Heinerblog

21.7.2007

Fass es nicht.

Abgelegt unter: Kunst, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:05

Es ist heute mal wieder spät geworden. Bei der Arbeit. Zuhause gibt es natürlich keinen Parkplatz, weil sich hier im Vergnügungsviertel, wo ich wohne, an einem Sommerabend eben viele vergnügen. So soll das ja auch sein.

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Für mein Auto habe ich also in ca. 15 min Fußweg-Entfernung einen Stellplatz gefunden (auch ziemlich verkehrswidrig, aber noch einigermaßen im Rahmen), war noch im Minimal einkaufen - gottseidank hat der bis 10 Uhr abends offen! - und finde dann, endlich zuhause angekommen, in meinem Briefkasten ein Schreiben des Ordnungsamtes der Stadt.

Ich freue mich schon: Es betrifft meinen Anwohnerparkausweis. Den habe ich ändern lassen, weil ich seit einigen Wochen stolzer Besitzer / Fahrer eines neuen / anderen Firmenwagens bin. Muss man ja den Ausweis von dem alten auf das neue Kfz Kennzeichen umschreiben lassen.

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Damals also erstmal Website der Stadt angeguckt, per Suchfunktion zu “Anwohnerparken” gekommen, bei der angegebenen Telefonnummer ein paar mal angerufen und alles besprochen: Alten Ausweis hinschicken, € 5 Gebühr überweisen und alles klar. Weil es ein Firmenwagen ist, muss noch die Bestätigung des Arbeitgebers dazu, dass ich das Auto auch privat nutzen darf, sonst geht nichts.

Sicherheitshalber habe ich mir eine Kopie des alten Ausweises gemacht, samt Notiz, sichtbar hinter der Windschutzscheibe für eventuelle Ordnungskräfte gesteckt, die zügig Strafmandate ausstellen, wenn sich jemand ohne Parkausweis auf die markierten Flächen stellt (solange die Berechtigten das alleinige Recht haben, dort zu parkieren. Dieses Vorrecht verwirken sie jedoch gegen 22.00 Uhr. Dann darf jeder.) Die Notiz sagt, dass ein neuer Ausweis vom Wagenhalter beantragt wurde und man doch bitte von der Verhängung einer Geld- oder Prügelstrafe absehen möge.

Website -Telefon - Überweisung - schriftlicher Antrag - Arbeitgeberbestätigung - Hinweis für Ordnungskräfte - ich dachte wirklich, ich hätte alles getan und heute liegt mein Ausweis im Briefkasten. Immerhin sind seit der Beantragung bis heute 15 Tage vergangen. Aber nichts da.

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Das Schreiben informierte mich in sehr freundlicher Sprache, das Amt benötige “das zum bereits zurückgesandten Bewohnerparkausweis dazugehörige, weiße Erlaubnisschreiben vom 26.09.06 im Original, welches mit dem grünen, hiervon abtrennbaren Bewohnerparkausweis ausgehändigt worden war.”

Nach Eingang des “Original-Erlaubnisschreibens” gehe mir der geänderte Parkausweis postalisch zu.

Ich wusste gar nicht, was gemeint war, aber dann verstand ich: Das Papier, an dem der Ausweis hing, perforiert, zum Abtrennen.

Um die Sache kurz zu machen: Ja, ich habe das Ding dann doch noch gefunden. (Bei mir geht ja fast nichts verloren.) Und tatsächlich steht da auch drauf, dass man die Erlaubnis bei Änderung / Verlängerung etc. wieder einschicken muss. Aber wer denkt denn an so was! Ich habe es ja nur aus Blödheit und Aktensammelwut aufbewahrt!

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Jedenfalls kann ich jetzt den Vorgang (€ 5!) hoffentlich einem guten Ende zuführen. Für alle, die einen Parkausweis haben oder verlängern oder beantragen wollen: Alle Unterlagen aufbewahren. Man weiss nie, wer die eine oder andere irgendwann mal wieder braucht.

Einen Parkplatz ums Haus herum hat man dennoch nicht sicher.

20.7.2007

Bad Ischl

Abgelegt unter: Reisen, Kunst, Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 03:31

Ich wolte noch ein paar Bilder nachliefern von meinem letzten Urlaub in Bad Ischl, bevor mein nächster Urlaub anbricht.

(Wie sich das anhört: Als käme ich vor lauter Urlaub nicht dazu, Urlaub zu machen oder die Bilder vom Urlaub zu posten…)

Hier ist der Teil der Stadt Bad Ischl, wo ich ungefähr gewohnt habe (am Ufer):

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Das war beim Schloss des Erzherzogs:

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Sowas findet man überall, aber hauptsächlich auf Königin Sissis Wanderwegen:

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In Hallstadt am Hallstädter See war’s regnerisch und deprimierend, vor allem dort, wo die Schädel der Toten aufgebahrt lagen.

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In den Kirchen fand ich das Licht auf den Sitzbänken so anheimelnd-spannend:

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In Bad Aussee das älteste Kirchlein, das man innen nur hinter Glas besichtigen kann!:

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Hier ist ein Bild auf den Mondsee hinunter:

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Und das ist eine Sammlung von Engeln aus verschiedenen Kirchen:

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Hier am Attersee hat Gustav Mahler seine 2. und 3. Symphonie komponiert (man stelle sich die Musi dazu mal vor !):

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Und hier, am unheimlichen Offensee war ich wandern:

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Die schönsten Aussichten hatte ich aber am hinteren Langbathsee. Dass es so schöne Stellen noch gibt, so ganz ruhig und fast ohne Menschen: Großartig.

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So. Jetzt wäre das also auch erledigt.

Wird bald mal wieder Zeit für eine Mähchen- und Joe-Story…

19.7.2007

September

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 02:40

Der September wird spannend.

Aus mindestens 2 Gründen.

Zum einen startet ein neuer Verlag seinen Weg durch den deutschen Büchermarkt. Zum anderen geht eine der wichtgsten “belletristischen” Buchreihen in neue Hände über.

Ich mach mal wieder Werbung: Der neue Verlag kommt aus der Frankfurter Lindenstraße und heißt “Verlag der Weltreligionen”. Frau Ulla Berkèwicz und ihr wissenschaftlicher Beirat haben eine Großtat vor sich, die in der schnellebigen Zeit ihresgleichen sucht. Aber immerhin: Es geht ja um die “letzten Dinge”.

Im September diesen Jahres startet also das Programm mit zunächst (!) 6 Quellentexten, 7 Einführungen und Monografien und 4 Taschenbüchern. Rund 80 Titel sind derzeit in Vorbereitung. Der zur Gründung des Verlages am 1. Juni 2007 erschienene “Almanach zur Eröffnung des Verlages der Weltreligionen” (sehr empfehlenswert: ein dicker Wälzer, fadengeheftet, mit Abbildungen für € 10,–) gibt jetzt schon eine Übersicht und Kurzeinführungen in die wichtigsten Publikationen bis Herbst 2013.

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Man erkennt schon daran: Dem Verlagshaus ist es ernst.

Weil ich das nicht besser beschreiben kann als der Verlag selbst, gibt es hier nur einen Link, von dem aus alle Informationen erschließbar sind:

http://www.verlagderweltreligionen.de/

Das Spannende daran: Das Programm ist absolut “überkonfessionell” und bietet in vielen Richtungen überhaupt zum ersten mal Zugang zu den Urtexten in deutscher Übersetzung. Dass Frau Berkèwicz und das Haus Suhrkamp / Insel das Risiko dieses Mammutprojektes eingehen, ist erstaunlich und ermutigend. Und muss dringend unterstützt werden.

Zweites Ereignis: “Die Andere Bibliothek”, gegründet 1985 von Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno, geht in andere Hände über.

Nicht, dass ich Klaus Harpprecht und Michael Naumann die Herausgeberschaft nicht zutrauen würde. Vielleicht werden sie meinen Geschmack sogar noch besser treffen als HME und sein Team, deren Auswahl zuweilen schon etwas seltsam war - - - aber dann doch wieder so großartige Überraschungen bot, dass man nur den Hut ziehen konnte (Sage nur: D’Arcy Wentworth Thompson “Über Wachstum und Form” von 1917).

Oder das hier: Ilya Tojanow, “Nomade auf 4 Kontinenten”, sein 2. Buch über den Abenteurer Sir Richard Burton, der letzte große Coup in der Buchreihe. In allen Kritiken als “opulentes” Werk über alle Himmel gelobt. Hat Goldschnitt, 2 Lesebändchen, ist in schwarz, grün und gold gedruckt, usw. (Franz Greno ist schon ein begnadeter Buchkünstler. Was macht der eigentlich ab September?)

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Nein, um das geht es gar nicht. Vielmehr sind mir die beiden Herren zu seriös. Zu wichtig, zu konservativ. Ich glaube nicht, dass sie genügend Mut haben werden, die Spannung zu halten.

Aber ich werde es ja sehen. Habe ich übrigens schon damit angegeben, dass ich alle Bücher der Anderen Bibliothek besitze - bis auf eines davon Erstausgaben? Dann sei das hiermit geschehen.

Für alle, die sich informieren wollen, wie die Bücher demnächst aussehen, welche Titel kommen werden und wer die “Buchmacher” sind (Herausgeber und Gestalter) bitte diesem link folgen:

http://www.eichborn.de/_ab/ab_neu.asp

Genug des Anpreisens und skeptischen Beobachtens für heute. Wer eine Meinung dazu hat, schreibe bitte einen Kommentar. Ich liebe Feedback.

18.7.2007

Cable-Joe und das Kartoffelrätsel

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 08:36

Eines schönen Samstag Nachmittags war Cable-Joe im Grünen unterwegs. Er sammelte für das Sonntagsessen Feigenblätter, trockene, gegorene Rosenblüten und Berglavendel.

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In einer Ecke des Gartens, versteckt im Schatten, entdeckte er etwas seltsames: Ein ganz neuartiges Gewächs wuchs hier auf einer großen, schon verhutzelten Kartoffel. Es machte sich breit in fast geometrischen Formen, und sah sehr rätselhaft und fremdartig aus mit seinen Wucherungen, hervorstehenden haarigen Zapfen und der grau-grünen Farbe. War das giftig? Er näherte sich vorsichtig. Seine Neugier war groß.

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Er spürte ein leichtes Angst-Kribbeln im Bauch. Der Kartoffel-Schmarotzer stank enorm, eigentlich sollte er hier weg, dachte er. Er konnte förmlich hören, wie dieses Wesen sich ausbreitete, ihm entgegen, von ihm offensichtlich Besitz ergreifen wollte und ihn immer weiter in sich hineinzog.

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Es gelang ihm aber nicht. Joe konnte sich freimachen. Dank der Sonnenbrille und des Helmes, die gefährliche Schwingungen und Strahlen weitgehend von ihm abhielten, kam er gerade nochmal davon. Er schnitt ein kleines Stück des Grünzeugs ab, packte es ein, um dieses rätselhafte Kartoffeldings zuhause in Ruhe zu untersuchen und machte sich wieder auf den Rückweg - froh, diesem Ungetüm entkommen zu sein.

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Von unterwegs nahm er noch ein paar Blätter Braunklee, der so satt im Abendlicht leuchtete, für den Salat am Sonntag mit. Mit sowas konnte er Mähchen immer wieder glücklich machen. Sie würde stolz auf ihn sein, vor allem darauf, dass er wieder mal ein so heftiges Abenteuer unbeschadet überstanden hatte.

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Aber Kartoffelsalat würde er die nächste Zeit erstmal meiden.

17.7.2007

Tschaikowsky

Abgelegt unter: Platten, Allgemein — Heiner.Eberle @ 08:20

Ich höre mich gerade durch eine 7-CD-Box von Brilliant Classics (dieses holländische Unternehmen für klassische Musik, das ich hier schon mal erwähnt habe, glaube ich):

Pyotr Ilyitch Tschaikowsky “Symphonies Complete”, eingespielt in den späten 70ern und 90ern für die EMI vom englischen Philharmonia Orchestra und dem Philadelphia Orchestra unter Ricardo Muti, der das natürlich alles hervorragend im Griff hat. Da gibts nichts zu kritisieren.

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Es ist alles drin in der Box: Außer den Symphonien auch Schwanensee, Romeo und Julia, Francesca da Rimini (kannte ich gar nicht…), die Streicherserenaden op. 48 und natürlich auch die unvermeidliche Overtüre “1822″.

Mit “1822″ haben die Early Adopters in den 80er Jahren zeigen können, was ihre neue CD Anlage hergibt, weil man am Ende des Stückes (in dem die Russen die Armee Napoleons aus St. Petersburg vertreiben) echten Kanonendonner hört und damit Lautsprecherboxen sprengen konnte. Die Dynamik hätte bei Vinyl LPs den Tonabnehmer aus der Rille geschmissen. Also ein sehr bescheuertes Stück.

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Das Booklet bringt ca. 1 Seite Text pro Symphonie, das ist erstmal wenig, aber es hat mich hier nicht weiter gestört. Schließlich ist es ja wieder ein typisches Brilliant Produkt: Gute Lizenzaufnahmen zusammenpacken, platzsparend in eine schöne Box und dann ein Preisschild darufkleben, das überzeugend ist: Die 7 CDs gibts bei Zweitausendeins für € 13,99!

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Und die Musik ist natürlich so richtig was zum Schwelgen. Also - wer noch nichts von PIT hat, hier ist die Einstiegshilfe.

(Gerade neu erstanden habe ich von Brilliant Classics eine tolle neue Kiste: Edvard Grieg “Edition” mit allem drin: 4 CDs Orchesterwerke, 3 CDs Kammermusik, 7 CDs Klavierstücke und 7 CDs Lieder. Also 21 CDs für: € 24,99. Das sind € 1,19 pro CD. Einfach unschlagbar. Habe aber noch nicht reingehört. Sie liegt jetzt erst mal rum.)

16.7.2007

Beben

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 02:09

Heute habe ich mal wieder ein Buch fertiggelesen. (Vor lauter Blogschreiben komme ich nicht mehr dazu.)

“Das Beben”. Martin Mosebach, 412 Seiten, Hardcover Hanser 2005, Taschenbuch dtv 2007, € 10,–.

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Mosebach ist Frankfurter, Essayist und Romanautor, sogenannter konservativer Stilist (immer gleich daneben genannt “…in der Tradition von..” Thomas Mann und Heimito von Doderer) und Büchnerpreisträger 2007.

Erst neulich ist Professor J. Ratzinger Mosebachs Anregung gefolgt und hat den Schritt zurück vor das 2. Vatikanische Konzil gewagt, die lateinische Liturgie in katholischen Messen wieder zuzulassen. (Der direkte Zusammenhang ist vielleicht übertrieben, aber steckt vielleicht nicht doch mehr hinter der Koinzidenz?)

Der Erzähler des Romans, Architekt, flieht mit einem Hotelbauauftrag nach Indien, nachdem er gemerkt hat, dass seine Geliebte Manon, die Tochter seines Auftraggebers, ihn hintergeht (mit einem Maler!). In Indien treffen sich nach einiger Zeit beide wieder und finden über viele Widrigkeiten so halbwegs wieder zusammen.

“”Liebende, sich wiederfindend” - gab es jemals ein derart ratloses Liebespaar wie uns?” (S. 334)

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Viel an der Faszination der Geschichte macht die Atmosphäre von Indien, dem Königshaus von Sanchor aus, die das Beziehungsdrama und alle Beziehungen darum herum in völlig fremdem Licht und sehr klischeefrei erscheinen lassen.
Großartig geschildert sind die Ansichten und Verhaltensmuster der völlig zeit-, welt- und geschichtsunabhängigen indischen Aristokraten und Mitgliedern des Königsfamilie.

Die Beschreibung der Begnungen des Indienfahrers mit dortigen Tieren ist Herrn Mosebach sehr toll gelungen: Mit der heiligen Kuh schon am Flughafen (S. 113 f, kann man auch bei Amazon als Ausschnitt vor-lesen) und anderswo, von der es dann biblisch und bachisch auch heißt: “Sie stand wie ein Denkmal am Straßenrand und achtete der Autos nicht, die an ihr vorbeisausten” (S. 115). Er malt ein Bild der Bienen und ihres totalitären Staatswesens vor seinem Fenster (S. 361) und einer sagenhaften Begegnung des Königs mit einer geschmückten heiligen Kuh im Dschungel. (S. 344)

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Ich bin über Formulierungen gestolpert, die ich so auch schon lange nicht mehr bzw. noch nie gelesen habe: “Das karierte Baumwollhemd verbarg wohl ein Bäuchlein von edlem Schmer.” (S. 197). “…diese Frau mit ihrer mir jetzt geradezu hämmernd erscheinenden Gesundheit…” (S. 230). Seltsamerweise kam mir auch das Wort “Bambussopha” ganz fremdartig vor. (Auf deutsch sagt man Rattan dazu, oder?)

Nicht diskriminierend, sondern in einer Mischung aus Respekt und freundlicher Ironie beschreibt er die Personen, denen er begegnet und zitiert z.B. die Bezeichung der königlichen Hoheit im indischen Slang: “Hiseinis” (= His Highness), sodass ich jedesmal grinsen musste.

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Das Buch fordert zum konzentrierten Lesen auf, wenn man alles genießen will. Die Lust, dem Inhalt nachzufolgen ist der eine Teil des Vergnügens. Die Art und Weise, wie er die Formulierungen und Sätze zusammendrechselt, ist der andere Teil.

Besonders schön fand ich öfters die Komposition von erhabenen und völlig banalen Themen und Inhalten. Z.B. hier in der Leseprobe, wo er ganz elegant die “höchste Bienenhaftigkeit”, den Kölner Dom und die Luftpolsterfolie zusammenbringt, deren Blasen Manon platzen lässt und damit irgendwie dem Architekten ihr Innerstes offenbart…

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Die Formulierungen gehen manchmal auch daneben oder sind nicht zuordenbar / zu weit hergeholt, z.B. beim Schuhflicker (S. 396) “Wie er sein Material ergriff, als sei es Fleisch von seinem Fleisch.” Also bitte…

Im Betrachten des Schuhflickers, der die teuren, handgearbeiteten Schuhe des Mitteleuropäers mit Autoreifengummi repariert, findet der Architekt Erleuchtung, Erkenntnis und inneren Frieden. Seine Beziehung zu Manon nimmt danach eine letzte dramatische Drehung, der König bekommt einen Schlaganfall und das Buch neigt sich dem Ende zu.

Ich empfehle es hiermit. Es ist ein gutes Buch.

15.7.2007

Die Neue

Abgelegt unter: Pflanzen, Allgemein — Heiner.Eberle @ 02:38

Seit einigen Tagen tut sich tatsächlich was bei meinen Rosen auf dem Balkon.

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Ich hätte ja nicht gedacht, dass das noch was wird, aber heute Nachmittag hatte ich eine schöne pralle Knospe, die voraussichtlich morgen aufgehen und bei 36 Grad im Schatten (= 50 Grad Minimum aufm Balkonbeton) sofort vertrocknen wird.

Vielleicht sollte ich ihr einen Sonnenschutz geben… Mal sehen.

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Man kann sich richtig in die Details vergucken. Das “Material” der Blätter und die Struktur der Oberflächen sind phantastisch.

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Und nebenan ist tatsächlich schon die nächste, die sich angemeldet hat zum Blühen. Sehr schön.

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(Schon wieder ein Blogeintrag ohne Joe oder Mähchen… Ich weiß. Kommt bald.)

14.7.2007

Knast

Abgelegt unter: Kunst, Allgemein — Heiner.Eberle @ 11:07

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Das Deutsche Architekturmuseum hier in FFM hat die Ausstellung im alten Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße (quer zur Zeil, beim Gericht) bis 30. September verängert.

Es lohnt sich. Die Ausstellung heißt “Gewahrsam. Räume der Überwachung”.

Man sieht die Zellen, die Zimmer der Beamten, man sieht die Kaffeeflecken auf den Heizkörpern, die abblätternden Deckenfarbe, und man riecht es.

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Eigentlich will man auch gar nicht so genau wissen, was in den einzelnen Zellen und Verhörzimmern passiert ist. Ich stand schon leicht abgeekelt und natürlich fasziniert davor.

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Es ist eine Welt, in die man nicht gerne oder absichtlich eintauchen möchte. Sie soll ja auch nicht einladend sein. Genau deshalb ist es so faszinierend, denke ich.

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Hier ist ein link mit mehr Informationen dazu. (Rechts im roten Bereich in “Ausstellungen” klicken und dann bis zum 5. Abschnitt runterscrollen.):

http://www.dam.inm.de

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In einer der Warteräume oder Verhörzellen war auch eine Seitenausstellung zu Giovanni Battista Piranesis “Carceri”, einem sehr speziellen, wohl etwas irren, von mir hochgeschätzten Rennaissance “Grafiker”.

Man kann ihm fast nicht entgehen. In dem Schmöker von Steffen Kopetzky “Grand Tour - oder die Nacht der Großen Complication” zum Beispiel geht es nicht nur um die Sonnenfinsternis, Russinnen in Baden Baden, die erste mechanische Armbanduhr mit Jahrtausendanzeige und die Geheimnisse der europäischen Zugfahrpläne und Schlafwagenerlebnisse: Der “Hauptdarsteller” - im Nebenberuf Schlafwagenschaffner - ist eigentlich Architekturstudent und schreibt eine Arbeit über die möglichen “Fluchtwege aus Piranesis Carceri”.

Die würden mich sehr interessieren. Denn es gibt keine. Die 16 Radierungen seiner “imaginären Kerkerwelt” sind ohne Ausweg.

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Dazu später einmal mehr. Ich bin etwas abgeschweift.

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Zurück zum heimeligen Tee.

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Bis demnächst.

13.7.2007

Mehr zu Cable Joe 2

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 00:36

Manchmal ging er einfach so und völlig sinnfrei auf Tour. Allein das Rumdüsen ohne Ziel und Verstand machte ihm einen Heidenspaß und blies sein Hirn wieder frei.

Er bretterte über Gummicurbs von neugierig fragenden Wandhaken oder erklomm die kalten Höhen der Topfdeckel.

Hin und wieder wurde er zwischendurch auch mal zu einem Einsatz gerufen, wenn es z.B. um ein unbeaufsichtigt herumrauchendes Räucherstäbchen ging. Oder so.

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Cable-Joe entdeckte völlig unbekannte Hochebenen, erforschte bislang nicht kartographierte Landschaften und katalogisierte Gattungen von z.B. befahrbaren Weinbergschnecken:

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Ein andermal war er unterwegs, um die Heilkraft von Rundkörpern unterschiedlichen Materials zu untersuchen. Insbesondere sollte das “Grüßende Tigerauge” und die “Geschliffene Palmholzkugel” Rücken und Schultern entspannen und Entzündungen vorbeugen.

(Mähchen litt sehr darunter, vor allem nach einem langen und anstrengenden Tag auf der Maschine…)

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Aber wenn es die Zeit erlaubte - und manchmal nahmen sie sich die Zeit einfach - organisierte er ein großes Sahneeis für sich und sein Mowing Girl. Zu anfang hatten sie noch Probleme weil das Eis so hoch oben war, aber dann warfen sie es einfach um und hatten viel Spaß damit.

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Zu ihrem Geburtstag schenkte er ihr tausend Aquamarine. Die hatte er als Kind vom Speicher seines Großvaters mit nach Hause genommen. Zum Spielen. Sein Großvater war Goldschmied und Fasser von Beruf gewesen und hatte unermessliche Schätze an Edelsteinen auf dem Dachboden versteckt. (Eigentlich waren sie nicht einmal versteckt. Sie lagen da so rum. In Kisten und Tüten.)

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Ob die Steine alle echt waren oder nicht, wusste er nicht, es spielte auch überhaupt keine Rolle. Auch für Mähchen nicht. Sie war einfach nur baff. Und glücklich.

Schluss für heute.

Beim nächsten Mal gibts das Abenteuer von Cable-Joe und den Killerkarotten. Das wird brutal.

12.7.2007

Il Teuzzone

Abgelegt unter: Platten, Allgemein — Heiner.Eberle @ 00:18

Mal ernsthaft:

In aller Regel bin ich sehr begeistert von den CDs der Firma Brilliant Classics, die unter anderem bei Zweitausendeins zu bekommen sind.

http://www.zweitausendeins.de/stoebern/?key=Brilliant%20Classics

Nicht nur der Preis ist kaum noch zu unterbieten (bei CD Boxen im Durchschnitt unter € 2,00 pro CD), auch die technische Qualität der Aufnahmen ist zumeist erstklassig, wie auch die künstlerische Leistung der Musiker / Solisten, etc. Auch wenn es keine “Weltstars” sind wie LangLang oder so.

Meistens. Hier, bei dieser Vivaldi Oper, musste ich mich quälen. “Il Teuzzone” von Antonio Vivaldi, als 3 CD Set mit dünnem Booklet von Brilliant Classics, ist sehr anstrengend.

So um 1720 herum hatte man in Italien Geschmack an allerlei chinesischer Folklore entdeckt und so ist auch der Plot dieser Oper eine Geschichte um komplizierte familiäre Verwicklungen und politische Intrigen bei der Thronfolge des chinesischen Kaisers Tronconce, der schon zu Anfang der Oper singend auf dem Schlachtfeld stirbt.

Der Handlung ist dann schwer zu folgen. Die kurze Inhaltsangabe des 3-stündigen Dramas ist nur in englisch auf 2 Bookletseiten abgedruckt, der Text der Oper selbst nur in Italienisch. Das hilft nicht weiter.

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Dann aber musste ich beim Hören manchmal zusammenzucken. Auf der CD 1, Track 1 im langsamen Teil der “Sinfonia” hatte ich zum ersten Mal den Verdacht, dass die Instrumente nicht richtig gestimmt sind. In Track 5 (Arie von Egaro) klingen Flöte und Geige ebenfalls sehr ungewöhlich oder passen stimmlich überhaupt nicht zueinander.

Die Altistin Fernanda Piccini hat mir sehr gut gefallen. Sie singt Zidiana, die Witwe des Kaisers, ganz hervorragend weich und natürlich.

Marcello Lippi als General Siverino ist ebenfalls ein sehr angenehmer, leichter und lockerer Bass, z.B. in Track 9 auf der ersten CD.

Kleine Anmerkung am Rande: In den Details steckt dann doch der günstige Preis: Die Tracks sind im Booklet nur in der Übersicht, aber nicht im Text-Teil markiert. Da muss man sich das selber zusammensuchen. Und Siverino heißt auf der CD Rückseite “Sivenio”. Den Lektor hat man sich also auch gespart.

Über die Sänger oder gar das Orchestra dell’ Opera Barocca del Teatro di Guastalla unter der Leitungvon Sandro Volta erfährt man außer diesem Namen im Booklet rein gar nichts. Es ist aber ein relativ kleines Orchester, spielt sehr zurückhaltend, vorsichtig, teilweise sogar brüchig, insgesamt sehr angenehm.

Wenn nur das mit der Stimmung der Instrumente nicht wäre. Z.B. Track 14 auf der 1. CD (Solo von Zidiana) oder die 2 Violinen in Track 15 der 2. CD (Zelinda). Und im Verlauf des letzten Titels dieses Aktes und der 2. CD, in Track 25, spürt man der Solovioline regelrecht ihre Müdigkeit an.

Auf der 3. CD, im 3. Akt, Szene 4, singt der Premierminister Cino, der Alt Angelo Manzotti, eine offensichtich sehr herausfordernde Arie. Möglicherweise geht mir der Sachverstand dafür ab, aber für mich sind die Koloraturen sehr schwer erträglich. Und ich musste hin und wieder aufjaulen, weil ich den Verdacht hatte, dass Herr Manzotti den richtigen Ton (Alt!) dann doch nicht so richtig getroffen hat. Vielleicht bin ich aber auch überempfindlich. Kann ja sein.

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Alles in allem: Sorgfalt kostet Geld. An der hat man es hier an manchen Stellen mangeln lassen. Offensichtlich hat auch niemand die gröbsten Schnitzer bemerkt und eingegriffen. Man kann bei solchen Aufnahmen wohl doch nicht immer die höchste Qualität verlangen. Angesichts des Preises sowieso nicht. Das wäre ein Wunder. Zweitausendeins verlangt für die 3er CD € 5,99. Aber gegenüber anderen (Lizenz-)Veröffentlichungen von Brilliant Classics (Mahler unter Inbal mit den Frankfurtern (die großartigen Denon Aufnahmen aus den 80ern, 15 CDs, € 27,80!), Schütz, Haydn, Shostakovich, Rodrigo, Corelli, Albinoni, Telemann, usw.) fällt Il Teuzzone schon ziemich ab.

Finde ich.

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