und entschlossen wollte er den Dingen auf den Grund gehen. Und stieg dem Pilz aufs Dach.

Er kam höher und höher und stieg gleichzeitig immer weiter in die inneren Schichten des Pilzes hinein. Die Stimmen der jungen Frauen sogen ihn geradezu an. Er trat vorsichtig-unsicher auf dem weichen Untergrund auf, rutschte einmal kurz weg…:

Und es war passiert: Er stürzte direkt in die Lamellen hinein, die mit dem übel riechenden Verdauungssaft des Pilzes getränkt waren. Lully war sich sicher: Es war um ihn geschehen.

Er sollte hier und jetzt bei lebendigem Leibe verdaut werden. Von einem hundsgemeinen, handelsüblichen Champignon. Er ahnte auch langsam, wo die veführerischen Stimmen herkamen: Es war der leichte Luftzug, der am Rand des Pilzschirmes vorbeipfiff. Das hörte er jetzt ganz deutlich, denn er war jetzt ganz nahe dran. Da kamen die Geräusche her.
Er rief um Hife. Lange. Oft. Er wollte nicht verdaut werden. Nicht heute. Nicht so. Lange hörte er nichts. Wer sollte ihn auch schon hören?

Doch dann - wieviele Stunden mochten vergangen sein? - vernahm er von oben ein dumpfes “Ja da schau her, der Lully!”, die Stimme von Hans, dem Arbeiter am Band, der auf dem Heimweg mit Francesco war und des Bruders Hilferufe gehört hatte. Obwohl sie beide schon mehrere Bierchen intus hatten, war klar: Hier musste geholfen werden.

Und gleich kam auch Francesco herunter, der eigentlich schon zuhause hätte sein sollen. Seine Frau würde ihm wieder die Leviten lesen. Sie war so streng. Das ahnte er jetzt schon. Weil er nach der Arbeit nicht sofort nach Hause gekommen war. Aber - vielleicht würde sie es ja verstehen, wenn er als Retter von Bruder Lully nach Hause kam? Als Held? Vielleicht…

Mit vereinten Kräften schafften sie es, Bruder Lully aus den scharfen und ätzenden Lamellen zu ziehen (seine Schuhe waren schon ziemlich angegriffen) und ihn auf den Boden zurückzubringen.

Per Handy hatte Francesco in der Zwischenzeit Mähchen an den Ort des Grauens gerufen. Damit sie mit dem Champignon mal rede. So konnte es ja auf keinen Fall weitergehen. Das “Ding” war ja eine Gefahr für alle friedliebenden Menschen…

Zuerst richtete Mähchen aber ein deutliches Wort an Bruder Lully. Damit er sich zukünftig etwas vorsichtiger bewege und vernünftger benehme - er sei doch auch nicht mehr der Jüngste. Er solle doch solche Gefahren und Abenteuer bitte sein lassen. Dafür gäbe es erfahrenere Helfer wie sie oder Cable-Joe z.B.

Luly konnte soche Standpauken gar nicht ertragen. Es war ihm zutiefst unangenehm. Er wäre am liebsten im Boden versunken. Es war jedesmal dasselbe. Er wollte nur helfen und bekam immer die größten Schwierigkeiten.
Mit den Trocken-Rosen war das ja ähnlich gewesen.
(Davon demnächst mehr.)
Geschrieben in Hans, Franz, Bruder Lully, Pflanzen, Mähchen, Allgemein | Drucken | 1 Kommentar »
Die Boyband
25.8.2007 von Heiner.Eberle.
Etwas wollte ich noch nachtragen von meinem Zoobesuch in FFM vor einiger Zeit.
Nämlich die Boyband aus dem Kamelgehege (Dromedargehege?).
Gesungen haben sie da zwar nicht, aber ihre Choreographie war toll.

Der auf dem nächsten Bild war der absloute Teenie Mädchenschwarm: sooo lieb, bekam immer Püppchen und Teddybären und Söckchen usw zugeworfen. Er fand das albern und lästig, aber eigentlich hatte er es auch sehr gern.
Ganz stolz war er auf seine Frisr. Die kostete ihn jeden Tag eine volle Stunde, bis er sie so hatte, wie er wollte. Und er ließ keine/n andere/n an die Haare. Das war sein Ding.

Das folgende war der Freak. Er spielte die Rolle des Unangepassten, nahm auch morgens schon Drogen (oder tat so als ob), war wegen Selbsterfahrung und Ähnlichem schon mit dem Wandergrill in Nepal unterwegs gewesen und immer leicht zynisch drauf. Konnte sich fürchterlich über die Wärter aufregen. Was keiner wusste: Er hatte einen braunen Gürtel in Karate!

Der mt dem schwarzen “Pony” war der “älteren Vetrauten”, und der Beschützer und Sprecher der Gruppe. Die richtigen Antworten in Interviews kamen von ihm. Er war sicher im Auftreten, konnte sich benehmen, machte auch mal einen Spass (!), versemmelte ihn aber meistens, was die anderen dann sehr witzig fanden. Eigentlich war er auch Aufpasser, wenn die anderen mal wieder über die Stränge schlagen wollten und war ansonsten für alles Ernste und Seriöse zuständig.

Natürlich gab es auch die Bodyguards, die aber nur daneben lagen und stundenlang irgend etwas aus ihrer Jugend widerkäuten:

Und die Groupies aller Altersklassen, ohne die die Band nie auskam. Während der Proben war es ihnen oft tierisch langweilig,…

…schließlich kannten sie alle Songs ja schon bis zum Einschlafen. Erst danach wurden sie richtig lebendig und machten sich mit den Jungs einen schönen Abend. Wenn keine/r mehr zugucken konnte, ging bei ihnen im Gehege der Spass erst richig los….
Geschrieben in Tiere, Allgemein | Drucken | 2 Kommentare »
Hans und Franz / 1
24.8.2007 von Heiner.Eberle.
Heute darf ich 2 neue Kollegen vorstellen, die auch in der Fabrik arbeiten, in der das Riesen-Fliegen-Untier sein Unwesen getrieben hat und alle so darunter leiden mussten.

Hans ist der Arbeiter, der am Band steht, schon seit über 30 Jahren in der Firma ist und sich die silberne Ehrennadel letztes Jahr erworben hat. Sogar einen Brief von seinem Chef hat es dazu gegeben. Und einen Blumenstrauss. Sein Sohn fängt da in der Firma jetzt auch schon an, Karriere zu machen. Hat den Meister gemacht. In einer anderen Abteilung. Eigentlich wollte der ja im Ausland was werden, aber er hat den Absprung dann doch nie geschafft. Naja.

Und Franz, sein bester Kumpel, der heißt eigentlich Francesco, aber Franz liegt Hans besser, und kürzer ist es auch, also nennen in alle jetzt so. Mit Franz geht er jeden Morgen zur Arbeit und jeden Abend wieder nach Hause.

Wenn der keine Überstunden machen muss. Denn Franz ist oft draußen unterwegs bei dem gefährlichen und meist ungesicherten Überprüfen der Roststellen an den Brücken. Das kann schon mal einen schnellen Absturz bedeuten, wenn der Wind zu kräftig weht und man keinen festen Stand hat z.B. Hans ist froh, dass er seine Arbeit im Trockenen und in aller Ruhe am Band machen kann. Akkord, aber einigermaßen erträglich.

Ihr Weg führt sie jedesmal an dem großen Pilz vorbei, der sich seit einiger Zeit hier in der Stadt niedergelassen hat. Er soll aus dem tiefen Süden der Republik oder aus dem Südosten gekommen sein, aus angrenzenden europäischen Staaten womöglich, sagt man. Man sagt, dass der Pilz zuweilen sehr aggressiv sein könne, aber gegenüber Hans und Franz hatte er sich bislang immer sehr anständig benommen. Er roch nicht einmal unanständig. Im Gegenteil.

Der Pilz - so gehen die Erzählungen - soll mal Bruder Lully fast verschlungen oder erwürgt haben, wenn nicht Mowing Girl geistesgegenwärtig Hans und Franz zuhilfe gerufen hätte.

Doch dazu später mehr. Das könnte nämlich eine längere Geschichte werden. Bruder Lully steckt ausserdem ständig in Schwierigkeiten, aus denen ihm immer jemand heraushelfen muss. Irgendwie ist er dafür geschaffen. Er zieht solche Situationen förmlich an, ist dann völlig hilflos. Und er lernt auch nichts daraus. Das schlimmst aber: je tatteriger er wird, desto haariger die Abenteuer, in die er sich begibt.
Zu guter Letzt hat er sich auch noch in eine schöne, nicht mehr ganz so junge, Japanerin verliebt. Aber das geht ja aus ganz vielen Gründen überhaupt nicht….!
Wie gesagt: Dazu später mehr.
Geschrieben in Franz, Hans, Pflanzen, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
Raabe / verkauft
23.8.2007 von Heiner.Eberle.
Nicht ich habe was verkauft, sondern ich habe mich verkauft, also einen Fehlkauf getätigt, das ist alles, was ich hier berichten wollte. Und ein bisschen jammern wollte ich. Darüber, dass man so langsam älter wird und nicht mehr im Kopf hat, was zuhause so im Regal abhängt.
Folgendes ist der Anlass:
Letzten Samstag war ich ganz stolz an der Kasse bei Hugendubel gestanden und habe für irgendwasundzwanzig Euro “Meistererzählungen” von Wilhelm Raabe erstanden.
Ich habe zwar noch nie was von Raabe gelesen, aber über Rolf Vollmann (”Die wunderbaren Falschmünzer”) nur Gutes von ihm gehört. Also dachte ich: Klassiker, Manesse Verlag, schönes Buch, handlich, für die Ewigkeit gemacht, kauf ich. Wird sich schon mal eine Gelegenheit ergeben, es zu lesen. Stück für Stück.
Zuhause überkam mich beim Auspacken dann doch schon bedrohlich der Gedanke: “Das Buch hast Du womöglich schon”. Und tatsächlich: eine ältere Ausgabe (anderes Bild auf dem Titel, ansonsten dasselbe Buch, Auflage 1998, 2005 gekauft), stand zwischen anderen dt. Klassikern im Fach.

Die Enttäuschung (kein neues Buch!) und der Ärger waren groß, die Umtauschaktion montags nervtötend.
Als Ersatz und zum Trotz habe ich mir zum gleichen Preis, auch von Manesse, was sehr obskures beschafft: Stratis Myrivilis: “Die Madonna mit dem Fischleib”, eines der “bedeutendsten neugriechischen Prosawerke”, etwas, das schwankt zwischen Exotischem, Mystischem, Erotischem, auf rund 730 Seiten. Was ein Schmölker. Lag einfach dort so rum, auf dem Krabbeltisch. Hugendubel wird auch immer obskurer…

Man darf gespannt sein. Sobald ich es gelesen habe, gibt es hier eine Besprechung. Selbstverständlich.

Geschrieben in Bücher, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
Mowing Girl 7 / Erdmännchenrennen
22.8.2007 von Heiner.Eberle.
Nachdem die Sache mit dem Fliegen-Riesen-Monster geklärt war, machten Mowing Girl und Cable-Joe Wettrennen. Das machten sie gerne. Ihr fahrbarer Untersatz war dafür wie geschaffen. Zwar war Joe mit dem Quad (und ohne Kabelanhänger) geländegängiger, dafür konnte Mähchen engere Kurven fahren.
Sie hatten sich heute den Rundkurs beim Erdmännchen ausgesucht.

Joe startete von links, Mähchen von rechts.
Joe hatte leichte Startschwierigkeiten - Mähchen ging reativ schnell und problemlos gleich in der ersten Runde in Führung.


Mit ziemlicher Speed ging es durch die Holzbeinschikane durch, gleich danach in eine abschüssige Rechtskurve, die Mähchen auch noch als erste nahm.

Dann wurde sie von Joe aber heftig attackiert und zur Seite gedrängt. Sie stieg in die Eisen, um nicht gegen die Holzbeine zu schrammen, schimpfte laut, aber…

… natürlich war Joe der Sieger des Zweikampfes.
Aber nur diesmal. Da war sie sich ganz sicher. Und sie machte ihm das auch deutlich klar. Sie war sauer. Sie würde das nicht auf sich sitzen lassen. Beim nächsten Mal würde sie ihm zeigen, wer den heißeren Reifen fährt.

Für heute verabschiedeten sie sich vom Erdmännchen und ließen den Tag ruhig ausklingen.


Geschrieben in Kunst, Tiere, Joe, Mähchen, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »