Ramuz

Mal wieder ein Kommentar zum Buch: C. F. Ramuz, Besuch des Dichters, Limmat Verlag, Zürich 1987. 120 Seiten.

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Schwierig, schwierig.

Wer ist Charles Ferdinand Ramuz?

„Französischsprachiger Schweizer Schriftsteller *24.9.1878 Lausanne, †31.5.1947 Pully. Charles-Ferdinand Ramuz gilt als Vater der französischsprachigen Schweizer Literatur. Sein Werk ist geprägt von dem Bemühen um eine authentische, unmittelbare Sprache. Während seiner langen Jahre in Paris wurde ihm bewusst, wie sehr der heimatlichen Landschaft und ihren Menschen eine eigene literarische Sprache und Ausdrucksweise fehlten. In bewusster Distanzierung von der klassischen französischen Hochsprache schuf er ein archaisches Werk voller ursprünglicher Sprach- und Zeichenkraft.“ (Zitat aus Amazon / Hardenberg)

Und da haben wirs: Die Sprache ist holzschnittartig, fast grobschlächtig, störrisch, unelegant. Schwer, sich damit anzufreunden. Wenig einladend. Eigenbrödlerisch, erweckt den Eindruck von „tiefem Ernst“ und Echtheit.

So charakterisiert er durch die Sprache auch die französisch-schweizerischen Dörfler, die sich natürlich umgekehrt genauso wenig eloquent äußern. Und seine Sprache soll vermutlich die unzugängliche Landschaft und die Schroffheit der Berge und der bäuerlichen Tätigkeit wiederspiegeln. (Die kommen ja eh nur dem Außenstehenden und naiven Touristen als lieblich und romantisch-geheimnisvoll vor.) Die Analogie von Berg und Bergbewohner setzt Ramuz ausdrücklich (S. 45): „Und er steht, wie der Berg steht. (…) Denn er ist der Berg, aber er ist auch das Bewusstsein des Berges…“.

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Ich hatte bei diesem Text ein ungutes Gefühl und Missbehagen. (Man kann das heute ja auch nicht mehr unbefangen lesen.) Ein Dichter taucht in das „einfache Leben“ der Weinbauern in Savoyen ein, beschreibt ihr „einfaches“ und „hartes Leben“, verwendet kunstvoll geformte „einfache Worte und Sätze“, die den Anschein erwecken und für sich in Anspruch nehmen, schon deshalb „wahr“ zu sein, weil sie einfach sind. Aber das ist natürlich naiver Quatsch.

Zwischendurch habe ich mich gefragt, welcher Anteil des Textes von Ramuz ist und welchen Anteil der schweizer Übersetzer daran hat. Und habe mir dann einige Textstellen in schweizerdeutsch vorgelesen. Das hat dann schon irgendwie geholfen.

Es gibt unbekannte Wörter, die man nachschlagen hätte können (Berglehne?), hat man aber nicht.

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Es geht in dem Text um das schwere Leben der Berg- und Weinbauern in den 20er Jahren, das der Dichter, der ins Dorf kommt, beschreibt. Vom Berg herunter gibt er immer mal wieder schöne Beschreibungen des (Genfer?) Sees. Ansonsten sind es kurze Liebschaften und kleine Alltäglichkeiten, über die er berichtet. Die Geschichte kulminiert in einem ausschweifenden Winzer- und Schützenfest mit Musik, Kanonen, Glockenläuten…

Ja, Ramuz hat offensichtlich der französisch-schweizerischen Landschaft eine eigene Sprache gegeben. Vor 80 Jahren. Heute klingt das sehr erdig und archaisch. Sehr weit weg.

Schwierig.

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